Selbstverwirklichung: Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt!

Investkinx hat zur Blogparade zum Thema „Selbstverwirklichung“ aufgerufen. Mir schossen viele Ideen in den Kopf und trotzdem war es für mich doch nicht so leicht, das in Worte zu fassen. Im heutigen Beitrag geht es darum, was ich unter dem Begriff verstehe und welche Bestrebungen in meinem Leben sich daraus ergeben.

Was verstehe ich unter Selbstverwirklichung?

Als erste Erklärung des Wortes „Selbstverwirklichung“ schoss mir in den Kopf:

„Machen, was ich will!“

Nach diesem Satz muss ich mir aber erst mal die Frage stellen: „Was will ich eigentlich?“ Die Antwort auf diese Frage umschreibe ich normalerweise recht allgemein: „Sorglos leben“, „mal eine Familie gründen“, „ein Leben lang lernen“ irgendwie sowas eben. Allerdings haben mich diese Ziele auch nachdenklich gemacht:

Sind das wirklich meine Ziele oder wurden die mir so anerzogen? 

Wie jeder Mensch bin ich in gewisse Rollen reingewachsen: Als Tochter, Schwester, Angestellte, Freundin. Vieles macht man, weil man seinen Platz in der Gesellschaft erarbeiten möchte und von anderen abhängig ist.

Das Leben ist nicht darauf ausgelegt, dass jeder sich eine Hütte im Wald baut und dort alleine wohnt.

Je integrierter und vernetzter man in einer Gesellschaft ist, desto angenehmer hat man es im Leben. Viele meiner Handlungen sind Erziehung: „Gesundheit“ sagen, anderen die Tür aufhalten, als Familie zusammen halten, dankbar sein für das, was man hat. Auch kulturelle Eigenarten sind anerzogen: Nicht halb nackt durch die Straßen laufen, monogam leben, heiraten, pünktlich sein.

Ist mein Charakter also nur das Resultat aus Erziehung und Erwartungen der Gesellschaft?

Nein, das denke ich nicht. Wir werden sicherlich sehr durch andere Menschen und Erlebnisse geprägt, aber irgendein paar Gehirnwindungen formen trotzdem auch Eigenarten. Sowas ausleben zu können, bedeutet für mich Selbstverwirklichung. Ziele, die sich daraus ergeben.

Ideen, die man hat, wenn man abends im Bett liegt und nicht schlafen kann.

Träumereien, in die man sich „rettet“, wenn man in der Bahn oder bei einer Autofahrt Zeit zum Nachdenken hat.

Beispiele:

  • Künstlerisch aktiv sein: Malen, singen, schreiben
  • Ausbildung abbrechen, um Musiker oder Youtuber zu werden
  • in einer Kommune nach eigener Vorstellung leben
  • in ein Land auswandern, dessen Kultur besser zu einem passt
  • Aufbruch zu einer lange Motorradtour nach Asien
  • sich selbstständig machen

Was sind meine Sehnsüchte?

Ich muss nüchtern feststellen: So wirklich große Träume habe ich nicht. Meine Ziele sind alle optional bzw. ich lasse vieles auf mich zukommen. Weder träume ich von einem Leben im Ausland, noch möchte ich mich selbstständig machen. Vieles habe ich auch schon erreicht, weswegen mir nicht mehr viel für die Zukunft einfällt.

Ich wohne gerne anonym.

Ich komme vom Dorf. Dort wird Privates schnell öffentlich: Der Nachbarsjunge hat sich von seiner Freundin getrennt, XY ist schwanger, der und der hat seine Frau betrogen. Quasi ein Live-Ticker. Jetzt in der Stadt bin ich zwar nicht komplett anonym (und grüße auch die Nachbarn), aber wenn ich mit Schnappatmung erste Jogging-Versuche starte, schäme ich mich nicht. Wenn ich mit verweinten Augen eine 2l-Schachtel Vanilleeis und einen Schwangerschaftstest kaufen würde, würde mich meine Oma nicht 2 Stunden später anrufen, ob ich Hilfe brauche. (Zugegeben, hat Vor- und Nachteile).

Ich lebe nach meinem Tagesrhythmus.

Abends bin ich produktiver als morgens. Ich bin zwar kein Morgenmuffel, aber ich stehe nicht gerne früh auf. Ich mag es stattdessen, wenn mich beim Aufstehen die Sonne begrüßt und mir quasi übermittelt: „Heute wird wieder ein richtig schöner Tag.“ Je später ich zur Arbeit fahre, desto weniger ist auf den Straßen los. Kein Gehupe der gestressten Berufstätigen, keine Schüler, die auf dem Radweg laufen. Abends bin ich dafür wiederum recht aktiv. Ich habe schon immer gerne nachts gelernt oder auch Serien geschaut, weil man dann von niemandem unterbrochen wird.

