Fixkosten sind auch Schulden

Letztens schrieb ich darüber, dass mir meine Fixkosten wichtiger sind als irgendeine Sparquote. Für viele hingegen sind die variablen Kosten ein entscheidender Angriffspunkt, wenn es um Sparpotentiale geht (Vermeidung von Frustkäufen, Welches Auto hole ich mir? Neue Hose gefällig? Was gebe ich für Lebensmittel aus?). Man kann für mancherlei Schnick-Schnack viel Geld ausgeben. Jeder muss dabei selbst wissen, was ihm seine Interessen wert sind. Bei variablen Kosten kann man zum Glück jederzeit von Neuem entscheiden, ob man diese eingehen möchte. Nicht aber bei fixen Kosten: Diese sind für Monate, teilweise sogar für Jahre verpflichtend.

Nun kam mir die Erkenntnis:

Sind Fixkosten nicht eigentlich Schulden?

Wieso Fixkosten auch Schulden sind
10.000€ für den Autokauf das Konto zu überziehen, auf die Idee käme hoffentlich keiner. Aber für 5 Jahre 200€ im Monat hinzulegen, klingt recht human. Die 200€ wird man schon irgendwie stemmen können.

Man gibt Geld aus, dass man noch nicht hat.

Bei Ratenzahlungen oder Mitgliedsbeiträgen lebt man quasi auf Pump. Irgendein Einkommen wird man schließlich haben und der Kontostand sieht dank monatlicher Zahlungen recht ansehnlich aus.

Nun stell dir vor: Dein Auto geht kaputt und du brauchst ein neues. Du verlierst dein Handy. Du ziehst um, aber wegen 30km lässt dich dein Fitnessstudio nicht aus dem Vertrag. Doppelte Miete zahlst du auch noch. Auf deinem Jobticket stehen nun die falschen Tarifzonen, du brauchst ein neues.

Obwohl du keinen Gegenwert mehr hast, zahlst du trotzdem.

Verträge können dir gute Konditionen sichern. Sie können aber auch dafür sorgen, dass du selbst dann noch zahlst, wenn du das Produkt nicht mehr nutzen kannst oder willst. Ausschlaggebend sind hier die Kündigungsfristen. Ich sehe also nicht nur Ratenkredite als Schulden an, sondern einfach alles, was regelmäßig von meinem Konto abgeht.

Deswegen habe ich mich gefragt:

Welche Schulden habe ich aufgrund meiner Fixkosten und deren Kündigungsfrist?

  1. Miete: 3 Monate, 800€ warm                = 2.400€
  2. Handyvertrag: bis zu 12 Monate, 5€   = 60€
  3. Unfallversicherung: 1 Jahr, 210€         = 210€
  4. Haftpflicht, 1 Jahr, 58€                           = 58 €
    (5. GEZ: Für immer…)
    Gesamt: 2728€

Ich bin mir sicher, dass da bei manch einem wesentlich mehr zusammen kommt. Vor allem, wenn es um Versicherungen, Immobilien- und Autofinanzierung geht. Generell heißt es, dass man grob 3-6 Monatsgehälter als Reserve haben sollte, bevor man ans Investieren denkt. Letzten Endes würde ich es aber nicht an dem Gehalt an sich, sondern an den Lebenserhaltungskosten und Verbindlichkeiten fest machen.

Vorbereitet für den Worst Case
Natürlich sind nicht nur Fixkosten ein potentieller Sorgenbereiter. In einem vergangenen Beitrag bin ich bereits darauf eingegangen, für welche Fälle ich noch ein größeres Polster parat haben möchte. Wir haben zum Glück einen Sozialstaat, sodass euer Gehalt nicht von heute auf morgen komplett wegfallen wird, sondern ihr als Angestellter erst mal Arbeitslosengeld oder Krankengeld bekommt, wenn ihr für mehrere Monate aus dem Berufsleben aussteigt. Als Selbstständiger hat man diesen staatlichen Puffer oftmals leider nicht. Im Todesfall zahlt vielleicht eine Lebensversicherung. Dennoch möchte ich im Worst Case meinen Hinterbliebenen keine Schulden hinterlassen und gehe sogar soweit, dass ich zusätzlich genügend Geld für eine Beerdigung (bis zu 10.000€) parat habe. Zudem ist es ratsam, auf Kündigungsfristen oder auf ein mögliches Aussetzen von Beiträgen zu achten.

