Meine Zeit als duale Studentin – Teil 3

Ich hoffe, ihr haltet noch 2 Beiträge zum Thema „Duales Studium“ aus. Da es doch prägende 3 Jahre für mich waren und ich mich seit meinem Abschluss im Jahre 2013 um die nachfolgenden Studenten in meiner Abteilung kümmere, ist das ein sehr wichtiges Thema in meinem Leben. Leider kann ich das nicht mit „1 Beitrag und jut is“ abhandeln. Deswegen berichte ich heute von meiner Studentenzeit.

Meine Motivation fürs duale Studium

Ich wollte immer Lehrerin werden. Da gab es nie eine Diskussion. In einem vergangenen Artikel schrieb ich bereits darüber, wieso es dann noch Maschinenbau wurde. Die größte Frage war:

Wo soll ich studieren?

Da ich vom Land komme, war die nächste Hochschule automatisch 100km weiter. Zufällig hielt meine jetzige Firma im September 2009 einen Vortrag in meiner Schule über das duale Studium. Ohne diesen Vortrag wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass man fürs Studieren Geld bekommen könnte. Diese Idee klang schon sehr verlockend. Zur Auswahl standen Mosbach und Stuttgart als Hochschule und mehrere Standorte für die Praxisphase. Da ich von einem Kaff nicht ins nächste ziehen wollte, fiel Mosbach raus und ich bewarb mich für ein duales Studium in Stuttgart, obwohl ich vorher noch nie in Baden-Württemberg war. Meine Praxisphase hätte ich in meiner Heimat oder ebenfalls in Stuttgart absolvieren können.

Meine Hauptmotivation für das eigene Geld war eine gewisse Sicherheit, die ich fürs Studium haben wollte.

Ich hatte keine Ahnung, wie viel Bafög ich bekommen würde und ich wusste nicht, wo meine Eltern in den nächsten Jahren landen würden. Mein Vater war Ende 50 und stand kurz vor der Kündigung. Blöderweise hatten meine Eltern erst wenige Jahre zuvor Schulden für einen Hauskauf gemacht. Weil es denkbar war, dass meine Eltern die Gegend verlassen, entschied ich mich gegen den Praxiseinsatz in meiner Heimat. Ich bewarb mich sogar noch bei einem weiteren Unternehmen in Stuttgart. Das Arbeitsamt nannte mir noch viele weitere potentiellen Firmen, aber ich wollte es mit Bewerbung nicht übertreiben und wäre als Plan B lieber an eine normale FH in der Nähe meiner Großeltern.

So liefen meine Praxisphasen ab

Die 3 Jahre meines Studiums verbrachte ich in der gleichen Abteilung. Grob kann man sagen, dass sich meine Theorie- und Praxisphasen alle 3 Monate abwechselten. Es gab neben mir nur eine weitere Studentin 1 Jahr über mir, die aber (kurz nachdem ich sie kennen lernte) das Handtuch schmiss. Allein zu sein war eigentlich ganz gut, weil ich somit viele abwechslungsreiche Themen bearbeiten durfte. Da es keinen Ausbilder in meiner Abteilung gab, kümmerte sich mein Chef um meine Ausbildung und korrigierte selbst in seinem Urlaub meine Ausarbeitungen.

Als wirklich produktiv konnte ich meine Praxisblöcke aber nicht wirklich bezeichnen..

Man hat ungefähr 6 Monate Praxisphase pro Jahr. In denen muss man aber auch noch 30 Urlaubstage nehmen, wodurch nur noch 4,5  Monaten effektiv übrig blieben. In der Zeit musste ich normalerweise 60-80 Seiten Praxisbericht von der Hochschule aus schreiben, die eine Menge Zeit verschlangen. Die Ausarbeitungen waren die schlimmste Belastung. Während der Praxisphase und während der Theoriezeiten musste man so viele Hausarbeiten schreiben, sodass ich meine Abende, Wochenenden und selbst meine 30 Tage Urlaub für die Hochschule geopfert habe.

Einschließlich Bachelorarbeit kamen in den 3 Jahren rund 400 Seiten an Ausarbeitungen (ohne Anhänge und Verzeichnisse) zusammen.

