Exstudentin im SWR: „Mal ehrlich..“

Am 6. September gab es im SWR um 22 Uhr die erste Sendung der Show „Mal ehrlich..“ zu sehen. In der alten Feuerwache in Mannheim versammelten sich rund 60 Gäste, um über das Thema „… macht mich meine Rente arm?“ zu diskutieren. Wie der Titel meines Beitrags bereit verrät, saß ich im Publikum und kam sogar rund 3 Minuten zu Wort!

Meinen Fernsehauftritt könnt ihr euch in der ardmediathek online ansehen (etwa ab 25 Minuten). Heute möchte ich euch verraten, wie ich da gelandet bin und wie der Dreh ablief.

Mal ehrlich

Wie ich dort gelandet bin

Um an der Show teilzunehmen, kann man sich entweder mit Anmeldung kostenlos ins Publikum setzen und spontan an der Diskussion teilnehmen oder man bewirbt sich mit seiner Lebensgeschichte. Da es die erste Show war, suchte eine Agentur gezielt nach interessanten Teilnehmern. Dabei wollte man verschiedene Standpunkte darstellen: So suchte man z.B. Rentner, die mit ihrer Rente gut klar kommen und Senioren in Altersarmut. Ebenso kamen Geringverdiener oder Mütter zu Wort, die kaum Rente zu erwarten haben. Da man durch einen Blogartikel auf mich aufmerksam wurde, wurde ich per Mail gefragt, ob ich nicht als Vertreterin der jungen Generation teilnehmen möchte. So eine Frage streichelt das Ego und ich sagte zu.

Ich hatte mehrere Telefoninterviews mit der Agentur und wurde über meinen Standpunkt ausgefragt: Wie sorge ich fürs Alter vor, wann will ich in Rente, wie viel investiere ich, muss ich für eine hohe Sparquote auf Urlaub verzichten, wie läuft das bei meinen Eltern etc. Da der Moderator der Show sich gut vorbereiten muss, wurde quasi eine Art Profil von mir erstellt (mit Foto), sodass er in der Show weiß, wer vor ihm sitzt und wonach er fragen kann. Gleichzeitig konnte die Agentur dadurch darauf achten, dass die geladenen Gäste einander nicht zu ähnlich sind. Mein Zugticket wurde mir vorab gebucht, es gab eine Kostümempfehlung (nicht komplett schwarz oder kariert) und ich musste einfach nur in Mannheim erscheinen.

Ablauf der Show

Die Sendung wurde am gleichen Tag der Ausstrahlung um 18:00 Uhr aufgezeichnet. Ich machte an dem Mittwoch schon um 13:00 Uhr Feierabend, um gegen 16:00 Uhr in Mannheim zu sein. Die 8 geladenen Gäste trafen sich in einem Café, wo Getränke und ein paar Häppchen zur Verfügung standen. Wir lernten den Moderator, die Aufnahmeleitung und die nette Dame von der Agentur kennen, die uns ausgewählt hatte. Dabei kamen wir Gäste untereinander und auch mit dem Personal ein wenig ins Gespräch. Wir mussten alle einen Zettel unterschreiben, dass das SWR die Aufnahme veröffentlichen/vermarkten darf und wir keine Rechte daran geltend machen werden. Ebenso bekamen wir eine kleine Aufwandsentschädigung in bar. Gegen 17:15 Uhr machten wir uns auf ins Studio. Wie die meisten war ich ein wenig aufgeregt: Wenn man irgendwas „Falsches“ sagt, bleibt das für die Ewigkeit. Bis auf eine Dame waren wir alle TV-Neulinge.

Wir wurden ein wenig abgepudert und gleichmäßig im Publikum verteilt. Entsprechend der Location konnten sich alle an der Bar kostenlos etwas zu trinken holen, wobei wir während der Show nicht mehr aufstehen und umherlaufen sollten. Der Moderator stellte sich dem Publikum vor, es gab ein paar Tonproben und um Punkt 18:00 Uhr ging die Aufzeichnung los.

Das Programm an sich war definiert (Statistiken, wann welches Video gezeigt wird und welcher geladene Gast zu Wort kommt) – uns als Publikum war die Agenda aber nicht bekannt. Uns wurde vorab gesagt: So eine Diskussion ergibt sich und durch die Wortmeldungen im Publikum kann die Show auch immer mal in andere Themen abtriften. Ggf. kämen aufgrund der kurzen Aufnahmezeit von 1 Stunde nicht alle geladenen Gäste zu Wort. Wann genau wir angedacht sind oder was wir gefragt werden, wussten wir auch nicht. Wir sollten so authentisch und spontan wie möglich bleiben und nichts auswendig aufsagen. Die Diskussion entstand vor allem durch die 2 geladenen Politiker: Leni Breymaier, SPD-Landesvorsitzende Baden-Württemberg und Johannes Steiniger, Vorsitzender der Jungen Union Rheinland-Pfalz. Sobald man also Kritik am Rentensystem äußerte, gab es auch der Richtung ein „Aktuell ist doch alles gut so.“, weswegen auch ich dann aufgebracht meinen Senf abgab.

Exstudentin swr

Der Moderator Florian Weber lief dabei souverän durchs Publikum und achtete darauf, dass jeder zu Wort kam. Funfact: Im Hintergrund stellte ihm sein Team immer mal ein Stuhl an den Tisch, sodass er sich zu den Gästen setzen konnte. Der Stuhl wanderte stets durch den Raum.

Am Ende der Show wurde mit allen geladenen Publikumsgästen ein Foto gemacht und ich trat schon wieder die Heimreise an. So konnte ich auf Facebook und bei Freunden noch ein wenig Werbung machen und mir die Show ab 22 Uhr dann selbst im Fernsehen anschauen. War ein wenig komisch, sich selbst zu sehen.

Inhalt + Gäste + persönliches Fazit

Die Show hat mir wirklich Spaß gemacht, vor allem, da die Agentur sehr nett war. Es wurde nichts geschnitten und viel Wert auf die Meinung der Leute gelegt. Keine Schauspieler, keine verdrehten Worte im Mund. Dank Nico von Finanzglück konnte ich das Vorsorgesystem der Schweden und Norweger als Alternative in den Raum werfen. Auch das Rentensystem in Österreich und der Schweiz muss ich mir bei Gelegenheit mal genauer anschauen, da in der Show ein wenig darüber erzählt wurde. Die Gäste selbst waren gut gewählt:

  1. Eine Witwe, die mit Hartz4 leider schlechte Erfahrungen machen musste, da man wie ein Mensch 2. Klasse behandelt wird.
  2. Eine Friseurin, die rund 458€ Rente zu erwarten hat.
  3. Ein Herr von der Autobahnmeisterei, der von den gefährlichen Arbeitsbedingungen berichtet.
  4. Eine Vater, der vorm Bundesverfassungsgericht klagt, dass Eltern während der Kindererziehung weniger Rentenbeiträge zahlen sollten.
  5. Eine Lehrerin (für Flüchtlinge), die nur befristet angestellt ist und als Scheinselbstständige auch die Arbeitgeberanteile der Sozialversicherung zahlen muss (also quasi doppelt so viele Abzüge wie normale Arbeitnehmer)

Bei solchen Geschichten wird man demütig. Viele haben nicht die Möglichkeit, ausreichend privat vorzusorgen. Vor allem Mütter, die oft einen geringen Stundenlohn haben und dann auch noch in Teilzeit arbeiten, haben quasi keine Chance, ein adäquates Rentenniveau zu erreichen.

Obwohl Politiker mit dabei waren, lag der Fokus der Sendung nicht auf Politikerfloskeln. Vor allem Leni Breymaier war mir menschlich sympathisch, auch wenn ich nicht allem Gesagtem zustimme. Finde es gut, wenn Menschen sind politisch engagieren. Jammern können die meisten, Verbesserungsvorschläge hingegen bringen nur wenige.

Was sagt ihr zum Thema Altersarmut? Habt ihr die Show gesehen?

 

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60 Gedanken zu “Exstudentin im SWR: „Mal ehrlich..“

  1. Hi Jenny,

    ich habe erstmal bis zur Straßenmeisterei geschaut. Ich finde auch die Renten müßten gerechter
    verteilt und Eltern (besonders Alleinerziehende) besser unterstützt werden. Laut der Sendung funktioniert das in der Schweiz und es wird sogar ein Rentenlimit nach oben von den Besserverdienenden in Kauf genommen um eine menschenwürdige Grundrente zu sichern.

    Ich glaube dein engagierter Beitrag wurde gar nicht richtig verstanden bzw. fehlt hier einfach allgemeines Wissen über die Börse. Es wird ja so dargestellt, als könne der nächste Crash alles an der Börse investierte Kapital vernichten. Zudem kann die Börse kurzfristig sehr stark schwanken, auf Jahrzehnte kann aber doch mit großer Sicherheit eine positive Rendite erwartet werden, auch das ist dem Fachmann scheinbar nicht bekannt.
    Ich hätte mir auch ein schwedisches Modell gewünscht, in welchem ein kleiner prozentualer Teil in Aktienfonds angelegt wird, jedoch staatlich schlank verwaltet. Stattdessen hat in Deutschland der Lobbyismus gewonnen. Walter Riester war nach seiner Amtszeit Mitglied im Aufsichtsrat von Union Investment und mehrmaliger Gastredner bei Maschmeiers AWD. Noch Fragen?
    Nun sind nicht nur diejenigen die Leidtragenden, die ihr Geld in meist schlecht rentierenden Riester Verträgen ihr Geld anlegen und im schlimmsten Fall bei Anrechnung auf die Grundsicherung ihr Geld nicht wieder sehen. Alle anderen, die keinen Riestervertrag haben, müssen ebenso die Zulagen und Steuervergünstigugen mitfinanzieren.

    Ich denke Frau Breymaier ist eine anständige kämpferische Frau und Herr Steiniger ein junger Schnösel, der seine Schäfchen jetzt schon im trockenen weiß.