Unbegrenzte Möglichkeiten.

Nebenbei studieren? Kurz mal neue Möbel kaufen? Skat-Verein? Neuer Job? In der Stadt gibt es fast jede Freizeitbeschäftigung, Bildungseinrichtung und jedes Geschäft. Ich stolpere nur kurz aus der Tür und habe das meiste „ums Eck“. Auf dem Land war selbst der Kinobesuch eine halbe Weltreise, jetzt wohne ich nur eine Straße entfernt. Ich lebe sehr gerne zentral und komme mit Fuß und mit dem Rad fast überall hin. Generell stehen mir noch viele Türen offen. Ich könnte jederzeit Autorin, Schauspielerin oder irgendwas anderes werden. Ich muss mich nur dafür entscheiden. Sofern man genug verdient, kann man sich auch viele Hobbys leisten, z.B. Reisen und Musikunterricht nehmen.

Gedanken in Worte fassen.

Schreiben ist für mich eine gewisse Selbsttherapie. Wenn man ein Problem oder ein Ziel nicht in Worte fassen kann, kann man auch keine Lösung erarbeiten. In Worte zusammengefasst, kann ich objektiver urteilen. Ich reflektiere beim Schreiben automatisch und stoße immer wieder auf Neues, das ich lernen kann. Mein Blog und die daraus entstehenden Diskussionen haben mir die letzten Jahre deswegen viel geholfen.

Wann fängt Selbstverwirklichung an?

Christian von Investkinx fragt bei seinem Aufruf zur Blogparade nach Schlüsselerlebnissen. Ich kann mich nur daran erinnern, wie ich schon mit rund 6 Jahren unbedingt gelbe Strümpfe und rosa Sandalen anziehen wollte und mit meiner Mutter da diskutieren musste. Meine Schulzeit war sonst eher unspektakulär, ich galt als brave Streberin. Mit 13 kam die Pubertät, in der ich mich viel mit mir selbst beschäftigt habe. Die typische Diätphase, um so schlank zu sein wie die anderen Mädchen.

Mal ein paar Monate Schminke und schwarze Klamotten tragen.

Mit Alkoholeskapaden konnte ich nicht dienen. Irgendwann in der Pubertät wurde mir dann auch bewusst, dass ich meine Lebensentscheidungen selbst treffen muss, auch entgegen Ratschläge der Eltern und unabhängig von meinen Freunden: Latein als Fremdsprache („Da können wir dir dann nicht helfen!“), mit 14 eine Klasse übersprungen, fürs Abitur komische Leistungskurse gewählt (Geschichte und Physik), Maschinenbau studiert und in eine fremde Stadt gezogen.

Fazit

Mir ist nicht egal, was andere von mir denken. Aber ich kann es auch nicht allen Recht machen und muss mich selbst wohlfühlen. Ich vergleiche mich durchaus mit anderen Menschen, um zu schauen, was man bei ähnlichen Rahmenbedingungen erreichen kann. Aber letzten Endes mache ich immer das, was ich persönlich für richtig halte. Mein Charakter verändert sich mit den Jahren, sodass sich meine Ziele jederzeit ändern können.

Ich mag Vorbilder nicht.

Man kann durch Biographien und Ratgeber vieles lernen, aber man sollte nicht alles zwanghaft auf das eigene Leben übertragen. Es können auch unpassende Ideen entstehen: Man darf einen Job nicht halbherzig wechseln, nur weil das mehr Geld bringt. Ins Ausland zu gehen, weil das in jeden guten Lebenslauf gehört. Wenn ich einen schlechten Ratschlag befolge und bereue, bin ich selbst Schuld. Wer hingegen seine Prioritäten im Leben kennt, wird automatisch zufriedenstellende Entscheidungen treffen.

Gab es bei euch Momente im Leben, in denen ihr vom „Musterweg“ abgekommen seid und anders gehandelt habt als andere euch geraten haben? Wie „verwirklicht“ ihr euch selbst?

