Großes Finanzpolster: Verzicht auf hohe Renditen vs. Wohlfühlfaktor (2/2)

In meinem letzten Artikel habe ich festgestellt, dass ich derzeit eine flexible Vermögensbildung bevorzuge und deswegen nicht alles in Aktien oder ETFs stecken möchte. Im zweiten Teil geht es um den Wohlfühlfaktor bei der Geldanlage. In letzter Zeit lese ich oft von hohen Aktienquoten beim Investieren. Ich bin ein ziemlicher Angsthase und frage mich: Wie hoch sollte eine Cash-Reserve wirklich sein?

Wohlfühlfaktor: Festlegung des Finanzpolsters und der Aktienquote
Bevor man mit seinem Geld an die Börse geht, sollten ein paar Rahmenbedingungen erfüllt sein. In der Finanzwelt ist man sich einig:

  1. Erst Schulden abbauen.
  2. Notpolster ansparen (ca. 3-6 monatliche Netto-Gehälter oder -Ausgaben)

Jetzt kann es losgehen! Doch ist es wirklich sinnvoll, sämtliches Erspartes risikoreich zu investieren? Es wird empfohlen das zur Verfügung stehende Kapital zu unterteilen:

  • in einen risikoreichen Anteil (z.B. Aktien, ETFs)
  • in einen risikoarmen Anteil (z.B. Anleihen, Tagesgeld)

Mit zunehmendem Alter sollte man den Anteil der risikoreichen Investitionen reduzieren. Mit jedem Jahr, das man älter wird, wird auch der mögliche Anlagehorizont kürzer. Während man in jungen Jahren starke Kursschwankungen und Abstürze in den Keller aussitzen kann, ist man als Rentner oft auf konstante Auszahlungen angewiesen und will vor allem Totalverluste kurz vor der Zielflagge nicht mehr erleiden.

Zur Berechnung der empfohlenen Aktienquote kommt folgende gängige Faustformel zum Zuge:

Aktienquote = (100 – Alter) %

Mit meinen 23 Lenzen empfiehlt sich laut der Formel eine Aktienquote von 77%. Der Zinseszins lockt, die Wirtschaft läuft seit 2009 steil bergauf und immer mehr Leute werden dazu verleitet, ihr Erspartes nahezu voll in risikoreiche Anlagen zu stecken.

Für welche Notfälle man Geld auf der Hohen Kante haben sollte
Mein Bauch sagt mir: Das ist nichts für mich. Derzeit horte ich genug Geld auf Tages- und Festgeldkonten, dass ich davon gute 2 Jahre leben könnte. Mag sein, dass mir auf Dauer Rendite dadurch verloren geht, anderseits fällt mir einiges ein, wofür man plötzlich Geld brauchen könnte:

  • ggf. Autoreparatur, Waschmaschine, kaputte Küchengeräte, Pc
  • Notfälle in der Familie
  • Gehaltsausfall (Studium, Wirtschaftskrise, ungeplante Schwangerschaft)
  • Bei einem Umzug: Umzugskosten, doppelte Miete, ggf. Einbauküche/neue Möbel
  • Autokauf statt Rad, falls der Alltag es nicht mehr anders zu lässt
  • Geld für eine Hochzeit
  • Falls die Kurse stark einbrechen: Nachkauf von Aktien/ETFs
  • Eigenkapital, falls sich eine passende Gelegenheit für die eigenen 4 Wände ergibt
  • ggf. Rücklagen für eine bereits vorhandene Immobilie
  • Wort Case-Szenarien: Neue Möbel bei einem Hausbrand, Beerdigungskosten
  • Welt-Rund-Reise, falls man todsterbenskrank wird

Die Vorteile eines geringen Notgroschens lesen sich da für mich nüchterner:

  • Ich kann im Schnitt ca. 8% Rendite erzielen
  • Inflationsschutz

Zwar klingt die kurze Liste für mich auch attraktiv, aber was sagen die Nerven,  wenn gleich mehrere Notfälle auf einmal eintreten? Dabei kann ich nur auf den Artikel vom Finanzwesir verweisen:

Machen Sie doch mal eine Feuerübung mit Ihrem Geld

Die Kurse können in der unpassendsten Zeit mächtig einbrechen und man verliert den Job. Falls man dann seine Investitionen liquidieren muss, fährt man die Verluste nach Hause. Obwohl man ja eigentlich antizyklisch investieren wollte, um die günstigen Kurse mit folgendem Aufwärtstrend mitzunehmen. Die Krisenzeit für ein Studium nutzen? Arbeitslosengeld gibt es dann aber nicht mehr.

