Wer profitiert vom dualen Studium? – Teil 4

Ihr habt es bald geschafft: Dies ist nun der letzte Beitrag meiner Artikelserie. Heute geht es um Vor- und Nachteile des dualen Studiums für den Studierenden und den Arbeitgeber und meinem persönlichen Fazit: Wem kann ich ein duales Studium empfehlen?

Vorteile des dualen Studiums für Studenten

Die Liste der Vorteile ist lang:

  • regelmäßiges Gehalt von 800 – 1800€ brutto jeden Monat, ggf. auch 13. Gehalt
  • je nach Firma werden Schulmittel und Studiengebühren übernommen & Laptops zur Verfügung gestellt, Wohnzuschüsse und Fahrtgeld gezahlt und Boni für gute Noten gewährt
  • kein NC, da der Arbeitgeber die Studenten auswählt
  • automatischer Abschluss in Regelstudienzeit und früher Berufseinstieg
  • Kennenlernen des Berufs und der Firma
  • Sammeln von Praxiserfahrung schon vor dem Abschluss
  • man bekommt als Student ausreichend Zeit sich in gewisse Themen einzuarbeiten, die man als gut bezahlter Akademiker nicht in dem Umfang bekommt
  • man bekommt einen gewissen Weitblick über die Tätigkeiten des Unternehmens, da man normalerweise Einblick in mehrere Abteilungen und Aufgabenfelder erhält
  • ein Arbeitgeber investiert im besten Fall besonders viel Zeit in euch, da er euch länger einplant als andere Studenten
  • nach dem Abschluss erfolgt in den meisten Fällen die Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis
  • im besten Fall schreibt man erst mal keine Bewerbung mehr
  • nach dem Abschluss schon mit dem Bachelor arbeitsfähig
  • bessere Karriere-Chancen durch längere Betriebszugehörigkeit
  • mehr „Druck“ aufgrund der Firma im Rücken
  • man ist nach Bestehen eines solchen Studiums sehr belastbar
  • man lernt durch seine Kommilitonen auch andere Firmen kennen
  • Auslandsaufenhalte möglich
  • ggf. Übernahme als Azubi und Verkürzung der Ausbildungszeit, falls man das Studium abbricht

Gerade das Thema Gehalt und die guten Karrierechancen sind ein guter Motivator für ein duales Studium. Hat man erst mal den Fuß in ein Unternehmen gesetzt, wird man auch nicht mehr so leicht vor die Tür gesetzt: Nach dem Studium geht es mit einem unbefristeten Vertrag weiter und selbst bei einem Abbruch wird man ggf. als Azubi übernommen. Möchte man die Abteilung innerhalb der Firma wechseln, werden einem normalerweise auch alle Türen geöffnet. So wie ich es mitbekomme, hat ein dualer Student Vorrang im Vergleich zu externen Bewerbern bei der Besetzung einer offenen Stelle.

Da es keinen NC an dualen Hochschulen gibt, kann man durch ein duales Studium sich Zugang zu seinem Wunschstudiengang beschaffen (z.B. ein Medizinstudium beim Bund). Aber ein Freifahrtsschein für schlechte Noten ist das damit nicht: Bei größeren Unternehmen wird man mit schlechten Noten direkt abgelehnt, sofern man das nicht durch einschlägige Praxiserfahrung wett machen kann. Bei großen Unternehmen ist die 1 vorne beim Notenschnitt quasi Pflicht.

Vorteile für den Arbeitgeber

  • Vertragliche und emotionale Bindung des Studenten an das Unternehmen
  • „billige“ Arbeitskraft
  • optimales Zuschneiden auf das Bedürfnis des Unternehmens
  • Rückzahlungsvereinbarung, falls der Student nicht bleibt
  • attraktives Angebot für Mitarbeiter mit Wunsch zur Weiterbildung

Angenommen, man zahlt 1000€ für einen dualen Studenten im Monat, so ist man nach 3 Jahren einschließlich Nebenkosten (Sozialversicherung, Bereitstellung von Soft- und Hardware, investierte Zeit von Ausbilder und Kollegen)  bei weit über 50.000€. Aber das ist für ein Unternehmen eigentlich nichts. Im besten Falle hat man nämlich 3 Jahre lang auch einen Studenten, der als günstige Arbeitskraft mitarbeiten kann und der optimal auf die Firmenbedürfnisse ausgebildet wird.

