Kaufe nichts für den Schrank oder Keller

In vielen Lebensbereichen gilt es, ein gesundes Mittelmaß zu finden. Aber was heißt „gesund“ in Bezug auf Konsum? Nur Second-Hand-Ware? Ein Budget oder eine Anzahl festlegen? Ich tue mich schwer damit, die Sinnhaftigkeit von Ausgaben an Zahlen fest zu machen, weswegen mein Tipp relativ simpel ist:

Kaufe nichts für den Schrank oder Keller!

(Ausnahme: Schränke für den Keller) Wenn etwas zum Staubfänger wird, ist rausgeschmissenes Geld relativ einfach einfach erkennbar. Bei meinen Käufen achte ich deswegen vor allem auf den praktischen Nutzen.

Funktion ist wichtiger als Ästhetik.

Ästhetik spielt durchaus auch eine große Rolle, z. B. bei Kleidung oder Möbeln, aber es darf nicht das alleinige Kriterium sein: Eine unbequemem Sofa, egal wie schick es aussieht und wie teuer es war, bleibt ein unbequemes Sofa. Es gilt also nicht der oft verwendete Spruch „Wer billig kauft, kauft zweimal“, sondern eher:

Wer seine genauen Anforderungen nicht kennt, kauft zweimal.

Bevor ich Geld ausgebe, stelle ich mir vor, wie die „gemeinsame Zukunft“ mit dem Produkt aussehen würde. Beispiel: Ich sehe ein tolles T-Shirt mit einem coolen Motiv vorne drauf. Mir wird bewusst, dass ich das Tshirt nicht auf der Arbeit tragen würde, sondern höchstens privat am Wochenende. Wenn ich morgens in den Schrank greife, würde mich das neue Tshirt irgendwann so stören, dass ich es ausmisten würde. Bzw. ich würde es vermutlich so lange im Keller oder ungenutzt im Schrank lagern, bis ich mir eingestanden habe, dass es ein Fehlkauf war.

Es folgen nun ein paar weitere Beispiele aus meinem Leben geben, wie ich beim Kauf von Konsumgegenständen vorgehe.

Wie finde ich das perfekte Produkt?

  1. Die genaue Bezeichnung herausfinden: Wenn ich z.B. einen Küchenregal suche, gebe ich erst mal das Wort „Küchenregal“ bei google Shopping / Bilder oder amazon ein. Wenn ich passende Bilder sehe, schaue ich mir die dort alternativ verwendeten Stichwörter an, z.B. „Gewürzregal“. Dann suche ich unter dem Begriff erneut und schaue, ob ich dadurch passendere Ergebnisse erhalte. Manchmal gibt es auch Produktvergleiche oder Nischenseiten, die sich mit dem Thema befassen.
  2. Benchmark & Anforderungen definieren: Ich verschaffe mir einen Überblick, welche Optionen der Markt derzeit bietet und welche Funktionen mir davon wichtig sind. Beim Thema Gewürzregal wäre das: Passende Abmessungen, leichte Montierbarkeit, ausreichend Stellfläche. Allgemein wichtig sind für mich Anforderungen wie: leicht zu reinigen, leicht bedienen.
  3. Auswahl einschränken: Ich suche mir Produkte raus, die meine Anforderungen erfüllen. Wenn sehr viele Produkte infrage kommen, definiere ich ein paar Sonderwünsche, z.B. sowas wie: „Es soll 3 Fächer haben.“, „Es soll unter 40€ kosten“ und „mindestens 4 Sterne bei amazon“. Ebenso sortiere ich Ergebnisse aus, die sich sehr ähneln. Dadurch reduziere ich auf 2 oder 3 Produkte, die in die nähere Auswahl kommen.
  4. Rezensionen lesen: Dabei mache ich meistens Stichproben: Ich lese mir ein paar der schlechtesten Bewertungen durch. Sowas wie „Holz dunkler als erwartet.“ oder „kaputt geliefert, aber wurde anstandslos ersetzt“ hätte keinen negativen Einfluss aus meine Auswahl, „Holz bricht bereits beim Zusammenbau auseinander“ hingegen schon. Dann lese ich stichprobenartig auch bessere Bewertungen oder die amazon-Fragen durch, die für mich relevant sind. Manchmal stammen gute Rezensionen von Fake-Nutzern. Das bemerkt man relativ schnell, wenn dort 10 mal das gleiche steht: „beste regal sehr good sofort kaufen!!“
  5. Entscheidung fällen: Die finale Entscheidung treffe ich anhand der Rezensionen. Falls es da keinen großen Unterschied gibt, treffe ich nach Lust und Laune oder zeige meinem Freund die Optionen.
  6. Kaufen / Preisvergleich: bei idealo.de oder billiger.de kann man nach dem Produkt suchen und die Preise vergleichen. Wer etwas Zeit mitbringt, kann sich bei de.camelcamelcamel.com benachrichtigen lassen, sobald ein gewisser Preis unterschritten wird. Ich schaue ebenso auch bei lokalen Läden oder ebay-kleinanzeigen.de vorbei, ob ich was Vergleichbares finde.

