Es ist nie zu spät, etwas besser zu machen

Den heutigen Beitrag starte ich mit einem kurzen Arzt-Witz: „Wenn Sie noch eine Zeit lang leben wollen, müssen Sie aufhören zu rauchen!“ – „Dazu ist es jetzt zu spät.“ – „Zum Aufhören ist es nie zu spät!“ – „Na, dann hat’s ja noch Zeit …“

Moral von der Geschicht‘:

In dem Moment, wo man etwas besser machen kann, sollte man damit anfangen und es nicht länger aufschieben.

Es ist nie zu spät, etwas besser zu machen.

Oft höre und lese ich die Sätze: „Wenn ich das schon früher gewusst hätte..“ oder „Da bin ich mittlerweile zu alt für…“ Dabei denke ich mir immer: Natürlich wäre es gut, wenn man von Geburt an alles perfekt gemacht hätte – Aber wer schafft das schon? Fehler gehören zum Leben dazu. Man gewinnt Erfahrung und kann daraus Motivation schöpfen. Je nach dem wie man seine Prioritäten gesetzt hat, hat man dafür andere Dinge richtig gemacht.

Dies gilt für viele Lebensbereiche, für die ich euch ein paar Beispiele nennen möchte:

Finanzen

Wer erst mit 50 anfängt, sich aktiv um seine Finanzen zu kümmern, wird vielleicht nicht unbedingt Millionär, kann sich aber trotzdem ein beruhigendes Finanzpolster zulegen. Man muss sein Geld nicht an der Börse investieren, sondern sollte erst mal mit dem Sparen anfangen. 5.000€ auf dem Konto können schon viele Existenzängste mindern. Alles ist besser als nichts. Jeder setzt seine eigenen Maßstäbe. Viele Menschen (und darunter auch Finanzblogger, wie z.B. Natascha von Madame Money PennyFinanzrocker Daniel) haben erst gemerkt, wie wichtig das Thema Finanzen ist, als es schlecht lief.

Gesundheit

Wer diverse Laster hat (Fastfood, Rauchen, Alkohol), tut sich schwer damit von heute auf morgen aufzuhören. Oft muss es dafür erst einen großen Schlag tun (Schlaganfall, Krebs etc). Im besten Fall schafft man es bereits vor chronischen Beschwerden seine Lebensweise zu ändern. Das muss nicht direkt eine 180 Grad-Wendung sein, sondern man kann mit einer schrittweisen Verbesserung anfangen: Weniger rauchen, Tiefkühl-Gemüse statt Tiefkühl-Pizza, Tee statt Softgetränke, mehr Bewegung in den Alltag einbauen.

Selbstverwirklichung

Du wolltest immer Schauspieler(in), Sänger(in) oder Fotograf(in) werden? Mach es doch einfach! Keiner sagt, dass es zu deinem Hauptberuf werden muss. Mach es zu deinem Hobby: Melde dich als Komparse für Serien, nimm Gesangsunterricht oder besuche einen VHS-Kurs. Finde über das Internet Gleichgesinnte. Linda von mymoneymind hat sich z.B. letztes Jahr getraut, Fallschirm zu springen. Bei einem Seminar habe ich einen Coach kennen gelernt, der sich jedes Jahr eine verrückte Sache vornimmt, z.B. das Hypnotisieren erlernen. Super Idee und definitiv an kein Alter gebunden!

Beispiel aus meinem Leben:

Seit ich 13 bin, beschäftige ich mich dem Thema Abnehmen. Ich habe einiges schon getestet: Ernährungsberatung, Kalorienzählen, Intervallfasten, Fett vermeiden, unzählige Sportarten. Selbst mit gesunder Ernährung und 3x Sport die Woche hatte ich immer noch Übergewicht und ich dachte mir: „Es soll vielleicht nicht sein.“ und „Andere haben einen besseren Stoffwechsel als du.“ Ich redete mir ein, dass Normalgewicht und ich einfach nicht zusammen passen. Dass ich das akzeptieren muss, wie es nun mal ist. Irgendwann meidete ich, mich auf die Waage zu stellen. Wie man sich denken kann: Akzeptanz machte es nur schlimmer und ich nahm immer weiter zu.

Akzeptanz von Misständen ist keine langfristige Option

Als bei mir eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt wurde, beruhigte mich das irgendwie: „Es lag nicht nur an mir.“ Aber trotz Diagnose und Medikamente ging es mir letztes Jahr immer schlechter. Das war der Wachrüttler, der mir gefehlt hatte: Ich lese nun mehr zum Thema Gesundheit & Ernährung und bilde mich durch VHS-Kurse weiter. Statt mein Leben direkt um 100% umzuschmeißen, habe ich Schritt für Schritt ein paar Dinge geändert. Obwohl ich schlechte Erfahrung mit einer Ernährungsberaterin gemacht habe, habe ich mir nun wieder professionelle Hilfe geholt. Unterschied: Dieses Mal hatte ich genug Vorkenntnisse, um zu beurteilen, ob die Hilfe „richtig“ für mich ist. Ich nehme langsam wieder ab, die Hosen rutschen. Ich bin Teil einer Abnehmgruppe in Facebook, in der sogar eine über 70-Jährige von ihren Erfolgen berichtet. Meine gescheiterten Abnehmversuche finde ich nicht schlimm. Manchmal hilft auch schon zu wissen, wie man etwas nicht macht.

Mein Fazit

Gesundheit & das Thema Finanzen sind sehr ähnlich. Dass man Missstände irgendwann ignoriert, ist menschlich. Sei es nun das überzogene Konto, die schlecht laufende Beziehung oder wie in meinem Fall die Waage: Probleme auszublenden hilft vorübergehend, um nicht daran kaputt zu gehen. Früher oder später endet das Ganze leider meist im Desaster und man schiebt dieses bittere Ende nur auf, z.B. offene Rechnungen bis hin zur Privatinsolvenz. Deswegen mein Rat: Wenn ihr irgendetwas gezielt ausblendet, widmet dieser Sache erst recht eure Aufmerksamkeit. Atmet tief durch, schaut euch die Misere an und macht euch keine Vorwürfe, egal wie schlimm die Situation erscheint. Überlegt euch, wie ihr das Thema schrittweise angehen könnt. Der erste Schritt ist tatsächlich der schwerste, danach wird es immer leichter. Wenn ihr zwischendrin scheitert, nehmt das als Erfahrung mit und versucht es einen Tag oder 1 Woche später noch mal mit einer anderen Herangehensweise (ich ernähre mich derzeit z.B. Low Carb).