Es kostet viel Zeit und somit Geld um einen frischen FH- oder Uniabsolventen einsatzfähig zu bekommen. Wenn der Absolvent nicht zumindest ein Praktikum oder die Abschlussarbeit im Unternehmen verbracht hat, weiß man nicht, wen man gerade eingestellt hat (selbst bei einem Arbeitnehmer mit Berufserfahrung). Falls dem Frischling der Job keinen Spaß macht oder er bei der Konkurrenz mehr angeboten bekommt, ist er auch schnell wieder weg, wenn man ihn gerade eingelernt hat. Einen dualen Studenten hingegen kann man für vergleichsweise wenig Geld 3 Jahre lang kennenlernen, für die volle Berufstätigkeit vorbereiten und ihn danach bis zu 3 Jahre vertraglich an das Unternehmen binden.

Sollte der Student den Arbeitgeber nur als Sprungbrett nutzen oder das Studium abbrechen, sichern sich viele Firmen durch eine sogenannte „Rückzahlungsvereinbarung“ ab. Der Student muss im schlimmsten Falle sein erhaltenes Geld für die Theoriephasen zurückzahlen (immerhin nicht für die Praxisphasen, weil er da ja gearbeitet hat). Das sind bei 1000€ im Monat und 1,5 Jahren Praxisphase schnell mal 18.000€. Wie bereits bei den Vorteilen für Studenten erwähnt, ist die Bindung aus meiner Sicht das wichtigste Thema für den Arbeitgeber. Wenn man Leute gut ausbildet und in diese Zeit/Geld investiert, sollen diese auch bleiben. Laut meinem Vertrag hätte ich bei einem Verlassen meines Arbeitgebers meine Zuschüsse (Wohngeld und Fahrtgeld) zurückzahlen müssen, was rund 6.000€ gewesen wären. Was eigentlich nicht viel Geld ist, wenn man überlegt, welche Gehaltssprünge man teilweise durch einen Arbeitgeberwechsel machen kann. Aber eine Ausbildung bindet auch emotional an das Unternehmen: Gerade kleinere Unternehmen, die vielleicht nicht mit den höchsten Gehältern locken, können mit Sozialleistungen, Einbindung ins Team und schnellen Aufstiegschancen ihre Absolventen an sich binden. Quasi auch ein bisschen die Bequemlichkeit eines Menschen ausnutzen.

Nachteile des dualen Studiums für Studenten

Was die Vorteile des Unternehmens sind, können schnell zum Nachteil des Studenten werden..

  • strenge Auswahlverfahren
  • vertragliche / emotionale Bindung ans Unternehmen
  • Rückzahlungsvereinbarung
  • Stress, Verzicht aufs Privatleben
  • Regelstudienzeit muss eingehalten werden
  • je nach Betrieb schlechte Betreuung
  • schlechte Anerkennung bei anderen Hochschulen
  • Studienqualität von Hochschule und Dozenten abhängig
  • meist Verzicht auf Master und Doktorandenlaufbahn
  • keine garantierte Übernahme

Man hat in den 3 Jahren keine wirkliche Erholungszeit. Da man in der vorlesungsfreien Zeit arbeitet, kann man sich seine freie Zeit nicht wirklich einteilen. Meinen „Urlaub“ habe ich den vielen Praxisberichten gewidmet. Die Klausuren sind eine Extremsituation. Nach 11 Wochen Vorlesung von morgens bis nachmittags gab es in Woche 12& 13 immer 8 Klausuren, für die man „nebenbei“ auch noch eine Menge lernen musste. Es konnte also passieren, dass der Dozent einem „noch schnell“ etwas zeigte, was die Woche drauf in der Klausur abgefragt wurde. Übelkeit am Morgen und Prüfungsangst waren vor jeder Klausur selbstverständlich. Nachklausuren wurden irgendwann im Folgesemester geschrieben, sodass man sich voller Panik auf zwei Nachklausuren konzentrieren musste (wenn man noch mal durch beide gefallen ist, war das Studium vorbei) und man dann für die direkt folgenden 8 Klausuren schlechter vorbereitet war.