    Wenn ich mit fast 40 wenigstens noch 20 Jahre arbeiten kann und Arbeit habe, sollte mein Kapitalpolster für eine auskömmliche Rente genügen. Ob es genug ist, um gar nicht mehr auf einen staatlichen Anteil angewiesen zu sein ist jedoch unsicher. Von daher bleibt ein bangen, dass dieses System auch noch in ein paar Jahren Jahrzehnten halbwegs funktioniert.

    Viele Grüße,
    Ruben

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    • Ich war negativ überrascht, welches Bild die beiden Politiker von der Börse hatten. Letztlich basiert eine betriebliche Altersvorsorge auch auf Fonds. Wie du sagst: Schlanke Produkte sollten das Ziel sein. Bei vielen Versicherungsverkäufern steht die eigene Altersvorsorge im Vordergrund und das eingezahlte Geld kann durch Abschlussgebühren, Verwaltung etc. nicht wirklich arbeiten.

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  2. Hut ab Jenny! Finde ich sehr mutig von dir. Leider sieht man am Kommentar der Politikerinnen, wie auch am anschließenden Statement von Herrn Sell, dass diese Leute absolut null Ahnung von Geldanlagen, Börse, etc. haben. Die erste führt sofort die Finanzkrise als Gegenargument an und der zweite setzt die Geldanlage an der Börse mit Geldanlage in einer Versicherung gleich… was mir direkt wieder gezeigt hat, dass Politiker entweder null Verständnis für die private Geldanlage haben oder die Leute bewusst für dumm halten möchten.

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    • Ich denke, Politiker haben viele Punkte auf ihrer Agenda und vernachlässigen deswegen einiges an Grundwissen. Es sollten sich Experten um ein solch wichtiges Thema kümmern. Keine Politiker, die aus Prinzip ein veraltetes System verteidigen.

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    • Null Verständnis oder Leute bewusst dumm halten? Denke ich beides nicht.
      Ich würde sogar behaupten, dass die genau wissen was sie tun und einfach nur ihr EIGENES Ziel konsequent verfolgen!
      Die Frage ist ganz einfach wie so oft: Was wollen die? In dem Fall einfach möglichst viele Stimmen bei der Wahl. (Und später dann möglichst mal einen lukrativen Sitz in einem Aufsichtsrat.)

      Wie viele Stimmen würde es wohl kosten/bringen wenn sich ein Politiker hin stellt und verkündet, dass sich jeder selbst um seine Altersvorsorge kümmern muss und dafür sein Geld an der allgemein nicht wirklich angesehenen Börse anlegen soll?
      So eine Aussage würde ein Politiker wohl sofort bereuen wenn ihm jemand das Totschlagargument Finanzkrise an den Kopf wirft und und er erst mal doof da steht – ansonsten wohl spätestens wenn wirklich mal die Kurse zurück gehen und ihm seine Aussage dann vorwurfsvoll um die Ohren gehauen wird.
      Ich vermute die Wähler wollen da mehrheitlich einfach viel lieber die Zusicherung hören, dass sich die Politiker da schon fürsorglich um sie kümmern und doch letztendlich alles gut ist…

      Nicht vergessen: Es geht um Politik – nicht um Vernunft! 😉

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      • Ich glaube, Frau Breymaier weiß es wirklich nicht besser. Stammtischparolen „Die Krise hat gezeigt: Die Börse ist böse!“ schwirren in vielen Köpfen rum. Dass sie ein bestehendes System verteidigen, ist aus Politiketsicht ligisch: Wäre etwas untragbar schlecht, müsste man im Wahlprogramm Besserung geloben..

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      • Politiker sollen „die Börse“ nicht anpreisen, sie sollen sie nur bitte nicht pauschalisierend schlecht reden und mit Crash-Szenarien in Verbindung bringen. Das ist es, was mich aufregt. „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten“…sollte da das Motto sein. Nicht reden, ist bei Politikern aber undenkbar.

        Vernünftig würde ich es beispielsweise finden, wenn Anlagen in Aktien ab einer bestimmten Haltezeit wieder steuerfrei werden, so wie noch vor 2008. Oder wenigstens deutlich niedriger besteuert werden (wie es in US, GB, Australien, etc. der Fall ist). Das würde die langfristige private Altersvorsorge wirklich fördern. Die richtigen Voraussetzungen zu schaffen, dass sollte Aufgabe der Politik sein. Nicht die Beurteilung ob eine Geldanlage in Versicherungen, Aktien oder welches Finanzinstrument auch immer nun die bessere Geldanlage darstellt.

        Stattdessen werden wir steuerlich genauso behandelt wie der computergesteuerte Hochfrequenzhandel von Banken & Co.

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      • @Divendo: Der Privatanleger wird schlechter behandelt. Ein Unternehmen kann seine Aktivitäten an der Börse von der Steuer absetzen. Unsereins muss den Aktienkauf aus dem Nettogehalt berappen, soll aber Steuern zahlen, als hätte er den Aktienkauf steuermindernd geltend gemacht.

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      • @couponschneider: Da hast du natürlich recht! Hatte ich „in meiner Rage“ ausgeblendet. Verschärft die ganze Angelegenheit nur noch mehr….

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  3. Hallo Jenny,

    sehr,sehr gut. Du warst sehr souverän und hattest gute Ansatzpunkte. Warum unsere Politiker uns Bürgern bisher keine Kapitalgedekte Rente zutrauen, hat man an der überaus ängstlichen Resktion von Frau Breymaier gesehe. Für sie scheint Börse und Kapitaldeckung eine spekulative Geldvernichtung zu sein. Schade, dass noch nicht mal die Damen und Herren die unsere Vertreter in Berlin und im Landtag sind sich mit den Rentensystemen anderer europäischer Staaten auseinandersetzen. Und das traurige Thema Riester, Rürup und die nun so groß angepriesene neue Betriebsrente haben alle ganz geschickt umschifft.

    Du hast das super gemacht und genau den Nerv getroffen.

    Take care,

    June

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    • Danke für das Lob! Ursprünglich wollte man mich vermutlich beim Thema „gewünschtes Renteneintrittsalter“ zu Wort kommen lassen. Aber das Thema war mir viel wichtiger und es war echt Zufall, dass die passende Statistik an den Bildschirm geworfen wurde. Ich recherchiere gerne und in meine Artikel habe ich einige Tage Arbeit gesteckt. Deswegen versteh ich nicht, wieso ein offensichtliches Problem in der Politik ignoriert wird.

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      • Hi Jenny,
        das war also quasi ein kleiner Überfall von dir. Wenn ich es mir so überlege, und ich habe alles gesehen, dann war deine Meldung genau richtig. Das ist wirklich gut argumentiert und platziert gewesen. Wie man an den Reaktionen der Politiker gemerkt hat. Dein geplantes Renteneintrittsalter wäre, da du ja noch sooooo jung bist, nicht so ernst genommen worden.

        Das du alle deine Artikel super genau recherchierst merkt man, wie ich finde, an jedem einzelnen. Darum lese ich sie auch so gerne.

        Take care,

        June

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      • Ja, war ein kleiner Überfall. Wobei es das gute an der Show war, dass man sich als normaler Publikumsteilnehmer beteiligen konnte. Auch die Herren am Ende waren normale Zuschauer, die einfach ein wenig Contra geben wollten. Die Recherchen meiner Artikel haben mir bisher viel geholfen. In den Medien oder durch unser Bildungssystem bekommt man leider vieles nicht mit.

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  4. Hey Jenny! Ich finde es super, dass du dich eingebracht hast und dort mitgemacht hast. Ich habe mir jetzt ehrlich gesagt nicht alles komplett angesehen, die ersten 10 Minuten und dann deinen Beitrag. Interessant fand ich, dass du das Rentensystem als Schneeballsystem bezeichnet hast.

    Ich finde das Thema sehr schwierig. Ich bin auch Mitte 20 und baue jetzt schon Vermögen für mein späteres Leben auf, sowie dass ich mehr über den Umgang mit Geld lerne und darin besser werden will. Dabei gucke ich mir an und ab, was Vermögende anders machen und was ich von ihnen bzgl. Geld lernen kann. Das ist der Grund, warum ich Bücher lese und jeden Tag Finanzblogs.* Ich sehe mich auch als gleichberechtigte Frau an, selbstbestimmt und eigenverantwortlich. Mir fällt es schwer, bei solchen Debatten dann zuzuhören, weil ich diese destruktiven Denkweisen nicht nachvollziehen , geschweige denn übernehmen will. Deswegen hatte ich Probleme, weiter zu sehen. Ich finde es super, dass du dort warst. Es müssen mehr junge Leute dort sprechen. Die Menschen müssen lernen, früh Verantwortung zu tragen und sich mit diesen wichtigen Themen auseinandersetzen.

    Dieses Lernen betrifft auch viele andere Bereiche. Z.B.: Wie gewinnt man Freunde? Wie baut man eine Partnerschaft auf? Wie ernähre ich mich gesund? Wie beuge ich Krankheiten vor? Was machen erfolgreiche Menschen anders? Wie baue ich Vermögen auf und sorge vor? Sich damit zu beschäftigen, ist so existenziell wichtig wie das Atmen, und es ist mir ein großes Rätsel, warum so viele Menschen sich damit nicht befassen bzw. die Kompetenz dafür abgeben (wollen.)

    Viele Grüße aus BaWü

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  5. Moin Jenny,

    bei der Beurteilung von veröffentlichten Demografie-Grafiken wie in der Sendung hilft mir immer, auf dem Blog von Björn Schwentker vorbeizusehen. Schwentker ist ein engagierter Datenjournalist, ernsthaft und nachdenklich (ein Ex-Bürokollege) – ohne Scheu vor unbequemen Wahrheiten und unpopulären Analysen. z.B. hier:
    http://www.demografie-blog.de/2013/10/demografisierung-statt-wahrheit/

    Bei Demografie-Statistiken ist es zwingend zu wissen, woher die Daten stammen. Ohne Quelle keine seriöse Analse. Demografische Daten sind anfällig für Interessens-Manipulationen jeder Art. Sie werden dazu gern missbraucht.