Diese Recherche betreibe ich vor allem bei einmaligen Anschaffungen, die ich viele Jahre lang nutzen möchte, z.B. bei Elektronikgeräten. Bei Möbeln, Kleidung und Pflegeprodukten gehe ich ganz oldschool in ein Fachgeschäft.

Anbei ein paar Beispiele, bei denen ich nach dem oben beschriebenen Prinzip vorgegangen bin:

Rucksack

Mein Rucksack ist mein steter Alltagsbegleiter. Ich nenne ihn spaßeshalber meinen „Survival-Rucksack“, da ich ihn überall mit hinnehme. Neben dem Tragecomfort ist der Stauraum für mich wichtig, da ich z.B. Einkaufstaschen, Regenschirm, Stifte, USB-Stick und Co. mit mir rumtrage. Mittlerweile begleitet mich mein Rucksack seit 4 Jahren. Lieber ein guter Rucksack als 10 Handtaschen.

Rucksack

Ich bin ein großer Fan von vielen Fächern.

Duschkorb

Ich hätte nicht gedacht, dass meine Suche nach einem Duschkorb so lange dauern würde. Meine simplen (dachte ich zumindest) Anforderungen: Hängende Befestigung durch 1 Haken, 2-3 Fächer, ggf. Haken für Waschlappen. Kompromisse wollte ich nicht machen: Ich bin kein Fan von Bohrungen in der Wand und bei bloßer Befestigung durch Saugnäpfe fällt der Korb ggf. ständig runter. Ich hatte die Suche aufgegeben, als eine Freundin zufällig was Passendes entdeckte. Ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht das Erstbeste kaufen sollte, nur weil man nichts anderes findet (macht man bei der Partnersuche hoffentlich auch nicht..).

Duschkorb

Praktischer Duschkorb

Regal für die Mikrowelle

Da wir eine kleine Küche haben, kämpfe ich um jeglichen Stauraum. Letztlich fand ich die eierlegende Wollmilchsau: Mehr Ablagefläche und Haken für Küchenlöffel & Co. Wenn ich das kleine Regal ansehe, freue ich mich jedes Mal, sowas Passendes gefunden zu haben. Obwohl ich ein Fan von Minimalismus bin, muss ich mich erneut dazu bekennen, dass ich gerne Geld für gute Sachen ausgebe.

Mikrowellen-Regal

Eierlegende Wollmilchsau für die Mikrowelle

Staubsauger

Auf der Suche nach einem neuen Staubsauger waren meine Anforderungen anfangs relativ simpel: Er muss saugen können (für mich sahen die Dinger alle gleich aus). Nachdem ich mir Rat bei meinen Kolleginnen holte, stöberte ich ein wenig, was es heutzutage alles gibt.

Man kann bei der Auswahl eine halbe Wissenschaft draus machen:
– mit oder ohne Beutel
– mit Kabel oder mit Akku
– handgeführt vs. Saugroboter
– für Allergiker geeignet
– für Tierhaare geeignet
– Stromverbrauch, Saugkraft und was es nicht noch alles zu berücksichtigen gibt..

Meine Anforderungen änderten sich dadurch:
– ohne Kabel & ohne Beutel wäre cool.

Am Ende wurde es ein Staubsauger, der gleichzeitig auch ein Handstaubsauger ist (man kann den Sauger aus der Halterung nehmen).