Wie hoch sind eure Schulden durch Fixkosten?

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30 Gedanken zu “Fixkosten sind auch Schulden

  1. Hi Jenny,
    ein sehr interessanter Ansatz! Ich bin ja großer Fan davon, Finanzdinge mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten – gerne auch mal komplett auf den Kopf gestellt. Ausgaben sind immer entgangenes ewiges passives Einkommen, an der Supermarktkasse bezahlt man eigentlich mit Zeit (und Freiheit) und klar: vertraglich vereinbarte zukünftige Zahlungen sind nichts anderes als Schulden. Auch ich bin wie du kein großer Freund von „Fixkosten“ bzw. Vertragszahlungen und versuche sie zu vermeiden, wenn sie mir keinen unschlagbaren Vorteil bieten (ein Mietvertrag oder die Haftpflicht zählen da sicher zu. Und auch einen Handyvertrag hatte ich mal, der hat allerdings auch 0 € gekostet). Du bist mit deinen 4 Posten da auf jeden Fall ziemlich gut dabei. Es würde vermutlich eine erschreckend hohe Zahl sein, wenn man mal erheben würde, wieviel Prozent der Deutschen ihre Fixkosten-Schulden (nach deiner Definition) nicht aus dem Ersparten decken könnte.

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    • Ich muss immer daran denken, dass viele mit Arbeitslosengeld nicht mal ihre Fixkosten decken könnten. In meinem Bekanntenkreis habe ich einen jungen Mann, der im Hotel Mama wohnt und 800€ für sein Autokredit zahlt, obwohl die Karre nun einen Totalschaden hat und er es nicht mehr nutzen kann.

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      • Bei dem Autobeispiel würde ich davon ausgehen, dass die kreditfinanzierende Bank auf eine Vollkaskoversicherungsdeckung (= Erhöhung der Versicherungskosten ;-) besteht, um sich im Schadensfall entsprechend abzusichern. Die Versichungserstattung müsstest Du in Deinem Beispiel dann auch noch berücksichtigen.

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  2. Hallo zusammen! Jenny, interessante Denkweise…auf diese Betrachtung wäre ich so nicht gekommen. Wenn ich in diese Richtung denke kommt folgendes raus: Wohnung mieten….macht bei 800 € Warmmiete nach einer groben Schätzung ca. 600 € Kaltmiete. Für 600 € im Monat könnte man sich bei angenommenen 2% p.a. einen Betrag 360.000 € leihen. Diese Schuld hätte vermögenstechnisch den gleichen Effekt wie das „Ausleihen“ der Wohnung. Bei einem Zins von 1% p.a. sind’s schon 720.000 € die man sich für 600 € im Monat leihen könnte. Die Wahrheit liegt im Moment dazwischen. Das wäre das „Schuldenäquivalent der Fixkosten“, die nach meiner Rechnung rauskommen. Es frustriert mich, da ich Anfang 30 bin und noch einen Leben lang wohnen muss. Über Handy und Haftpflicht würd ich dann erst garnicht mehr reden. Kleinkram…

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    • Wie genau meinst du das mit dem Leihen? Vielleicht stehe ich auf dem Schlauch. Bei 7200€ im Jahr Kaltmiete sind das nach 50 Jahren 360000€, die ich für die Wohnung hingeblättert habe [ohne Inflation]. Ich zahle quasi jemand anderem die Wohnung und Sarnierungskosten. Gleichzeitig geniße ich als Kinderlose auch grade die Vorteile: Ich muss mich um fast nichts kümmern und kann mich auf meinen Beruf konzentrieren. Ich denke mir immer: Wenn man sich eine Wohnung zur Eigennutzung kauft, dann mit Anfang 20, sodass man die nach 10 Jahren abbezahlt hat und nach der Familiengründung vermieten kann. Das ist bei mir nun fast zu spät. Vor allem sind die Immobilienpreise hier im Süden utopisch.