Auch Alexandra von Sauerkraut und Zaster hat vor Kurzem ihren Notgroschen erhöht:

Anpassung des Notgroschens

Große Verluste treffen härter als der Verzicht auf große Gewinne
Angenommen man hat 5000€ als Notgroschen eingeplant und weitere 10.000€ zum Investieren. Diese kann man komplett in einen DAX-ETF stecken und mit Glück auch mal 25% Kurssteigerungen mitnehmen. Es kann aber genau so gut sein, dass der Kurs mal um 50% fällt. Oder aber man hat die 10.000€ fern von der Börse gehalten.

Szenario 1: Mach aus 10.000 € –> 12.500 €
Szenario 2: Mach aus 10.000 € –> 5.000 €
Szenario 3: 10.000 € bleiben 10.000 €.

Mit Szenario 1 kann jeder gut leben.

Nun kommt alles auf einmal: Jobverlust & Beziehungsende.
Einige Monate Arbeitslosigkeit, der neuer Arbeitgeber ist 150km weiter, man bekommt weniger Gehalt als vorher, muss Kaution, doppelte Miete für einen Monat, einen Umzugswagen und vielleicht einen Makler zahlen. Einige neue Möbel und Haushaltsgeräte braucht man auch. Küche ist in der Wohnung auch keine und ein Auto muss her. Der alte Arbeitgeber ist mit seinen Gehaltszahlungen rückfällig, weil ihm die Insolvenz droht. Zu allem Überfluss schreit das sonst so pflegeleichte Gebiss nach einer Zahnwurzelbehandlung.

Szenario 2:
Die 5.000€ Notgroschen reichen nicht aus. Zähneknirschend wird das Depot um die verbleibenden 5.000€ geplündert. Man fängt bei der Vermögensbildung wieder bei 0 an. An Investieren wird im nächsten Jahr erst mal nicht gedacht; erst muss wieder ein Notpolster angespart werden.

Szenario 3:
5.000€ werden vom Konto geholt, die anderen 5.000 verbleiben auf den Konto. Man wird etwas risikobereiter und fängt nun erst zu investieren an, da man auf steigende Kurse die nächsten Jahre hoffen kann.

Das hier sind natürlich nun Extrem-Beispiele, aber Szenario 2 ist das, wovor ich junge Investorin Angst habe: Der Totalverlust. Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt zum Investieren, aber es gibt sehr schlechte Zeitpunkte, um sein ganzes Erspartes auf eine Karte zu setzen.

Manch einer braucht wirklich keine große Cash-Reserve, weil er vielleicht zuhause wohnt oder im Notfall jederzeit wieder dort einziehen könnte. Oder man hat noch einen arbeitenden Partner, der notfalls aushelfen könnte. Aber sich immer auf andere zu verlassen, kann auch schief gehen.

Sparrate anfangs wichtiger als Rendite
Gerade dem jungen Gemüse meiner Generation kann ich nur sagen: Im Vordergrund steht die Einkommenserhöhung und das Sparen.

Oliver und Dummerchen haben es in den Kommentaren von meinem ersten Artikel auf den Punkt gebracht:

Oliver:

 Die Rendite ist zwar auch am Anfang wichtig, aber viel wichtiger ist das sparen.

Schlaukopf, äh, ich meinte Dummerchen:

Rendite wird erst später wichtig und so kann man sich insbesondere am Anfang mit kleinerem Vermögen “selbst erkunden” (Risikobereitschaft, Aktienquote, Anlagevehikel), solange man nicht einen Totalverlust riskiert.

Ich kann mich den beiden nur anschließen. Schaut, dass ihr eine solide Einkommensquelle habt und lernt euch erst mal besser kennen. Den Einstieg ins Börsengeschehen kann ich nur empfehlen, aber man sollte mit seinem mühsam Ersparten nicht zu hoch pokern und leichtsinnig „All in“ gehen.