Professionelle Hilfe durch einen Therapeuten oder Coach anzunehmen, ist nichts Schlimmes, wenn es dafür euren Weg zur Verbesserung beschleunigt. Wie bei allem gilt: Setzt euch mit dem Thema auseinander und lasst euch nicht von anderen einen Bären aufbinden. Sucht euch also einen Coach, der euer Problem und eure Ziele wirklich versteht. Feiert kleine Erfolge: Kleine Schritte, wie z.B. im Monat 50€ sparen oder ein halbes Kilo abnehmen. Klingt nicht nach viel, ist besser als eure vorige Situation. Ehe man sich versieht, sind nach einem Jahr 600€ bzw. 6 kg daraus geworden. Man darf sich nicht von den Erfolgen anderer blenden lassen. Jeder hat andere Rahmenbedingungen und man sieht bei anderen nicht immer die komplette „Wahrheit“. Wenn man es schwerer hat als andere, kann man trotzdem nahezu alles schaffen, was man sich in den Kopf gesetzt hat. Dabei hat man umso mehr Grund, darauf stolz zu sein. Hat man etwas erfolgreich „optimiert“ und gefestigt, bildet man damit eine bessere Ausgangsbasis für weitere Verbesserungen.

Ich persönlich sehe mich als Steh-Auf-Männchen.

Womit hattet oder habt ihr in eurem Leben zu kämpfen und welche Herangehensweise an Probleme hat euch dabei geholfen?

StehAufMännchen

29 Gedanken zu „Es ist nie zu spät, etwas besser zu machen

  1. Huhu Jenny!
    Schöner Beitrag!
    Ich tue mich mit dem Abnehmen auch schwer :/ Allerdings meine ich, dass das Umkrempeln von heute auf morgen beim Rauchen oder Abnehmen „vielleicht“ der beste Weg ist … zumindest habe ich bisher nur von Rauch-Aufhörern gehört, die sofort und konsequent aufgehört haben. Manchmal höre ich dann Sätze, wie, dass man sich plötzlich vor sich selbst geekelt hat, etc. Ich habe sogar zwei getroffen, die nach dem Buch „Endlich Nichtraucher“ von Allen Carr nie wieder eine Zigarette geraucht haben. Bücher können eine ganz schön ergreifende Wirkung haben!
    Dann fällt mir noch der Fall von Nadja Hermann ein: Sie hat „Fettlogik“ geschrieben und von heute auf morgen alles umgekrempelt. Grund: Wenn sie weiterhin stark übergewichtig geblieben wäre, hätte sie nicht mehr laufen können. Es musste so dringend Gewicht vom kaputten Knie runter, sonst wäre sie an einen Rollstuhl gebunden gewesen. Das hat ihr die Augen schlagartig geöffnet, und sie hat mit ärztlicher Begleitung 40-50 kg in einem halben Jahr runtergehabt. In meinem Bekanntenkreis kam auch erst -20kg zustande, nachdem das Herz schwächelnde Anzeichen gab und die Panik eingriff … :/
    Ich habe dieses „Von heute auf morgen“-Erlebnis beim Aufstehen gehabt. Nach Lesen des Buches „The Miracle Morning“ stehe ich früh auf, zwar nicht um 5, aber meistens so um 6/7 rum, auch wenn ich frei habe oder so. Früher habe ich mal bis 10/11 Uhr geschlafen, weil ich dachte, das müsste ich mir „gönnen“, aber das kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen!

    Es ist echt schwierig, alt eingesessene Gewohnheiten zu ändern, besonders wenn kein „triftiger“ Grund dahintersteht, der einen in Panik versetzt. Aber ich glaube, es geht trotzdem. Schritt für Schritt für Schritt, wie es Thomas neulich geschrieben hat. Die Stehaufmännchen-Mentalität finde ich sehr gut, man muss auch konsequent sein und dran bleiben, egal, wie oft man hinfällt!

    Viele Grüße 🙂
    Anna

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    • Hi Anna,

      ob harter Schnitt oder schrittweise Änderung kommt immer auf den Mensch & die Sache an. Z. B. habe ich Phasen, wo ich von heute auf morgen sage: „Nun keine Süßigkeiten mehr!“ und manchmal sage ich: „Jeden Tag plane ich fest eine Kleinigkeit ein, um keinen Heißhunger zu bekommen“. Bei Sport und Co. bin ich da recht ähnlich. Derzeit habe ich die Einstellung, mich zu nichts zu zwingen und auf nichts zu verzichten. Damit bin ich die letzten Jahre besser gefahren, weil ich sonst Körpersignale überhört habe. Ich fange z.B. später an zu arbeiten als früher, weil mein Biorythmus auf Nachteule eingestellt ist. Mein restliches Leben bin ich ca. um halb 6 aufgestanden und habe viel zu wenig geschlafen, weil ich nun mal bis um 11/12 abends wach bin. War zum Leidwesen meiner Eltern schon als Kleinkind so. Jetzt stehe ich gegen 7 auf, am Wochenende gegen 8. An freien Tagen stehe ich nun also auch früher auf (früher musste ich da den fehlenden Schlaf von unter der Woche aufholen).

      Liebe Grüße
      Jenny

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  2. Zu „Womit hattet oder habt ihr in eurem Leben zu kämpfen und welche Herangehensweise an Probleme hat euch dabei geholfen?“: Ich bin ein fauler Hund. Dabei habe ich sicherlich auch gewisse Talente (wie hätte ich sonst das beste Abitur in unserer Klasse machen können?). Aber aufgrund meiner Faulheit (Mein Motto: „Tue nicht mehr, als du unbedingt musst“) habe ich es beruflich nicht allzu weit gebracht, jedoch ist es mir aufgrund meiner Talente wenigstens gelungen, in einer Branche (Bankwesen) zu arbeiten, die überdurchschnikttliche Gehälter und Sozialleistungen zahlt. Aufgrund meiner Faulheit habe ich dann mit 47 Jahren den Job geschmissen und bin seitdem… jetzt in Rente. Soviel zu meiner NEGATIVEN Geschichte.