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      • Ich dene als Eigennutzungswohnung muss man auch bedenken das man vieles selber machen kann (also können muss). Für eigen genutztes Wohneigentum kann man die Handwerkerrechnungen nicht absetzen. Als Vermieter kann man Handwerkerrechnungen und Investitionen für Einsätze am vermieteten Objekt wiederum steuerlich geltend machen, was sicher auch ein nicht zu verachtender Punkt ist.
        Die Idee zu kaufen und nach Kinderauszug zu vermieten ist ein guter Punkt. Sofern man dann etwas anderes findet und nicht erstmal für den Mieter neu „sanieren“ / herrichten muss. Im Alter (75+ oder so) als Vermieter ggf. auch schwierig. Bis dahin evtl. je nach Lebenslauf/wunsch und Kapital sowie Immobilität (Wohnortsbezogen) sprich Flexibilität sicher eine Option.
        Nachdem mich auch der Süddeutsche Wohnungsmarkt trifft, genieße ich mein Mieterdasein, freue mich Kapital sammeln zu können und wenn was ist: Ein Anruf und es ist das „Problem“ des Vermieters (sofern er auch reagiert, was ein Knackpunkt sein kann).
        Gestaltungsfreiheit hat man im Eigenheim mehr. Ist halt wie so oft beschrieben eher auch eine Lebensentscheidung als eine Renditeentscheidung. zendepot.de hat rein auf die Wertsteigerung / Wertverlust ja gute Betrachtungen dazu.

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      • So hat man aber keine Immobilien-Kredit und damit ein großes „Zwangshamsterrad“ inkl. nach 20 Jahren die ersten Eigensanierungen des Eigentums am Hals. Wenn überhaupt mal Wohneigentum dann nur etwas finanzierbares (kurze Laufzeit) und mit einem sehr hohen Eigenkapital-Anteil.
        Habe es mal durchgerechnet bzw. Bausparer läuft halt noch. 100.000er Bausparer. In 7-10 Jahren sind die 40-50% Mindesteigenkapitalanteil für den 100.000er (ca. 60 TEUR Darlehen) erreicht.

        Man braucht aber sicher mehr an Gesamtsumme. Also eher 200 TEUR und aufwärts für was „Normales“ und dann muss man ggf. gleich noch sanieren.

        Bei 200 TEUR würde ich bei Beginn in 10 Jahren und „auf Kante genäht“ mit meiner Freundin nochmal über 20 Jahre, fast bis zum Rentenbeginn abzahlen. Dast ist es mir nicht wert. Die lange Bindung, plus Hamsterrad, plus nichts darf schief gehen, plus Immobilität, plus Wertverlust wenn man doch Verkaufen muss.
        Deswegen wenn nur mit viel Eigenkapital und wenn die Preise wieder moderater sind. Und das obwohl die Option bestünde den Kredit auf meine Eltern laufen zu lassen und diese würden sozusagen an uns vermieten und darüber wird dann der Kredit abbezahlt. Was nochmal Sicherheit für meine Freundin und mich in Bezug auf den Kredit bietet. Andererseits darf dann meinen Eltern nichts passieren. Stirb einer von denen eher als erwartet oder werden sie pflegebedürftig, so ist das ganze auch wieder spannend und auf Kante, da deren Haus als Sicherheit dienen würde. Das abbezahlte Haus ist sozusagen deren Pflegeversicherung, sprich wird verkauft wenn Pflege/Pflegeheim oder altersbedingt eine kleine Wohnung nötig wird.

        Außerdem wüsste ich nicht wie ich bzw. wir einen Hauskredit in o.g. Größenordnung abfinanzieren sollten UND Kinder finanzieren wollen. Klar geht das irgendwie, aber auch nur mit jedem Cent an Zulage plus Nebenjobs. Stichwort: Hamsterrad. Und das über 20 Jahre und länger.
        Von dem her sieht es finanziell trortz guter Rücklagen auf meiner Seite, momentan so aus das es heißt Kind oder Eigenheim. Sofern die Preise und Konditionen so bleiben oder gar noch mehr steigen. Dann lieber Kind und glücklich zur Miete.
        Meine Freundin hätte auch gerne was eigenes und ggf. Garten aber ihre Priorität ist (im Fall des Falles) ganz klar: Lieber Glücklich Zusammen und zur Miete als ein auf Dauer nicht sicher finanzierbares Eigenheim. Und wenns im Pappkarton ist, wie sie immer so schön sagt. :-)
        Und wir verdienen beide ein Gehalt im unteren Bereich des mittleren Einkommens bei zwei unbefristeten Verträgen. Es könnte mehr sein, insbesondere auf die Arbeit und die Verantwortung bezogen, es geht aber auch bei weitem schlechter (rein finanziell betrachtet). Aber auch in der freien Wirtschaft um Längen besser.

        Meine aktuelle Sichtweise.