39 Gedanken zu „Selbstverwirklichung: Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt!

  1. „Abends bin ich produktiver als morgens. Ich bin zwar kein Morgenmuffel, aber ich stehe nicht gerne früh auf. Ich mag es stattdessen, wenn mich beim Aufstehen die Sonne begrüßt und mir quasi übermittelt: „Heute wird wieder ein richtig schöner Tag.“ Je später ich zur Arbeit fahre, desto weniger ist auf den Straßen los. Kein Gehupe der gestressten Berufstätigen, keine Schüler, die auf dem Radweg laufen. Abends bin ich dafür wiederum recht aktiv. Ich habe schon immer gerne nachts gelernt oder auch Serien geschaut, weil man dann von niemandem unterbrochen wird.“

    Hey wie kommst du darauf aus meinem Leben zu zitieren :o) … könnte 1:1 von mir sein!

    Schön geschrieben. Ist schon schwierig so etwas wie Selbstverwirklichung in 2.000er Wörter zu packen, aber ich glaub du hast es ganz gut gemacht. Ich kann deine Gedanken nachvollziehen und stimme größtenteils zu.

    Ich denke auch das ein Teil der Selbstverwirklichung damit zu tun hat, einfach sein Leben leben zu können und zu wollen, ohne dabei ständig daran zu denken, was die anderen wohl dazu sagen. Würde man darauf hören und sich ständig an Vorbildern orientieren, würde man doch irgendwie das Leben der Anderen leben, oder?

    CU Ingo.

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    • Hi Ingo,
      uns Nachteulen kommt Gleitzeit entgegen. Bei mir kommen manche Kollegen schon um halb 6. Da stoße ich manchmal auf ein wenig Entgeisterung, wenn ich erst um halb 10 komme. Aber wenn die Straßen und Parkplätze um 7 nicht so dicht wären, würden einige später kommen.. 😀

      Ich mach mir viel Gedanken, was andere wohl über mich denken. Ob ich mal was blöd ausgedrückt habe, mich mal nicht von meiner besten Seite gezeigt habe. Realistisch gesehen sind andere auch sehr mit sich beschäftigt, sodass ich in ihren Gedanken kaum vorkomme.

      Ein paar Vorbilder habe ich auch. Bzw. Leute, die definitiv vieles richtig gemacht haben. Aber wie du sagst, man darf nicht einfach alles kopieren und aus Negativ-Beispielen lerne ich noch besser.

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  2. Bei manchen Zielen stimme ich mit dir überein („Machen, was ich will!“ und „Sorglos leben“), bei dem Weg dahin jedoch weniger.
    Unabhängigkeit von Gott und der Welt (im Klartext: von Arbeitgebern und Geld) war immer mein höchstes Ziel – von daher habe ich viel Geld im Lotto verspielt (war nicht so gut) und an der Börse gezockt (war schon besser). Aber nicht, um reich zu sein, sondern um frei zu sein. Frei von diesen ganzen Konventionen (du nennst es „anerzogene Rollen“).

    FAZIT: Mit Mitte vierzig habe ich den Job in der Bank gekündigt und bis zur Rente dann vom Ersparten gelebt, frei und unabhängig vom dem ganzen Zeugs, was einem „die Gesellschaft“ einreden will. So lange, wie ich gearbeitet hatte, wusste ich nicht, wofür Geld eigentlich gut ist (außer natürlich, um Essen, Kleidung, Miete etc. zu bezahlen).
    Anschließend wurde mir bewusst: Geld ist Freiheit ist Unabhängigkeit ist Stesslosigkeit ist Morgensaufstehenkönnenwannichwill.

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    • Das mit dem Morgensaufstehenkönnenwannichwill, verstehe ich gut. Kann auch jeden verstehen, der möglichst früh aus dem Angestelltendasein austritt, wenn ers kann. Ich betrachte es jedoch recht nüchtern: Nicht jeder wird den frühen Ausstieg schaffen und nicht alles am Hamsterrad ist schlecht. Aufregende Ereignisse, wie z.B. die Tätigkeit als Statist kann man da hoffentlich trotzdem unter bekommen. Ich würde auch gerne mal in einem Film mitspielen.

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      • Zur Tätigkeit als Statist bin ich nur durch reinen Zufall gekommen, ebenso wie dazu, dass ein Reporter meine Liebesgeschichte auf 9 Seiten in einer deutschlandweit erscheinenden Zeitung (NEON 7/2016) schreibt. Wenn ich im Hamsterrad der Arbeit gewesen wäre, hätte ich ebenjenem Zufall sicherlich keine Chance gegeben.

        Es ist richtig, dass nicht jeder den Ausstieg schafft. Heutzutage – mit den vielen prekären Arbeitsverhältnissen ist das noch wesentlich schwieriger als vor der Wende (1989). Damals brauchte Niemand einen Zweitjob, um über die Runden zu kommen. Und alle meine Kollegen Bankangestellten – auch die mit „einfachen“ Tätigkeiten – hatten Wohn-Eigentum. Heutzutage ist das alles so nicht mehr möglich – und ehrlich gesagt, möchte ich in der jetzigen Zeit nicht mehr jung sein und im Arbeitsleben stehen (müssen).