    Dass das System, der Gedanke des Umlageverfahrens die Altersarmut nicht befördert, hat Prof. Sell erklärt. Es ist der Umgang mit dieser sozialen Absicherung in Deutschland, die dazu führt (und schizophrener Weise u.a. ausgelöst wurde durch eine Koalition aus SPD und Grünen – gemeinsam mit AWD und Konsorten). Es lohnt sich, sich mit dem Österreichischen System zu beschäftigen.

    Meine Top-Buchempfehlung dazu: Stefan Mekiffer „Warum eigentlich genug Geld für alle da ist“.
    Wer dieses Buch wirklich liest, entdeckt Geld, soziale Absicherung, Interessenpolitik nochmal neu.

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    • Ich nutze gerne Statista, um Zahlen zu bekommen. Wegen des demographischen Wandels und möglicher Reaktionen darauf, kann man viel philosophieren. Werde mir das österreichische System auch mal anschauen, ein Leser hat mir dazu beteits was geschickt. Ich sag immer: „Es wird schon keiner verhungern.“

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      • Philosophieren ist schön. Lass uns beim Thema Rente aber lieber analytisch bleiben.
        M.E. ist es für eine Beurteilung der Lage wichtig, Rente aus volkswirtschaftlicher Perspektive zu sehen und zu analysieren, und dann auf den Einzelnen herunter zu brechen.

        Geld ist genug da. Schau dir die Billionen an Vermögen an. Nur: Es ist schief verteilt. Siehe: Immer weniger haben immer mehr. Nur: Haben diese Menschen das selbst (!) – und das meine ich wörtlich – erarbeitet? Nein, es sind diejenigen, die – mal steil formuliert und vereinfachend – Mindestlohn beziehen oder einen niedrigen Arbeitslohn. Deswegen steigen Gewinne, steigen Vermögen bestimmter Menschen. Obwohl – und das finde ich entscheidend – es andere (!) erarbeitet haben.

        Hier anzusetzen ist für mich der entscheidende Punkt.

        Das Produktivkapital einer Gesellschaft bleibt immer gleich, ob mit Umlageverfahren oder jeder (versucht) selbst mit Aktien etc. vorzusorgen (wer schlau genug ist! Siehe Bildungschancen in Deutschland).

        Wer das verstanden hat, erkennt, was unsere Politiker tun, und warum das System – wenn wir es so weiter machen – viele Verlierer kennen wird. Die v.a. weiblich sind.

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      • Hi Dani,
        analysiert habe ich bei der Rente viel (https://exstudentin.wordpress.com/2016/01/04/ein-paar-zahlen-zur-rente-2014-in-deutschland/) und trotzdem wird es automatisch philosophisch, wenn es darum geht: „Was verdient ein Mensch“? Natürlich gibt es arm und reich und wer ein Unternehmen aufbaut, hat oft eine Menge Zeit und Nerven investiert, bevor überhaupt mal Geld hinten rauskommt (die Erfahrung machst du gerade vermutlich auch). Wer damit reich wird, dem sei es gegönnt. Es gibt genug Leute, die mehr verdient haben als auf dem Lohnzettel oder in der Renteninformation steht. Gleichzeitig kann man aber nicht sagen, dass Arbeit gleich viel Wert ist und das jeder gleich viel zum Leben braucht. Ich könnte den Job einer Kassiererin machen, aber sie nicht meinen. Trotzdem respektiere ich ihre Arbeit und bin die erste die sich freut, wenn der Mindestlohn erhöht wird. Ich finde es schlecht, dass immer mehr Stress in jeden Beruf gebracht wird und man damit die Leute gesundheitlich zugrunde richtet und vergisst, dass Menschen keine Maschinen sind.

        Eine Mindest- und Maximalrente ist wie der Mindestlohn sinnvoll, ja. Aber wenn wir vom Lebensunterhalt sprechen, sehe ich da nicht einfach nur Geld. Leute brauchen eine Wohnung, Essen, Medikamente und Kleidung. Wie viel Geld dahinter steckt, kommt auf die Region und viele Lebensumstände an: Wer wohnt mit im Haushalt? Gibt es Nahrungsmittelunverträglichkeiten? Welche gesundheitlichen Probleme bestehen?

        Ich z.B. könnte von 40h pro Woche bei Mindestlohn leben und sogar noch 50€ sparen. Frugalist Oli würde knapp 500€ jeden Monat beiseite legen. Jemand anders wiederum mit Kindern, höheren Fahrtkosten oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten käme mit dem Geld nicht zurecht. Wie ich schon ein paar Mal geschrieben habe, wünsche ich mir deswegen für alle bezahlbaren Wohnraum, weil das der größte Kostenpunkt in Deutschland ist. Ich weiß, dass viele Blogger und vielleicht auch ich das aus Vermietersicht ziemlich blöd fänden, weil man als Vermieter ohnehin schon kaum Gewinn und oft noch Verlust macht. Gleichzeitig sollte es (es muss ja nicht gerade in gefragten Gegenden sein) mehr staatliche Sozialbauten / staatlich geförderten Wohnraum mit guter Verkehrsanbindung geben. Ob man Geld nun an der Börse investiert oder nicht, ist für mich ein Nebenschauplatz. Ich mach’s, weil ich eben muss, wenn ich mal Kinder haben möchte und mich auf den Staat nicht verlasse.

        Altersvorsorge und Lohn sind ein emotionales Thema. Jeder sollte ohne Existenzängste leben können. Ich hatte sie in meiner Jugend, was für mein restliches Leben ein super Motivator war.

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  6. Hallo Jenny,

    Du schreibst:

    „Bei solchen Geschichten wird man demütig. Viele haben nicht die Möglichkeit, ausreichend privat vorzusorgen. Vor allem Mütter, die oft einen geringen Stundenlohn haben und dann auch noch in Teilzeit arbeiten, haben quasi keine Chance, ein adäquates Rentenniveau zu erreichen.“

    Diese Einstellung finde ich super. Bei aller Euphorie für den Vermögensaufbau in Eigenregie: Es gibt viele Menschen, die können die Altersarmut aus eigener Kraft nicht
    abwenden. Sie sind auf die gesetzliche Rente angewiesen. Andere könnten es vielleicht,
    wenn sie wollten. Ihnen fehlt aber die mentale Kompetenz, um an der Börse erfolgreich zu sein. Sie schaffen es nicht, die Emotionen zu kontrollieren. Ich glaube, das kann man nur bedingt trainieren. Manche Menschen sind für die Geldanlage in Eigenregie einfach nicht geschaffen. Klar, es gibt auch viele, die sind einfach nur zu bequem und wollen sich damit nicht beschäftigen.

    Wie kommst Du darauf, dass das Umlageverfahren ein Schneeballsystem sein soll, das „crashen“ muss? Das verstehe ich nicht so recht. Warum funktioniert es dann in Österreich? Haben die Österreicher nicht eine mit D vergleichbare Alters- und Erwerbstätigenstruktur ihrer Gesellschaft?

    Dass das Rentenniveau in D im Vergleich zu Österreich so drastisch abgesenkt wurde,
    ist die Folge politischer Fehlentscheidungen, die mit der rot-grünen Koalition 1998
    ihren Anfang genommen haben und bis heute nicht korrigiert worden sind. Die Erfindung der privaten Säulen der Altersversorgung (Riester, Rürup, betriebliche Altersversorgung)
    hat die gesetzliche Rentenversicherung schwer beschädigt. Diese Fehlentscheidungen können (und müssen) zurückgenommen werden. Jedenfalls, wenn man nicht möchte,
    dass in D in 20 Jahren jeder zweite in Altersarmut lebt.

    Dass eine kapitalgedeckte Altersvorsorge auch sinnvoll sein kann, zeigt das Beispiel
    Norwegen. Der Staatsfonds hat eine geringe Kostenquote und überlasst die Anlage
    nicht der Finanzindustrie. Für einige Berufe gibt es auch in D eine kapitalgedeckte Altersvorsorge in den Versorgungswerken. Die unterliegen aber regulatorischen Beschränkungen und können die Aktienquote auf maximal 35 % herauffahren. Ein Teil kann auch in Immobilien angelegt werden, aber knapp die Hälfte des Vermögens muss in Anleihen gesteckt werden. Deshalb wird die anhaltende Niedrigzinsphase voraussichtlich auch bei den Versorgungswerken zu Rentenkürzungen führen. Es kommt also auch bei kapitalgedeckten Systemen sehr auf die Umsetzung an. Schlechte kapitalgedeckte Systeme erscheinen mir nicht sicherer als gute Umlageverfahren.
    Die Norweger machen das schlauer und haben eine Aktienquote in fast doppelter Höhe.
    Von den entsprechend höheren Erträgen werden sie noch viele Generationen zehren können.

    Viele Grüße

    Colibri

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    • Hi Colibri,
      mit dem Rentensystem unserer Nachbarn muss ich mich noch auseinander setzen. Wegen des Crashs: Das Verhältnis Arbeitnehmer zu Rentner wird immer kleiner. 2:1 und bald noch schlimmer. Das sind im Schnitt 1000 Euro für jeden Rentner bei einer Einheitsrente für alle. Davon gehen Krankenkasse und Steuern ab, sodass für Wohnen, Medikamente und Co. wenig übrig bliebe.

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      • Moinsen Jenny!
        Hier fehlt aber eben der Mut weiter zu denken: Wenn man schon mit der Vergangenheit vergleicht ist der Vergleich Arbeitnehmer:Rentner zu kurz gegriffen. In den „goldenen“ Zeiten des Wirtschaftswunders hat ein Arbeitnehmer mehr Menschen getragen als heute – eben weil Frauen im Normalfall nicht erwerbstätig sind/waren und es mehr Kinder gab. Die Richtige Vergleichsgröße müsste also Arbeitnehmer:Nichtarbeitnehmer sein. Wenn man dann die steigende Produktivität einrechnet (danke ihr tollen Maschinen!) sollte es garkein Problem sein das Rentenniveau noch lange konstant zu halten…

        Das aber hören weder Wähler noch Parteien noch Versicherungsunternehmen gerne.