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      • Finde toll, dass ihr eure Zukunft gemeinsam plant und auch zu Kompromissen bereit seid. Mein Freund und ich sind in finanzieller Hinsicht da aktuell ein wenig unterschiedlich: Ich bin wie deine Freundin, die mal ein Haus mit Garten will, in dem die Kinder spielen können. Er hingegen ist einfach ein genügsamer Schwabe und schmiedet da nun keine großen Pläne. Er will sich vor allem nicht unnötig verschulden oder zumindest die Hälfte an Eigenkapital mitbringen, bevor er sich eine Immobilie anlacht. Mittlerweile sehe ich das Mietverhältnis auch entspannter. Man muss mit Mitte 20 (bzw. heutzutage in jedem Alter) damit rechnen, beruflich noch ein wenig rumzukommen. Bei einem Arbeitgeberwechsel wäre auch ein Umzug denkbar, weil ich nicht wie manch einer 50km Fahrtweg am Tag haben möchte. Falls mal Kinder da sind, sieht es mal anders aus. Da geht es dann darum, dass die Kids in der gleichen Umgebung aufwachsen und Freundschaften schließen können. Aber das dauert noch. Wie du richtig bemerkt hast, bin ich 23.

        Mir hat es vor ein paar Monaten den Rest gegeben als an meiner Straße ein renovierungsbedürftiges Haus „kann auch abgerissen werden“ mit 108m² und 800m² Grundstück für 399.000€ zum Verkauf stand und auch schnell verkauft wurde. Dieses Gefühl kann ich als Landkind, wo man bei solchen Eckdaten einen Preis um die 100.000€ gewohnt ist, gar nicht beschreiben. Meine einzige Sorge ist eigentlich, dass auch die Mieten mal unbezahlbar werden.

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      • Ja die Mietsorgen kann ich teilen, aber ich denke es kommt auch auf die Vermieter drauf an. Mehr „sorgt“ (ich kann es eh nicht beeinflussen, also werde ich wenn dann das beste draus machen) mich, das die Vermieter (drei Geschwister im niedrigen bzw. kurz vor dem Rentenalter) irgendwann sterben und dann viele Kinder als Erben/Vermietergemeinschaft auf der Matte stehen. Das kann viel Zank, Uneinigkeit aber auch Verkauf (wg. möglicher Auszahlungswünsche einzelner Erben) an einen Investor mit unbekannten Plänen bedeuten.

        Ich sehe es in Bezug auf Kinder (feste, gleiche aber auch gute Umgebung) aber auch in Bezug auf die berufliche Flexibilität (Arbeit geht leider vor Kinder*) die heutzutage mehr als früher gefordert ist auch so wie Du. *) Im Sinne die Eltern brauchen eine Arbeit, da bringt es nichts wenn man das Kind noch so gerne in der gewohnten Umgebung halten will. Ohne Arbeit der Eltern hat auch das Kind nix von der gewohnten Umgebung. Wenn ein Umzug unvermeidlich ist, dann ist es (leider) so. Ich gehe aber davon aus, das wir bis auf weiteres erstmal hier bleiben können. Sicher ist das in den heutigen Zeiten natürlich trotz Job und unbefr. Vertrag natürlich auch nicht mehr.

        Das solche Preise und so ein Vorgehen schockt wie bei dem Haus in Deiner Straße kann ich gut nachvollziehen.

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      • Ich hatte damals eine beste Freundin, das Nachbarsmädchen, mit der ich jeden Tag verbrachte. Wir waren wie Schwestern. Generell gab es in unserer Straße (Neubaugebiet) um die 10 Kinder und wir haben viel draußen gespielt. Schlitten fahren, mit dem Roller den Berg runter rasen, Drachen steigen lassen, im Maisfeld verstecken spielen, Kaulquappen fangen und am Fluß spielen… Ich kannte jedes Kind im Ort. Nach der Schule ging ich eine Zeit lang in die Nachmittagsbetreuung, wo meine Mutter arbeitete. Half meinem Vater mein Obst pflücken. Nach der Grundschule zogen meine Eltern um. Durchaus ehrbare Gründe (die Vermieter machten meinen Eltern das Leben schwer), aber aus mir wurde dadurch der totale Stubenhocker, weil ich plötzlich mit einem Schlag aus der Umgebung gerissen wurde, in der ich groß geworden bin und die neue Wohngegend vergleichsweise leblos war. Mein kleiner Bruder wurde von den neuen Klassenkameraden jahrelang schlimm gemobbt.