        Die technischen Erfindungen (Smartphone etc.), die eigentlich den Menschen das (Arbeits-)Leben erleichtern sollten, erzeugen eher Stress, weil: man schafft dadurch zwar mehr, aber man MUSS auch mehr schaffen als früher.

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      • Hi Rabi,
        die Arbeitswelt ändert sich sehr. Jobs werden durch Maschinen oder Arbeitskräfte aus dem Ausland ersetzt. Ich weiß nicht, ob es vor 20 Jahren so viel leichter war. Aber das mit dem Wohneigentum stimmt. Durch stark steigende Gehälter waren Häuser schnell abgezahlt.

        Der heutige Konsum ist leider übertrieben, aber ich bin optimistisch, dass sich schärfere Gesetze durchsetzen werden. Wobei das noch einige Jahre oder Jahrzehnte dauern wird.

        Deinen Artikel in der Neon habe ich heute gelesen. Ich denke, dass man auch als Angestellter solche Nebentätigkeiten haben kann. Aber so offen über das eigene (Liebes)Leben zu reden, fiele mir schwer.

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      • Natürlich kann / darf man als Angestellter auch solche Nebentätigkeiten ausüben wie z.B. als Statist in einem Film. Nur könnte das in der Praxis problematisch sein. Da müsste man schon einen recht toleranten Chef haben, der einem kurzfristig frei gibt, wenn Dreharbeiten anstehen. Da heißt es dann „Hast du übermorgen Zeit und Lust“, und wenn du nicht spontan JA sagst, dann kriegt ein anderer den Job.

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  3. Huhu Jenny! Schöner Beitrag 🙂

    Ich finde das Thema sehr individuell und auch schwierig. Das, was du geschrieben hast, ist mir auch schon mal in den Sinn gekommen … ist das, was ich will, eigentlich anerzogen? Ich denke, zum Teil ja. Zum Teil nein. Ich glaube, man muss auch viel ausprobieren, um es herauszufinden. Man muss reisen, andere Menschen kennen lernen und immer auf seine Intuition hören. Ich glaube, sie ist der größte Wegweiser von allem. Ich glaube, sie signalisiert einem sehr früh, wenn man irgendwie das Leben eines anderen lebt. Fühle ich mich wohl, was ich da gerade tue? Mit wem ich da meine Zeit verbringe? Fühlt sich das irgendwie richtig oder falsch an? Ich denke, eines der größten Ziele im Leben ist es, „nach Hause“ zu kommen und sich „zu Hause“ zu fühlen, bei dem, was man macht, mit dem man zusammen und befreundet ist, und wie man sich wohl fühlt.

    Schönes WE 🙂
    Anna

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    • Huhu Anna,
      zuhause ist ein gutes Wort. Eine Umgebung, wo man so sein kann, wie man ist ohne sich zu verbiegen. Ich bin froh, dass ich so früh ausgezogen bin. Weil es mir wichtig war, selbstständig zu sein und mir was eigenes aufzubauen. Ich will keinen Garten, will nicht Schneeschippen, möchte zentral wohnen, kochen, was ich will, nach Hause kommen, wann ich will. Keiner stört sich an irgendwas, was ich tue. Klar, auf unsere Jungs müssen wir trotzdem Rücksicht nehmen. 😀 Aber mein Freund ist auch ein sehr umgänglicher Mensch.

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  4. Hallo Jennifer,

    toller Beitrag und sehr schöne persönliche Einblicke.

    Ich finde es sehr interessant, dass gerade unter den Finanzbloggern viele ja finanzielle Freiheit anstreben bzw. Geld eine wichtige Rolle spielt. In den Beiträgen zum Thema Selbstverwirklichung kommt dann aber etwas ganz anderes zum Vorschein. Geld ist da eher nebensächlich. Sprich, Ziele wie FirmenInhaber eines Groben Unternehmens oder ein Haus mit 10 Zimmern, einen Hof sowie Pferde etc kommen seltener vor. Zufriedenheit und das eigene Leben so wie bisher weiter leben, wird eher genannt.
    Interessanter Aspekt. Erwartet hätte ich große und spezielle Ziele und Träume. Aber so ist es halt, wenn man sich mit dem Thema intensiver auseinandersetzt.

