Innerer Konflikt: Wann darf man etwas Funktionierendes durch etwas Neues ersetzen?

Mich verbindet zu meinem Fahrrad eine Hass-Liebe. Es sieht gut aus, fährt aber eher semi-geil bzw. sorgt bergauf für ordentliches Bein-Training. Seit über 3 Jahren bringt es mich zur Arbeit und zum Supermarkt. Blöderweise hat mein edles Gefährt letztens wieder gestreikt: Platter Reifen und Profil abgefahren. Ich befand mich im Zwiespalt: 50-60€ investieren oder gleich nach einem neuen Rad Ausschau halten? Hole ich mir dann wieder ein gebrauchtes oder greife ich etwas tiefer in die Tasche? Angenommen, ich kaufe mir für 800€ ein neues Fahrrad:

Darf ich dann ruhigen Gewissens noch einen Lifestyle- & Finanzblog führen?

Auch Blogger mafis stand letztens vor einem ähnlichen Problem als sein Auto repariert werden musste. Auch Pascal, der sich ein neues Bett und Auto angeschafft hat.

Ab wann gehört etwas in den Müll?

Ich habe immer wieder Gegenstände, die „eigentlich“ noch funktionieren, aber bei denen das Ende absehbar ist: Laptops mit kaputten Mouse-Pad, abgenutzte Möbel, ein tropfender Wasserkocher, Geschirr mit leichtem Riss. Dank meinem Ausmistwahn die letzten Monate begutachte ich solche Gegenstände kritischer als üblich.

Müsste ich den Gegenstand zeitnah wiederbeschaffen?
Nutze ich das Gerät trotzdem?

Antworte ich 2 mal mit Nein, kommt das Ding weg. So geschehen mit einem Sessel, da wir ohnehin genug Stühle haben und sich das Kunstleder ablöste und in der Wohnung verteilte. Alles andere wird bisher meistens bis zum Zerfall genutzt, womit ich die Anschaffungskosten so weit es geht nach hinten verschiebe.

Moralisch verwerflich: Ich kaufe gerne neue Sachen

Alle Frugalisten und Minimalisten müssen nun wegschauen:

Ich freue mich manchmal, wenn etwas kaputt geht.

Manchmal warte ich auf den endgültigen Abgang und bin darüber erleichtert: Wenn z.B. mein Handy nach 3-4 Jahren immer langsamer wird und irgendwann komplett den Geist aufgibt. Wenn der tropfende Wasserkocher mal das Zeitliche segnet, komme ich auch gut drüber hinweg. Der platte Reifen war nun auch nicht so schlimm, da ich mein Rad auf Dauer eh ersetzen wollte und ich ehrlich sein will:

Neue Sachen bereiten mir Spaß.

800€ für ein Fahrrad klingen in meinen Ohren nicht so schlimm, wenn ich damit auf ewig Straßen und Fahrradwege unsicher machen kann. Neue Armbanduhr für 150€? Wieso nicht, wenn ich mich dafür jedes Mal beim Draufschauen darüber freue. Sollte ich mir ein Auto kaufen, würde ich auch nach günstigen Neuwägen Ausschau halten. Wenn ich mir etwas „leiste“, dann habe ich im besten Falle sehr viel Freude daran.

Nun ist’s also raus: Ich bin ein materialistischer Mensch und erfreue mich tatsächlich an materiellen Dingen. Wenn sie schön glänzen: Umso besser.

Was wird nun aus dem Fahrrad?

Ich habe mir nun ein paar gebrauchte Räder gesehen und was auf den Bildern toll aussah und als „fast wie neu!!“, „kaum gebraucht“ oder „sofort einsatzbereit!“ angepriesen wurde, war ziemlicher Müll. Deswegen wurde mein altes Rad erst mal repariert und mit neuen Reifen fährt es sich ein wenig besser. Trotzdem werde ich mir bald ein neues Fahrrad kaufen, damit mein Freund und ich auch mal längere Radtouren machen können. Das Rad, was ich mir ausgesucht habe, kostet unter 700€ beim Fahrradhändler meines Vertrauens und ich freue mich bereits sehr darauf. Weil ich noch ein paar Extrawünsche hatte, muss ich nun noch ein paar Wochen darauf warten. Was ich dann mit meinem alten Rad mache, weiß ich noch nicht.