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      • Alle Frauen, die nun einzahlen, wollen auch mal Rente..

        In einem anderen Beitrag von mir habe ich über die Altersverteilung berichtet: https://exstudentin.wordpress.com/2016/01/12/wie-koennte-das-rentnerleben-in-ein-paar-jahrzehnten-aussehen/

        Letztlich muss in Deutschland keiner hungern oder frieren. Aber die Ansprüche steigen immer mehr. Künstliche Hüfte, ärztliche Behandlungen, Pflegekraft, Auto, Eigenheim, Kleidung, Tupperware, Unternehmungen..

        Ich denke mir auch oft, dass wir super produktiv sind und dadurch weniger arbeiten müssten. Stattdessen kaufen die Leute einfach viel mehr als früher und es wird viel weggeschmissen, um das auszugleichen.

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    • Mal eine Frage: Woher wissen wir, dass es denn in Österreich funktioniert? Weil potentielle Rentenempfänger im Keller versteckt werden?

      Die Höhe der Rente kann ja nicht das Kriterium sein. So denken wir doch auch nicht bei der Dividendenrendite. Was ist, wenn die Ausschüttungsquote der Aktiengesellschaft über 100 % ist? Die Dividendenrendite mag vielleicht bei 6 % liegen, aber ist das besser? Wer sagt mir, dass die Österreicher ihre Rente nicht auf Pump finanzieren und der große Krach noch kommt?

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  7. Hi Jenny,
    leider viel zu kurz. Ich muss mich anschließen, die kapieren das mit der Börse nicht. Wer nach dem letzten Crash (und denen davor) stur weiter investiert hat, steht gar nicht so schlecht da. Aber unsere Politiker sind leider Finanzalphabeten.

    Hättest ja ein T-Shirt mit deinem Blog anziehen können, das bringt ordentlich Traffic^^

    LG Alexander

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  8. Hi Jenny,

    mein Kommentar mit dem Link zum Datenjournalisten Björn Schwentker scheint verschwunden zu sein. Dabei ist es wichtig, die Sache mit der Statistik, vor allem der so oft manipulierten Demografie-Statistik wie bei der guten SWR-Diskussion, an der Du teilgenommen hast.
    Bei solchen Statistiken ist die Quelle entscheidend und die Interpretation. Mit Statistik lassen sich wirklich (fast) alle Argumente untermauern. Selbst wenn sie faktisch falsch sind. Jeder, der Statistik im Studium hatte und wissenschaftlich gearbeitet hat, kann davon ein Liedchen singen.

    Hier noch ein interessanter Kommentar von dem geschätzten Kollegen Norbert Häring:
    http://norberthaering.de/de/buchtipps/886-rentenluege
    (Rentenlüge bezieht sich auf die Lügen von Politik und interessengeleiteter Wirtschaft)

    Grüße!
    Dani

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  9. Super Engagement. Mir gefällt auch die Beschreibung darüber wie alles organisatorisch im Hintergrund ablief.

    Was mir allerdings in den Diskussionen der angebrachten Statistik von Einzahler zu Rentnern immer fehlt: Jedesmal kommt das Totschlagargument, wir hätten doch an Produktivität gewonnen und würden somit auch mehr Rentner bedienen können. Dass die Reallöhne seit Jahrzehnten nicht gestiegen sind und die Produktivitätssteigerung der deutschen Wirtschaft nie bei den Arbeitnehmern ankam, wieso erwähnt das nie jemand?

    Wenn man schon eine umlagefinanzierte Rente hat, dann muss doch ganz klar sein, dass die Löhne parallel zur Produktivitätssteigerung und dem Wachstum der Wirtschaft steigen muss. Höhere Löhne, mehr Geld im Pott.

    Und schon ist man beim Kernproblem der systematischen Zerschlagung von Gewerkschaften und der kontinuierlichen Profitablitätsoptimierung seit den 1970ern (Einfach mal beim Brown University Professor Mark Blyth reinhören, eine bessere Erklärung der globalen Zusammenhänge aller Probleme wird man wohl kaum finden können).

    Das ganze herumgeeiere mit Umlage + Kapitalrente oder hier und da mal einzelne Gruppen durch Mutterrente oder dergleichen zu fördern ist doch komplett am Problem vorbei geschossen.

    Ganz einfach: alle zahlen ein, vom Politiker bis zum Angestellten, es gibt eine Basisrente von der alle gut Leben können und wer mehr will muss halt im Leben etwas weniger konsumieren und auf die Seite legen. Funktionieren kann das aber nur wenn man auch etwas auf die Seite legen kann und das geht eben nur mit höheren Löhnen.

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    • Hi,
      ich geh sogar soweit, dass ich sage: Es ist egal, was Leute real verdienen. Beim Umlageverfahren wird das eingezahlte Geld aufgeteilt. Egal ob jeder 1000 oder 2000 Euro verdient: 10 Jahre später erhält man den gleichen Anteil vom Ganzen. Selbst wenn dieses „Ganze“ höher ausfallen sollte: Durch die dadurch herbei geführte Inflation kann man sich dadurch nicht mehr kaufen. In meiner Wohngegend z.B. sind 500-800k für ein EFH normal geworden, weil hier genug Leute gut verdienen.

      Ich vertrete deswegen einen anderen Standpunkt: Geld ist fast egal. Die Leute brauchen bezahlbaren Wohnraum, Medikamente, Essen und eine gute Infrastruktur. In wenig Taschengeld für private Belange (Kleidung, Annehmlichkeiten). Geld ist mir viel zu absolut betrachtet. Wenn eine Hausfrau 1200 Euro Rente bekommt, aber 1000 für die Miete in München ausgibt, wird sie trotzdem nicht zufrieden sein. Zudem werden Menschen im Alter sehr eigen: In den Medien gab es den Fall, dass eine Rentnerin Schminke geklaut hat, weil die Rente dafür nicht reichte. Da war ich sehr zwiegespalten. Leute achten sehr auf ihr Äußeres, sodass sie Schminke, Parfum etc. als Grundbedürfnis ansehen.

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  10. Gestern Abend kam das Thema auch in der ZDF Sendung Klartext auf, dort beantwortet Frau Merkel Fragen aus der Zuschauerrunde. Ab 17:40 geht es um eine Reinigungskraft, der in der Rente die Grundsicherung droht, obwohl sie 40 Jahre gearbeitet hat. Frau Merkel rät dazu bei einem Gehalt von 1050 EUR eine Riesterrente abzuschließen.

    Der Link sollte automatisch auf die entsprechende Stelle springen.

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    • Super Beitrag! Ich hoffe, dass das Thema Rentensystem in den Medien nun noch öfter thematisiert wird. Finde zudem solche Real-Beispiele wichtig. Egal ob mit oder ohne Kinderpause: Es kann nicht sein, dass man ein Leben lang arbeitet und dann so wenig Rente bekommt und was man sich mühsam selbst erarbeitet hat, dann ggf. noch auf die Grundsicherung angerechnet wird.

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  11. Sauber.
    Sehr gut reagiert ( auch mit dem Ausreden lassen!! ) .
    Da hast Du schon fundiertes Fachwissen vorgetragen. Leider haben die Politiker überhaupt nicht verstanden worum es ging , oder wollten es nicht verstehen. Wäre ja auch schlimm, wenn die Bürger alle anfangen würden, sich um Altersvorsorge selber zu kümmern, dann hätte man ja gar kein Druckmittel und Wahlthema mehr.

    Plutusandme

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    • Was ich schade finde, ist das das Thema ausgeblendet wird und darauf verwiesen wird, wie gut es unserem Land geht. Wie gut es einem Land geht, misst man eigentlich an denjenigen, die am wenigsten haben. Man muss hier nicht hungern, keine Frage. Ich bin gerne in Deutschland. Aber ich weiß, dass die Leute ihren Stolz haben und sich schämen, wenn sie sich vor dem Staat nackig machen müssen, um Almosen zu bekommen. Das gilt nicht nur für Rentner, auch schon davor.

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  12. Klasse Vortrag, Jenny!

    hat Spaß gemacht das anzusehen, allerdings Kriege ich bei diesem arroganten Politiker ziemlich Aggressionen…
    Ist euch aufgefallen, wie er mit verschränkten Armen da sitzt und fast schon schmollt als du ihn zurechtstutzt?
    bzgl dass er dich nicht ausreden lässt: getroffene Hunde und so…

    ich fand aber den Einwand von hr. Seller interessant (evtl kenne ich mich auch einfach nicht genug aus):
    was passiert mit der Rente in der Finanzkrise? Die muss ja trotzdem regelmäßig ausbezahlt werden und wenn deren gesamter Wert von der Börse abhängig ist, kann es schon ein paar heftige Jahre geben. Oder übersehe ich was?

    auch dieser blogbeitrag von dir ist Klasse geschrieben, bin das erste mal hier (aber wohl nicht das letzte 😉 ), hab dich bisher immer nur in Kommentaren bei Tim gesehen^^

    Mach weiter so!
    PS: bzgl. Der Wahl: gibt es denn ne Partei, die in deinen Augen langfristig genug denkt?

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    • Huhu, danke schön für das Lob!
      Wegen der Rente an der Börse: Ich denke nicht, dass wir nun zu 100% an die Börse stürmen sollten. Das ist lediglich einer kleiner Baustein zur Diversifikation. Stattdessen sollte man die Rente mehr vereinheitlichen (Mindest- und Maximalgrenze) und gleichzeitig die private Vorsorge ermöglichen statt diese auf die Mindestrente abzurechnen. Welche Motivation soll man für eine private Vorsorge haben, wenn einem das wieder weggenommen wird. Das gleiche Problem bei Hartz4: Wieso soll jemand stundenweise arbeiten, wenn man das wieder abgezogen bekommt und manch eine Familie von Hartz 4 besser leben kann als von einem Job mit Mindestlohn?