    Wie du schön geschrieben hast, ist es gar nicht so einfach sich darüber im Klaren zu werden. Du triffst es mit deinem Beitrag gut auf dem Punkt.

    Viele Grüße
    Chris

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    • Die Finanzielle Freiheit ist Mittel zum Zweck bzw. man darf ein glückliches Leben nicht auf später verschieben. Wenn man Leute nämlich fragt, „was würdest du mit 1 Millionen Euro machen?“ kommen meistens so antworten wie: ein Haus kaufen, ein schickes Auto, viel reisen, eine Familie gründen, mich ehrenamtlich engagieren etc. Aber für alles davon braucht man keine Millionen Euro. Es ist vielleicht nicht das Haus am Starnberger See und nicht der teuerste Ferrari, aber im Sinne von Pareto kann kann man mit 20% des Aufwandes 80% des Erfolges erlangen. Und lieber 80% als auf die 100% bis zum Tod zu warten..

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      • Soll heißen: Wenn ich so viel im Lotto gewonnen hätte, wie ich in meinem Restarbeitsleben verdienen würde, dann hätte ich sofort dieses Restarbeitsleben aufgegeben. (Mit Mitte Vierzig hatte ich dann die Summe durch langwieriges Sparen doch noch zusammenbekommen – siehe weiter oben)

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  5. Hi, beim morgens Aufstehen geht es mir exakt so wie dir und Ingo. Ich wohne ganz gerne am Rand der Großstadt, weil mich das monotone Summen der Autobahn weit weniger stört, als die unregelmäßigen Geräusche, die Nachbarn in einem Vielparteienhaus erzeugen. Die U-Bahn ist trotzdem nur 2 km weg, meist fahre ich eine Haltestelle bis zur nächsten StadtRAD-Station, und dann nochmal gut 5 km bis zur Arbeit, wo so eine Station direkt vor der Tür ist.

    Das hat gegenüber der Variante, komplett mit dem eigenen Rad zu fahren, 2 große Vorteile:
    a) Ich muss mir um Fahrraddiebstahl keine Gedanken machen, obwohl das Büro keinen Fahrradkeller hat.
    b) Wenn es nur morgens oder abends regnet, kann ich auch einfach nur in eine Richtung fahren, ohne durch An- und Ausziehen und Trocknen von Regenkleidung Zeit zu verlieren, und Spaß macht mir das Fahren im Regen eh nicht.
    Da die ersten 30 Minuten kostenlos sind, kostet es auch nichts, und da ich sonst 2 mal umsteigen müsste, bin ich sogar schneller als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, was bei der Motivation hilft 😉

    Leistungskurse hatte ich Geschichte und Mathematik, aber die einzigen Alternativen an meiner Schule wären Biologie (hat mich nie so recht interessiert) oder Englisch (Rechtschreibung / Grammatik ging recht gut, aber „Verstehendes Hören“ und das Schreiben von Aufsätzen lag mir in keiner Sprache besonders), von daher war das eher pragmatisch.

    Die 5 Jahre in der Browsergames-Industrie waren definitiv entgegen jeder Empfehlung und haben mich sicher auch finanziell etwas zurückgeworfen, dennoch war es besser, das einfach gleich nach dem Studium zu machen, als jeden Tag zu denken „Wäre das nicht vielleicht doch besser gewesen?“.

    Große Selbstverwirklichungen stehen momentan eigentlich nicht an, seitdem ich vor einer Weile von den „million dollar moments“ gelesen habe, genieße ich aber einige Alltagsdinge bewusster und will möglichst viel und recht günstig verreisen, im Zweifel macht mir auch der Flixbus und ein günstiges Zimmer in einem Vorort nichts aus, wenn ich dafür einmal öfter im Jahr reisen kann – die Liste der Ziele, zu denen ich noch oder nochmal möchte, ist jedenfalls lang genug 🙂

    Danke für den wieder sehr schönen Blog-Beitrag!

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  6. Huhu Lutz,
    danke für die Details! Wie lang ist dein gesamter Arbeitsweg? Anfangs dachte ich „etwas kompliziert..“, aber ich mache es im Winter ähnlich. 15min zur Bahn laufen. 2 min fahren, 20 min laufen. Sofern kein Glatteis oder Schnee ist fahre ich aber Rad. Vor einem Diebstahl habe keine Angst, weil ich für die Arbeit ein Rad vom Discounter nutze, was ich bei Wind und Wetter überall stehen lasse. Dass die ersten 30min Radfahren kostenlos sind, wusste ich nicht. Sowas ist dann natürlich eine Alternative. Wobei ich oft meinen großen Fahrradkorb brauche. Wie machst du es mit einkaufen?