    Das POSITIVE: Ich habe von Anfang an viel gespart, mein Geld gewinnbringend angelegt (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne – in den 1980er-90er Jahren ging das noch), mir eine Eigentumswohnung gekauft und diese dann in bar bezahlt – den für die meisten Menschen größten Ausgabeposten – Wohnen und Verkehr (hab nie ein Auto gehabt) – sehr klein gehalten. Dadurch konnte ich dann mit 47 mit dem Arbeiten aufhören, ohne dass es finanziell gejuckt hätte – denn ich war Multimillionär* ohne es zu wissen – und das trotz meiner Faulheit !!!!
    *Millionär ist nach meiner Definition jemand, der 10 Jahre lang von seinen Reserven leben kann, ohne arbeiten zu müssen (das hat also nichts mit einer Million Euro, Dollar, Pfund oder Lire zu tun)

    Nun zur Frage: Womit hatte ich zu kämpfen: Dass alle anderen (insbesondere Chefs und Kollegen) mich wegen meiner Faulheit („Tue nicht mehr, als du unbedingt musst“) mobbten.
    Meine Herangehensweise: Dass ich irgendwann aufgab, weil ich den dickeren Schädel (sprich: genügend Ersparnisse) hatte, und dann durften die anderen, also die, die mich gemobbt hatten, meine Arbeit mit machen, während ich mir dann „ein schönes Leben“ machte.

    Bereut habe ich das nie: Rein in die Bank – Eigentumswohnung gekauft – Raus aus der Bank (dreimal etwas gold-richtig gemacht – das hätte nur noch durch einen Lottogewinn getoppt werden können, der mir allerdings vergönnt geblieben ist)

    Das alles steht sicherlich in krassem Gegensatz zu den „Mindset“, die hier im Online-Kongress vorgestellt werden. Ich wollte nie „wirklich richtig reich“ werden; ich wollte „nur“ soviel Geld haben, dass es bis zur Rente reicht (und ich nicht mehr arbeiten muss – wegen meiner Faulheit). Irgendwann war es dann ja auch soweit. Wobei ich ehrlicherweise zugeben muss: Wenn die Job-Situation inzwischen nicht dermaßen schlimm gewesen wäre, hätte ich höchstwahrscheinlich gar nicht gemerkt, dass ich mein Ziel – nicht mehr arbeiten zu müssen („Tue nicht mehr…“) schon längst erreicht / überschritten habe.

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    • Hi Rabi,
      meiner Generation wird die gesetzliche Rente kaum zum Leben reichen. Wenn man schon vorher aussteigt, erst recht nicht. 10 Jahre von seinem Ersparten leben, ist machbar (120.000€ bei 1.000 Ausgaben im Monat). Reich ist man dann aber lange noch nicht, wenn man weitere 50 Jahre von was leben muss. Ich manchen Ländern bin ich Millionärin (in vietnamesischer Währung), aber keine Euro-Millionärin.

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      • Ich glaube, dass es in Zukunft wesentlich schwieriger – wenn nicht unmöglich – sein dürfte, dasselbe Konzept durchzuziehen, wie ich es gemacht habe.
        Rein mathematisch dürfte es sich um eine Exponentialfunktion handeln.
        Der Grundstein wurde dabei zwischen meinem 20sten und 30sten Lebensjahr gelegt, als die Inflation und Zinserträge zwar für automatische Gehaltserhöhungen und Kapitalzuflüsse sorgten, aber die Ausgaben trotzdem niedrig blieben.
        Ich wusste gar nicht, wofür ich mein Geld überhaupt ausgeben sollte. Aber genau aus demselben Grund wusste ich auch nicht, warum ich überhaupt noch arbeiten soll (nur damit ich auch „später“ noch was zu essen habe). Dann habe ich mir die Wohnung gekauft – und alles Geld war damit weg. Aber damit fiel auch die Miete weg – und ich sparte noch schneller – wie gesagt: exponential

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      • Mietfrei wohnen hilft auf jedem Fall beim Turbosparen! Wenn man genug gespart hat, darf man ruhig früher in Rente. Ich plane durchaus, im Alter das Ersparte in Maßen aufzubrauchen. Es wird in den meisten Fällen eh für die Pflege drauf gehen. Ich finde es zudem schlimm, wenn Kinder auf das Erbe spekulieren: „Ich erb‘ eh mal ein Haus“ oder „Ich lass mir mein Erbe vorher ausbezahlen.“ Als ob es ein Recht auf ein Erbe geben würde.

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      • Was erben angeht: Ich habe zusammen mit meinen Schwestern das Haus unserer Eltern geerbt. Aber glücklicherweise gibt es da keinen Streit: Meine Schwester – sie wohnt im Nachbarhaus – kann das Haus nach ihrem Geschmack gestalten, und dafür können meine andere Schwester und ich dort übernachten, wenn wir sie besuchen. Das ist aber auch das Glück, wenn man nicht aufs Geld angewiesen ist (ansonsten hätte ja das Haus verkauft und der Erlös verteilt werden müssen)

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  3. Ein sehr guter Text. Und es ist wirklich so. Mir hat ein Umzug gezeigt, dass so vieles möglich ist. Ich wollte 2017 meine Arbeit wechseln und am liebsten nach Dresden ziehen. Aber: Meine Kinder gingen in Bonn in den Kindergarten. Mein Mann und ich hatten in Bonn unsere Arbeit… Würden wir auch in Dresden schnell Arbeit finden? KiTa-Plätze? Neue Freunde? Eine Wohnung? … Letztlich hatte ich den Mut es durchzuziehen. Das hat mein Vertrauen in mich selbst sehr gestärkt. Wenn man etwas möchte, soll man es einfach tun und seine Ängste überwinden.

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    • Glückwunsch, dass ihr diesen Schritt gewagt habt!! Ich habe großen Respekt, wer solche Veränderungen durchzieht. Man steht sich mit seinen Ängsten viel zu oft selbst im Weg. Aktuell werden zudem überall Arbeitskräfte gesucht.

      Liebe Grüße
      Jenny

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  4. Hallo Jenny,
    nach längerer Abstinenz schreibe ich mal wieder. Bin etwas fauler auf dem Gebiet geworden.