        Da das nächste Gymnasium 30km weiter war, waren viele meiner neuen Schulkameraden bis zu 50km entfernt von meinem neuen Wohnort. Ein Zug (immerhin), der nur bis 19 Uhr fährt, machte jede abendliche Freizeitaktivität zu nichte. Dass meine Verwandtschaft über halb Deutschland verteilt war, war als Kind schon schlimm genug. Der Umzug gab mir quasi den Rest und sorgte letztlich dafür, dass ich einfach nur schnellstmöglich wieder weg wollte. Vielleicht bin ich durch dieses Erlebnis nun die, die ich aktuell bin. Trotzdem:

        Meine Kinder sollen sowas nicht mitmachen müssen.

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      • Die Rechnung geht wie folgt: Die Wohnung verursacht 7200 € Kosten im Jahr. Ein Kredit von 360.000 € verursacht bei 2% die gleichen Kosten pro Jahr. Bei 1% sind’s 720.000 €, die die gleichen Kosten verursachen.

        Rein theoretisch, habe ich also die Wahl ob ich mir die Wohnung leihe oder das Geld (und damit die Wohnung kaufe). Beides verursacht den gleichen „Gegenstrom“ bei der Vermögensbildung. Gefühlt stehe ich mit den oben genannten Beträgen in der Kreide, wenn mir das, was ich zum Leben brauche (die Wohnung) nicht selber gehört, bzw. das sind die Beträge die ich ungefähr ansparen muss, damit die Kapitaleinkünfte die Miete abdecken. Erst wenn dieser Punkt errreicht ist (egal ob durch Kauf und Kredit abbezahlen oder durch Mieten und ansparen/anlegen), fühl ich mich frei. Sonst: Hamsterrad. Miete oder Gekauft ist für diese Betrachtung egal. Das ist Geschmacksfrage und wurde ja hier disskutiert.

        Die Betrachtung lässt natürlich außen vor, dass so eine Wohnung Kosten verursacht (da müsste man also noch einen Abschlag auf die Kaltmiete einrechnen), dass sich der Wert massivst verändern kann und dass so eine Finanzierung ohne Tilgung/Eigenkapital einem nie jemand geben würde. Für mich ist das aber so eine Art Gradient, der grob anzeigt in welche Richtung es im Moment mit der Vermögensbildung läuft und ob ich meinem Ziel (Kapitaleinkünfte tragen Miete) näher komme.

        Die Rechnung oben erklärt auch die utopischen Immobilienpreise im Süden. Die Miete geht mit sinkenden Zinsen nicht runter, da die Leute Geld verdienen und Wohnungen knapp sind. An fallende Immobilienpreise glaubt die Mehrheit anscheinend auch nicht. Also muss der Preis hoch. Jetzt kann man sich das teuere Ding hald prozentual gesehen „günstig“ mieten, es wird aber mit sinkendem Zinsniveau schwieriger, dass man irgendwann den Punkt erreicht, bei dem sich die Miete selber trägt und man „gefühlt schuldenfrei“ ist.

        Ich hoffe der Punkt wird einigermaßen klar. Macht das Sinn?

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      • Ich denke am Ende immer kommt es (wie immer) auf die persönliche Lebenssituation an.

        – Wie sicher ist meine Job/Wie lange möchte ich in meiner jetzigen Anstellung bleiben
        – Habe ich Kinder / sind Kinder geplant
        – Welche Zinsen würde ich bei einem Hauskauf bekommen
        – Wie hoch ist mein „Wohlfühlfaktor“ im Eigenheim
        -….

        Meine Familie und ich haben uns letztes Jahr zum Hauskauf entschlossen weil die Rahmenbedingungen passen. Ich habe einen (für heutige Verhältnisse) sehr sicheren Arbeitsplatz, die Kreditrate ist nur 200€ über unserer heutigen Kaltmiete, wir haben eine Tochter und sind selbst gern im Garten.