Ein Abbruch des Studiums ist in vielerlei Hinsicht ärgerlich: Man verbaut sich nicht nur die vielversprechenden Berufschancen, man muss mit Pech auch Geld für die Theoriephasen zurückzahlen. Fällt man nach 2 Jahren Studium durch, erkennen andere Hochschulen meistens keinerlei Leistungen an und man startet komplett von vorne. Mit Pech hat man auch noch Schulden, weil manche Unternehmen die Rückzahlungsvereinbarung auch geltend machen, wenn das Studium unfreiwillig beendet wurde. Selbst mit fertigem Studium hat man Probleme an anderen Hochschulen: Vor allem Unis stellen sich quer, wenn man den Master machen möchte. Wenn man sich z.B. mit einem DH Bachelor an der Uni Stuttgart bewirbt, wird man entweder direkt abgelehnt oder muss die schlimmsten Fächer nachschreiben (3 Semester Mathe, Festigkeitslehre, Technische Mechanik..). Allerdings muss ich sagen, dass dies nur Schikane der Hochschulen ist (schließlich verlieren sie zunehmend 1er Abiturienten an die duale Hochschule). Als dualer Student verfügt man für einen Master absolut über die notwendigen Vorkenntnisse, über den notwendigen Ehrgeiz erst recht. Die dualen Studenten, die ich kenne, machen eher selten direkt nach dem Bachelor einen Master (mich eingeschlossen) bzw. bevorzugt berufsbegleitend. Wenn man erst mal arbeitet, will man auch nicht mehr aufs Gehalt verzichten. Da kommen dann nur noch ein Fernstudium oder ein duales Masterstudium infrage, die aber dann aus privater Tasche (bis zu 20.000€) bezahlt werden müssen.

Weiterer wichtiger Nachteil vom Studium: Es gibt immer wieder schwarze Schafe bei den Arbeitgebern, die sich um ihre dualen Studenten nicht wirklich kümmern: In großen Unternehmen werden duale Studenten schnell mal vernachlässigt (Muss ich deine Praxisarbeit wirklich lesen? Kannst du mir nicht einfach die Note sagen, die du dafür haben willst?) oder auch total überfordert. Letzteres sind dann aber eher kleinere Unternehmen, für die sich der 50.000€-Student sofort rentieren muss. Man kann den Arbeitgeber während des Studiums aber zum Glück wechseln. Was man auch nicht vergessen darf: Die Bindung nach dem Studium ist einseitig. Wenn der Arbeitgeber einen dualen Studenten nach seinem Abschluss nicht übernehmen will, muss er das auch nicht.

Nachteile für den Arbeitgeber

  • er investiert Zeit und Geld in einen dualen Studenten
  • Man muss mit Ausfällen rechnen
  • Kooperation mit der Hochschule/ jede Hochschule tickt anders
  • größer werdender Bedarf an dualen Studenten, aber immer weniger geborene Kinder

Jede Hochschule tickt ein wenig anders. Ein Studiengangsleiter, eine Sekretärin oder einzelnen Dozenten können einem unnötige Steine in den Weg legen. Generell hat man als Betreuer unregelmäßig Kontakt zur Hochschule. Man muss die Praxisarbeiten & Bachelorarbeiten anmelden/ummelden und bei Bedarf mit den Dozenten Rücksprache halten, da man als Betreuer im Betrieb ggf. für die Praxisberichte Noten vergibt. Bisher hatte ich aber Glück und nur freundliche Leute am Telefon.

Während man bei einer Ausbildung kaum Ausfälle hat, muss man bei dualen Studenten leider mit Verlusten leben. Was wirklich schade ist, wenn diese in der Praxisphase gute Leistungen erbracht haben.

Der Kampf und duale Studenten ist zudem nicht ohne: Immer mehr Unternehmen prügeln sich um Abiturienten mit guten Noten. Die Unternehmen, die besser zahlen und einen guten Namen haben, gewinnen dabei meistens. Durch die geburtenschwachen Jahrgänge bleiben dadurch Stellen in unbekannteren/kleineren Unternehmen auch mal unbesetzt.

Wem kann ich das duale Studium empfehlen?

Bei all den Vor- und Nachteilen bringe ich es auf den Punkt:

Duale Studenten lohnen sich für jeden Arbeitgeber. 

Lieber drei Jahre einen dualen Studenten maßschneidern als einen fremden Absolventen ohne Berufserfahrung und trotzdem hohen Gehaltsforderungen.

Aber nicht jeder Student ist für die duale Hochschule geeignet.

Die duale Hochschule ist nicht besser als eine normale Hochschule. Der Arbeitgeber macht letztlich den Unterschied, falls man diesen als Studenten überhaupt immer im Rücken haben möchte.