    Ich habe inzwischen meine Philosophie etwas umgebaut: Es ist nie zu spät, etwas anders zu machen. Natürlich möchte man sich gerne verbessern, aber wenn Dinge schlecht laufen, ist es häufig so, dass man etwas nicht gerne oder einfach nur schlecht tut und seine Strategie verändern sollte. Häufig ist die eigene Strategie schlecht und dann läuft es nicht so, wie man sich das vorstellt. Beispiel: Ich arbeite in einem Job, der mir nicht gefällt, zu sehr anstrengt und gleichzeitig wird er schlecht bezahlt. Das häufigste Muster, was Du finden kannst, um aus der Situation rauszukommen, ist länger arbeiten. Dann verdiene ich mehr und irgendwann habe ich so viel Geld zusammen, das ich nicht mehr arbeiten muss. Tim schreibt ja immer vom schrecklichen Job. Man sollte dann ranklotzen und alles anlegen, um ihn aufgeben zu können. Finde ich nicht sonderlich valide.

    Warum nicht eine andere Lösung suchen? Ich überlege mir, was besser zu mir passt und suche in dem Bereich einen passenden Job. Da ich ein bisschen was verdienen möchte (den Anspruch sollte man immer haben, wird aber leider gerade von vielen Frauen stark vernachlässigt) schaue imich in Ruhe um, welche Möglichkeiten es gibt, was gut zu mir passt und was ordentlich bezahlt wird. Diese Variante wäre doch sehr viel angenehmer, als einfach mehr zu arbeiten, um den ungeliebten Job loszuwerden. Gehe ich irgendwo gerne zum arbeiten, habe ich viele Folgeprobleme nicht.

    So ist es bei fast allen Dingen im Leben. Meistens sind wir nicht gut, weil wir uns nichts zutrauen, kein Interesse haben und das Verdrängen wesentlich bequemer ist. Sonst gäbe es nicht so viele Feierabendbierchen, Sektchen oder Likörchen oder was auch immer. Wenn ich z.B. Dinge gerne mache, dann muss ich mich häufig gar nicht motivieren um besser zu werden. Das passiert unterbewusst bei schönen Beschäftigungen von ganz alleine. Ansonsten werde ich weiter fürchterlich sein oder immense Anstrengungen an den Tag legen müssen, um besser, aber nicht gut zu werden. Ein sehr passendes Beispiel ist Mozart und Salieri. Mozart war begnadet und gut, er hat einfach das gefunden was er konnte und wurde mit der Zeit immer besser. Salieri war bestenfalls Durchschnitt, er war an der Position gewöhnt, konnte aber machen was er wollte – über Durchschnitt ist er nicht herausgekommen.

    Wenn ich also immer Durchschnitt bin in den Dingen, die ich tue, dann wäre es vielleicht an der Zeit, etwas anders bzw. anderes zu machen. Das bringt mich im Leben weiter als ständige Selbstoptimierung. Habe ich etwas gefunden, was ich gerne mache, werde ich rein aus Interesse sowieso mit der Zeit immer besser. Das ist ein Naturgesetz. Mache ich Dinge, die mir völlig gleichgültig sind oder sogar hasse, bleibe ich immer der Salieri auf meinem Gebiet.

    Aus Gewohnheit vergessen das die meisten Menschen. Es läuft jauch so, wenn nicht ganz optimal doch immerhin so, das ich mein Leben fristen kann. Das stimmt zumeist, aber es ist der beste Weg, dass man abgestumpft wird oder mit einer fiesen Fresse wie 90% der Personen in einer S-Bahn morgens um 6.30 Uhr sitzt.

    Dein Punkt mit den Finanzen z.B. erzählt eher, etwas anders als zuvor zu machen. Viele sparen gar nicht, noch mehr erfinden Ausreden warum es keinen Sinn macht zu sparen. Kann man in den Kommentaren in der Tagespresse oder in Onlinemedien gut nachverfolgen. Wenn einer das bis 50 noch nicht getan hat und dann damit anfängt, macht er etwas anders als zuvor. Natürlich ist es besser, die Vorteile liegen auf der Hand, wenn man eine Rücklage hat. Kann jeder nachvollziehen, der sie hat, wenn man keine großartigen Geldsorgen hat.

    Für mich habe ich festgestellt, wenn etwas nicht gut läuft oder nervt, dass ich auf diese Fragestellung falsch reagiere. Das heißt, ich persönlich mache etwas falsch und muss es ändern oder nehme es einfach zu wichtig. Ich muss natürlich vorher feststellen, ob es für mich wichtig ist und es wirklich Kraftanstrengung benötigt, den Umstand zu verändern. Liegt es in meiner Macht, etwas zu verändern? Wenn ich z.B. körperlich so gebaut bin, dass ich einfach nicht dünn werde, dann muss ich es bis zu einem gewissen Punkt akzeptieren. Gegen Biologie komme ich nicht an. Etwas Übergewicht ist übrigens gar nicht so schlecht. Die Betonung liegt auf etwas und nicht rollende Kugel. Etwas erhöhtes Gewicht lässt die Leute älter werden. Also kann man auch seine Sichtweise ändern und versuchen, gelassener auf Dinge zu reagieren, die unvermeidlich sind und wo man nicht mehr Aktivitäten an den Tag legt, als notwendig ist. Hier muss man an seine innere Einstellung arbeiten. Kostet auch Aktivität, aber nicht unendlich Kraft, die man für anderes wesentlich besser verwenden kann.

    So genug geschrieben, ist eh zu lange geworden.

    Grüße Oliver

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    • Huhu Oliver,

      kann verstehen, wenn man nicht mehr so viel schreibt. Gibt viele andere Themen im Leben außer Finanzen..

      Das mit dem „anders machen“ ist ein guter Ansatz. Gibt da den guten Spruch: „Man kann nicht das Gleiche machen, aber ein anderes Ergebnis erwarten.“

      Ich schaffe es nur schwer etwas anders zu machen, wenn ich keinen konkreten Anlass dazu habe. Das ist ein Nachteil beim Genügsam-sein – ich gebe mich viel zu schnell zufrieden. Z.B. probiere ich keine anderen Eissorten, weil ich Vanilleeis mag und mir nicht vorstellen kann, dass es was Besseres gibt. 8 Jahre den gleichen Arbeitgeber, 7 Jahre den gleichen Freund. Ich mache meistens nur etwas anders, wenn ich es vorab bereits als eindeutig besser identifiziere. Ich merke diese Ängstlichkeit auch bei anderen Frauen, z.B. bei Gehaltserhöhungen: „Ich trau mich nicht zu fragen, gerade ist glaube ich ein schlechter Zeitpunkt..“, während ich viele Männer kenne, die es knallhart durchziehen und sagen: „Entweder ich bekomme das geforderte Gehalt oder ich bin weg.“ Deswegen wundert mich auch das Gender Pay Gap nicht.

