Weiterbildung um jeden Preis?

Bildung ist nicht auf ein Alter begrenzt. Unsere ganze Gesellschaft wird durch den Drang nach Weiterbildung geprägt: Schule, Ausbildung, Techniker, Wirt, Studium, Sprach- und Kochkurse, Erlangen handwerklicher Fähigkeiten, Dokumentationen im Fernsehen, berufliche Weiterbildungen.. Jedes erlangte Wissen sorgt für eine gewisse Genugtuung. Es geht nicht unbedingt ums Geld, es geht um das Öffnen von Türen und den Beweis, dass die eigene Lernfähigkeit keine Grenzen kennt.

Was ich mich aber frage: Werden wir von Informationen nicht total überflutet? Sammeln wir neben nützlichen Dingen nicht auch lauter unnützes Wissen, was uns vom Wesentlichen ablenkt?

Sollte Weiterbildung auch seine Grenzen haben?

Was bedeutet Bildung eigentlich?

Fangen wir erst mal wieder mit den „Basics“ an: Ursprünglich erhielt der Begriff im Mittelalter durch die Theologie Einzug in deutsche Sprache und wird von dem Wort „Abbild“ abgeleitet. Der Mensch, als ein Abbild Gottes und ein Abbild von dem, was man ihm gezeigt hat. Später sieht man Bildung als notwendige Maßnahme, um Menschen als nützlichen Teil der Gesellschaft zu formen. Bildung wirkte also ursprünglich von außen auf eine Person ein. Erst vor rund 200 Jahren kommt man auf den Gedanken, dass Bildung auch aus eigenem Antrieb erfolgen kann. Mittlerweile geht es nicht mehr um die Ansammlung von Wissen, sondern auch um Selbstverwirklichung, die persönliche Anwendung und kritische Reflexion des Erlernten. Bildung hört nicht auf – wir lernen ein Leben lang.

Erste Zweifel an maximaler Bildung

Nach dem Studium baten mich meine Eltern, mein ehemaliges Zimmer auszumisten. Ich wohnte nicht mehr dort, hatte aber noch so einiges bei meinen Eltern stehen. Großes Augenmerk lag dabei auf meinen alten Schulsachen, die förmlich nach dem Altpapier schrien. Mathe, Deutsch, Englisch sind durchaus wichtige Fächer. Geschichte, Erdkunde, Physik, Chemie und Biologie helfen uns, unsere Welt zu verstehen. Ab was ist von all dem Gelernten wirklich hängen geblieben? Ich hielt eine Biologie-Klausur aus der 6. Klasse in der Hand. Diese behandelte das Thema „Vermehrung von Farnen“.

farnwedel

Ganz viel Farn

Das sind diese grünen Wedel, die am Straßenrand wachsen. Ich kann mich tatsächlich noch dran erinnern, wie die Dinger sich ganz grob vermehren. Aber die lateinischen Begriffe, die ich da als 6. Klässlerin um mich warf, ließen die Arbeit wie eine Doktorarbeit wirken. Vom Erdkundeunterricht ist bei mir leider vergleichbar wenig hängen geblieben, aber ich weiß, dass es die Wolkenform „Nimbostratus“ gibt (diese schmuddeligen „Vielleicht gibt es Regen“-Wolken).  Welche Sachen habe ich wohl alles vergessen müssen, um mir sowas zu merken?

Auch heute fühle ich mich von Informationen überflutet.

Alleine wenn ich Nachrichtenmeldungen lese, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.

Kommt man um Bildung überhaupt drumrum?

Heutzutage ist es nicht so, dass man eine Ausbildung macht und ein Leben lang die gleichen Tätigkeiten ausführt. Unsere Gesellschaft befindet sich ständig im Wandel, ständig im Austausch und man steht ständig im Vergleich zu anderen. Sowas gab es sicherlich auch früher schon, aber durch die Globalisierung (und dadurch stärkere Vernetzung) nimmt dies gefühlt immer mehr zu -sofern ich das in meinem Alter überhaupt beurteilen kann. Wir sind so viele Menschen, dass man sich gefühlt mit aller Macht von anderen hervorheben muss, wenn man sich behaupten will.

Hat jeder die gleichen Chancen auf Bildung?