2in1-Staubsauger

Da macht staubsaugen fast schon Spaß

Nachteile von zielgerichtetem Konsum

Faktor Zeit: Wie beim Staubsauger erwähnt, kann man aus allem eine Wissenschaft machen. Man sollte vorher abwägen, für welche Produkte das sinnvoll ist. Für manche Recherchen verbringe ich durchaus auch mal 1-2 Stunden, obwohl der Gegenstand selbst vielleicht nur 20€ kostet. Diese Zeitersparnis kann sich nach hinten raus aber lohnen. Wer ein schlechtes Produkt kauft, holt sich ggf. einen Zeitfresser damit ins Haus oder benutzt es gar nicht erst. Bei günstigen Produkten kann man die Recherche auch mal ausfallen lassen und nach „Trial and Error“ (Versuch und Irrtum) vorgehen. Wenn die gekaufte Fahrradklingel nichts taugt, kauft man halt eine andere. Solche Produkte tausche ich dann normalerweise nicht um (=Zeitfresser), sondern schmeiße sie direkt weg und schreibe ggf. eine entsprechende Rezension.

Schwer zu beschenken:

Wer alles hat, was er braucht, dem muss man nichts schenken.

Innerhalb der Familie fragen wir bei Geburtstagsgeschenken: „Was kannst du gebrauchen?“ und richten uns auch danach. Ungeplante Geschenke sind für mich ganz schwierig, weil ich mich nicht traue, diese wegzuschmeißen oder zu verschenken. Diese sterben bei mir dann den langsamen Tod und liegen solange im Schrank oder Keller, bis deren Existenz „verjährt“ ist. Am liebsten sind mir deswegen Geschenke, die man verbrauchen kann, z.B. Seife oder Nahrungsmittel. Ausnahme sind Pflanzen: Die sterben bei mir schneller..

Mein Fazit

Ich halte Konsumausgaben dann für sinnvoll, wenn man dadurch einen Mehrwert im Leben hat: Zeitersparnis, Platzersparnis, gesteigerte Lebensqualität. Um das zu erreichen, sollte man sich seinen genauen Anforderungen bewusst sein und sich Gedanken machen, wann und wie oft man das Produkt (realistisch betrachtet) nutzen wird. Der Preis eines Produkts spielt bei der Auswahl eher eine geringe Rolle. Lieber ein teures Produkt kaufen, was man jeden Tag nutzt, als ein billiges Produkt, was verstaubt. Gleichzeitig muss aber „billig“ nicht gleich schlecht bedeuten: Unsere besten Küchenmesser haben 1€ gekostet. Obwohl wir auch teurere Messer besitzen, schneiden diese nicht so gut wie die „Billigmesser“.

Die Anforderungen sind von den jeweiligen Lebensumständen abhängig, weswegen keiner einem vorschreiben kann, welche Konsumausgaben „sinnvoll“ sind und welche nicht. Wer z.B. Katzenhaare aufsaugen muss, kauft sich einen anderen Staubsauger als ich, die in erster Linie gegen ein paar Krümel kämpft.

Habt ihr Prinzipien / Gedankengänge, die ihr beim Thema „Konsum“ berücksichtigt?

20 Gedanken zu „Kaufe nichts für den Schrank oder Keller

  1. Den Artikel unterschreibe ich zu 100%. Ich gehe genauso vor.

    Bei 5) entscheide ich eher zugünsten der Qualität.

    6) hält sich bei mir in Grenzen. Wenn ich meine, der Preis passt, investiere ich keine Zeit, um irgendwo einen günstigeren zu finden.

    Darüber hinaus berücksichtige ich mit zunehmenden Alter die Nachhaltigkeit und Herstellungsbedingungen. Jeder einzelne Kauf setzt dabei ein Zeichen und kann sich an Veränderungen beteiligen, auch wenn viele daran nicht glauben.

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    • Huhu lubo,
      Qualität ist auch ein guter Gesichtspunkt. Nachhaltigkeit ist mir auch durchaus wichtig (nicht alles im Internet bestellen), aber erwähne ich ungern, weil ich da nicht das beste Vorbild bin.