      Das „etwas anders machen“ kann man wieder schrittweise üben. Deswegen trete ich in diversen Medienformaten auf, obwohl ich nicht sofort einen Mehrwert davon habe. Es geht eher darum, über seinen eigenen Schatten zu springen und neue Erfahrungen haben noch keinem geschadet. Das Seltsame ist, dass ich beruflich genau das Gegenteil bin und Veränderungen anstoße & begrüße.

      Liebe Grüße
      Jenny

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    • Geld verdienen sollte man mit Dingen, die man GUT KANN (denn nur GUTES wird gut bezahlt). Ansonsten sollte man Dinge tun, die man GERNE MACHT. Wenn Beides zusammenfällt (gerne tun auch gut können) hat man das große Los gezogen, ansonsten gibt es immer einen Konflikt.
      Den höchsten Stundenlohn meines Lebens habe ich bekommen, als ich mal eine Rolle in einem Kino-Werbefilm gespielt habe. Das habe ich wahnsinnig GERNE GEMACHT. Ob ich es GUT KONNTE, weiß ich nicht (der Regisseur war aber ganz zufrieden). Aber das war nur ein einmaliges Erlebnis, quasi mein „Lottogewinn“.

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  5. Hallo Jenny,
    Kontinuität bei Dingen, die man gern hat oder gut findet, sind doch sehr positiv. Da besteht kein Bedarf an Änderung, wenn man es nicht möchte. Klar, bei den Eissorten kann es etwas besseres geben. Ich glaube, Dinge gefallen uns besonders gut, wenn man sie gelernt hat und für sich positiv besetzt.

    Mir ist das bei Honig aufgefallen. OK, klingt ein bisschen abenteuerlich, aber ich habe tatsächlich daraus gelernt. In München gibt es auf dem Viktualienmarkt einen Kiosk, wo es unendlich viele Honig- und Marmeladensorten gibt. Ich wollte mal etwas besonderes und habe in der riesigen Auswahl einen Kastanienhonig aus Frankreich ausgesucht. Wahrscheinlich weil das Glas hübsch und der Aufkleber ebenso ansehnlich war. Zuhause haben wir ihn dann probiert und er schmeckte nicht scheußlich beim ersten Mal. Keiner hatte wirklich Sehnsucht danach. Irgendwann später habe ich ihn doch herausgeholt und nochmal probiert. Hm, war nicht sonderlich gut, aber auch nicht so schrecklich wie beim ersten Mal. Ich habe mir aber gedacht, das teure Zeug möchtest Du nicht wegschmeißen und jetzt schaust Du, dass er nach und nach wegkommt. Mit jedem mal wurde er besser, bis ich ihn wirklich klasse fand. Das ging sogar so weit, das ich später wieder auf den Viktualienmarkt in das Geschäft ging, um ihn wieder zu kaufen. Ich habe ihn aber nie wieder bekommen.

    Ich bin ein großer Fan davon, dass wir lernen, was wir gerne mögen. Das ist beim Vanilleeis so, mit der Musik und ganz vielen Dingen. Unser Gehirn mag Konformität, deshalb behalten wir vieles bei. Rituale scheinen dem Menschen wichtig zu sein, deshalb gibt es auch viele überkommene Bräuche, die wir beibehalten, weil wir sie z.T. von Kindesbeinen an erleben und als Teil unseres Lebens einordnen. Es ist ein Teil unserer Sicherheit und an dem wir uns festhalten können: Traditionen und Werte.

    Trotz der positiven Effekte hält es uns vor Veränderungen ab. Es ist für fast alle Menschen unendlich schwer, aus der Komfortzone zu treten. Das ist aber wichtig für die Teile, die uns nicht gut tun. Da muss man sich selber in den Hintern treten und das will man nicht so gerne. Je älter man wird, desto unlieber ändert man Sachen. Dein Spruch oben glaube ich ist z.B. von Einstein. Schaut man sich seine Biografie an, hat er seinen größten Durchbrüche in jüngeren Jahren geschafft und dafür Jahre später die Nobelpreise bekommen. In seinen späten Jahren hat er zwar die Weltformel vergeblich gesucht, aber etwas bahnbrechendes kam nicht mehr. Das zeigt nur, dass wir uns mit Veränderungen und neuen Sachverhalten immer schwerer tun, je älter wir werden. Andererseits sind ältere Leute aus Erfahrung in den Dingen wesentlich besser ggü. jüngeren, die sie kennen und schon seid Jahren tun. Trotzdem schaffen es auch alte Leute, sich stark zu verändern. Das Talent geht also nicht verloren, sondern es ist nur verschüttet und man kann es wieder ausgraben. Nur haben viele die Kraft nicht mehr dazu oder entdecken es erst wieder, wenn es nicht mehr anders geht.

    Zu den Gehaltsfragen: Ja, der Pay Gap ist zum einen damit geschuldet, dass viele Frauen weniger arbeiten, mehr Work live Balance mögen und sich für Berufe entscheiden, die – pardon – gerne beschissen bezahlt werden. Daneben trauen sich viele nicht, nach einer Gehaltserhöhung zu fragen. Weiß ich aus eigener Erfahrung, ich habe lange Jahre Unternehmen geführt und das ist exakt der Grund, warum viele Frauen weniger verdienen. Es ist eine Mentalitätsfrage: Frauen wollen geliebt werden und es fehlt das Testosteron.

    @rabi54: Ich habe in einer S-Bahn-Fahrt bei einem Verhandlungsgespräch innerhalb von 20 Minuten das meiste verdient. Verhandeln kann ich gut. Ich wäre aber ein lausiger Buchhalter, weil mir die Genauigkeit fehlt. Also dann lieber kein Buchhalter als Beruf. Du hast recht: Was Du gut kannst, wird gut bezahlt, wenn entsprechende Nachfrage besteht. Du wirst aber nur gut, wenn Du in dem Thema die Neigung und das Talent hast. Das heißt, Du musst zuerst deine Talente und Interessen entdecken. Erst dann wirst Du gut.