Konsum ist nichts Schlimmes

Ich verteufel Konsum nicht, sondern halte diesen für normal. Ich würde mir nur wünschen, dass Dinge bewusster gekauft und länger genutzt werden. Wenn ich mal etwas mehr Geld ausgebe, dann weil ich mich viele Monate damit beschäftige und genaue Vorstellungen habe. Z.B. für Urlaube oder Elektrik. Auf mein neues Fahrrad warte ich nun sehr gerne – ich mag die Vorfreude. Mir ist es ebenso wichtig, dass man auch nach dem Kauf noch viel Freude an einer Sache hat.

Konsumieren darf Spaß machen.

Ich mag es nicht, wenn jegliches Konsumieren verteufelt wird. Jeder darf machen und kaufen, was ihn glücklich macht. Wichtig ist es nur, dass man vor lauter Geld ausgeben nicht aus den Augen verliert, was einem wirklich Freude bereitet.

Prioritäten setzen statt verzichten

Viele kennen sicherlich den Spruch: „Man sollte sich auch mal was gönnen“. An sich denke ich da ähnlich – man darf sich nur nicht ALLES gönnen, wenn man auch noch etwas Geld sparen möchte. Z.B. bin ich durch viel Werbung auf tolle Uhren von www.holzkern.com aufmerksam geworden und habe wochenlang mit mir gerungen, meine jetzige Uhr zu ersetzen. Der Versuchung konnte ich dann doch widerstehen, weil ich bereits eine sehr tolle Armbanduhr seit vielen Jahren trage. Im Nachhinein frage ich mich, wieso ich mich überhaupt da so reinsteigern konnte. Für eine Frau besitze ich (worauf ich recht stolz bin..) wenige Handtaschen: 3 Stück, die zusammen vielleicht um die 50€ Wert sind. Für Schuhe gebe ich dafür meist etwas mehr aus (um die 80€), weil es mir mein Rücken dankt, seit ich keine Deichmannschuhe und Co. mehr trage. Mein Smartphone hat unter 300€ gekostet. So langsam bestehen meine Habseligkeiten nur noch aus Dingen, wo ich mir denke: „Bitte geht nicht kaputt, sondern haltet ewig.“

Darf ich noch ruhigen Gewissens einen Lifestyle- & Finanzblog führen?

„Lifestyle“ bedeutet letzten Endes das jeder so lebt, wie er es für richtig hält. Es ist kein Wettstreit (Ich werde wohl nie so frugalistisch leben wie Oliver. Trotzdem lebe ich kein Leben in Saus und Braus, sondern habe die letzten 4 Jahre weniger als 1200€ im Monat zum Leben gebraucht. Ein schönes Leben mit großer Wohnung mitten in der Stadt, Urlauben, Freunde treffen, Essengehen und Elektrik-Spielereien. Ich lebe quasi ein sehr luxuriöses Leben und verzichte relativ selten auf etwas – zumindest nicht im negativen Sinne. Ich führe kein aktives Haushaltsbuch, sondern weiß erst am Ende des Jahres, wie viel Geld ich nun eigentlich ausgegeben/gespart habe und wie hoch meine durchschnittliche Sparquote in dem Jahr war. Da jedoch jeden Monat nach wie vor jeden Monat 600€ von meinem Konto abgehen, ist das Sparen bei mir sicher gestellt. Sollte mein Kontostand die 1000€ unterschreiten, habe ich dadurch ebenfalls ein kleines Frühwarnsystem für erhöhte Ausgaben.

Vermutlich wird mein Leben die nächsten Jahre teurer: Größere Urlaube, Ausgaben für Möbel, vielleicht mehr Gesundheitsausgaben. Vermutlich kommt irgendwann ein Auto mit großem Kofferraum dazu und wir brauchen eine größere Wohnung. Für die Zukunft ist es mir wichtig, dass ich dabei ein gesundes Verhältnis zum Konsum behalte. Wie das in Zahlen aussehen wird: Keine Ahnung und ist eigentlich auch egal, sofern ich mich damit gut fühle.