      Ansonsten bestelle ich viel auf amazon. Der Preisvergleich erübrigt sich oft, da amazon meistens der günstigste Anbieter ist. Zudem finde ich dort den Service gut, weil ich im Mängelfall alles leicht zurücksenden oder umtauschen kann.

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  2. … von mir ebenfalls zwei Daumen hoch, ich gehe ebenfalls so vor und mit den Jahren hat man es dann doch ganz gut raus, an welcher Stelle man sich selbst in die Tasche lügt (und den Bauch in Richtung „Schrankleichen“ entscheiden lässt) und wie man echte Qualität erkennt.

    Das Ganze kann allerdings auch heftige Ausmaße annehmen. Ich erinnere mich an eine mehrseitige Excel-Tabelle, als ich letztes Jahr auf der Suche nach dem perfekten Kühlschrank war. Aber wenigstens hat sich die stundenlange Recherche & Vergleich gelohnt – bis jetzt.

    Cooler Artikel jedenfalls!

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    • Danke schön, Sventja!
      Mehrseitige Excel-Tabelle klingt auch nach einer halben Wissenschaft. 😀 Ich bin da aber vermutlich auch nicht viel besser: Mein Freund runzelt oft die Stirn, wenn er meine 30 Tabs offen sieht. 😀 Ich klick meistens sehr viel an und kicke dann ganz viele Kandidaten raus, bis nur noch wenige übrig bleiben. Dabei schreibe ich mir selten was auf, weil ich beim Vergleich mathematisch bzw. wie bei einem Turnier vorgehe: Ich vergleiche 2 Modelle und kicke eins raus, bis am Ende nur noch 2-3 übrig bleiben.

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  3. Hallo Jenny,

    danke für deinen Artikel. Ich gehe prinzipiell genau wie du beim Konsum vor: Was brauche ich, auf was kann ich verzichten, was ist der Preis-Leistungssieger und wie lange hält der Artikel.

    Das perfekte Produkt zu finden, kann manchmal sehr lange dauern. Eine Entscheidungshilfe hierbei liefert mir meistens Stiftung Warentest sowie diverse
    Kundenmeinungen im Netz. Je teurer ein Produkt ist, desto mehr Zeit verbringe ich mit der Recherche.

    Viele Grüße
    Matthias

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    • Huhu Matthias,
      ja, die Suche korreliert definitiv mit dem Preis. Wenn ich genauer drüber nachdenke, hängt meine Recherche auch von der Nutzungsdauer ab. Bei einem Handy z.B. brauche ich bei der Auswahl wesentlich länger als z.B. bei einem Drucker.

      Liebe Grüße
      Jenny

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  4. Ich habe in den letzten paar Jahren auch immer gerne gebraucht gekauft. Viele Produkte sind (mir) einfach nicht den teuren Preis wert. Meine Brücke wie ich sowas feststelle ist auch dann immer zu überlegen, wie lange ich für dieses oder jenes gearbeitet habe. Wäre es mir wert jetzt 5 Stunden lang für das neue T-Shirt zu arbeiten ist dann die Frage, die ich mir selbst stelle.

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    • Huhu Hendrik, das ist auch ein guter Ansatz. Mit dem Ansatz würde ich weniger kaufen als jetzt. Bei mir stauen sich viele Anschaffungen an („Wäre cool, brauchst du aber nicht unbedingt..“). Irgendwann knicke ich dann doch ein und bestelle mir solche Sachen.

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  5. Schöner Artikel. Ich gehe bei meiner Recherche fast genauso vor.
    Bei den Rezensionen auf Amazon lege ich den meisten Wert auf die mit 3 oder 4 Sternen. Das sind häufig die Bewertungen, bei denen sich die Leute am meisten Mühe gegeben haben und auf die Vor- und Nachteile des Produkts eingehen. Rezensionen mit einem Stern stammen viel zu oft von Leuten, die ein defektes Produkt erhalten haben, Probleme mit dem Versand hatten oder offensichtlich Griesgräme sind. Und 5-Sterne-Bewertungen sind, wie du schon sagst, in letzter Zeit viel zu oft Fakes.

    Bevor ich mir etwas kaufe, warte ich übrigens immer mindestens 30 Tage. In der Zeit stellt sich oft heraus, dass ich das Ding doch nicht wirklich brauche, sondern einfach nur haben wollte. In dem Fall spare ich lieber das Geld und verzichte auf das neue Spielzeug.