      Steuervorteile als Gegenmaßnahme sind bei geringem Lohn leider unnütz. Wer bei 1500€ brutto keine Steuern zahlt, dem bringen z.B. auch keine höheren Lohnsteuerfreibeträge für Kinder etwas.

      Wegen der Parteiwahl bin ich noch etwas unschlüssig. Die Erststimme vergebe ich nicht nach Partei, sondern nach Person und schaue mir das Wahlprogramm an. Z.B. gibt es in meinem Kreis eine Kandidatin, die sich für Familien einsetzt (kostengünstige / freie Kindergartenplätze, mehr Kindergeld, mehr Rentenpunkte auch für Mütter, die vor 1992 Kinder geboren haben). Geförderter Wohnraum in Ballungsgebieten, längerer Bezug von Arbeitslosengeld während Weiterbildungsmaßnahmen, mehr Rechte für Leiharbeiter etc.

      Die Zweitstimme wird für mich schwieriger. Die FDP ist immerhin dafür, dass private Vorsorge nicht auf die Grundsicherung angerechnet wird und wünscht sich mehr Flexibilität und Transparenz unserer Rentenbausteine. Kleinere Parteien klappere ich bei meinen Recherchen gerade noch ab. Mir sind andere Bausteine aktuell auch noch wichtig (z.B. Bafög für alle, Förderung von Familien, Wohnraum, bessere Integration von Flüchtlingen), weswegen ich im Wahlprogramm nicht nur auf das Thema Altersvorsorge achte.

      Egal, was eine Partei ich Wahlprogramm stehen hat: Ich denke, dass eine Partei – unabhängig vom Wahlprogramm – agieren muss, wenn Stimmen aus dem Volk lauter werden. Ich wähle deswegen bevorzugt kleine Randparteien, damit größere Parteien merken, dass sie den Halt im Volk nicht mehr haben, wenn sie nicht auch was dafür tun. Es gibt viel zu viele überzeugte CDU-Wähler, sodass die Parteien nicht wirklich für die Stimme kämpfen müssen.

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      • Rechts neben der CDU gibt es nichts mehr im Bundestag und diese ist mittlerweile links der Mitte. Das gilt es zu beseitigen, damit wieder echte Diskussionen herrschen und Alternativen diskutiert werden. Daher ist jede Partei angebracht, die das Interesse der Menschen vorrangig vertreten möchte, welche dieses Land aufgebaut haben und denen ein gutes Leben für ihre harte Arbeit versprochen wurde. Erst dann sollten alle anderen kommen. Wer den Goldesel schlachtet hat am Ende nichts mehr über.

        Ich bezweifle immer mehr, dass unsere jüngere Generation den Scheiß lange mitmachen wird, spätestens in 10 Jahren, wenn 2/3 mit Mitte 20 bereits Burnouts erleidet und außer Arbeit nichts anderes mehr tut. Spätestens dann wird klar werden, dass diese Gesellschaft langsam ausblutet und ein riesen Schiefstand erreicht wurde, durch pure Ignoranz der uns bereits jetzt präsenten Probleme.

        Wenn ich nach 14h Arbeitstag zuhause ankomme und auf dem Heimweg überall nur nach Pfandflaschen suchende Rentner sehe, dann stelle ich spätestens 2035, wenn bereits doppelt so viele Rentner ihre Köpfe in Mülltonnen haben, dass die Versprechen alle leere Worthülsen sind und ich absolut nichts von diesem Staat erwarten kann. Wenn jemand soweit in seinen Gedankengängen gekommen ist, dann wird er sich fragen, wieso er denn überhaupt hier bleibt? Das sieht man schon heute an den sogenannten Fachkräften im Mittelstand, die wechseln kunterbunt von einem zum nächsten Arbeitgeber, da heutzutage viel zu geringe Löhne bezahlt werden. Lediglich in den Konzernen ist diese Konkurrenz noch nicht angekommen. Das wird aber passieren und die Gesellschaft noch viel extremer spalten.

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      • Ich wünsche mir auch frischen Wind. Unser Staat ist träge. Ministerstellen werden gefühlt ausgelost statt diese sinnvoll zu besetzen. Gleichzeitig muss man aber aufpassen, dass nicht aus reinem Tatendrang Unsinn beschlossen wird. Riester war auch so eine tolle Sache. Man muss was machen, also macht man eben „irgendwas“. Ich hoffe vor allem, dass wir demnächst nicht mit Wasserwerfer gegen Flüchtlinge vorgehen, nur weil man keinen ordentlichen Intehrations-/Abschiebeplan hinbekommt.

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  13. Hi Jenny,

    mit Deinem letzten Satz „Jammern können die meisten, Verbesserungsvorschläge hingegen bringen nur wenige.“ bringst Du es auf den Punkt. So habe ich Dich auch in der Sendung erlebt. Statt nur über die Politiker zu schimpfen oder „das System“ hast Du als fast Einzige in der Sendung konkrete Punkte eingebracht. Hut ab !

    Damit war dann auch „der Experte“ etwas überfordert. Das viel gerühmte österreichische System ist auch nicht weniger Schneeballsystem als das deutsche. Halt mit höheren Beiträgen und deftigen Zuschüssen aus Steuermitteln.
    Wer eine Umverteilung möchte, der muß zu A auch B sagen. Bisher war das Syteme eine Versicherung (gegen hohes Alter). Wer mehr eingezahlt hat, durfte auch mit mehr rechnen. Wenn man allen eine anständige Grundrente zahlen will, dann wird die Rentenversicherung eine Art Steuer, es werden Beiträge gezahlt, die anderen zugute kommen. Eine, die dann (wegen der Beitragsbemessungsrenze) fast nur der Mittelstand zahlt. Wer 1 Mio verdient, dem kann das egal sein, was er als gesetzliche Rente bekommt. Wer sich als Ingenieur 60.000 erarbeitet hat, davon 5610 € Rentenbeiträge zahlt, wird sich freuen, wenn er dann nach 40 Berufsjahren statt rund 1700 nur noch 1000 € bekommt, weil die Verkäuferin mit 25 Beitragsjahren und 20 000 Einkommen auch 1000 € haben soll (bisherige Rechnung 369 €). Das wären die Folgen einer anständigen Grundrente für alle, wenn sie aus dem Rentensystem käme. Gefordert ist das mal schnell.
    Es wird immer bemängelt, dass Einkommen aus Kapital schneller wachsen als die aus abhängiger Arbeit, es wird immer bemängelt, dass deutsche Unternehmen in die Hand ausländischer Investoren geraten …
    Dem könnte gegengesteuert werden, wenn eine Kapitaldeckung ein Teil der Rentenversicherung würde (ein Teil, nicht alles). Eine Kapitalbindung hat einen starken Freund: Den Zinseszins.
    Kurse sind nicht alles, es gibt auch Dividenden, auch in 2008/2009. Die Riesterrente ist leider zu einem Bank/Versicherungssubventionskonzept verkommen, allerdings auch weil die Deutschen so risikoavers sind, dass alles eine (staatliche) Garantie braucht. Ein kostenfreier Fonds der KfW, der in Aktien investiert und bei dem Entnahmen in der Rentenphase frei von (Abgeltungs)steuer sind (gerne bis zu einem bestimmten Höchstbetrag), halte ich persönlich für ein einfaches, aber wirkungsvolles Konstrukt. Solch ein Rentenfonds würde dann auch signifikante Anteile unserer Industrie halten und könnte sich in Aufsichtsräten für Nachhaltigkeit einsetzen. Wäre mir lieber, als wenn Blackrock die halbe Welt besitzt, was wir mit ETFs leider noch fördern. Damit wäre das Risiko einer Krise zwar beim Rentenempfänger, aber viel viel billiger als das jetzige Riester Zeugs.
    Es wären natürlich auch andere Varianten denkbar, die Kursrückgänge durch Dividenden, breitere Streuung incl. Immobilien und einfach durch einen großen Kapitalstock puffern. So machen es auch die Rentenfonds in den USA.

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    • Ich bin mir noch nicht sicher, wie ein optimales Rentensystem für mich aussieht. Z.B. gibt es viele Leute, die trotz Kindern sehr viel arbeiten, andere bleiben wiederum zuhause. Ich halte die Kindererziehung für wichtig, aber wir müssen ein System finden, in dem „Untätige“ nicht zu sehr bevorteilt werden im Vergleich zu arbeitenden Leuten. Ich könnte mir z.B. vorstellen, dass es für Familien mehr als 3 Rentenpunkte gibt für die Kindererziehung. Z.B. 0,5 für jedes Jahr, selbst wenn man arbeitet. Zusätzlich sowas wie ein 401k-Konto aus den USA, dass jeder steuerfrei besparen kann bzw. erst bei Entnahme versteuern muss. Letztlich werden einige Ideen zusammen kommen, wenn man mehrere Workshops zu dem Thema veranstalten würde.

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  14. Hi Jenny,

    super Ideen zum Rentensystem hast Du da. Kein Schwarz-Weiß-Denken, sorgfältiges Abwägen der Vor- und Nachteile von Umlage- und Kapitaldeckungssystemen. Toll. Ich lese aus Deinen Zeilen auch eine gute Portion Gestaltungs- und Veränderungswillen heraus, oder irre ich mich da? Hast Du schon daran gedacht, Dich selbst politisch zu engagieren?

    VG

    Colibri

    P.S.: Meintest Du mit „Untätigen“ nicht erwerbstätige und mit „arbeitenden“ erwerbstätige Menschen? Ich kenne Leute, die nicht trotz, sondern wegen ihrer (zahlreichen) Kinder sehr viel arbeiten, auch wenn sie nicht erwerbstätig sind.

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    • Früher habe ich mich stets an unpolitisch bezeichnet, aber wenn ich die Zeit dazu hätte, würde ich mich mittlerweile gerne engagieren. Mir gefällt das Parteiensystem allerdings nicht sonderlich. Ich will meine eigene Meinung vertreten dürfen und mich nicht dem Konsens fügen müssen. Deswegen bin ich ein Wechselwähler und schaue mir die Wahlprogramme und Menschen dahinter an statt zu sagen: „Ich bin für die CDU, weil ich die immer wähle.“

      Wegen des Untätigseins: Wer Kinder oder Angehörige pflegt, dem sollte das auch angerechnet werden. Wer zusätzlich erwerbstätig ist, sollte aber entsprechend mehr bekommen. Z.B. habe ich 2 Kolleginnen, die trotz kleiner Kinder 20-30h arbeiten.