Rico von erfolgreich-sparen.com musste im August schmerzliche Erfahrungen machen:

Wie ich in 5 Tagen mein halbes Vermögen vernichtet habe

Was leite ich für meine Investitionsstrategie ab?
Ich bin einfach kein Risiko-Typ, weswegen ich mir für meinen risikoreichen Anteil am Gesamtvermögen mir innerlich derzeit eine Grenze von 20% gesetzt habe. Sollte dieser Anteil nur noch die Hälfte wert sein, macht dies nur 10% meines Ersparten aus. Ich weiß nicht, ob es an meinem Geschlecht oder einfach an meinem Charakter liegt, aber mich lockt das große Geld nicht so sehr, wenn ich dafür große Risiken in Kauf nehmen muss. Ob ich den Anteil mal erhöhe, wird sich die nächsten Jahre zeigen; da bin ich wie gesagt flexibel.

Ich wünsche euch einen schönen 4. Advent und eine erholsame Weihnachtszeit!

 

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26 Gedanken zu “Großes Finanzpolster: Verzicht auf hohe Renditen vs. Wohlfühlfaktor (2/2)

  1. Nachdem ich das Frühlingswetter genutzt habe, hinterlasse ich mal einen Kommentar.

    Die letzten beiden Artikel von dir zeigen sehr schön, dass Du einen Weg suchst, wie Du für dich die Frage mit den Finanzen und deiner Lebenssituation möglichst gut im Einklang zu bekommen suchst. Das ist schon mal mehr, als 98% der Leute tun.

    Du bist bei diesen Fragen zum einen schon sehr weit gegangen, zum anderen siehst Du wahnsinnig viele Katastrophen, die eintreten können. Zugegeben, das kann alles oder auch nur vereinzelt kommen. Das ist ähnlich wie mit der Berufsunfähigkeit oder den gruseligen Krankheiten, die einen treffen können. Bei sehr vielen Leuten wird das aber nicht eintreffen, außer so kleinen Katastrophen wie Waschmaschine, Auto was auch immer gibt den Geist auf. Mit zunehmenden Alter und Vermögen verlieren diese Dinge aber an Relevanz, weil man das z.T. tatsächlich aus den laufenden Einnahmen finanzieren kann.

    Andere Sachen wie z.B. Immobilie sollte man sowieso langfristig planen, vor allem auch vor dem Kauf. Das vergessen viele, weil ihnen ein angebliches oder vielleicht auch wirkliches Schnäppchen angeboten wird. Häufig ist es aber nur das angebliche Schnäppchen. Mit Immobilien kann man sehr viel falsch machen und es haben sich damit mehr Leute ruiniert, als man denken möchte. Ich habe eine Bankausbildung gemacht und nach den zwei Wochen in der Immoabteilung war das Thema ohne ausreichendes Eigenkapital für mich komplett erledigt. Banken verdienen im übrigen super an dir, wenn Du die Immobilie nicht mehr finanzieren kannst. Wenn man wirklich sich fest entschließt, eine Immobilie zu kaufen und dafür die obligatorischen 20% Eigenkaopital ansparen möchte, sollte das nicht mit Aktien passieren. Nur als guter Tipp.

    Dann diese Formal, die überall herumgeistert: 100 – Alter = Aktienquote. Von der halte ich erstmal gar nichts. Du siehst ja an dir selber, das Stand heute 77% Aktienquote für dich total indikutabel ist. Es kann sogar tatsächlich sein, wenn Du mit 45 sehr gut verdienst und schon entsprechende Rücklagen hast, dass Du sagst, ich möchte eine viel höhere Aktienquote als heute. Wer weiß das schon? Finanzen sind etwas sehr persönliches und man kann den Menschen nicht in eine Formel pressen.

    Wie Du bereits geschrieben hast, kann man auf unterschiedlichste Art und Weise sparen. Man sollte sich im Grunde die Vehikel aussuchen, die einem genehm sind und dort regelmäßig etwas zurück legen, Die Regelmäßigkeit ist genau das, was es am Ende ausmacht. Das sieht man sogar bei den Leuten, die in total überteuerten Lebensversicherungen mit geringer Rendite sparen: Sie bekommen immer noch viel Geld heraus, wenn sie 40 Jahre durchhalten. Das ist keine Werbung für Lebensversicherungen, sie dienen nur als Beispiel und sind ggw. eine denkbar schlechte Geldanlage.