Wer viel Wert auf Selbstbestimmung, freie Zeiteinteilung und Flexibilität legt, der sollte besser an eine normale Hochschule gehen. 

Für Menschen, die ein regelmäßiges Einkommen haben möchten, die im Unternehmen bereits angestellt sind und studieren wollen oder die stete Praxiserfahrung brauchen, sind dort bestens aufgehoben – selbst mit mittelmäßigen Noten findet man mit ausreichend Motivation einen passenden Arbeitgeber. Nach Abschluss startet man seinen Beruf mit bereits 3 Jahren Betriebszugehörigkeit, was an der ein oder anderen Stelle Vorteile bringt.

Wer öfter mal einen Tritt in den Hintern braucht, der bekommt beim dualen Studium geholfen.

Neben dem regelmäßigen Einkommen und dem direkten Berufseinsteig war der Tritt in den Hintern für mich ein weiterer wichtiger Grund. Da mir die Schule recht leicht fiel, hatte ich vor der Selbstdisziplin beim normalen Studium ein wenig Angst.

Mein Fazit

Wie ihr seht, gibt es auf jeder Seite eine lange Liste von Vor- und Nachteilen. Für das Unternehmen lohnt sich ein gut ausgebildeter dualer Student eigentlich immer, weil die Leute direkt besser eingebunden werden können als ein „Frischling“. Ich selbst bin über mein duales Studium froh, weil ich bei meinem Arbeitgeber viel lernen konnte. Das Studium an sich hätte ich von mir aus auch gerne an einer anderen Hochschule machen können. Man darf nicht vergessen: Das Studium ist nur die Grundlage für den späteren Beruf, das ausschlaggebende ist die Praxiserfahrung.

Danke, dass ihr bis hierhin durchgehalten habt. ;)

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14 Gedanken zu “Wer profitiert vom dualen Studium? – Teil 4

  1. Hallo Ex-Studentin,
    vielen Dank für deine interessante Artikel Serie zum Thema Duales Studium. Ich lese bereits seit einiger Zeit deinen Blog und habe mich bei dem Thema extrem angesprochen gefühlt, da ich 2005 ebenfalls ein duales Studium (BWL) gestartet hatte. Deine Vor- und Nachteile kann ich sehr gut nachvollziehen. Für mich persönlich waren es 3 sehr zeitintensive Jahre, die ich allerdings auch nicht missen möchte. Ich konnte damals die verschiedensten Geschäftsbereiche in meinem Unternehmen kennenlernen und bin auch heute noch in diesem tätig. Ich kann es heute noch allen jungen Leuten empfehlen, die eine fundierte akademische Ausbildung, verbunden mit Praxiswissen und einem geregelten Einkommen kombinieren möchten. Dir weiterhin viel Erfolg bei deinem Blog, du machst das super. Liebe Grüße, Nico

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    • Danke Nico für das Lob und das Feedback! :) Ich hoffe, ich habe die Vor- und Nachteile nicht zu sehr pauschalisiert. Je nach Studiengang, Hochschule und Arbeitgeber kann der Ablauf doch ziemlich variieren. Eine Freundin von mir hat in der Hotelbranche studiert und 2x aufgrund der schlechten Behandlung die Firma gewechselt. Da hatten wir beide wohl mehr Glück. :)

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  2. Hallo Jenny,

    „Danke, dass ihr bis hierhin durchgehalten habt. ;)“

    Danke, dass Du soviel geschrieben hast! :-) Wirklich eine schöne Serie, die einen persönlichen Einblick in eine noch eher unbekannte Möglichkeit der Berufsausbildung (im Rahmen eines dualen Studiums) gewährt hat.

    Liebe Grüße
    Dummerchen

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    • Freut mich, dass es dir gefallen hat! Für viele meiner Leser kommt die Entscheidung, wie es nach der Schule weiter geht, ja leider zu spät.. Aber vielleicht hilft es den Kindern/Nichten/Neffen oder anderen Zöglingen, die noch vor der Entscheidung der Berufswahl stehen.

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  3. Schöne Zusammenfassung. Ich habe selbst ein duales Ingenieursstudium an einer Berufsakademie (heute Duale Hochschule) gemacht und kann die meisten Punkte bestätigen. Mir ging es so ähnlich wie dir – für mich war der zusätzliche Druck durch den Arbeitgeber und der hohe Organisationsgrad (das duale Studium läuft doch fast wie an der Schule) die Hauptgründe, weil ich in der Schule ziemlich faul war und ich mir nicht sicher war, ob ich ein normales Studium in vernünftiger Zeit durchziehen würde.