        Nichtsdestotrotz hätten wir diesen Schritt nicht gewagt wenn wir uns davon nicht auch einen finanziellen Vorteil erwarten. Der Punkt Grundstück- und Immobilienpreise ist ja schon gefallen und hier liegt für mich der Knackpunkt. Wenn man die Preise in und um deutsche Großstädte mit anderen Großstädten in Europa vergleicht sind diese auch heute noch extrem günstig und ich denke die Preise werden sich langfristig angleichen. Ich sehe also nicht, dass die Preise irgendwann Nachhaltig fallen werden (Außer vllt. ein kurzer Einbruch in 10 Jahren wenn die 10 Jahre Zinsbindung von Leuten abläuft die sich das Haus zu „normalen“ Zinsen nicht mehr leisten können). Und selbst wenn ich Miete ist das Geld sowieso hinfort… wenn das Haus am Ende der Finanzierung nur noch die Hälfte Wert ist habe ich immerhin etwas Geld wieder raus (Korrekterweise müsste man das jetzt gegen die Investition der 200€ in eine andere Geldanlage rechnen, warum ich das nicht tue folgt gleich).

        Einigermaßen proportional zu den Immobilienpreisen sehe ich die Mietpreise. Da wir im Speckgürtel einer deutschen Großstadt mit mehreren Hochschulen leben sehe ich hier ein großes Risiko für überproportionales Wachstum der Mietpreise (was auch in den letzten Jahren schon spürbar war). Ich gehe also davon aus, dass die 200€ eher früher als später durch Mieterhöhung aufgefressen werden (meine Kreditrate ist dagegen konstant).

        Long Story short: Am Ende gehen wir ein höheres Klumpenrisiko Haus ein weil wir uns eine positive Wertentwicklung erwarten, es als „Versicherung“ gegen explodierende Mieten ansehen und es finanziell ohne extremere Anstrengungen machbar ist.

        Wenn man persönlich der Meinung ist Preise und Mieten sinken auf Sicht sollte man im Sinne eines geruhsamen Nachtschlafs also auf den Hauskauf verzichten.

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      • Dem kann ich nur zustimmen. An sich denke ich auch, dass der Wohnraum in Städten immer gefragter sein wird. München ist da das Paradebeispiel. Deswegen Augen aufhalten und wenn die Umstände passen, die Gelegenheit ergreifen. Aber nicht zu sehr von den eigenen Wünschen blenden lassen und sich finanziell übernehmen. Letzten Endes ist jede Entscheidung die richtige, sofern man mit dem Ergebnis zufrieden ist. :)

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  3. Eine gute, neue Sichtweise. Nicht umsonst nennt man Schulden ja auch Verbindlichkeiten. Der Mietvertrag/Handyvertrag usw… bindet auch für einen gewissen Mindest-Zeitraum x …
    Nur das man hier im Vergleich zum Kreditvertrag auf Vermieterkulanz u.ä. ggf. und mit Glück eher rauskommt.

    Der GEZ-Punkt gefällt mir auch. :-) Theoretisch kann man die GEZ-Kosten ja loswerden (kein Autoradio, keine Radios, kein TV und kein internetfähiger PC). Heutzutage also fast nicht praktikabel. Befreiung ist nur (berechtigt und gut so) bei bestimmten Behinderungen möglich.
    Dafür kann man nun das alles hier lesen und sich austauschen, sich weiterbilden oder auch einfach nur die Zeit vertreiben.

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    • „Theoretisch kann man die GEZ-Kosten ja loswerden (kein Autoradio, keine Radios, kein TV und kein internetfähiger PC). Heutzutage also fast nicht praktikabel. Befreiung ist nur (berechtigt und gut so) bei bestimmten Behinderungen möglich.“

      ? Das war einmal! Nach der neuen GEZ-Regelung zahlt man pro Wohnung, UNABHÄNGIG ob und wie viele Medienempfänger dort stehen (angeschlossen oder angestubt im Schrank).

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      • Ich denke bei ARD und ZDF usw. auch an gute Dokus, Reportagen, Online-Hintergrund Artikel und Online-Berichterstattung, Mediathek. Die nutze ich sehr gerne und regelmäßig. Klassisch im TV auch arbeitszeitbedingt eher nur sporadisch (möglich).

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  4. Der Gedanken mit den Fixkosten ist mir auch erst so klar geworden, als ich über das Reisen nachgedacht habe. Das schönste wäre wirklich keine Fixkosten zu haben. Aber ist das möglich?

    Will man z.B. ein halbes Jahr ins Ausland hat man halt immer noch die Wohnungsmiete, Internet,… zu zahlen. Ok. Internet und so kann man noch kündigen früh genug, wenn es klappt. Aber dennoch die Wohnung abgeben fällt schon echt schwer.