    Wenn es wirklich eine Formel geben sollte, dann wäre es folgende:

    Meine realistischen (!) Ziele = Regelmäßiges Sparen * Jahre (ohne sich im normalen Leben alles zu versagen, was man gerne machen möchte)

    Wenn man z.B. später nur noch halbtags arbeiten möchte, dann kann man sich gut ausrechnen, was man monatlich benötigt. Das ist in den 20ern für die 40er ein absolut realistisches Ziel. Wenn man einigermassen gut anlegt und tatsächlich einiges im Monat spart, wird man irgendwann in den 40ern soweit sein, das man auf eine Arbeit nicht mehr angewiesen ist. Das ist allerdings wirklich Anstrengung und es kommt auch auf die Lebenssituation und den Ansprüchen an.

    Alles in allem ist es ein laufender Prozess, der sich ständig verändert. Nur eines sollte man nicht verändern: Zumindest irgend etwas beiseite legen im Monat, auch wenns nicht viel ist.

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    • Das Wetter ist wirklich ein Traum. Ich oute mich mal als eigentlich-Winter-nicht-Möger, weils so schnell dunkel und rutschig wird. Mein Fahrrad steht deswegen auch schon seit einem Monat im Keller. Gleichzeitig bin ich ein Fan von strahlend blauem Himmel und trockenem Boden; da ist mir dann die Temperatur egal.

      Ich sehe wirklich viele Katastrophen, die im besten Fall nie eintreten. Andererseits sind es gerade die Worst Case-Szenarien, die einen aus der Bahn werfen können. Vielleicht bin ich da sehr pessimistisch. Vielleicht bin ich auch einfach nur gerne immer auf alles vorbereitet (wobei ich in der Schule trotzdem immer erst auf den letzten Drücker Vokabeln für Französisch oder Latein gepaukt habe..).

      Danke für den Tipp mit dem Eigenkapital. Hätte in einer Bank gerne mal Mäuschen gespielt, was da intern so abläuft.. Ich spare aktuell erst mal „auf gut Glück“ für die eigenen 4 Wände. Wenn die Frage in den nächsten Jahren mal aktuell wird, hat mein Freund natürlich auch noch ein Wörtchen mitzureden. Wenn wir uns dagegen entscheiden sollten, ist das auch ok. Dann gibt es eben ein Schub für mein Depot. Einige meiner gleichaltrigen Kollegen sparen lobenswerterweise auch (nachdem ich einem mal vorgerechnet habe, dass er sich aktuell ohne Eigenkapital keine Wohnung für 200.000€ anlachen sollte). Hier im Schwabenländle ist Wohnraum ja leider sehr teuer, weswegen keiner einem Mieter das Geld schenken möchte und lieber was eigenes will. Anderseits bringen einen die Kaufpreise für Wohnungen und Häuser zum Weinen.

      Kapitalbildende Lebensversicherungen, Riester und Ratenkäufe sind ein Phänomen für sich. Am Ende des Monats nie Geld übrig? Dann monatlich etwas abbuchen lassen und es klappt. Manche haben es nicht besser gelernt, weswegen ich ihnen keinen direkten Vorwurf mache. Gleichzeitig habe ich mich bereits damit abgefunden, dass man manche Leute nicht belehren kann, wenn sie sich nicht aus eigenen Zügen an einen wenden. Ich habe es 2-3 mal sanft versucht (bei jungen Männern mit unrealistischem Auto-Wunsch), aber man macht sich damit keine Freunde.

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  2. Deine Einstellung find ich klasse! Du machst alles richtig. Ich wünschte, ich hätte mit 23 schon so einen Durchblick gehabt.

    Wie du schon sagst: Schulden zurückzahlen, sparsam leben, Finanzpolster aufbauen – das sind die Grundlagen. Dann kann man mit einer geringen Aktienquote herausfinden, wie wohl man sich damit fühlt und welche Strategie die Richtige für einen ist.

    Ich gehe ein sehr viel höheres Risiko ein, wie du weißt. Und vielleicht falle ich damit böse auf die Nase und kehre der Börse anschließend für immer den Rücken.