    Was sind deine nächsten Reiseziele? Ich kenne nicht mal die deutschen Städte oder meine Umgebung. Eigentlich ein wenig traurig, wie selten ich meine typischen Strecken mal verlasse (Arbeit, Einkaufen, Verwandte besuchen).

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    • Wenn ich einkaufen will, ist an der Stadtradstation auch ein Edeka, und ein Bus, mit dem ich auf 120m bis an meine Wohnung heranfahren kann, meist nehme ich da dann die Einkaufstüten und/oder einen Getränkekasten mit. Da der Bus aber meist nur alle 20min fährt, gehe ich stattdessen auch oft die 2 km zur U-Bahn, mit Einkäufen oder Pfandgut natürlich eher nicht. Je nach Wetter nehme ich aber manchmal auch doch mein eigenes Fahrrad, weil ich noch 2 Aquaback-Taschen von Vaude habe, die es mal im Angebot gab, und die insgesamt 48l Volumen haben – für einen Einkauf als Single ausreichend.

      Gesamtzeit sind ca. 45 min mit nur öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß + U-Bahn + StadtRAD, und ca. 30-35 min mit dem Fahrrad oder Bus + StadtRAD. Strecke sind ca. 8.5km insgesamt, StadtRAD-Anteil sind 5.5km, die meiste Zeit verbrauchen aber die Ampeln.

      Die 30 min kostenlos habe ich so nur in Hamburg und Lüneburg gesehen, mit gewissen Einschränkungen geht es wohl aber auch in Stuttgart. In anderen Städten sind es wohl 50 (mit Bahncard 40) Euro im Jahr, wenn man immer die ersten 30 min kostenlos haben möchte, da kommt es dann individuell darauf an, ob es noch günstiger und stressfreier ist, als ein eigenes Fahrrad. Reparaturen nicht selbst machen zu müssen, finde ich auch sehr komfortabel, einfach per App den Defekt melden und das Rad wird nicht mehr als verleihbar angezeigt und in der nächsten Zeit repariert.

      Vom Fahrkomfort her sind die Dinger sicher mit Discounterfahrrädern vergleichbar, leider assen sich am Gepäckträger keine Taschen anbringen, weswegen ich für Wochenendtouren doch eher mein eigenes Fahrrad nehme.

      An Reisezielen ist fest eingeplant schon das dritte Mal Wandern für eine Woche in Schottland, und ich überlege noch, ob ich nicht im Herbst mal eine der Hautstädte im Baltikum für ein verlängertes Wochenende besichtigen möchte. In Deutschland würde ich gerne München, Nürnberg und Münster nochmal besuchen, recht regelmäßig bin ich dank dortiger Freunde auch in Bremen und Köln, und ab und an (weil es nicht so weit ist) auch in Berlin.

      In Europa möchte ich noch nach Lissabon, Valencia, Lille, Marseille, Mailand, Florenz, Warschau, Dubrovnik.

      Als nächste weitere Reise steht Kanada an, das kriege ich aber hauptsächlich aus Mangel an Urlaubstagen wohl erst 2020 hin, da sich die weite Anreise meines Erachtens erst ab 14 Tagen lohnt, und Reisezeiten bei optimaler Einbindung von Wochenenden und Feiertagen etwas sehr teuer wären.

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  7. Pingback: In den Töpfen der Anderen #53 » Finanzküche

  8. Hallo Jenny,

    ich denke viele Grundregeln sind uns anerzogen worden und das ist auch gut so. Höflich sein, Empathie zeigen und so weiter. Das sollte auch jeder lernen und so gut es geht befolgen. Denn dann ist ein angenehmes Miteinander möglich.

    Vieles aber, was über die Grundregeln hinaus geht, muss man manchmal entgegen der vorherrschenden Meinung umsetzen. Viele Leute machen Dinge, weil andere gesagt haben, wie man sie machen muss. Das muss nicht immer richtig sein, man muss für sich den richtigen Weg finden und auch bei Fehlentscheidungen die Verantwortung übernehmen.

    Besonders bei finanziellen Angelegenheiten habe ich gelernt, dass man lieber das machen sollte, was man selber für richtig hält, vorausgesetzt man hat sich vorher gründlich mit dem Thema auseinander gesetzt.