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    • Der letzte Satz trifft es wohl ganz gut.. Wobei ich ein normales Studium vermutlich auch gut durchgezogen hätte. Aber seltsamerweise habe ich mir den Stress trotzdem irgendwo freiwillig angetan. Ist vielleicht mit dem Bund vergleichbar: Man meldet sich freiwillig, um dann vielleicht von jemandem angeschrien und erzogen zu werden. Am Ende geht man aber erhobenen Hauptes aus der Sache raus.

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  4. „Der Student muss im schlimmsten Falle sein erhaltenes Geld für die Theoriephasen zurückzahlen (immerhin nicht für die Praxisphasen, weil er da ja gearbeitet hat).“ Das ist rechtlich !völlig! ausgeschlossen. Das Geld in den Theoriephasen ist ein !Gehalt!, dieses kann nicht zurückverlangt werden. Der Student befindet sich in der Theoriephase auf einer Fortbildung – er bildet sich für die Firma fort, um das dort erworbene Wissen mit einbringen zu können.

    Es stimmt jedoch in Teilen: Die Ausbildungskosten, die ggf. durch eine private Hochschule anfallen, können zurückverlangt werden. Doch auch hier gibt es hohe Hürden und viele Unternehmen scheuen den Rechtsstreit, da dieser sehr häufig zu Gunsten des ANs und nicht den AGs entschieden wird.

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    • Rein rechtlich leider möglich. Unsere Rechtsabteilung hat das bereits geprüft. Viele Firmen haben diesen Passus enthalten und setzen das Thema auch durch. Wichtig für den AG ist, dass die Summe, die zurückgezahlt werden muss, genau definiert ist. D.h. man darf nicht schreiben „entstandene Kosten müssen ggf. erstattet werden“, sondern es steht explizit drin, was zurückgezahlt werden muss. Finde die Klausel nicht gut, aber wie gesagt: Der AG setzt das durch.

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      • Das stimmt so leider nicht.
        Auch die Summe muss nicht enthalten sein. Es ist wichtig, dass die Anschlussbeschäftigung genau umrissen ist (siehe 9 AZR 545/12; 9 Sa 108/13; 9 AZR 186/07) und auch, dass das Abgelten der Rückzahlungsforderung monatlich möglich sowie angemessen ist (bis zu 3 Jahre).
        Was im Vertrag steht und was nach einem Rechtsstreit ggf. davon übrig bleibt sind zwei paar Schuhe.
        Die Klausel kann da auch 10x in fett und rot stehen, sie ist trotzdem unwirksam (siehe Referenzurteile zu oben genannten Aktenzeichen).

        Ich habe auf einer dualen / privaten Hochschule studiert und kenne mehr als 20 Fälle, in denen für eine Rückzahlung prozessiert wurde. Ich wage zu behaupten daher von der Realität mehr Erfahrung zu haben als die Rechtsabteilung (zudem mein Vater Jurist ist und sich auch mit der Thematik auseinander gesetzt hat) der eigenen Firma, denn diese hat eine intrinsische Motivation ihre Sicht der Dinge zu verbreiten – was soll sie auch anderes tun? Sagen „Unterschreibt mal den Vertrag mit dem Passus, der ist zwar nicht gültig, aber seis drum.“ ?

        Ich will nur darüber aufklären, falls andere „Duals“ diesen Blog lesen und abgeschreckt sind. Es stimmt definitiv so nicht, trotzdem kann die Rückzahlung bei einer privaten Uni schnell bis 20.000€ gehen (je nach Studikosten). Ein Abbruch sollte also immer wohl überlegt sein.

        Eine Rückzahlung wird auch ausgeschlossen sein, wenn der Student endgültig nicht besteht – und das obwohl er all seine intellektuellen Möglichkeiten ausgenutzt hat (hier kenne ich persönlich zwei Fälle). Anders sieht es aus wenn Faulheit o.ä. nachgewiesen werden können (beweisbar z.B. durch Nicht-Anwesenheit).

        Ansonsten ein guter Beitrag, vielen Dank!