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    • Huhu Stefan, ich finde es wichtig, dass man seine eigenen Erfahrungen macht. Gilt für alle Bereiche im Leben. Auch, wenn man damit vielleicht auf die Nase fällt. Solche Erlebnisse können sogar sehr positiv prägend fürs restliche Leben sein. Praktisch, dass mafis auch kommentiert hat. ;) Er hat da einen guten Artikel zu geschrieben: http://mafis90.de/2015/11/auch-mal-fehler-machen/ Ich will dir deine Aktienstrategie gar nicht mal ausreden, wenn das „Dein Ding“ ist. Auch, dass du nun mit ETFs liebäugelst finde ich gut. Ich würde mir nur wünschen, dass Anfänger wie wir nicht blind der Masse folgen und es vor lauter Begeisterung damit übertreiben (wobei ich das zu Beginn normal und förderlich finde). Aber wenn man es zu sehr übertreibt und die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden, demotiviert das. (Ist wie mit Crash-Diäten: 3kg abgenommen, Stillstand auf der Waage und aus Frust wieder 5kg drauf.) Man muss aufpassen, dass man die schlimmsten Fehler im Leben vermeidet, weil die oft nicht so leicht wegzulächeln sind. Also vermeide böse auf die Nase zu fallen und hab mehr Geduld. Wäre schade, wenn du der Börse auf Frust den Rücken zu drehst, obwohl du mit einem zweiten Anlauf und mit einer entspannteren Vorgehensweise auf Dauer mehr Erfolg hättest.

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  3. Glaube das wichtigste ist wirklich dein Weg zu gehen und genau das machst du ja. Alle diese Pauschale Dingen sind doch wirklich nicht hilfreich.

    Wenn man sich damit wohl fühlt dann hat man wohl alles richtig gemacht. Bei mir halt mehr Risiko, aber ist halt mein Weg.

    Aber eine Sache mit dem 20% Risikoreich erinnert dein Plan schon etwas an dem All Weather Portfolio.

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    • Von dem Portfolio höre ich das erste Mal. Kannst du mir da was zum Lesen empfehlen? Wegen dem „mehr Risiko“: Du hast immerhin eine wichtige Diversifikation in letzter Zeit in Angriff genommen: Humankapital und Drehen an der Einkommensschraube. Die Investition in die eigene Arbeitskraft ist für mich immer noch das wichtigste Standbein. Durch dein Fernstudium und den Arbeitgeberwechsel hast du ja schon gezeigt, dass es lohnen kann, seinen eigenen Weg zu sehen. Das Einkommen kann zwar nicht beliebig maximiert werden, aber um sich Gedanken zur Vermögensbildung zu machen, muss man auch erst mal was Beiseite legen können.

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  4. Der Wohlfühlfaktor ist entscheidend, wenn man sich nicht wohl fühlt, dann hat alles keinen Zweck. Wie Oliver schreibt, mit zunehmenden Vermögen spielen die Krisen, vor denen du jetzt noch „Angst“ hast, keine Rolle mehr. Irgendwann ist man an einem Punkt, wo 20.000 € oder 30.000 € nicht mehr so ins Gewicht fallen. Wenn du dich erst langsam an die Sache herantastest, ist das eher klug. Zu dem Mythos zur Aktienquote im Alter habe ich einen kurzen Beitrag verfasst http://www.rente-mit-dividende.de/philosophieren/#Aktienquote
    Ich habe neben meinem Notgroschen, der zugegeben relativ hoch ist, eine Aktienquote von 100% und fühle mich wohl damit. Das war allerdings auch eine Entwicklung über Jahre. Ich finde, du machst das sehr gut. Wäre ich mit 23 nur halb so klug gewesen wie du……..

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    • Vermutlich habe ich deswegen Angst vor der Krise, weil ich noch keine überstanden habe. 2008/2009 war ich noch in der Schule, da habe ich kaum was mitbekommen. Auch wenn du mit 23 noch nicht so klug warst wie jetzt, so hast du zumindest jetzt doch einiges schon erreicht.

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  5. Es muss natürlich jeder selbst entscheiden wie hoch sein persönliches Investment in Aktien ist. Was ich gut finde, das du dich scheinbar sehr genau einschätzen kannst was für ein Anlagetyp du bist. Da hast du schon einen gewaltigen Vorsprung zu vielen anderen Anlegern. Ich möchte aber auch nochmal erwähnen das Risiko bei Aktien immer geringer wird umsolänger das Investment dauert. Gerade mit deinen jungen Jahren hast du da einen Vorteil.