Die Frage ist zugegeben schon provokant gestellt: Die Geburt entscheidet darüber, wie leicht man Zugang zur Bildung erhält. Länder mit Schulpflicht setzen den ersten und wichtigsten Zugang zur Bildung in jungen Jahren. Der soziale Status öffnet weitere Türen: Nachhilfe, Klavierstunden, Sprachunterricht. Letztere Möglichkeiten konnte ich leider nicht nutzen, weswegen ich umso dankbarer für die heutigen Bildungsmöglichkeiten bin. Für ältere Kinder und Erwachsene nimmt das Internet eine immer wichtigere Rolle ein: Kostenlose Informationen sind für jedermann zugänglich. Zwar ersetzt nicht alles die Praxis (z.B. Gesangsunterricht, Schwimmkurse), aber Grundlagen vieler Themengebiete (wie Finanzen) kann man sich durchaus selbst aneignen. E-Learning, Fernstudium.. Einfach toll, was alles möglich ist. Auch die flexiblen „Offline“-Angebote an Abendschulen und nebenberuflichen Fortbildungen sind nicht zu verachten.

Informationen = Bildung? – Eigene Interessen nutzen und fördern

Letztlich sind wir Menschen ein Sammelsurium unserer Erfahrungen und Erinnerungen. Ich komme z.B. nicht drumrum, mich mit den Interessen von Familie und Freunden auseinander zu setzen. (Ich habe gefühlt so viele Ausarbeitungen von meinem Freund gelesen als hätte ich mit ihm studiert.) Was mir immer wieder auffällt:

Wir filtern automatisch für uns relevante Informationen.

Die reine Aufnahme von Informationen hat noch nichts mit Lernen bzw. Bildung zu tun. Nur wenn wir diese verinnerlichen und einen Mehrwert daraus ziehen, haben diese Informationen für uns einen Nutzen. Wenn man 30 Leute in eine Schulung setzt und nach einem halben Jahr fragt, was sie gelernt haben, wird jeder seinen Fokus etwas anders gelegt haben. Manch einer hat vielleicht gar nichts für sich mitgenommen. (Eine gut ausgelegte Schulung wird natürlich darauf zugeschnitten sein, dass allen möglichst die Hauptinhalte hängen bleiben.) Wenn es aber um „flüchtige“ Informationen geht, die wir uns nicht gezielt aneignen, sondern eher so nebenbei mitbekommen, so fokussiert sich jeder auf etwas anderes: Manchen Leuten fällt es schwer, sich 30 Lateinvokabeln zu merken, sie können einem aber gleichzeitig alle Automodelle von Mercedes und BMW aufzählen. Oder alle Fußballspieler sämtlicher Bundesliga- und Nationalmeisterschaften oder als Frau den Unterschied zwischen Kajal, Eyeliner, Lidschatten und Co. erklären.

Man lernt besser, wenn man einen persönlichen Bezug dazu hat.

Ich habe als Schülerin einige Tier- und Pflanzenarten gelernt. Aber da ich meine Survival-Skills leider nie benutzen konnte, sind diese schnell wieder in Vergessenheit geraten. Auch Geographie ist bei mir leider ein ganz schwieriges Thema, weil ich als Schülerin Deutschland nie verlassen habe und andere Kontinente  oder selbst andere deutsche Städte gefühlt soweit weg waren, dass dieses Wissen keine Relevanz für mich hatten.

Mit Spaß lernt es sich leichter.

Auch das ist wohl kein Geheimnis. Je mehr Spaß etwas macht, desto leichter fällt einem das Lernen. Deswegen ist für mich Selbstmotivation ein wichtiger Punkt, wenn es ums Lernen geht: Am Anfang muss man sich vielleicht zu einer Sache überwinden, aber je mehr man kann, desto mehr Spaß macht es und desto leichter fällt einem der weitere Fortschritt.

Was passiert, wenn ich meine Bildung vernachlässige?

Um es mit den Worten von Dummerchen (zu meinem vorigen Artikel) zu sagen:

..dass dieser Beitrag ein Stück weit auch „selbst-therapeutisch“ angelegt war, ist mir nicht entgangen. ;-)

Weiterstudieren oder nicht? -Das ist hier die Frage.