Für meine Kollegen war dieses „mal 3 Monate da, mal 3 Monate nicht“ gewöhnungsbedürftig. Da man nicht wie ein Azubi jede Woche da ist und nicht unbedingt aktiv im Projekt mitarbeitet, haben sie nicht viel von mir mitbekommen und ich anfangs auch nicht viel von ihnen. Durch die lange Abwesenheit verpasste ich auch das ein oder andere wichtige Projekt oder Firmenevent. Durch die erste Weihnachtsfeier lernte ich aber zum Glück andere Azubis und Studenten aus anderen Abteilungen kennen.

Eine günstige Arbeitskraft zu sein hat viele Vorteile.

Bei einem teuren Ingenieur überlegt man sich zweimal, wofür dieser seine Zeit opfert. Einem Studenten hingegen kann man etwas geben, woran er sich ruhig die Zähne ausbeißen darf. Man hat einfach mehr Zeit, um eine Lösung zu finden oder auch mal Optimierungen in Angriff zu nehmen. In meinem Beruf war es besonders toll, dass ich einfach mal in Produktionsanlagen beim Kunden mitgenommen wurde oder mich bei Besprechungen mit dazu setzen konnte. Und ich kann behaupten, A0 und A3-Zeichnungen normgerecht falten zu können.

Das passierte in den Theoriephasen

Mein Kurs bestand aus 21 Leuten. Wir hatten meist von etwa 8 bis 17 Uhr Unterricht. Hausaufgaben gab es in manchen Fächern auch noch. Die Kurse von Freitagnachmittag verlegten wir meist auf andere Wochentage, weil wir alle am Wochenende zu unseren Eltern fahren wollten. Wir kamen von allen Ecken aus Deutschland. Der Zusammenhalt in unserem Kurs war ziemlich gut, da wir aus kleinen mittelständigen Firmen kamen, in keiner direkten Konkurrenz zueinander standen und das gemeinsame Ziel des Bestehens hatten. Wir halfen uns bei Hausaufgaben und tauschten vor Klausuren Zusammenschriebe aus.

Die Prüfungen des ersten Semestern waren ein ziemlicher Schock. So viel Stoff, der in so kurzer Zeit abgefragt wurde. Innerhalb der Zeit fertig zu werden, war in vielen Klausuren unmöglich. So viel Klausuren in kurzer Zeit und kaum Zeit, sich dafür 100%-ig vorzubereiten. Um den Klausurendruck etwas zu mindern, verlegten wir die nachfolgenden Semester einige Unterrichtsstunden nach vorne, sodass wir vor den Klausuren ein paar freie Tage zum Lernen hatten. Von den 8 Klausuren in 7 Tagen versuchten wir nach Möglichkeit auch 1 oder 2 schon 1 Woche vorher zu schreiben. Ein Schieben von Klausuren aufs nächste Semester wie an normalen Hochschulen ist nicht möglich. Man absolviert sein Studium automatisch in Regelstudienzeit. Fiel man durch eine Klausur, konnte man noch einmal schriftlich die Prüfung zu Beginn des nächstens Semesters wiederholen. Zwei mal Mathe und Technische Mechanik verhauen und man war weg vom Fenster.

Mit zunehmender Semesterzahl wurde es zum Glück entspannter.

Im ersten Jahr wurde am meisten gesiebt. Die Durchfallquote betrug vielleicht 30%. Relativ wenig für ein technisches Studium, aber hoch genug, wenn man bedenkt, welche strengen Auswahlverfahren man schon hinter sich hatte. Nach dem dritten Semester fielen die meisten Grundlagenfächer weg (Mathe, Festigkeitslehre, Technische Mechanik, Informatik, E-Technik) und es ging mehr um Logistik, BWL und Co. Lernfächer waren zugegeben entspannt. 4 Wochen notfalls jedes Wort auswendig lernen im Tausch gegen eine gute Note. Bei den Grundlagenfächern konnte man sich hingegen noch so gut vorbereiten und die Klausur trotzdem in den Sand setzen. Ein Dozent meinte dazu mal: „Ich habe 2 Kurse. Der eine hat eine Durchfallquote von 60% und sagte mir, die Klausur wäre nicht machbar gewesen. Aber der andere Kurs hatte nur 40%. Also sehen Sie: Es liegt nicht am Dozenten.“