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  15. Die Reaktionen auf deinen Einwurf waren ja wieder typisch: „Die Finanzkrise hat gezeigt, wie unsicher Kapitaldeckung ist.“ – Gerade das hat sie nicht gezeigt, denn wer seine Aktien durch die Krise hindurch gehalten hat, hat praktisch nichts verloren. (Ich gehe jetzt mal vom diversifizierten Portfolio aus.)

    Die eine Person setzte auch private Vorsorge mit Versicherungen gleich. Komisch, dass ich gerade mal 10 % in Versicherungen habe, eine französische, eine deutsche. Versicherungsprodukte habe ich keine, sondern nur Aktien. Er faselte etwas davon, dass Versicherungen das „Geld auflösen“ müssen. Ich weiß nicht, wie der Herr darauf kommt. Das dümmste, was man machen kann, ist kurz vor der Rente diesen Schwachsinn zu beginnen und die Aktienquote zu verringern.

    Die Diskussion gibt’s auch auf Youtube:

    Die Mediathek von ARD/SWR brachte meinen Rechner zum Bersten.

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  16. Eine typische Diskussion im dt. Fernsehen, die Irrtümer auf Politiker und Bürgerseite offenbart, aber keinerlei Lösungsvorschläge oder Erkenntnisgewinn bereitstellt. Auf Bürgerseite scheint der Irrtum verbreitet zu sein, dass die gesetzliche Rente ein „Schneeballsystem“ sei im Gegensatz zur Kapitaldeckung und daher ein Systemwechsel indiziert sei. Genau das ist jedoch falsch, auch wenn nicht Kurskapriolen das gegen die Kapitaldeckung sprechen. Der Grund ist vielmehr ein trivialer (wurde auch von Prof. Sell erwähnt). Aller Sozialaufwand (also alle Versorgungsempfänger: Kinder, Arbeitslose, Flüchtlinge, Rentner, Pensionäre etc.) muss immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden (Mackenroth). „Dieser Satz ist so zutreffend wie banal. Denn jedes Einkommen, seien es Renten,Löhne, Mieten oder Zinsen, welches jemand bezieht, muss stets zur gleichen Zeit von jemandem bezahlt werden. Beim Umlageverfahren entsprechen die Renten eines Jahres –sieht man von Bundeszuschüssen ab – den aus den Beiträgen der Versicherten gespeisten Ausgaben der Rentenversicherung des gleichen Jahres. Beim Kapitaldeckungsverfahren werden die Altersbezüge von Versicherungen, Fonds oder Banken ausgezahlt und bestehen aus – von diesen Kapitalsammelstellen vereinnahmten – Zinsen, Mieten,Gewinnausschüttungen oder Veräußerungserlösen [von Aktien und andere Anlagen]. Insoweit hatte Mackenroth zweifellos Recht.“ (Zitat Bert Rürup). Es braucht immer die nachfolgende Generation, die die Versorgungsaufgabe für die Vorangehende und nachkommende Generation übernimmt. Wenn diese versorgende Generation ein drittel kleiner ist als die vorangehende, kann das Problem nur durch gesteigerte Leistungsfähigkeit (Produktivität) ausgeglichen werden, andernfalls sänke das Volkseinkommen und es gäbe weniger zu verteilen. Börsenanlage hin oder her. Je nach Durchsetzungsstärke geht das dann zu Lasten der Alten oder der arbeitenden Bevölkerung, die immer sich selbst, die Alten und die Kinder versorgen muss.

    Wenn man also das Versorgungsproblem (und das ist das Rentenproblem) minimieren möchte, so muss die Politik die Produktivität der arbeitenden Bevölkerung erhöhen, um dadurch den quantitativen Nachteil, qualitativ auszugleichen und andererseits versuchen die Versorgungsempfänger in Summe so gering wie möglich zu halten. Alles andere ist eine Verteilungs- und keine Systemfrage. Es ist doch aktuell zu beobachten wie man über Mütterrente, Mindestrente, Rente mit 63, Lebensleistungsrente etc. nach Belieben Renten aus Steuermitteln über Umverteilung erhöhen kann. Überspitzt ist es daher so, dass es keines „Rentenkonzeptes“ zur Stabilisierung der Rente bedarf, da Umverteilung immer möglich, sondern man sich überlegen muss wie man das Volkseinkommen steigern kann bei sinkender Arbeitsbevölkerung, um das Versorgungsproblem zu lösen. Dies gelingt nur durch Produktivitätssteigerung.

    Ich wünschte mir daher eine Partei, die z.B. genau hier ansetzt und sich die gesamtwirtschaftliche Produktivitätssteigerung zum Ziel setzt, durch Investitionen in Bildung, Digitalisierung und Automatisierung, Straßen-, Bahn, Fluginfrastruktur und einen schlanken Staat (Automatisierung, Senkung von Verwaltungskosten), da nur so mehr Versorgungsempfänger von immer weniger Arbeitenden versorgt werden können Die Frage, wäre also nicht: Was tut man für mehr Lehrer, mehr Polizisten, mehr Pfleger, sondern wie schaffe ich mehr Bildung, Sicherheit, Pflege mit weniger Lehrern, weniger Polizisten und mehr Kapitaleinsatz, um das Versorgungsproblem zu lösen.

    Ein weiteres Thema wäre die Verringerung der Versorgungsempfänger. Hier gab es wichtige Weichenstellungen wie die Verkürzung der Schulzeit (8 jähriges Gymnasium), Verkürzung der Ausbildungszeit (Bachelor statt Diplom als Regel) und die Abschaffung der Wehrpflicht. Diese Maßnahmen verlängern sie aktive Erwerbstätigkeit.
    Leider wird das momentan und wohl auch langfristig massiv durch die Flüchtlingskrise konterkariert, die das Gegenteil nämlich aller Erwartung nach trotz größter Anstrengung wohl zu einer dauerhafte Erhöhung von Versorgungsempfängern führt, die zur Rentnerschwemme hinzutreten werden. Dies wird eine große Versorgungsherausforderung werden, deren Ausgang höchst unsicher ist. M.E. liegt die Gefahr auch darin, dass die Zwangsumverteilungsmaßnahmen so extrem werden könnten, dass Produktivkräfte das Land verlassen und selbst eine Wanderungsbewegung aus Dtl. einsetzt wie es sie jetzt schon zum Teil gibt. Dann wäre man in einer Abwärtsspirale aus wachsenden Versorgungsempfängern und immer weniger Produktivkräften gefangen.
    Einen Eindruck wie groß die Versorgungsproblematik wird, bekommt man hier:
    https://www.nzz.ch/meinung/kommentare/die-fluechtlingskosten-sind-ein-deutsches-tabuthema-ld.1316333

    Für die Kapitaldeckung sprechen letztlich keine systematischen Vorteile. Sie hat eher Nachteile, da sie in Ihrer Organisation häufig transaktionskostenbeladen ist (Riester und Rüruprente ) und tatsächlich schwankungsanfälliger ist als das Umlageverfahren. Dennoch bin auch ich ein Befürworter der Kapitaldeckung als zusätzliche Säule, da sie eine Diversifizierung darstellen kann. Minimiert man die genannten Nachteile ( z.B. nach skandinavischem Vorbild) verringert die Kapitaldeckung die Lohnabhängigkeit. Seit Jahren steigen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen am Volkseinkommen im Vergleich zu den Arbeitsentgelten.

    https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Volkseinkommen.pdf&filetimestamp=20140910122250&

    Aufgrund der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ist es Unternehmen möglich, Arbeitnehmer an Produktivitätsgewinnen weniger als in der Vergangenheit partizipieren zu lassen. Dies führt zu steigenden Unternehmensgewinnen, Börsenkursen und einem letztlich immer größeren Anteil der Unternehmens und Vermögenseinkommen am Volkseinkommen. Insofern bietet die Anlage in Kapital die Möglichkeit, daran zu partizipieren und in der aktuellen Verteilungsfrage auf der Gewinnerseite zu stehen. Dies hat aber nichts mit der Systemfrage zu tun, da in beiden Systemen (Umlage und Kapitaldeckung) der Sozialaufwand von der arbeitenden Bevölkerung getragen werden muss.

    Nur am Rande: Ich bin Mitglied eines berufsständischen Versorgungswerks, dessen Renten und Rentenanwartschaften weitestgehend („offenes Deckungsplanverfahren“) kapitalgedeckt sind und dessen Renten seit dem 1.01.2010 bis zum 1.1.2018 um sage und schreibe 2,4% gestiegen sind, während die gesetzliche Rente seit 1.7.2009 im Westen um ca. 15,8% und im Osten über 20% gestiegen ist. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinssituation hat das Versorgungswerk bereits weitere Nullrunden in Aussicht gestellt. Der reale Versorgungsverlust beträgt bei derzeitiger Inflation, steigenden KV-Beiträgen, Mieten etc. für diese 8 Jahre ca. 15%-25% je nachdem, an welchem Ort man lebt. Dies gilt zum Teil auch für zahlreiche private Rentenversicherungen, die dramatisch hinter den Erwartungen zurückliegen. Insofern sieht man hier deutlich die Risiken der Kapitaldeckung hervortreten.
    Eine derart lange Nullrunde hat es in der Rentenversicherung bislang noch nicht gegeben. Die Politik hat also nicht ganz Unrecht, wenn Sie auch auf Risiken im System der Kapitaldeckung hinweist.

    Fazit: Beide Systeme brauchen die nachfolgende Generation zur realen Versorgung der vorangegangen Generation mit Dienstleistungen und Gütern. Verweigert die aktuelle Generation ihre eigene Reproduktion, so kann die Belastung der Nachfolgegeneration m.E. nur Produktivitätssteigerung und ausgeglichen werden.