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      • Danke für den Praxiseinblick! Ich bekomme sowas nur über Mundpropaganda und bei meiner eigenen Firma mit. Ich hätte einen Vertrag mit so einer Klausel trotzdem nie unterschrieben.

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  5. Dieser „Artikel“ ist überhaupt nicht sachlich und zeigt bei weitem nicht alle Nachteile eines dualen Studiums für Studenten und Arbeitgeber auf. Man sollte auch nicht vergessen dass der erhöhte Praxisanteil logischerweise eine Reduzierung der vom Studenten erlernten Theorie zur Folge hat und duale Studenten daher nicht für jede Tätigkeit in Frage kommen.
    Diese Aussage schießt
    den Vogel aber ab:

    „Wenn man sich z.B. mit einem DH Bachelor an der Uni Stuttgart bewirbt, wird man entweder direkt abgelehnt oder muss die schlimmsten Fächer nachschreiben (3 Semester Mathe, Festigkeitslehre, Technische Mechanik..). Allerdings muss ich sagen, dass dies nur Schikane der Hochschulen ist (schließlich verlieren sie zunehmend 1er Abiturienten an die duale Hochschule). Als dualer Student verfügt man für einen Master absolut über die notwendigen Vorkenntnisse, über den notwendigen Ehrgeiz erst recht.“

    Wenn die Autorin mal die Klausuren der Uni Stuttgart und der DHBW verglichen hätte, würde sie solche Aussagen nicht bringen. Das ist eine total vermessene und falsche Aussage. Jede Studienform mag ihre Berechtigung haben, aber ein duales Studium ist mit Sicherheit kein vollwertiges Universitätsstudium, egal wie ehrgeizig diese Studenten auch sein mögen und was ihre Abiturnote ist.

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    • Hey Susanne,
      das DHBW-Studium ist auch kein vollwertiges Unistudium. In Teil 1 habe ich geschrieben, dass der Inhalt „flacher“ ist, also z.B. keine langen Herleitungen von Formeln gemacht werden. Ein duales Studium ist für die Praxis ausgelegt, ein Unistudium für die „Wissenschaft“. Für den Einsatz in der Wirtschaft kann ich deswegen keine Nachteile am dualen Studium finden. Man findet ohne Master gut einen Job. Falls du meinst, dass man damit nicht unbedingt Professor wird, dann stimme ich dir da zu. Wer dual studiert, macht dies ja bewusst wegen der Praxiserfahrung. Egal, welche Tätigkeit man ausführen will: Man lernt das am besten in der Praxis. Meine Studenten lasse ich z.B. gerne VBA programmieren, was man in einem Maschinenbaustudium sonst nicht unbedingt macht. Ebenso lernen sie fertigungsgerechtes Konstruieren, Komponentenauslegung und Materialauswahl und damit meine ich nicht einfach nur „Stahl“ oder „Aluminium“. Klassisches Beispiel: Alle können am Ende des Studiums Biegebalken berechnen oder Zahnräder. Aber die wenigsten können dir sagen, was man an einem Zylinder ändern muss (Druck, Länge oder Kolbendurchmesser?), um die Kraft zu erhöhen.

      Da man an den meisten Hochschulen für den Master akzeptiert wird, kann man sogar den Doktor dran hängen, wenn man das trotzdem will. In meinem Freundeskreis macht gerade tatsächlich jemand den Doktor – an der Uni Stuttgart, weil er die oben genannten Klausuren alle mit 1, nochwas nachgeschrieben hat. Ein anderer hat seinen Master mit Belobigung in Hamburg gemacht. Andere Kollegen machen den Master eher im Fernstudium oder hängen den MBA dran. Dass der Bachelor an Uni, FH und DH ein Unterschied ist, ist mir schon bewusst. Aber ich bezog mich ja auf den Master, d.h. mit einem DH-Bachelor kann ich bisher keine Probleme bei der Bewältigung eines Masters feststellen, sofern man an der Hochschule akzeptiert wird.

      Ich wollte mit dem Artikel keinem Uni-Studenten auf die Füße treten. Ich kenne nur tatsächlich keinen dualen Studenten, der sein Studium bereut oder Probleme hatte, einen Job zu finden. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis finden sich nicht nur Maschinenbauer, sondern auch mehrere Wirtschaftsingenieure und Informatiker, Soziale Arbeiter, einer von Finanzamt und ein Arzt.

      Was sind aus deiner Sicht Nachteile des dualen Studiums?

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