    Gruß Klaus-Dieter

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    • Kann dir nur zustimmen: Jeder muss selbst wissen, was für ihn persönlich gut ist. Wobei man da die Erfahrung nicht ganz vernachlässigen sollte. Am Anfang ist das Risiko für mich fast noch höher, weil man vielleicht nicht wirklich weiß man tut und erst mal die notwendige Gelassenheit mit kombinierter Weitsicht lernen muss.

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  6. Notgroschen ist eine wichtige Sache. Das merkt mann erst, wenn er mal benötigt wird. Wie hoch der ausfällt sollte jeder für sich entscheiden, eben Dein erwähnter Wohlfühlfaktor.
    Die Reihenfolge ist auch okay, Schulden abbauen, Notgroschen aufbauen , Finanzieren.. Um ein wenig die Angst vor dem Aktienkauf zu nehmen, wenn es denn Einzeltitel werden sollen.
    ETF´s sind keine schlechte Möglichkeit bzw Alternative zu Einzeltitel. Da kann man sich wirklich toben und aus lassen. Bei den Einzeltiteln kann man bei einigen Banken mit einen dynamischen Stopp-loss arbeiten. Bei steigenden Kursen zieht man den Stopp Kurs mit, bei fallenden werden die Verluste begrenzt.
    Vielleicht noch ein lese tipp. Auf der Seite von der Stiftung Warentest kannst Du Dich über ein sogenanntes Pantoffeldepot erkundigen. Für Dich dann vielleicht die Sicherheitsvariante. Lese es DIr mal durch, ist sehr interessant.

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    • Ich vermeide auch gerne Konsumschulden jeglicher Art, aber mein Notgroschen relativ klein. Für die meisten unvorhergesehenen Notfälle sollte dieser dennoch ausreichen, auch wenn mal mehrere Dinge gleichzeitig passieren.

      Auf der anderen Seite spricht meines Erachtens aber auch nichts dagegen im Notfall etwas zu finanzieren. Sei es das kaputtgegangene Auto oder die Waschmaschine. Dinge die man braucht (sollte man auf ein Auto angewiesen sein).

      Warum? Die Leser auf Blogs wie diesem sind für gewöhnlich in der Lage regelmäßig Überschüsse aus ihren Einnahmen zu generieren und in den Vermögensaufbau zu stecken. Das sieht eine Bank natürlich gern. Demzufolge bekommt man schonmal in die Gefilde der günstigeren Konditionen.

      Ich betrachte meine Kreditwürdigkeit deswegen als Ergänzung zu meinem Notgroschen.

      Hat man nun aber etwas finanziert, sollte man diese Verbindlichkeiten auch wieder loswerden, bevor man mit dem Investieren weitermacht.

      Besser ist natürlich trotzdem, wenn man nichts finanzieren muss. Es ist aber auch eine Möglichkeit (bzw. ein finanzielles Werkzeug) die man nutzen darf.

      Viele Grüße
      Marco

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      • An sich ist der natürlich nicht verkehrt, dass man aus den laufenden Einnahmen auch notfalls noch einiges begleichen könnte. Andererseits spekuliert man auf etwas, dass man noch nicht hat. Deswegen halte ich langjährige Kredite (Auto, Haus) für kritisch, weil man viele Jahre mit konstantem Gehalt rechnet und darauf angewiesen ist. Ist aber letzten Endes Geschmackssache. Bisher hatte ich noch keine finanziellen Notfälle und ich hoffe, dass es so bleibt. Ist wie mit meiner Unfallversicherung: Ich bin froh, dass ich eine habe und lebe trotzdem so vorsichtig, dass ich sie hoffentlich nie in Anspruch nehmen muss.

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      • Eine Finanzierung über einen größeren Zeitraum als 24 Monate käme für mich auch nicht in Fragen. Mal abgesehen davon, dass es sich dabei auch um die allerletzte und eine unvermeidbare Situation handelt.

        Mir geht es nur darum, sich dieser Idee nicht vollständig zu verschließen und diese Möglichkeit eben auch vorteilhaft nutzen zu können, eben weil es sich ja um Opportunitätskosten handelt (Renditeverzicht wegen hohem Notgroschen oder teure Kreditzinsen, falls notwendig, dafür aber mehr Geld in chancen- oder risikoreicheren Anlagen).