Zumindest taucht diese Frage immer wieder in meinem Kopf auf, obwohl ich nun seit fast 3 Jahren arbeite. Ich habe „nur“ den Bachelor gemacht, den man bald vielleicht schon bei jeder Kellog’s-Packung dazu gelegt bekommt. Ich erlebe immer mehr, die den Master in erster Linie des Titels wegen dranhängen. Bessere Karrierechancen, höhere Verdienstaussichten. Obwohl ich die Gedanken sehr gut verstehen kann, widerstrebt es mir, mir zusätzliche Arbeit aufzubürden und Zeit zu investieren, um ein weiteres Stück Papier in einen Ordner heften zu können. 2 Jahre meines Lebens zzgl. Gehaltsausfall oder zumindest Studiengebühren bis zu 20.000€ an privaten Hochschulen. Und wieso das Ganze? Weil ein Arbeitgeber mich wegen eines höheren Abschlusses vielleicht mehr schätzen könnte als ohne. Aktuell tröste ich mich damit, dass es nie zu spät ist, sich für eine Weiterbildung zu entscheiden und ich mich erst mal auf meinen Beruf konzentriere kann. Ich lerne in meinem Beruf auch jeden Tag dazu. Als Ingenieurin im Anlagenbau ist kein Projekt wie das andere. Obwohl ich als Kind immer sehr lernbereit war, setze ich mir mittlerweile bewusst Grenzen: Manchmal sollte man sich auf gewisse Dinge konzentrieren und sich nicht mit Informationen überladen. Wenn ich Lust habe, kann ich mich immer noch für was für anderes entscheiden.

Für Bildung ist es nie zu spät.

Eine zweite Ausbildung mit 40, Gasthörer mit 65? Jeder denkt da vielleicht ein bisschen anders drüber, aber ich lerne für mich und nicht für andere. Manchmal muss man sich vielleicht ein wenig zu etwas überwinden, obwohl man den Inhalt an sich nicht verkehrt findet.

Wenn man absolut keinen Spaß an einer Sache entwickelt, sollte man es lassen, weil selten was Ordentliches dabei rumkommt.

Wenn man hingegen auf etwas Lust zu lernen hat, obwohl es einen in erster Linie nicht finanziell weiterbringt, sollte man es verfolgen. Man weiß nie, wofür eine Sache gut sein kann. Gelerntes lässt sich manchmal auch auf andere Bereiche übertragen. Sofern es den Charakter formt oder einfach nur Entspannung neben dem Alltag schafft (Blog schreiben z.B.), hat man auch schon gewonnen.

(Und falls jemand von Informationen überflutet wird und nicht den ganzen Artikel lesen will, für den hebe ich immer brav die wichtigsten Sätze hervor. ;))

Was bedeutet Bildung für euch? Habt ihr schon mal „Nein“ zu einer bestimmten Weiterbildung gesagt oder euch bewusst einfach aus Spaß an der Freude für etwas entschieden?

 

Advertisements

29 Gedanken zu “Weiterbildung um jeden Preis?

  1. Hallo „Bald-wieder-Studentin?“,
    Ich gebe dir in einem Punkt vollkommen Recht: Vieles, was in der Schule gelehrt und gelernt wird, ist reiner Speicherplatz-Blockierer. Und noch viel schlimmer: wirklich wichtige Sachen werden kaum oder gar nicht besprochen. Ich weiß nicht wie oft ich irgendwelche Pflanzensammlungen erstellen sollte. Ich kann heute mit Mühe einen Ahorn- von einem Buchenbaum unterscheiden. Es hat mich aber such nie wirklich interessiert. Jeder hat eben andere Interessen. Und im Rahmen derer lernt es sich eben viel schneller und einfacher. Eine Erkenntnis, die typischerweise während dea Studiums eintritt…

    Zum Thema Bachelor: Bitte nicht zu tief stapeln, unsere Diplomer machen sich schon genug über uns lustig :) Ich habe den Master direkt drangehangen. Waren zwar zwei weitere Jahre, dafür aber war der Master um einiges leichter als der Bachelor. Der hingegen war echt hart.
    Ich fände es aber auch schwierig, jetzt nochmal Voll- oder Teilzeit ins Studium einzusteigen. Ich persönlich würde an deiner Stelle eher Weiterbildungen wahrnehmen, wenn sie dich interessieren und du glaubst, dass sie fur deinen Job sinnvoll sein können. Aber das muss natürlich jeder selbst für sich entscheiden.

    Ich nehme gerne Weiterbildungen meines Arbeitgebers an. Beruflich (und sicherlich auch persönlich) weiter, bringen mich aber vor allem die Projekte und die tägliche Arbeit.

    Gefällt mir

    • Mich bringen die Projekte aktuell auch am weitesten. Was ich im Beruf an Erfahrung sammel, dass kann mir kein Studium beibringen. Wenn ich mal an die Hochschule zurück gehe, dann eher als Dozentin und nicht als Studentin. Wobei ich mir den Master für ruhigere Zeiten aufhebe.