Auswirkung aufs Privatleben

Die 3 Monate Hochschule konnte ich bei mir grob in 3 Phasen untergliedern: Die ersten 4 Wochen waren entspannt und man schaffte es mal zusammen ins Kino, die nächsten 4 Wochen machte man sich erste Gedanken über die Klausuren und erstellte sich Lernpläne (an welchem Tag lerne ich was?). Die letzten 4 Wochen war man nur noch mit Lernen und Klausurenschreiben beschäftigt. Die letzten 14 Tage waren dementsprechend nervlich am anstrengendsten.

Man funktionierte wie eine Maschine.

Selbst, wenn eine Klausur schlecht lief, musste man das ausblenden und direkt an die nächste Klausur denken. Kurz nach der Prüfung was essen und weiterlernen. Kochen auf ein Minimum reduzieren, soziale Abschirmung von der Außenwelt. Wirklich Erholung hatte ich in den 3 Jahren nicht. Ich erinnere mich noch, wie ich am 23. Dezember 2011 eine Klausur schrieb, schnell ins Wohnheim fuhr, meine Sachen packte und zu meinen Eltern fuhr. Andere mussten da komplett einen Umzug meistern (Die meisten hatten Hochschule und Arbeitgeber an unterschiedlichen Orten). Weihnachtsstimmung Fehlanzeige, wenn man im „Urlaub“ noch seine Ausarbeitungen (Konstruktionsentwürfe, Praxis-, Labor- und Projektmanagentberichte..) fertigstellen musste. Selbst das Abgeben der Bachelorarbeit erfolgte bei mir ziemlich emotionslos: Ich gab das Ding ab, druckte mir nicht mal selbst ein Exemplar aus und ging schlafen.

Wenn ich an mein Studium zurückdenke, war ich viel unter Daueranspannung. Freizeit und Privatleben waren durchaus vorhanden, aber sehr begrenzt. Die Hausarbeiten und die Angst, irgendeine Prüfung zu versemmeln, hielten mich gedanklich ziemlich auf Trab. Die Leute in meinem Kurs steckten diese Angst unterschiedlich weg. Man muss dazu sagen: Fiel man durchs Studium, hatte man im schlimmsten Fall bis zu 3 Jahre seines Lebens verloren. Andere Hochschulen erkennen keine Leistungen der dualen Hochschule an, sodass man bei einem erneuten Studium (falls man nicht gesperrt war), komplett wieder von vorne hätte beginnen müssen.

Aber es gab auch ein paar Lichtblicke in meinem Privatleben: Durch mein Wohnheim hatte ich abends bei Bedarf Leute um mich rum, die auch mal einfach gefragt haben: „Hey, alles klar bei dir?“ Meine Mama spielte jederzeit Telefonseelsorge. Im zweiten Studienjahr kam ich mit meinem Freund zusammen. Ihn sah ich zwar nur am Wochenende, aber ich bekam durch ihn ein wenig vom Studentenleben mit. 4er WG mit tollem Freundeskreis und WG-Parties. Obwohl ich mich in meinem engen Wohnheimszimmer oft auch mal alleine gefühlt habe, hatte ich zum Glück vielen sozialen Rückhalt.

 So ging es für mich nach dem Studium weiter

Laut Vertrag bin ich 3 Jahre nach dem Studium an meinen Vertrieb gebunden. Schließlich zahlte dieser 3 Jahre lang mein Gehalt und die Arbeitszeit helfender Kollegen geht auch drauf. Da kommen schnell 50.000€ und mehr zusammen, die ein Arbeitgeber somit in einen dualen Studenten investiert. Theoretisch hätte ich aber jederzeit kündigen können und hätte eine geringe Summe an Zuschüssen zurückzahlen müssen. Ein wirklicher Nachteil wäre mir beim Verlassen der Firma also nicht entstanden. Da ich ein nettes Team hatte, war das Bleiben für mich obligatorisch. Obwohl ich 3 Jahre lang schon in der Firma war, ging die Berufserfahrung für mich erst nach dem Abschluss richtig los. Selbst das erste Jahr war noch „Findungsphase“, im 2. Jahr kam ich mir endlich richtig produktiv vor und jetzt im dritten Jahr kann ich mich vor Arbeit nicht mehr retten.