    Beste Grüße
    Nico

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  9. Hm, doch man darf den Job halbherzig wechseln, nur weil es mehr Geld bringt. Wer nicht wagt der nicht gewinnt. Wie der Job ist weiß man sowieso erst wenn man 3 oder 12 Monate drin steckt. Wenn es dann nicht passen sollte wechselt man halt wieder. Aber die Chance ist ja gegeben, dass man Erfahrung und Wissen dazu bekommt. Warum trauen sich die Deutschen nichts ?

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    • Hi Torsten, ich denke, dass sich Beharrlichkeit auszahlen kann. Love it – change it or leave it. Wenn man unzufrieden ist, klappt „love it“ eh nicht. „Change it“ ist aber einen Versuch wert. Ich gehöre mit Sicherheit zu den ängstlichen Deutschen und minimiere meine Chancen auf was Besseres, verringere aber auch Risiken auf Schlechteres. Anderen rate ich auch stets dazu „Wechsel den Job, was soll schon passieren.“ Aber man muss sich selbst kennen und wissen, was einem wichtig ist. Mir ist z.B. wichtig, dass ich auch erst um halb 10 zur Arbeit kommen kann, einen kurzen Arbeitsweg, wenig Reisetätigkeiten und viel Abwechslung habe, Teil eines Teams bin, Teilzeit arbeite und auch mal spontan einen Tag Überstunden abfeiern kann. In der IT durchaus gängige Rahmenbedingungen, in meiner Branche (Anlagenbau) schon seltener. Muss man also abwägen, ob man mit 1.000-2.000€ mehr im Monat so viel glücklicher ist. Ich wäre es auf Dauer nicht, wenn die anderen Rahmenbedingungen nicht passen.

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  10. Ich glaube, das hängt sehr stark von dem eigenen Horizont ab. Wenn man sich viel weiter bildet, viel reist und viele Leute kennen lernt, dann lernt man viel vom Leben insgesamt kennen. Erst dann weiß man, was alles möglich ist und dann kann man sich selbst verwirklichen.
    Wenn du nur das eigene Dorf kennst, dann ist der Job, das eigene Haus, Fußball und die Familie das normalste der Welt für dich und du strebst eventuell nicht weiter. Vor allem, wenn du keine Freigeister kennst.
    Also immer schön weiter Gas geben, dann wird es mit der Selbstverwirklichung einfacher 😉

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    • Hi Alex, das macht mich nachdenklicher als gedacht. Ich habe mich mal zu ersterem gezählt (reise auch jetzt noch ferne). Aber jetzt bin ich ziemlich sesshaft geworden, weil ich mich wohl fühle. Hätte nicht gedacht, dass ich mich gedanklich mal so auf einen Fleck versteifen würde. Selbst mein Job macht mir grade Spaß, aber erzähls keinem. 😀

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  11. Selbstverwirklichung – was ist das?

    Ich kenne einen Polen, 62 Jahre alt, der hat schon in vielen Ländern der Erde gearbeitet, seit 10 Jahren arbeitet er in Deutschland – und „arbeiten“ heißt „rund um die Uhr dem Arbeitgeber zur Verfügung stehen“, Jahresgehalt etwa 100.000 Euro, seine Frau und Kinder sind immer in Polen geblieben – besuchen sich alle 2 Monate.

    Er hat das alles so gewollt bzw. sich immer seinem Schicksal gefügt „So ist das Leben nun mal“, sagt er, wenn man ihn darauf anspricht, dass er zwar viel Geld verdient – das er allesan sinee Familie nach Polen schickt – aber doch eigentlich nicht viel vom LEBEN hat.

    Ist das Selbstverwirklichung? Wenn man nicht in seinem Heimat-Ort bleibt, sondern in die große weite Welt zieht und dort viel erlebt, aber im Endeffekt nicht besser dran ist?

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      • 24/7 ist sicherlich viel. Allerdings auch eine Frage was man macht.
        Und Selbstverwirklichung ist auch bei jedem anders. Ich arbeite zB auch viel und in einem Job (Management) der mir viel Spass macht und auch ,wie ich finde, Benefits bringt (Reisen, arbeiten weltweit, Dinner mit Kunden, VIP Events, etc). Für andere wiederum wären ein paar Tage im Ausland oder abendliche verpflichtungen nichts. Jeder wie er mag….

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      • Hi Mat, da hast du wohl recht. Abwechslung ist was schönes, aber nicht, wenn du abends pünktlich zuhause sein willst. Bei mir ist es eine Mischung: Für ein paar Tage / Wochen weg zu sein, ist mir völlig egal bzw. ist je nach Ort cool, aber ständig unterwegs sein muss ich nicht. Ich sehe meinen Freund abends gerne und stehe morgens auch gerne mit ihm auf.