    Grüße Oliver

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    • @Oliver
      „Frauen wollen geliebt werden.“ Ich fühle mich ertappt. 😀 Aber es ist so. Uns ist wichtiger, was andere über uns denken. Man will nichts nerven, will nicht unangenehm werden, will eine entspannte Arbeitsatmosphäre und hat für alles immer Verständnis. Wir nehmen den Beruf viel persönlicher als Männer. Männer sind da pragmatischer: Beruf ist Beruf und kein Familienersatz. Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, gibt es auch woanders nette Kollegen. Mit den alten Kollegen kann man, wenn man will, ja trotzdem noch ein Bierchen trinken.

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      • Oha – das ist imo ein Klischee, welches ich mal stark hinterfragen möchte. Männer sind nicht taffer als Frauen, Männern ist auch wichtig was man über sie denkt und auch Männern sind Dinge unangenehm, die sie falsch gemacht haben. Nicht allen natürlich – aber auch nicht alle Frauen sind so sorgsam/umgänglich wie du sie beschrieben hast 🙂

        Vielleicht ist das bei Euch im Süden auch noch anders – bei uns sterben die vermeintlichen Silberrücken langsam aus. Diese vermeintliche Stärke (du nennst es pragmatismus) ist imo nichts vererbtes sondern ein Rollenbild. Der 50-Wochenstunden-Familienernährer stirbt (gott sei dank) langsam aus – dies geht aber nur mit genug Empowerment für die weibliche Hälfte unserer Bevölkerung. Wird diese im Beruf nicht ernst genommen, hat weniger Chancen oder wird gesellschaftlich belächelt, weil sie früh nach der Familiengründung wieder arbeiten geht (oder das erste Jahr sogar dem Papa überläßt), dann werden wir Männer nie aus „unserem“ Rollenbild ausbrechen können.

        Ich glaub ich bin ein wenig abgeschwiffen, aber mir war grad so…

        LG!

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      • @slowroller
        Es gibt sicherlich auch im Süden „weiche“ Männer, die Zeit mit ihrer Familie verbringen wollen. Ich kenne tatsächlich aber nur ein Beispiel, wo der Mann der Hausmann ist (der wohnt im Norden). In meinem Bekanntenkreis kenne ich mehr Männer, die zu ihrem AG sagen“ „Mehr Geld oder ich gehe“. In meiner Branche gibt es immer mehr Frauen, aber diese werden nach oben hin immer rarer. Ist vielleicht nur eine subjektive Wahrnehmung. Ich hatte mal einen Artikel über Chancengleichheit geschrieben:

        https://exstudentin.wordpress.com/2015/11/30/haben-manner-und-frauen-die-gleichen-karrierechancen-22-im-beruf/

        Liebe Grüße
        Jenny

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    • Das mit der Veränderungsbereitschaft bzw. Nichtbereitschafthat m.E. etwas mit „Risikobereitschaft“ zu tun. Ein unbekannter Honig heißt „die Katze im Sack“ kaufen. Einerseits ist man neugierig, andererseits riskiert man, das Geld aus dem Fenster zu werfen (für dasselbe Geld hätte man auch risikolos den Honig bekommen, von dem man weiß, dass er gut schmeckt. Und jüngere Menschen sind eben auf vielen Gebieten oft risikofreudiger als ältere.
      Wenn dagegen keinerlei Risiko besteht, dann überwiegt durchaus die Neugier, und es gibt auch im Alter eine gewisse Veränderungsbereitschaft.

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    • @ Oliver:
      Zu „Du musst zuerst deine Talente und Interessen entdecken“ = Das ist oft leichter gesagt als getan: Nachdem ich nun schon drei Jahre lang arbeitslos und nicht sicher war, ob mein Geld bis zum Renteneintritt reichen würde (ich war gerade 50 geworden), habe ich mir Gedanken darüber gemacht, womit ich noch „ein bisschen“ Geld verdienen könnte, also „Wo habe ich Talent und Interesse? Was kann ich eigentlich gut? und vor allem: Wofür bezahlen Menschen Geld???“ – Mir fiel nichts ein – bis ich eines Tages in der Zeitung eine Anzeige eines „Halsabschneiders“ las, der Leute suchte, die Nachhilfeunterricht geben.
      „So ein Mathe, Englisch und Französisch kann ich ja“, sagte ich mir und meldete mich bei ihm. Dieser „Halsabschneider“ fragte auch gar nicht nach meinen Qualifikationen (mein Glück, ich hatte ja gar keine), sondern vermittelte mich gleich an jemanden, wo ich Unterricht geben sollte.
      Um die Geschichte kurz zu machen: Ich kriegte 10 Euro für 90 Minuten, während die Familie 25 Euro an den „Halsabschneider“ zahlte. Der wollte also 15 Euro für jeden Unterricht nur fürs Vermitteln kassieren. „Das ist ja schlimmer als UBER und AMAZON zusammen“, war mein Gedanke, und ich habe dann auch nach einer Stunde aufgehört.

      ABER : Seitdem gebe ich Schülern private Nachhilfe. Und was das Allerwichtigste dabei ist: Es macht mir Spaß. Ich habe mein Talent entdeckt, die Schüler machen das gerne, und es geht mir gar nicht mehr ums Geld.
      Rein theoretisch hätte ich dieses Talent gar nicht an mir entdeckt. Insofern: Danke an den „Halsabschneider“.

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      • Hallo Rabi,
        im Grunde hast Du aus zwei negativen Situationen eine positive gemacht. Ich stimme dir zu, dass es häufig gar nicht so einfach ist, seine Talente und Interessen zu entdecken. Obwohl es kurios ist, meistens weiß man ja, wo man gut ist und was einem Spaß macht. Gerade über negative Erfahrungen schreibst Du etwas sehr wichtiges. Man kann sich darüber endlos aufregen, oder es akzeptieren und daraus lernen. Das ist wie bei den Fehlern. Eigentlich sind solche Erfahrungen sehr wertvoll, weil sie einem zeigen, dass der Weg nicht richtig war und man es anders versuchen soll. In den Online-Medien wird häufig geschrieben, dass Leute sich schwer tun mit 50 oder darüber einen Job zu finden. OK, momentan in München glaube ich das nicht und ich kenne einige, die sogar älter den Job gewechselt haben. Ich suche selber nun wirklich keine Arbeitsstelle mehr, aber vor 4 Wochen hat mir jemand etwas angeboten. Andererseits ist das München und nicht Deutschland und da schauts nicht überall so gut aus. Was man bei solchen Berichten häufig liest, wenn man Kommentare schreiben kann, dass jemand meint, er habe jetzt 50+x Bewerbungen geschrieben und keine positive Resonanz.