    Deshalb bin ich voll auf deiner Seite. Desto weniger Fixkosten desto besser. So rechnet ja auch jedes Unternehmen. Fixkosten sind die böse Seite. Bei Firma ist das Problem die fehlende Auslastung im privaten vieles anderes.

    Aktuell liegen meine Fixkosten noch bei über 1000€… nächste Jahr wohl um die 750€. Singleleben ist halt nicht billig. Hoffe dennoch mal auf 500 € runter zu kommen. Dort wäre ich ziemlich zufrieden. Also von den Fixkosten her. Kredite werden sehr, sehr gut dann überlegt.

    Auf jeden Fall fürs Auto würde ich nie wieder ein Kredit aufnehmen. Entweder habe ich das Geld oder nicht. Finde auch wenn man etwas nicht so unterschwellig in die Fixkosten packt, dann denkt auch mehr drüber nach.

    Den bei Fixkosten denkt man ja oft. Muss man eh zahlen. Aber eigentlich habe ich wir doch eine menge Potential.

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    • Ja Wohnung kündigen ist schwierig. Man braucht ja bei Rückkehr aus dem längeren Urlaub ja auch sehr zeitnah eine Bleibe. Und wohin mit den eigenen Sachen (egal ob es viel oder wenig ist), die sonst in der Wohnung stehen. Umzuug und oder Unterstellung kostet ja auch wieder.

      Das Kündigen von Telefon und Internet ist ggf. eine gute Überlegung. Man profitiert danach evtl. von Neukundentarifen. Andererseits muss man Telefonnummern wieder berichtigen usw… Und man hat sie evtl. nicht wieder gleich nach Ankunft verfügbar und muss sich erstmal kümmenr. Plus zeitlicher Aufwand (den man auch umrechnen könnte).
      Fixkostenreduktion als Single ist schwierig. Als Paar oder in einer WG schon sehr viel leichter und effektiver. Da geht verdammt viel.
      Wobei man auch da Verbindlichkeiten aufbaut. Man bindet sich z.B. bei Paar/Familien-Versicherungen (sind oft günstiger, teils 50% Ersparnis). Trennt man sich dann doch, dann hat man die Versicherung gemeinschaftlich trotzdem erstmal bis zur nächsten Kündigungsoption am Hals usw….

      Alles hat ein Für und Wider, aber ich finde die Betrachtungen gut und hilfreich. Andere Sichtweisen bringen einen weiterer und Erweitern den Horizont. Egal ob man sich gut findet, übernimmt (teils oder ganz), oder auch nicht.
      :-)

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    • Ich muss dir zustimmen, dass man als Paar mehr Sparpotential hat. Vor allem kann man die gleichen Träume gemeinsam verwirklichen. Gemeinsame 4 Wände, gemeinsamer Haushalt, gemeinsam reisen.. Ist aber auch ein gewisses Risiko, weil man im Falle einer Trennung plötzlich einen neuen Haushalt wieder aufbauen muss. Zudem ist in einer Partnerschaft ist nicht zwingend gesagt, dass beide gut verdienen. Im Falle einer weiteren Ausbildung, Arbeitslosigkeit oder durch die Familiengründung kann schnell ein Gehalt wegfallen und 2 Leute müssen von einem Gehalt leben. Man muss nicht mal verheiratet sein und der Partner bekommt schon kein Hartz 4 oder Wohngeld.

      Gar keine Fixkosten zu haben geht aus meiner Sicht nicht. Selbst, wer nur mit dem Rucksack um die Welt tourt, braucht zumindest mal eine Krankenversicherung. Mit meinen Fixkosten bin ich recht zufrieden (unter 1000€), wobei das BUV-Thema bei mir mal dazu kommen könnte. Dafür sollte ich aber auch nächstes Jahr etwas entlastet werden, wenn mein Freund nach seiner Ausbildung mehr zur Miete beisteuert.

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      • Ja gar keine Fixkosten ist eine utopischer Gedanken. Doch würde mich ja interessieren, wie sehr man das Thema runterschrauben kann. Aber da muss ich wohl eher bei Oliver vorbeischauen.

        Die Gefahren sind eindeutig höher mit einem Partner. Also im Sinne des Ausfalls eines zweiten Einkommens ;). Wahrscheinlich guckt man aber auch aus zwei Perspektiven. Meine Wohnung ist komplett. Für mich würden sich nur Vorteile ergeben. Ebenso kann man dieses „Risiko“ ja vorher planen und durch die höhere Sparmöglichkeiten kann man für den Ernstfall etwas zur Seite legen.