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    • @Felix
      Es ist schlichtweg falsch. Richtig, auch bei der Kapitaldeckung müssen die laufenden Renten von der gegenwärtigen Wirtschaft erwirtschaftet werden. Aber man ist ja nicht am deutschen Standort gebunden. Außerdem: Geld, das investiert wird, schafft ja erst neue Werte, d.h. neue Jobs, darunter auch Jobs für Hochqualifizierte, die am liebsten gar nicht in Rente gehen wollen.

      Ich bin Informatiker und ich denke, ich habe einiges auf den Kasten, das leider durch ignorante Vorgesetzte und Zielvorgaben einfach nicht geschätzt wird. Unter anderem sehe ich es problematisch an, dass bei uns Leute Algorithmen definieren wollen, die nicht das Informatikstudium vorweisen können und das mangelnde algorithmische Verständnis in den Spezifikationen einfach nur durchschimmert. Mit genug Fuck-you-Money kann ich irgendwann adieu sagen und meinen Beruf anders ausüben, sodass es mir wirklich bis zum Ende aller Tage Spaß macht.

      Die Schweden und Norweger haben den Vorteil, dass sie eine Menge Kapital aufbauen, das weltweit, auch im skandinavischen Raum, eine Geld erwirtschaftet und das renditestark. Das entlastet zugleich den schwedischen bzw. norwegischen Steuerzahler, der wiederum Geld für Investitionen übrig hat.

      Man sollte Kapitaldeckung nicht mit Kapitalverzehr gleichsetzen. Das macht auch der eine Typ in der Sendung. Kapitalverzehr kann man machen, empfehlenswert ist es nicht.

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      • @Couponschneider: Da bin ich bei Dir, Kapitalverzehr ist nie gut. Wir brauch stets mehr Kapital, das uns hilft immer produktiver zu werden, wobei es nicht um „Geld“ sondern Realkapital im Sinne von Wissen, Infrastruktur, Häusern etc. geht. Auch Mackenroth sagte schon „Der Aufbau von Realkapital ist ein Geschenk der Gegenwart an die Zukunft.“ Durch das akkumulierte Kapital (dazu gehört auch Wissen z.B. ein Computerprogramm) wird die Gesellschaft produktiver und es wird leichter gelingen die notwendigen realen Ressourcen zur Versorgung der Bevölkerung zu erwirtschaften. Darum geht es aber nicht bei der Frage Kapitaldeckung oder Umlageverfahren, sondern da geht es um die Bereitstellung der laufenden Renten also den Anteil, den die Rentner am laufenden Volkseinkommen bekommen.

        Die Gesellschaft in Dtl. verfügt bereits jetzt schon über Kapitalüberschüsse und legt diese nicht im Inland zur Steigerung Ihrer Produktivität und zum Ausbau Ihres Kapitalstocks an, sondern exportiert massiv Kapital ins Ausland (Aktien, Finanzanlagen etc.) und finanziert dortigen Konsum. Diesesunausgeglichene Bilanz wird vielfach kritisiert und sie ist auch gefährlich wie der Fall Griechenland / USA Subprime Krise verdeutlicht hat.

        „Die Annahme, andere Länder wären bereit, die Erträge der Investitionen der Anlegerländer über Jahrzehnte als Rente in diese zurückzutransferieren, ist (vorsichtig ausgedrückt) unrealistisch.“

        Ich ergänze: Zumal es auch nichts helfen würde, wenn die nachwachsende Generation im Land fehlt, da es nicht um Geldrenten, sondern reale Dienstleistungen und Güter geht.

        https://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/071128_mackenroth.pdf
        (eine tendenziell wohl linke Seite, wenngleich ich die Darstellung Kapitaldeckung vs. Umlageverfahren recht passend finde)

        Individuell ist Aktiensparen möglich und ich mache das auch, aber kollektiv macht es keinen Unterschied. Das Kapital ist ohne nachwachsende Generation, die die laufenden Renten erwirtschaftet nichts wert und insofern sind beide Systeme auf die nachwachsende Generation angewiesen, damit die Gesellschaft funktioniert.

        Gerade in Dtl. ist der volkswirtschaftliche Kapitalstock trotz Umlageverfahren stets gewachsen ist und das bis Mitte der 80iger Jahre viel stärker als in zahlreichen anderen Gesellschaften. Insofern hätte zumindest wohl gerade bei uns das Kapitaldeckungsverfahren wenig Vorteile und schon gar nicht in der Umsetzung unserer Regierung.

        Wenn man etwas für die Sparquote tun möchte, würde ich Steuerfreiheit für die Anlagen (Aktien, Immobilien) im Inland garantieren. Das könnte einen Investitionsboom auslösen und den stetigen Kapitalexport mindern.
        Früher waren Aktienanlagen nach einem Jahr steuerfrei und heute droht die Einführung der Besteuerung mit der Einkommensteuer.

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  17. Liebe Ex-Studentin, ein mutiger Beitrag von Dir im SWR und ich hoffe, viele junge Leute denken darüber nach, wie unsere Sozialsysteme funktionieren und was uns wichtig sein sollte. Nachdem ich dich auf dem Finanzbloggerevent in Kassel kennenlernen durfte, bin ich aber nicht überrascht 🙂

    Es ist im übrigen nicht nur die Rentenversicherung, auch die Kranken und Pflegeversicherung sind genauso betroffen und benötigen dringend Korrekturen. Mit der Möglichkeit sich aus diesem System „auszuklinken“ hat es genauso zu tun wie damit, dass über Kosten, Funktion und Hintergründe zuwenig Klartext gesprochen wird. Die Demografie ist nur das Symptom, die Ursache sind Ungerechtigkeiten und falsche Anreize im System. Besonders ärgert mich die Darstellung, dass Familien ja soooo sehr gefördert würden und wenn man genauer hinschaut, sind fast alles nur Seifenblasen. Daher blogge ich nicht nur über Finanzen, sondern engagiere ich mich ehrenamtlich für den DFV (Deutschen Familienverband) und möchte Dir bei dieser Gelegenheit die Seite http://www.elternklagen.de empfehlen oder die Seite des DFV selbst. Schau Dir mal die Videos dort an und google mal nach „horinzontaler Vergleich 2017 DFV“ und „Wahlrecht ab Geburt“ und Du wirst sehen, was ich meine.

    Viele Grüße Covacoro

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      • Huhu Ruben, viele der Ansätze kann ich unterstützen bzw. sehe ich ähnlich. Leider wurde der Beitrag auf Facebook nicht gerade positiv kommentiert.. Beim Rentensystem gibt es viele Meinungen und man müsste zukünftige Ideen mehr mit Zahlen darstellen, weil reiner Text leider sehr angreifbar ist.

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    • Lieber Ruben, liebe Jenny, die Kommentare auf facebook zu dem unsachlichen Beitrag sind eindeutig, weil die Leute nicht auf den Kopf gefallen sind.

      Stellt Euch vor Ihr geht auf Klassenfahrt und strandet auf einer Insel. Ihr seid alle zwischen 16-17 Jahren und baut die Insel auf. Nach ein paar Jahren gibt es einen spezialisierten Fischer, Jäger, Bauern, Händler, Baumeister etc. Jeder gründet sein Unternehmen und die anderen können sich daran beteiligen. Es braucht nicht jeder sein komplettes Einkommen zum Leben und daher kann jeder „vorsorgen“. Der eine legt monatlich 200 Muscheln in eine Kiste, der andere kauft sich in die Unternehmen der anderen Inselbewohner ein. Am Ende hat so jeder „vorgesorgt“. Keiner in der Gruppe hat jedoch Kinder. Wie sollen nun alle mit 65 in Rente gehen? Wenn der Fischer in „Rente“ geht, wird nicht mehr gefischt. Das gleiche gilt für den Jäger, den Bauern, den Medizinmann. Alle müssen daher bis zum Tod arbeiten.

      Der Generationenvertrag gilt immer. Man kann individuell sachkapitalgedeckt vorsorgen, aber nicht als Gesellschaft. Der Gegensatz zwischen „Kapitaldeckung“ und „Umlagversorgung“ exisiert auch nicht mehr, wenn man das „Umlageverfahren“ als Humankapitalanlage auffasst. Anstatt Überschüsse, die man aktuell nicht benötigt in wertlose Muscheln zu investieren, kann man die Überschüsse der Periode mittels „Umlageverfahren“ in Humankapital (eigene Kinder) investieren und die Rendite ist bei Investition in das Humankapital (Ausbildung der Kinder, eigene Ausbildung, Fortbildung etc.) in der Regel sogar langfristig am höchsten:

      https://finanzrocker.net/arbeitskraft-bietet-die-hoechste-rendite-der-finanzwesir-rockt/

      Nur wenn sich viele für das „Umlageverfahren“ durch Kinder entscheiden, dann kann die Individualentscheidung der reinen „Sachkapitaldeckung“ klappen, da die Mitbewohner die notwendige Nachfolgegeneration geschaffen haben, die dann die Unternehmen fortführt und dem Sachkpital einen Wert beimessen kann. Das ist da Problem der „Sachkpitaldeckung“. Sie funktioniert nicht als Maxime, sondern nur als „ad on“.

      Im übrigen bin ich vermutlich einer der wenigen, dessen Rente sachkapitalgedeckt ist, da ich nicht Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung bin und somit erlebe ich zumindest die Risiken und Unwägbarkeiten der Kapitaldeckung „live“ mit.
      Hier könnt Ihr die prozentuale Entwicklung meiner Rentenanwartschaften und die Entwicklung der Renten Rentner in meinem Versorgungswerk einsehen:

      Seit 2009 sind die Versorgungsrenten um 2,4% (gesetzliche Umalgerente ca. 16%) gestiegen, obwohl ich jedes Jahr mehr einzahle, da die Beitragsbemessungsgrenze stetig steigt. In den letzten 5 Jahren waren es 4 Nullrunden und es soll so weitergehen aufgrund der Niedrigzinsphase.