        Letztendlich wird ihm ja nur bestätigt, was er sowieso schon weiß. Viele, vor allem große Firmen, betreiben aktive Altersdiskriminierung. Das ist nun mal Fakt und genau das bekommt er mit den ganzen Absagen bestätigt. Aber andersherum: Wenn man als Berater seine Dienstleistung anbietet und auch etwas zu bieten hat, was diese Unternehmen interessiert, wollen sie sich gar nicht von dir trennen. Und der Vorteil bei der Geschichte: Du verdienst sehr viel mehr als als Angestellter. Andersherum hast Du natürlich nicht die Sicherheit einer festen Arbeitsstelle. Aber wenn ich mir z.B. die vermeintliche Sicherheit anschaue, dann sind feste Arbeitsstellen in der heutigen Zeit alles andere als sicher. Selbst wenn Du jung bist, ich habe schon viele gehen sehen.
        
        Wenn Du also in deinem Alter ständig Bewerbungen schreibst, immer mehr Zeit seid der letzten Stelle vergeht, wird deine Arbeitskraft erstmal wertloser. Und selber durch die Absagen wird man mutloser und verzweifelter. Viele haben dann noch finanzielle Probleme und versuchen irgendwie, die 63/65 Jahre zu erreichen, um dann eine Mickerrente zu bekommen. Dazu kommt, dass man während des Bewerbungsprozesses versucht, immer mehr zu optimieren. Das heißt, ich mach eine Hochglanzbewerbung, versuche es mit Quantität und sage mir, irgendwas wird schon klappen. Wenn es dann klappt, dann ist es zumeist ein Job mit wesentlich schlechteren Konditionen. OK, der wird dann akzeptiert, weil man arbeitet konform weiter und hat den alten Trott und kann – wenn auch mit weit weniger Spielraum – seine Rechnungen wieder bezahlen.
        
        Allerdings ist es so, dass man hier nur versucht hat, etwas mit geringerer Chance zu verbessern. Das reicht häufig nicht und viele erkennen es gar nicht, weil sie sich nichts anderes vorstellen können und es immer so gemacht haben. Andererseits kann man über den Tellerrand rausschauen und versuchen, außerhalb der traditionellen Festanstellung etwas anzubieten, was die Leute benötigen und wofür sie Geld bereit sind zu zahlen. Da gehts nicht darum, große Reichtümer anzuhäufen, sondern für seine Arbeit eine leistungsgerechte Zahlung zu bekommen. Deshalb ist es mit ü55 wesentlich pfiffiger, als Freiberufler seine Dienste anzubieten. Man kann sich immer noch auf etwas spezialisieren, wo man eben Talente und Neigungen hat. Ich kenne viele, die das so machen und dabei ganz ordentlich leben.
        
        Grüße Oliver
        

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  6. @ Oliver: Talent und Spaß ist aber nur die eine Seite – damit Geld verdienen ist die andere.
    Denn um Geld zu verdienen, muss man anderen (Auftraggeber, Chef etc.) dienen, sprich: auf einem Gebiet, das einem eigentlich Spaß macht, auch Dinge tun, die einem keinen Spaß machen und für die man vielleicht auch kein Talent hat. Und wenn dann dauernd „gemeckert“ wird, kann einem der Spaß schnell vergehen. Das heißt, es wird einem genau die Sache vergrault, an der man ursprünglich Spaß hatte.
    Was heißt zum Beispiel „Spaß an Mathematik“ bzw. „Spaß an Zahlen“? = Was da in der Schule gemacht wird, ist doch etwas völlig Anderes als Hochschulmathematik bzw. Buchführung.
    Sollte man jemandem, der „Spaß an Buchstaben“ hat, eher raten, Schriftsteller oder Schriftsetzer zu werden?

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    • Hallo Rabi,
      dein letzter Gedanke wird dich nicht weiter bringen. Einer der häufigsten Sätze, die ich von Bewerbern gehört habe war: Ich habe Spaß im Umgang von Menschen. Findest Du in fast jeder Bewerbung. Das ist wirklich eine zu weit geführte Aussage. Heißt das, Du trinkst gerne einen mit Menschen, du vö… gerne oder was? Auch Spaß an Mathematik – hm? So etwas kam dann eher selten.

      Wenn ich Spaß an Zahlen habe, gibt’s genügend Dinge wo viel Zahlen vorkommen. Und ja: Ich kann auch nicht erwarten, das alles Spaß macht. Einer der übelsten „Arbeiten“ als Führungskraft ist jemanden kündigen. Ich glaube, da denken die wenigsten dran, die sich vorstellen, „Chef“ ist ein geiler Beruf und wird gut bezahlt. Mein damaliger Mentor z.B. musste als Manager 200 Leute innerhalb von sechs Monaten entlassen. Das hat ihn natürlich mitgenommen, er hat schlaflose Nächte gehabt weil es um Existenzen ging. Trotzdem war er insgesamt gerne Manager und er war talentiert dafür. Er hat bis fast 70 Jahre gearbeitet und irgendwelche Organisationen aufgebaut und verwaltet. Ich habe auch ein paar Leute kündigen müssen und ich kann dir sagen, dass das wohl mit das übelste war, was ich beruflich machen musste. Aber es gehört dazu.

      Der Prozess, dass man etwas findet und das es entsprechend gezahlt wird ist nicht einfach. Aber sowas wie Spaß an Mathematik, Buchstaben oder Farben ist zu abstrakt. Insgeheim weißt Du das auch. Es ist eher die Frage, ob Du gerne in einem Handwerk (wenn ja, welches?), im Verkauf (da gibt’s mannigfaltige Möglichkeiten), irgendwelche Sachbearbeitungsdinge, etwas technisches (IT -> da kenne ich mich sehr gut aus, die Möglichkeiten sind hier fast unbegrenzt), Projektleitungen, ein kleines Unternehmen eröffnen mit einem dir passenden Thema, Coaching, Pflege, Reiseleiter etc. etc. vorstellen kannst. Ich selber habe ziemlich viele unterschiedliche Dinge gemacht und habe noch nicht das Gefühl, dass ich alle meine Möglichkeiten ausgenutzt habe. Der Unterschied zu Mathematik ist, dass hinter jedem der aufgezählten Punkte viele Möglichkeiten stecken. Und bei einigen hast Du als Boss eher deine Kunden und kein dir direkt drüberstehendes Wesen, wenn Du mit so etwas nicht klar kommst.