Was „gönnt“ ihr euch und worauf könnt ihr im Vergleich zu anderen gut verzichten?

Blogparade: Mein Weg in die finanzielle Freiheit

Pascal von fyoumoney.de hat zur Blogparade aufgerufen. Es möchte wissen, wieso man Vermögensaufbau betreibt und welche Auswirkungen dieser auf das Leben seiner Leser hat. Viele interessante Artikel zu dem Thema wurden bereits veröffentlicht und ich finde es toll, wie viele private Einblicke man in das Leben der anderen Blogger bekommt – und dass, obwohl man als Blogger ja eigentlich ohnehin schon sehr viel aus seinem Leben Preis gibt.

Letztes Jahr habe ich bereits darüber geschrieben, dass ich nicht aus eigenem Wunsch finanziell frei werden möchte, sondern mich quasi dazu genötigt fühle. So richtig greifbar ist dieses Ziel für mich immer noch nicht. Dennoch hat es Einfluss auf mein jetziges Leben, wovon ich heute berichten möchte. Weiterlesen

Meine Spartipps mit einem Hauch von Minimalismus – Teil 1

Standard-Spartipps geben wie „Preise vergleichen“, „Fahrrad statt Auto“ und „Sachen gebraucht kaufen“ kann ja jeder. Heute will ich euch einen kleinen Einblick in meinen Alltag geben, wie ich an der ein oder anderen Stelle Geld spare bzw. Müll vermeide. Es sind wirklich nur sehr kleine Tipps und man häuft dadurch keine Reichtümer an.

Ich bin von dem Minimalismus-Trend ziemlich begeistert: Weniger Konsum, weniger Müll, mehr natürliche Produkte, Verzicht auf Fleisch. Ich bin leider bei Weitem keine Minimalistin. Aber ich denke mir: Nur weil man nicht so erfolgreich ist wie Elvis, muss man das Singen ja nicht gleich aufgeben, sondern sollte weiter üben. Deswegen sehe ich jede Tendenz zu einem bewussterem Umgang mit unseren Ressourcen und anderen Lebewesen als etwas Positives an. Lieber eine langsame Entwicklung zum Besseren als gar keine.

Das positive am Minimalismus: Es schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. Deswegen kommen hier  20 meiner kleinen Alltagstipps. Weil der Beitrag wieder länger geworden ist, habe ich das ganze auf 2 Beiträge aufgeteilt. Weiterlesen

Weswegen ich eine Eule, aber keine Lampenschirme habe

In der Finanzbloggerwelt wird oft dazu geraten, sich von unnötigem Balast zu befreien und regelmäßig auszumisten. Auf dem Weg zur finanziellen Freiheit kommt man nicht drumrum, sich mit seinem Konsumverhalten auseinander zu setzen und stolpert zwangsläufig auch über das Thema Minimalismus. Diesen Artikel schiebe ich schon eine Weile vor mich her und alleine die Titelwahl fiel mir schon schwer: Eigentlich wollte ich den Artikel erst „Mein Geständnis: Ich bin eine Sammlerin“ nennen, änderte den Titel zwischendrin in „Ein bisschen Minimalismus kann nicht schaden“, um letztlich den Artikel einer Eule und meinen nicht vorhandenen Lampenschirmen zu widmen. Im Laufe des Artikels erkläre ich, wie ich auf diese Titel kam.

Was versteht man unter Minimalismus?
Kurz formuliert: Weniger ist mehr. Je weniger Dinge du dein Eigen nennst, desto freier wirst du und hast Zeit, dich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Während die Leute vor 100 Jahren angeblich nur rund 180 Dinge in ihrem Haushalt beherbergten, besitzt der heutige deutsche Durchschnittshaushalt rund 10.000 Besitztümer. Der heutige Minimalismus-Trend versucht dieser Angewohnheit entgegen zu wirken. Ein paar tolle Tipps, wie du dein Leben etwas entrümpelst, findest du z.B. auf einfachbewusst.de.

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