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      • Dein Ansatz geht fast schon ein bisschen in die Richtung „Spekulieren auf Pump“. Wobei ich auch sagen muss: So schnell würde ich mein Depot auch nicht auflösen, wo die Kreditzinsen so niedrig sind. An sich ist es ja nicht falsch, seine Kreditwürdigkeit als weiteres Standbein zu betrachten. Ich habe z.B. einen Schufa-Account, damit ich da alles im Überblick habe. Meine größte Befürchtung ist jedoch, dass gerade meine Arbeitskraft mal vorübergehend ausfallen könnte. Manche werden mich dafür steinigen, aber ich habe aus diversen Gründen keine Berufsunfähigkeitsversicherung.

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      • Hallo Ex-Studentin,

        das mit dem Spekulieren auf Pump klingt hart, geht von der Idee aber in die Richtung, wenn das Weniger an Notgroschen eben als selbst gegebener Kredit betrachtet wird, den man dann aufnimmt, wenn man diesen wirklich benötigen sollte.

        Ich stelle es ja nicht darauf ab und möchte dieses Vorgehen auch nicht empfehlen. Eines meiner finanziellen Ziele ist es übrigens niemals in meinem Leben Sollzinsen zu zahlen und mein Puffer ist groß genug, dass ich in Summe sämtliche notwendige Dinge neu bzw. gebraucht anschaffen könnte und meine laufenden Ausgaben sind in der Tat verschwindend gering.

        Ein Beispiel für meine Idee:

        Wenn ich 2.500 € p.a. Dividenden erhalte, kann ich bis zu 5.000 € in 24 Monaten tilgen. Ok, die Zinsen zahle ich aus anderen laufenden Einnahmen (ich wüsste auch nicht, ob ich die gesamte Rate nur auch mein Gehalt abstellen würde und auch Ausschüttungen von unternehmen sind nicht für 24 Monate garantiert). Aber höher dürfte die Kreditsumme in diesem Beispiel meines Erachtens auf keinen Fall sein, es müsste eben in meinen Augen absehbar sein. Keine Frage, meine Fragilität erhöht sich (wie Taleb und der Finanzwesir sagen würden).

        Aber auch hier gilt meines Erachtens eben die persönliche Risikotragfähigkeit und dass der von dir angesprochenen Wohlfühlfaktor ausreicht.

        Mein Puffer bemisst sich nicht an einem relativen Anteil zum Gesamtkapital, aber dennoch lasse ich diesen mitwachsen um eben immer mehr Eventualitäten abdecken zu können. Da ich mir beispielsweise kein neues TV-Gerät anschaffen würde, wenn das alte Gerät nicht mehr zu retten wäre, könnte ich bei einem wachsenden Puffer eben irgendwann auch dieses ersetzen (auch wenn das dann trotzdem nicht infrage käme).

        Mir geht es darum Kredite und Darlehen möglichst zu vermeiden (ich bin nicht einmal im Besitz einer Kreditkarte und über einen Überziehungsrahmen verfüge ich auch nicht). Kommt es aber hart auf hart, habe ich durch mein fleißiges Sparen noch den Trumpf der Kreditwürdigkeit im Ärmel. Doch die eigene Kreditwürdigkeit sollte mit Vorsicht genossen und genutzt werden. Wie sagt Herr Buffett:

        Kreditwürdigkeit ist wie Jungfräulichkeit – sie kann bewahrt, aber nicht so leicht wiederhergestellt werden. Es ist also verrückt, damit herumzuspielen.

        Im Grunde fasst es deine Aussage zusammen: Der Puffer muss eben für die persönlichen Bedürfnisse groß genug sein und sollte das Depot vor der Liquidation bewahren. Denn das wäre nur zu schade.

        Viele Grüße
        Marco

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      • Hallo Marco, jetzt verstehe ich besser, wie du das meintest. Ohne Kreditkarte zu leben, schaffe nicht mal ich. Dabei behaupte ich sonst stolz, noch nie Schulden gehabt zu haben. Keine Schuldzinsen gezahlt zu haben, trifft es da wohl besser. Wenn ich genau überlege, sehe ich meine Bonität auch sehr wichtig an, einfach nur >falls< man diesen Trumpf auf der Hand mal spielen müsste. Dank hoher Sparrate kann man notfalls wirklich ein Darlehen begleichen, falls es sein müsste. Ein Luxus, den nicht jeder hat.

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