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      • Oliver ist da wirklich das beste Beispiel. Er hat ja wirklich alles, selbst seine Essgewohnheiten optimiert. Da bin ich noch weit weg von.

        Bei meinem Freund und mir hat das Timing gut gepasst. Weil wir Anfang des Studiums zusammenkamen, konnten wir Anschaffungen ein bisschen aufeinander abstimmen. Kühlschrank, Staubsauger und Fernseher hatten wir durch getrenntes Wohnen doppelt. Er brachte beim Zusammenziehen Sofa und Mikrowelle mit, ich Bett, Kleiderschränke und Regale. Jeder 3 Teller und ein bisschen Besteck, sodass wir unsere Haushalte recht problemlos zusammenführen konnten.

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  5. Aus dem Gesichtspunkt und den eben genannten Gründen schaffst Du, Jenny, mit Deinen Rücklagen und deinen Gedanken dazu, Dir für später in ein paar Jahren mehr Flexibilität und hast dann evtl. je nach Marktpreisen alle Türen offen. Ich habe zwar früher auch sparsam gelebt und was zurück gelegt. Ich kann mich manch anderen nur anschließen: Hätte ich das was Du mit 23 (ich hoffe ich habe es richtig behalten?) jetzt machst und durchdenkst, selbst gemacht, wäre jetzt sicher manches noch leichter oder anders. Trotzdem geht es mir gut und ich mache das beste draus, wenn auch erst ein paar Jahre später.

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  6. Hast du keinen Festnetzanschluss?
    Den Ansatz finde ich interessant, aber ich kann nicht alles nachvollziehen:
    Welchen Sinn macht die theoretische Betrachtung der Kündigungsfrist, wenn es sich um Posten handelt, die man (sofern man nicht sein Leben plötzlich um 180 Grad umkrempelt und Weltenbummler wird) immer haben wird.
    Wenn du kein Eigentum erwirbst, wirst du um Mietzahlung wohl nicht herumkommen, und bei Eigentum zahlst du die Kreditrate. Solche Posten würde ich immer als Fixkosten für 12 Monate ansehen. 3 Monate Kündigungsfrist ist doch nur bei Umzug und dann doppelten Fixkosten interessant.
    VG, Mitro

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  7. Den Festnetzanschluss habe ich tatsächlich vergessen. Ist mir schon aufgefallen, kam aber noch nicht dazu, das anzupassen. Kündigungsfristen beachte ich deswegen, falls mir mal etwas passiert: Denn dann müssen meine Hinterbliebenen sich um solche Themen kümmern und ich weiß nicht, wie handlungsfähig meine Familie in einem solchen Fall wäre. Außerdem soll mein Freund, der sich noch in Ausbildung befindet, nicht sofort auf der Straße stehen.

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  8. Interessanter Artikel. Ich beschäftige mich seit kurzem intensiver mit meinen Finanzen. Ich arbeite in der Finanzbranche und kenne eigentlich die Theorie. Ich dachte bisher, dass ich ganz gut aufgestellt bin. Aber in letzter Zeit hat sich meine Meinung zu vielen finanziellen Sachen entscheidend geändert und ich habe probiert mich entsprechend zu informieren (Blogs, Foren, Artikel). Ich bin auch der Meinung wenn man sparen möchte, sollte man bei seinen Fixkosten anfangen. Vor allem bei den Monatlichen. Diese summieren sich über die Jahre extrem. Ich habe auch meine Kosten so berechnet, dass ich die Vertragslaufzeit mit berücksichtigt habe. Das macht durchaus Sinn denn ich bin ja gebunden und diese Kosten entstehen in jedem Fall. Ich versuche mich jetzt auch so gut wie möglich nicht mehr langfristig zu binden und habe jetzt alles Unnötige gekündigt (z.B. Abos, Mitgliedschaften) oder habe verschiedene Sachen bedarfsgerecht angepasst (Handy, Versicherungen, Strom). Da gibt es eine Menge Potenzial. Jetzt bin ich auch wieder „variabel“ wenn ich mir eine Hose kaufe ;)

    Viele Grüße
    Vio

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  9. Pingback: Blogparade: Mein Weg in die finanzielle Freiheit | Lifestyle, Finanzen und Lebensfreude

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