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    • Huhu Phil,
      ja, ich mache es da recht ähnlich. 1-Sterne Bewertungen sind für mich sinnvoll, weil dort manchmal mit Begründung steht, warum die ganzen guten Bewertungen fake sein müssen. 😀 4er sind tatsächlich ausführlicher, stimmt. Wobei da manchmal steht: „Alles super!“, weil manche wohl aus Prinzip keine Höchstwertung geben. Und ich schaue mir die aktuellsten an, falls es ggf. Produktänderungen gab.

      Die 30-Tage-Regel klappt bei mir nicht so recht. Wenn ich Sachen im Hinterkopf behalte, kaufe ich es mir dann doch irgendwann. Entweder ich verwerf etwas sofort: „Nein Jenny, du brauchst kein Einhorn-TShirt“ oder ich kaufe es mir dann, wenn ich gerade eh was bei amazon bestelle und noch über die 29€ kommen muss..

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  6. Das Vergleichen von Angeboten auf bekannten Vergleichsportalen ist besondern nützlich. So kann man viel Geld sparen und bezahlt auch nicht zu viel für ein Produkt. Manchmal sind die Preisunterschiede riesig.

    Stichwort Staubsauger: Kennst du Dyson? _

    Gruss Fabian

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    • Hi Fabian,
      über Dyson war ich auch gestolpert. Hast du einen von der Marke? Da ist das Behälterleeren einfacher und der Akku austauschbar. Dyson war tatsächlich aus ästethischen Gründen nicht die finale Auswahl & wegen der Verstauung (Wandhalterung oder sehr viel Platz brauchende Lagerstation). Unser jetziger Staubsauger hat eine sehr kleine Dockingstation und ist sofort einsatzbereit.

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  7. Schöner Artikel, wir machen es ähnlich, legen sehr viel Wert auf Qualität und ziehen eine längere Gewährleistung einen günstigeren Preis vor. Mit der Zeit hatten wir aber „Alles“ was wir so brauchen.
    Teilweise ziehen wir heute das Kaufen Vorort vor, ( wie z.B. bei Möbel ) aber hier gibt es auch einen entsprechenden Handlungsspielraum, das die vorherige Recherche durchaus angewendet werden kann.

    LG
    Plutusandme

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  8. Bei einem Radio- und Fernsehtechniker (als es den noch gab…) bei uns im Ort stand früher mal ein Schild: „Es ist ein guter alter Brauch: Wo repariert wird, kauft man auch!“
    Oft muss ich über diesen Satz nachdenken. Als wir vor viereinhalb Jahren zusammengezogen sind, konnte ich von einem Bekannten Waschmaschine und Trockner sehr günstig bekommen (ich glaube zusammen 100€). Dabei handelte es sich um Geräte, die er selbst repariert bzw. durchgesehen hatte. Nicht neu, aber namhaft. Und für den Zweck allemal ausreichend. Bis ich mit dem höheren Stromverbrauch einen neuen Trockner zusammen habe, dauert das einige Zeit. Als der Trockner im letzten Winter aber doch streikte (er hatte bei uns jetzt vier Jahre gelaufen), rief ich den lokalen Elektriker an, der am selben Tag noch vorbeikam. Er probierte dieses und jenes und stellte fest, dass eine Reparatur unwirtschaftlich wäre.
    Also musste ein neues Gerät her. Für das gute Gewissen bin ich dann in das Geschäft jenes Elektrikers gefahren und habe mir ein neues Gerät ausgeguckt. 10% Rabatt gehen immer und so wurde der am nächsten Tag geliefert, die Treppe rauf ins Obergeschoss getragen, aufgestellt, ich bekam eine Einweisung und den alten hat er auch mitgenommen und entsorgt. Auf der Rechnung wurde dann auch noch der vergebliche Reparaturversuch gutgeschrieben. Und was soll ich sagen: Trotz enormer Anstrengung habe ich weder in diesem Internet noch in den einschlägigen Prospekten der „Großen“ ein vergleichbares Produkt günstiger gefunden. Und: wenn da jetzt mal wieder was mit sein sollte, weiß ich, wen ich anrufe… Und ja: Wir brauchen einen Wäschetrockner. Ich WILL weiche Handtücher!