Wäre ich auch ohne duales Studium so weit gekommen?

Obwohl man letzten Endes an jeder Hochschule ähnliche Grundlagen lernt, so hat man als dualen Studenten einen entscheidenden Vorteil: Der Arbeitgeber hat Zeit und Geld in dich investiert und will dich behalten. Da ich nun fast 6 Jahre im Unternehmen bin, respektieren mich meine Kollegen, obwohl ich mit 23 noch recht jung bin. Mein Chef hat auch nach dem Studium nicht aufgehört, mich zu fördern. Da es nun immer mehr Studenten in meiner Abteilung werden, habe ich mich direkt freiwillig gemeldet, mich um diese zu kümmern. So helfe ich hoffentlich dem Nachwuchs und lerne auch immer wieder selbst noch etwas dazu.

Auch zur Charakterbildung trägt so ein Studium bei. Man verdient sein eigenes Geld und meistert so einige Stresssituationen. Zum Thema Finanzen und Vor- und Nachteile des dualen Studiums auf einen Überblick gehe ich dann im letzten Artikel meiner Beitragsreihe ein.

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12 Gedanken zu “Meine Zeit als duale Studentin – Teil 3

  1. Hey ich denke, dass besonders durch die Thematik des Geld verdienens in frühen Jahren viel mehr und schneller über den Umgang mit dem eigenen ersten Geld zu lernen. Zudem trägt das Übernehmen von Verantwortung durch eine eigene Wohnung extrem zur eigenen Charakterbildung bei.

    Ich habe vor etwa einem Jahr mein Abitur gemacht und bin jetzt schon seit einem Jahr in meinem dualen Studium. In der Zeit habe ich extrem viel über Versicherungen, Steuern und über den Umgang mit Geld gelernt. Ich denke, dass es etwas ganz anderes ist, wenn du dein Geld nicht einfach so bekommst, sondern auch Arbeit damit verbunden ist. Das Geld wird dann ganz anders geschätzt, denn es kommt ja nicht einfach so.

    Auch wenn ich nicht komplett ausgezogen bin (Theorie unter der Woche in Münster und Wochenende zuhause, Praxis komplett zuhause), denke ich, dass ich viel in der Zeit schon gelernt habe.

    Für die meisten meiner Schulkameraden hat sich nach dem Abitur fast nichts verändert. Sie studieren, machen eine Ausbildung oder ein FSJ. Dabei wohnen die meisten noch bei den Eltern und alles geht seinen gewohnten Gang. Der Status Quo wird erhalten und nur minimal verändert. Meiner Meinung nach bergen Veränderungen große Potentiale für die eigene Weiterentwicklung. Je extremer die Veränderungen sind, desto mehr kann auch gelernt werden.

    Veränderungen sind jedoch unbequem, denn dann müssten die eigenen Gewohnheiten durchbrochen und neue Sachen ausprobiert werden. Es bedeutet vorallem bei großen Entscheidungen sehr viel Mut dafür.

    Schöne Grüße

    Dominik

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    • Hi Dominik, da kann ich dir in allen Punkten nur zustimmen. Man geht sein Leben anders an, wenn man auf sich gestellt ist und sein eigenes Geld verdient. Gilt auch für Menschen, die eine normale Ausbildung machen. Ich schaue zwar ab und zu neidisch, wenn Gleichaltrige was Leckres von Mama zur Mittagspause dabei haben, aber auf Dauer wieder zuhause einziehen könnte ich trotzdem nicht. Bzw. kommt es sehr drauf an, wie viel Privatsphäre ich zuhause hätte. Erst wenn man Verantwortung für sich selbst übernimmt, kann man auch Verantwortung für andere tragen.