      Gerade Leute, die nicht zufrieden mit sich und vor allem ihren Umständen sind, haben häufig nicht gelernt, wie sie ihre Ist-Situation gut einschätzen können, was sie selber können oder lernen können und was es überhaupt für Möglichkeiten gibt und wie man am besten herausfinden kann, wo und wie man diese nutzen kann.

      Zum Beispiel in der IT gibt es so viele Bereiche, wo gute Leute einfach fehlen. Im Netzwerkbereich eine höhere Cisco-Zertifizierung und dann Consulting (für Cisco kannst Du viele Hersteller einsetzen), Virtualisierung, 3D-Druck (schau dich nur mal bei den Herstellern dort um, die rennen dir die Bude ein, wenn Du nur ein bisschen Ahnung hast), IoT, Embedded, Drohnentechnologie, künstliche Intelligenz, Datensicherung, Netzwerkkonzeptionen, dann alle Arten von Programmierungen, SAP – die Liste ist endlos. Alles gut als Angestellter oder Freiberufler realisierbar. Und das ist nur in dem Bereich ein kleiner Teil, was möglich ist. In anderen Bereichen schaut es ähnlich aus. Wenn man in die Tiefe geht, kommen auf einmal die Möglichkeiten.

      Vielleicht hilft es dir, wenn Du dich zu den Nachhilfen weiter entwickeln möchtest.

      Grüße Oliver

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      • @ Oliver: Ich verstehe schon, wie du das alles meinst. Auch wenn diese Erläuterungen für mich 20 bis 30 Jahre zu spät kommen. Damals steckte ich in einer Sackgasse und sah kein Licht am Ende des Tunnels.
        Während das Berufliche bei mir völlig schiefgelaufen war, hatte ich nur von Anfang an eines richtig gemacht – und das war die Geldanlage. = Im Prinzip hatte ich schon vor 40 Jahren so gehandelt, wie es jetzt Finanzwissen-Kongress vorgeschlagen wird.

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  7. Das kenne ich auch, dass erst etwas passieren muss, damit man sein Verhalten dauerhaft ändert. Zum Beispiel war ich erst diszipliniert genug, ein Haushaltstagebuch zu führen, als ich nach dem Studium mit einem sehr niedrigen Praktikumsentgelt in einer neuen Stadt zurechtkommen musste. Auch das Thema Altersvorsorge hat mich erst interessiert, als ich trotz Top-Noten im Studium eine Phase der Arbeitslosigkeit hinter mich bringen musste. Das Thema finanzielle Freiheit erst, als ich in einem zwar gutbezahlten, aber öden Job gelandet war.
    Es ist normal, dass Menschen erst einen Anstoß brauchen. Der Unterschied zwischen den Menschen ist eher, wie groß dieser Ansporn sein muss: Die einen fangen schon an zu sparen, wenn sie über ihre künftige zu erwartende Rente nachdenken, die anderen erst, wenn sie verschuldet sind.
    Das Thema Abnehmen oder Rauchen aufhören geht aber weit über schlechte Angewohnheiten hinaus, da dabei doch die körperlichen Vorgänge etwas komplexer sind. Darum nicht deprimiert sein, wenn es nicht so einfach klappt. Es gibt einfachere Dinge, die man sich an- oder abgewöhnen kann.

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  8. Okay Jenni ich fordere dich heraus. Zur 100 Tages Sport Challenge.
    Ein bisschen Sport sollte schon sein (Tischtennis mit Freunden, Schwimmen, Laufen, Clashletics, Klettern), nicht das Totale auspowern, nur jeden Tag ein bisschen Sport. Den Spaß an Bewegung finden, ein wenig ausprobieren 🙂
    Vorher nachher und den weg dahin halten wir dann z.b. hier fest. 30min werden wir beide jeden Tag schon übrig haben 🙂

    Maxim hatte auch sehr große Fortschritte gemacht.

    Gruß,
    Pascal

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    • Hi Pascal,
      cooles Video!
      Ich habe gerade meine eigene „100 Tage Challenge“, weil ich gerade auch einen Personal Coach habe. Sport hat da bisher keinen hohen Stellenwert, weil ich mich ohne besser fühle. Ich habe immer irgendwie Sport gemacht, Fitnessstudio, Joggen etc. Aber derzeitw wird mir schon bei Yoga schwarz vor Augen. Deswegen: Erst mal kein Sport für mich. Seit dieser bewussten Entscheidung habe ich wieder viel mehr Energie im Alltag. Sobald das hormonelle Chaos bei mir behoben ist, werde ich mich hoffentlich wieder fitter fühlen. Meine 8km Fahrrad am Tag habe ich ja trotzdem noch.

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  9. Guter Beitrag! Was die Ernährung betrifft kann ich nur sagen, dass es eine sehr individuelle Angelegenheit ist. Das Sprichwort „Alle Wege führen nach Rom“ passt hier perfekt. Es gibt nicht nur eine gesunde Ernährung oder einen Weg zum Gewicht verlieren.

    Gesundheit/Ernährung ist ein schwieriges Thema und wird zum Teil wie eine Religion betrieben. Auch in den Medien werden ständig halbwahre Information verbreitet, die einem nicht wirklich helfen. Am besten ist es, wenn man sich von verschiedenen Quellen informiert und auch mal ein gutes Sachbuch kauft, um sich mit der Materie zu befassen.

    Gruss Fabian

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    • Hi Fabian,
      ich lese da derzeit tatsächlich viele Sachbücher. Die Literatur und Experten widersprechen sich gegenseitig. Ich esse z.B. gerne Kokosöl, obwohl manche Quellen das verteufeln. Ich nutze lieber Butter zum Anbraten als pflanzliche Fette, weil diese durchs Erhitzen angeblich ungesund werden. Ich esse kein Obst, obwohl oft zu „Obst und Gemüse“ geraten wird. Trinke keinen Alkohol & keinen Kaffee, obwohl es in Maßen gesund sein soll. Die Liste ist lang und jeder Körper anders. Es ähnelt tatsächlich einer Religion und bin sehr gespannt, ob meine derzeitige Ernährung sich über die Jahre so hält.

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