    Eine andere Geschichte: Als in unserem Mietshaus vorletztes Jahr der Kühlschrank in der Küche kaputt ging („Schatz, da ist ganz schön viel Schwitzwasser“ – „Nein, das Gefrierfach taut gerade ab…“), konnten wir uns zwar zunächst helfen und den „Getränkekühlschrank“ (schon wieder Luxus, ich weiß…) nutzen und uns so ein wenig den Zeitdruck nehmen.
    Bei einem Besuch bei so einem Handelskontor (ich suchte eigentlich nach Büromöbeln), stand dann zufällig ein einzelner Kühlschrank, den er bei irgendeiner Geschäftsauflösung mitgenommen hatte, der hatte da offensichtlich im Pausenraum gestanden (und war innen ein wenig verschmutzt und hat eine kleine Macke auf der Tür). Marke Bosch, frei stehend, „gib mir 100€“. – Sprinter geliehen, Kühlschrank gekauft.
    Jetzt kam das nächste Problem: Der alte Kühlschrank (hinterher stellte sich raus Baujahr 1984) war ein Einbaugerät gewesen und jetzt fehlte uns ein bisschen Schrankfläche (die Tupperpötte halt 😉
    Also überlegten wir, was wir denn überhaupt bräuchten und kamen auf einen Hochschrank mit Nische für die Mikrowelle und ansonsten viel Platz. Also wieder mit offenen Augen durch die Welt. Bei einem Besuch beim Schweden habe ich mir dann an so einem Computer mal spaßeshalber einen zusammengeclickt, der unsere Anforderungen erfüllen konnte. Irgendwas um die 700 Euro. Das war der Moment, in dem ich dachte: Für das Geld fragste auch noch mal im Küchenhaus. Und siehe da: Schrank, schicke Türen, schicke Griffe, Sockelleiste etc. 650€. Lieferzeit drei Wochen. Gekauft. Nach fünf Wochen (hatte er aber angekündigt) kamen dann zwei Herren, die etwa drei Stunden lang den Schrank (der beim Reintragen eigentlich ziemlich fertig aussah) auseinander und wieder zusammenbauten. Griffe ansetzten, den nachträglich bestellten zusätzlichen Regalboden einbauten, die Sockelleiste passend sägten, den Schrank an der „Pappwand“ professionell befestigten, den Müll (und auch den alten Schrank inklusive Kühlschrank) wieder mitnahmen, die Sägespäne wegsaugen und mir in der bestehenden Küche noch ein paar Türen nachstellten. Alles in Allem 650€. Wenn ich darüber nachdenke, dass die Jungs das jeden Tag machen und wenn ich dann darüber nachdenke, dass ich bei IKEA mehr bezahlt und den Schrank selbst aufbauen hätte müssen (inkl. finden eines geeigneten Zeitpunktes, diverser Flüche, Suchen der passenden Schraube beim Aufpassen, dass einem nicht alles wieder zusammenbricht… Ich glaube, wir haben die richtigere Entscheidung getroffen 🙂

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    • Danke für die bildhaft beschriebenen Praxisbeispiele! Du läufst mit offenen Augen durch die Welt, da ergeben sich gute Gelegenheiten. Jetzt, wo ich deine Storys lese, muss ich an ein paar eigene Beispiele denken: Mein Papa ist auch so ein Fuchs und fragt immer nach Ausstellungsstücken. So habe ich als Studentin meinen Kühlschrank und mein Bett günstiger bekommen. Waren vielleicht ein paar Kratzer drin, aber mich juckt sowas nicht. Wie deine Küchenhelfer tickt auch mein Fahrradmensch: Wenn ich mein Rad zur Reparatur bringe, kostet das nicht viel und behebt auch automatisch andere Mängel, über die er zufällig stolpert. Habe da ganz nach Brauch mein neues Fahrrad gekauft, weil solche Läden nicht aussterben dürfen.

      Was mich allerdings wundert, ist, wie man von 650€ Schrank und 2 Leute finanzieren kann. Mit Transport, Aufbau etc. waren die sicherlich ein paar Stündchen unterwegs.

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