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  2. Hast du mal die Stoffmenge des dualen Studiums mit der eines regulären FH/Unis verglichen, was genau wird weg rationalisiert? (1,5 Jahre).

    Und nein, ich denke nicht das du etwas verpasst hast, ich denke eher das vieles weg kann. (Siehe Fernstudium MaBau in 3,5 Jahre berufsbegleitend)

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    • Da unsere Dozenten von FHs und Unis kamen, waren die Themen an sich die gleichen. Was ich so von anderen mitbekomme, fehlten uns vor allem komplexe Herleitungen von Formeln. D.h. der Dozent schrieb uns in einer Stunde zwar die Tafel voll, aber danach rechneten wir meist sehr praxisnah. Durch die vielen Wochenstunden und Hausaufgaben waren es zwar nur 18 Monate Hochschule, aber nicht 50% weniger Stoff. (2 Semester gehen an einer Uni rund 9 Monate, wenn man die vorlesungsfreie Zeit abzieht. An der DH „nur“ 6) Vielleicht 25% weniger Theorie, wenn ich raten müsste. Einzelne Themen wurden nur angeschnitten oder einfach gesagt: „Können Sie sich ja zuhause durchlesen.“ Obwohl der Lehrplan vorgegeben war, war es sehr dozentenabhängig wie gut der Inhalt übermittelt wurde. Ich hatte z.B.einen Wirtschaftsingenieur als Mathedozenten, obwohl der aus meiner Sicht kein Mathe konnte. Wehe, man wich von der Musterlösung ab und präsentierte einen kürzeren Lösungsweg. Gab dann trotz richtigem Weg und Ergebnis eben keine Punkte auf die Aufgabe.

      Und trotz vielleicht weniger Stoff als an der Uni: Dafür muss man während der Vorlesungszeit lernen, die eh schon voll gepackt ist. Und man muss es in Regelstudienzeit schaffen, was ich bei technischen Studiengängen generell für schwierug halte.

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  3. Hey,
    ich glaube der Satz mit der Maschine passt wirklich am Besten. Bei einem dualen Studium hört man wirklich auf nach Rechts oder Links zu gucken. Immer das Ziel vor Augen und immer grade aus. Das kann positiv, aber auch negativ sein.

    Eigentlich versucht man das Beste aus der Zeit zu machen. Alles andere wird einfach wegrationalisiert.

    Gruß,
    mafis

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  4. Hallo Jenny, (hallo Max),

    sehr interessante Einblicke ins Duale Studium. Sie bestätigen meine rudimentären Kenntnisse, die ich über diese Form des Studiums vorher hatte: Verdammt viel Arbeit in verdammt wenig Zeit – Stress pur!

    In den Kommentaren und Berichten klingt ja schon der Vergleich mit einem „normalen“ Studium durch. Irgendwie liegt das wohl in der Natur des Menschen immer zu überlegen, was jetzt besser oder schlechter, anstrengender oder weniger hart gewesen wäre. Vermutlich ist es aber einfach nur „anders“. Ich bin rückblickend froh, dass ich damals mehr Zeit für mein Leben neben dem Studium hatte. Zumindest liest sich das so. Mein E-Technik-Studium war auch kein Zuckerschlecken, aber die Prüfungen lagen eigentlich immer im 2-3 Wochenrhythmus, so dass „Bulimie-Lernen“ super geklappt hat: Im Semester habe ich die Grundzüge kapiert und zur Klausur dann Aufgaben gebüffelt. Ich fürchte, das hätte im Dualen Studium nicht funktioniert – da ist vermutlich dauerhaftes Lernen die sinnvollere Variante. Die Vorlesungszeit war daher bei mir eher entspannt und hat mir in meiner Persönlichkeitsentwicklung sehr geholfen: In meiner WG waren stets Studenten/-innen aus aller Welt und man hat viel von anderen und über sich gelernt. Diese Zeit möchte ich nicht missen – sie war prägend für mich.