      Vielen, die z.B. über eine BAV vorgesorgt haben geht es nicht anders:
      http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/vorsorgen-fuer-das-alter/weniger-pension-fuer-deutsche-bankbeschaeftigte-14285449-p2.html

      Für zukünftige Rentner werden dort die Renten sogar um 16% gekürzt bei steigenden Mieten und steigender Inflation.

      Beide Systeme funktionieren dann gut, wenn es möglichst wenig Versorgungsempfänger gibt und beide Systeme brauchen eine nachwachsende Generation (Humankapital). Je leistungsfähiger (je produktiver)diese nachfolgende Generation ist desto besser funktionieren die Systeme. Daher ist die Lösung des Rentenproblems a) eine stabile Nachfolgegeneration b) die Steigerung der Produktivität (also Steigerung der „Qualität“ des verbliebenen Humankapitals der Nachfolgegeneration durch Bildung) und c) möglichst wenig Versorgungsempfänger (wenig Arbeitslose, Flüchtlinge etc.).

      Beide Systeme brauchen jedoch Maß und Mitte. Das Beispiel Afrika zeigt, dass die reine Fokussierung auf Humankapital (zahlreiche Kinder, so dass kaum Ressourcen bleiben, diese überhaupt zu versorgen) auch falsch ist. Man braucht ausreichend Sachkapital, um das Potenzial der Nachfolgegeneration voll zur Entfaltung bringen zu können.

      Wer wieviel Rente erhalten soll, ist dann eine Verteilungsfrage, die nichts mit dem Rentensystem zu tun hat. Ich hatte in einem Beitrag erläutert, dass man jederzeit eine Lebensleistungsrente, Mütterrente etc. einführen kann. Das muss immer die aktuelle Generation über Steuern oder höhere Sozialabgaben bezahlen und es löst insofern nie das Finanzierungssystem (vgl. Österreich, die eben auch einen höheren Rentenbeitrag zahlen müssen).

      Ein Deutschlandfonds wäre ziemlich sekundär, zumal es uns an Kapital nicht mangelt. Das einzig positive daran wäre, dass ein Deutschlandsfonds im Vergleich zu Riester und Co. sehr kostengünstig wäre und man evtl. das Problem der ungleichen Lohn vs. Unternehemenseinkommen etwas lindern könnte. Der Gesamtverteilungskuchen wird aber nicht größer und insofern löst man damit kein „Rentenproblem“.

      Ich habe in meinen Ausführungen bewusst auf die Einbeziehung des Auslands verzichtet. Es ist jedoch so, dass man im Alter auch hier von der dortigen Nachfolgegeneration die Leistungen beziehen muss. Die Auslandsgesellschaften müssen also mehr produzieren als sie selbst verbrauchen, um dann an Deutschland etwas „exportieren“ zu können. Hier kann man Zweifel haben, wenn man an ganz Resteuropa denkt, das mit eigenen Überalterungsproblemen zu kämpfen hat. Gleiches gilt mit umgekehrten Vorzeichen für Afrika und den nahen Osten, die keine Alten aber dafür Ihre zahlreichen Kinder durchbringen müssen und mit einer zusätzlichen Versorgung der Alten in Europa ebenfalls überlastet sein könnten.

      Wenn die junge Generation über die Sicherung der Rente diskutieren möchte, dann muss Sie diskutieren, wie die Gesellschaft produktiver werden kann, wie man die Kinderzahl (Nachfolgegeneration) stabilisieren kann und wie man die Versorgungsempfänger gering halten kann.

      In diesen drei Punkten liegt die Lösung des Rentenproblems und definitiv nicht in der Finanzierungsform, da eben immer nur das verteilt werden kann, was aktuell erwirtschaftet wurde.

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      • Hi Felix, komplett ohne Kinder werden wir nicht sein. Die Produktivität durch Maschinen sollte man auch nicht unterschätzen. Natürlich muss irgendwer arbeiten. Aber es muss keiner mehr eine Kuh ewig melken, Erntemaschinen fahren von alleine, Produktionsanlagen können große Massen herstellen. Natürlich müssen solche Maschinen auch gebaut werden. Ich frag mich eher, wie auf Dauer Ressourcen abgebaut werden. Weil der Job ist nicht ohne.

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  18. Hallo Felix,

    ich habe Denkansätze der Bento Autorin begrüßt, ich möchte aber nicht die gesamte umlagefinanzierte Rente abschaffen, das würde auch nach den Vorschlägen der Autorin nicht gehen, da sie sich für einen Mindestrente einsetzt.
    Von daher ist die Überschrift des Artikels wie so oft etwas reißerisch ausgefallen.

    Ich finde Du stellst Widersprüche her wo es keine gibt. Natürlich stimme ich deinen 3 Punkten zu. Ich finde es schrecklich, dass eine Freundin keinen Kita Platz bekommt und das Paar trotz doppelten Einkommen aus finanziellen Gründen sich nur ein Kind „leisten“ will.
    Es ist mir unverständlich, warum es je nach Wohnort so viele Unterschiede bei den Kita Gebühren gibt, es sollte gar nichts kosten.
    Ebenso betrübt es mich, dass erst kürzlich wieder ein Mangel an Lehrern und Kitakräften und ausgerufen wurde. Mangels großer Ressourcen aus dem Erdreich sind Kinder und Bildung unser höchstes gut, die Politik handelt jedoch nicht ausreichend in dieser Hinsicht. Es ist aber nicht nur das, beispielsweise hat ein Familienmitglied wegen dem langsamen Internetanschluß Probleme im Home Office zu arbeiten.

    Du schreibst es kann „eben immer nur das verteilt werden, was aktuell erwirtschaftet wurde“ ich denke es kann durch einen zusätzlichen Baustein Beteiligungen an weltweiten Unternehmen langfristig mehr erwirtschaftet werden, besonders wenn dies kostengünstig geschieht. Wir Bewohner auf der „Insel Deutschland“ können Unternehmensanteile von Unternehmen auf der ganzen Welt kaufen und sind nicht auf Deutschland begrenzt, zudem die Unternehmen international sind und trotz zu wenigen Kindern wir noch nicht vom aussterben bedroht sind.
    Ich denke in ein paar Jahren oder Jahrzehnten werden wir das ganze auch etwas europäischer betrachten. Es ist mir jetzt schon unverständlich, wieso arbeitslose Fachkräfte aus dem Ausland nicht besser vermittelt werden.
    Das wäre mein 4. Punkt zu deinen 3 genanten Punkten, die Rendite dessen was langfristig verteilt wird erhöhen und wenigstens einen Teil des Geldes arbeiten lassen.

    Ich finde das schwedische Modell gut, der Großteil 16% bleiben umlagefinanziert, 2,5% fließen in eine Prämienrente bestehend aus günstigen Fonds. Wählt man den Staatsfonds, ist man an 2500 Unternehmen beteiligt und der Fonds entwickelt sich entsprechend (lt. einem Artikel eine Bruttorendite von 9% ab dem Jahr 2000), ab 55 Jahren wird in sichere Formen umgeschichtet. Lediglich den Umfang von 800 wählbaren Fonds finde ich nicht gut, hier wissen sie wohl aber selbst, das noch Anpassungsbedarf besteht, zumal der Staatsfonds mit jedem weiteren Zahler noch kostengünstiger werden würde (lt. einem Artikel jetzt schon bei 0,11%).
    Leider hat unsere Riester Rente trotz großer staatlicher Subventionierung nur die Versicherungsbranche reich gemacht, ich selbst habe trotz jahrelanger Hausse am Aktienmarkt mit einem Fondsprodukt lediglich meinen Einsatz wieder bekommen. Herr Riester hingegen ist nach Einführung der Riester Rente zu Union Investment und Herrn Schröders Freund Herr Maschmeyer ist Milliardär: „Kanzler und der Vorstandsvorsitzende des früheren AWD mischten demnach Privates mit Geschäftlichem. Maschmeyer soll laut „Stern“ seine Beziehung zum damaligen Bundeskanzler genutzt haben, um sich an allerhöchster Stelle immer wieder für eine Reform der Riesterrente einzusetzen. Die Reform kam dann tatsächlich und fiel zur Zufriedenheit Carsten Maschmeyers aus. Der AWD-Chef wähnte sich auf einer „Ölquelle“, die sprudeln werde.“
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gerhard-schroeder-und-carsten-maschmeyer-zwei-millionen-euro-a-1002486.html
    Ich kann die Aufschlüsselung deiner Versorgungskasse nur so deuten, dass ebenso wie bei meinem Fonds gebundenen Riester Produkt zu viel an Gebühren und Verwaltung verloren geht.
    Darüber hinaus war bei meinem Produkt die ständige Garantie des Einsatzes genau das, was eine bessere Entwicklung verhindert hat. Bei einem Anlagezeitraum von mehreren Jahrzehnten kann nur mit kurzfristig risikoreicheren Anlagen in Unternehmensanteilen langfristig eine höhere Rendite erzielt werden. Will man permanent 100% Sicherheit, dann gibt es nur Tagesgeldzinsen, die bekanntlich derzeit nicht höher als 0,50% liegen.
    Eine staatliche kostengünstige Lösung würde bestimmt erst einmal auf Widerstand stoßen und es wäre viel Aufklärungsarbeit zu leisten, zumal es in Deutschland nicht wirklich eine Aktienkultur gibt.
    Ein Versuch wäre es jedoch wert.

    Wenn es in Deutschland wie du schreibst an Kapital nicht mangelt, dann ist es umso tragischer, wenn es nicht in Kinder, Bildung, Infrastruktur und in eine kostengünstige Altersvorsorge investiert wird, die zu mindestens zu einem Teil langfristig agiert und am weltweiten Vermögenszuwachs von Sachanlagen partizipiert.

    Hier 3 Links aus welchen ich Informationen zum schwedischen Renten Modell entnommen habe:
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fonds-die-schweden-duerfen-waehlen-1.2867278
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-94139299.html
    http://finanzglueck.de/alternative-zur-riesterrente-schweden/

    Alles Gute und viele Grüße,
    Ruben

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