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      • Naja, ist wohl neben der geschmackssache auch Definitionssache. Was heisst ständig? für den einen 15 Tage im Monat, für den anderen 2×3 im Monat.
        bei mir ist es eigentlich entspannt, ich habe weniger als 50 Reisetage im Jahr, das ist ok.
        Auch wenn wir jetzt wieder in die geschmackssache-richtung kommen – ich finde es auch ganz gut wenn man was separat macht. Sei es Sport (aktiv oder passiv, zB Fussballbesuch) oder mal persönliche Interessen. Nur weil man in einer Partnerschaft/Ehe ist muss man ja keine völlige Symbiose herleiten.

        Und die beruflichen Reisen machen mir, wenn auch meistens stressig, Spass. Ich bin dadurch in den letzten zehn Jahren in jedem Land in Europa gewesen, Brasilien, USA, HongKong, Singapur, Middle East… Klar, während der Zeit musste ich auch arbeiten aber da bleibt immer noch einiges an Zeit für Impressionen und Land&Leute. Nicht zu vergleichen mit einer backpackertour durch Asien, dafür aber im Job inbegriffen.
        Einer wochenlangen Abwesenheit stehe ich auch eher skeptisch gegenüber, daher habe ich auch verschiedene Auslandsangebote abgelehnt die sich nicht mit Frau und Kind vereinbaren liessen und meine vor Ort Anwesenheit 4/5 Tagen in der Woche erfordert hätten.

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      • Ich finde es gut, wenn man die Wahl hat. Wir haben je nach Projekt die Möglichkeit, mal für ein paar Wochen ins Ausland zu gehen. Das kommt selten vor (1x im Jahr), sodass sich da natürlich viele freiwillig melden. Bis zu 5-6 Wochen am Stück ist das auch kein Problem. Aber z.B. dauerhaft nur eine Wochenendbeziehung zu führen, wäre nichts für mich. Hatte ich 2 Jahre, reicht. Wir kleben zum Glück auch nicht wie Kleber aneinander und machen auch mal getrennt Urlaub oder machen was mit Freunden, aber länger als 3 Wochen waren mir meiner Erinnerung nach die letzten 7 Jahre nicht getrennt.

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      • So projektarbeit finde ich auch gut, würde ich aber heutzutage nicht mehr machen wollen, wäre mir doch zu lange.
        Drei Wochen ist ja auch ok, könger waren wir in der letzten Dekade auch nicht „nicht zusammen“, eher nicht länger als zehn Tage.
        Ok, wir hatten knapp drei Jahre eine Wochenendbeziehung bzw. war da noch ein-zwei HO tage dabei. Aber das wars dann schon.
        Als unser Kind noch nicht schulpflichtig war wäre es eine Option gewesen ins Ausland zu gehen für längere Zeit, da meine Frau aber auch einen sehr guten Job hat und der an Präsenzzeiten gekoppelt ist war das keine Option, dafür war ihr Gehalt einfach zu gut. Oder das, was man mir im Ausland geboten hat zu niedrig 🙂 Und in den USA haben mich die zehn Tage Urlaub etwas abgeschreckt g

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  12. Gefällt mir was ich lese…. Sehr ehrlich und selbstreflektiert… Hut ab! Man merkt schon, dass du nicht unbedingt dem Mainstream nachlaufen musst und dir viele eigene Gedanken gemacht hast. Selbstverwirklichung muss ja auch nicht immer spektakulär sein. Sie sollte nur einem selbst gegenüner ehrlich ausfallen. Gruß

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    • Lieben Dank, Andi!
      Interessant fand ich in dem Zusammenhang das Schreiben mit einer Freundin. Sie ist 1-2 Jahre in Australien gewesen, hat dort in der Gastronomie gearbeitet und uns mit den schönsten Strandbildern versorgt. Da bekam ich Fernweh und dachte mir oft „Die lebt ihren Traum und macht einfach.“ Sie wiederum schrieb mir, dass sie neidisch auf andere ist, die in Deutschland Karriere gemacht haben, heiraten, Kinder bekommen etc. Sie musste bei ihrer Rückkehr nach Deutschland nahezu von vorne beginnen.

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      • Das beste was man machen kann ist solche Dinge vor der beruflichen Laufbahn zu machen. Lieber etwas später anfangen als gar nicht zu machen.
        Ich habe einige Kommilitonen die es für die Diss ins Ausland verschlagen hat, einige sind danach dann da geblieben.
        Ich liebaugele seit zehn Jahren mit so einer Auszeit, hab es Job bedingt nie gemacht …

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