    Dass man mitunter nur wie eine Maschine funktioniert und quasi von Tag zu Tag arbeitet, kenne ich dagegen durch meine jüngere Ausbildungsvergangenheit zur Genüge. Meinen Berufswechsel wollte ich ja mit „Training on the Job“ durchziehen, so dass die notwendige Ausbildung quasi neben dem Job parallel lief und damit deutlich anstregender war, als wenn ich das „normal“ gelernt hätte und erst nach den Abschlussprüfungen voll eingestiegen wäre. Die Auswirkungen aufs Privatleben darf man echt nicht unterschätzen und ein funktionierendes Umfeld mit viel Verständnis ist hier das A und O. Ist das nicht gegeben, können sich hier leicht weitere Baustellen im Leben auftun. Selbst erlebt und zum Glück unbeschadet überstanden.

    Wie bei Dir und Max habe ich aber durch meinen Weg so gleich (mehr) Geld verdient und dafür den Mehrstress in Kauf genommen. Ich weiß nicht, wie sehr man die Situationen wirklich miteinander vergleichen kann, aber ich war jetzt sehr froh, als es mit den Prüfungen vorbei war und ich endlich „nur noch“ arbeiten durfte – vermutlich war das am Ende des Studiums bei Euch ähnlich. Allerdings habe ich von vielen meiner (älteren) Kollegen, die einen ähnlichen Weg wie ich genommen haben, gehört, dass die Prüfungsstress-Resistenz im Alter doch arg abnimmt. Als 35-, 40- oder 45-jähriger will man sich nicht mehr so gerne Prüfungen unterziehen als noch mit Anfang 20. Da ist man das noch mehr durch die nur kurz zurückliegende Schulzeit gewöhnt.

    Ich bin jetzt auf jeden Fall mal auf den Serienabschluss gespannt.

    Liebe Grüße zum Wochenende
    Dummerchen

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  5. Huhu Dummerchen,

    diese duale Ausbildung findet man einfach immer öfter, so wie auch bei deiner Weiterbildung. „Ohne Moos nix los..“ Dass du deine WG-Zeit nicht missen möchtest, glaube ich dir gerne. Ich bin auch froh, dass ich in einer 20er WG gewohnt habe, wo immer was los war. Von so Erfahrungen zehrt man noch lange und ich vermisse die Abwechslung sogar ein wenig. Ich möchte zwar nicht mehr mein Berufsleben und das damit verbundene Einkommen missen, aber trotzdem ist mein jetziges Leben vergleichsweise eintönig und langweilig. Man lernt nicht mehr so viele neue Menschen kennen und ist viel zu vernünftig. ;)

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  6. Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Das duale Studium ist ja schwer im Trend. Dafür sprechen auf jeden Fall die finanzielle Sicherheit und die Jobsicherheit, vielleicht auch noch, dass man Praxis und Theorie gut miteinander verbinden kann.
    Aus meiner Sicht hat es aber auch entscheidende Nachteile. Studium ist für mich eine Phase im Leben, die der fachlichen und beruflichen Orientierung dient und nicht dazu bestimmt ist für ein bestimmtes Unternehmen zum perfekten Arbeitnehmer ausgebildet zu werden.
    Arbeiten müssen die meisten Studenten, aber es ist auch gut, sich mal unterschiedliche Bereiche anzuschauen. Außerdem ist es anstrengend. Nach dem Stress in der Schule jetzt auch noch Stress im Studium? Das würde ich meinen Kindern nicht empfehlen. Die Unternehmen bieten verstärkt duale Studiengänge an, um dem drohenden Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Wenn es für einen selbst passt, ist das sicher eine win-win-Situation. Für mich wäre es nichts gewesen und meinen Kindern würde ich es nicht empfehlen, aber ich stamme auch noch aus einer anderen Zeit. :) Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg!!

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    • Kann deine Einwände gut verstehen! Ich habe vielen Freunden selbst davon abgeraten, weil ich wusste, dass sie zeitintensive Hobbys oder Nebenjobs haben. Mein Problem ist, dass ich mir schwere körperliche Arbeit oder Aushelfen in der Gastronomie mir nicht zugetraut hätte. Vom Nachhilfe geben wäre ich auch nicht reich geworden..

      Der Start nach dem Studium ohne Schulden ist auch nicht zu verachten.

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