      Weiterbildungen sollte man wie du immer nutzen. Immer über den Tellerrand schauen.

      Den Bachelor bekommt man in manchen Studiengängen und an wenigen Hochschulen hinterher geworfen. War aber zu Diplomzeiten sicherlich auch schon so. Ich bin recht froh, dass ich nur 3 Jahre investieren musste, um ins Berufsleben einzusteigen. Man wird nicht automatisch ein besserer Berufseinsteiger, nur weil man länger studiert hat. Bei manchen ist es eher die durchs Alter gewonnene Reife.

      Gefällt mir

  2. Hallo Jenny,

    ein absolut tolles Thema, gut geschrieben und berechtigte Fragen!
    Was sollen wir heute noch lernen?
    Manche behaupten, man solle den Kindern die Lernerei nicht mehr antun, da sie sowieso vieles im Internet finden und praktischen einen Mausklick entfernt ist. Außerdem wird sowieso vieles vergessen. Lenkt das „vom Wesentlichen“ ab? Vielleicht ja, vielleicht nein – Voraussetzung: Man weiß, was für sich selbst das Wesentliche ist. Eine solide Basis sollte auf jeden Fall geschaffen werden.

    Ich habe „nur“ den Bachelor gemacht, den man bald vielleicht schon bei jeder Kellog’s-Packung dazu gelegt bekommt. Ich erlebe immer mehr, die den Master in erster Linie des Titels wegen dranhängen. Bessere Karrierechancen, höhere Verdienstaussichten.

    Absolut grandios! Auch in meinem Umfeld wird oft der Master als Zusatz drangehängt, „weil man eh nicht weiß was man machen soll“ oder einfach als Pluspunkt. In Österreich ists auch sehr oft die Titelgeilheit. Ob der akademische Grad wirklich ein besseres Gehalt bringt sei dahingestellt.

    Auch ich habe in Geschichte „nur“ den BA gemacht und den Master-Studiengang für Notfälle – da ich ein Stipendium bekommen würde – in der Hinterhand. Wirklich machen möchte ich ihn aber nicht mehr, dazu ist mir die Arbeitserfahrung+Jura mom. wichtiger.

    Bei der Weiterbildung bin ich der gleichen Meinung wie du. Man hat heute in jedem Alter und mit wenig Aufwand soooo viele Möglichkeiten etwas zu studieren, einen Kurs zu besuchen oä., dass es egal ist, wann oder wo dies geschieht.

    Was ich bei deinem Text herauslese und interpretiere ist eine deutliche Kritik am Bildungswahn. Durch den ständigen Vergleich mit anderen und alles ist sozusagen eine Ultimative-Neo-Aufklärung angebrochen, die unsere Gesellschaft die Worte „bildet euch, bildet euch, bildet euch“ gehörig einimpft. Egal wie, bilde dich einfach weiter, sonst bist du nichts. Das diese Impfung auch schädlich sein kann, sieht man an deiner Aussage (mit der du nicht alleine dastehtst) zum Bachelor.

    Wie du weißt, bin auch ich ein großer Freund von Weiterbildungen, hauptsächlich, weil ich mir meine Möglichkeiten in dieser Richtung früh verbaut habe, und in mühsamer Art und Weise nachholen konnte. Grundsätzlich sollte aber, und das kommt auch in deinem Text vor, das Lernen Spaß machen und nicht nur aufgrund extrinsischer Faktoren betrieben werden. Außerdem sollte ein Ziel vorliegen. Was will ich lernen? Warum? Und für was? „Alles“ geht ja meistens nicht, außer man hat viel Zeit ;).

    Bildung ist wichtig, aber mit Ziel. Sonst bringts’ ja nichts. Mein Beruf verlangt von mir sogar einen gewissen Bildungsfable, denn in der Onlinebranche ist nicht nur alles so schnelllebig, sondern auch die Tools müssen erlernt werden. Der allgemeine Bildungswahn ist zwar schön, wertet aber auch alle Abschlüsse in gewisser Weise ab. Zusätzlich sollte man aber noch eines beachten: Bildung schafft Persönlichkeit und eine Perspektivenerweiterung – was ich schlussendlich noch wichtiger finde.

    LG
    Johannes

    Gefällt mir

    • Du bist ein gutes Beispiel dafür, dass es letztlich auch im Interessen und Erfahrung statt um die Ausbildung alleine geht. Vom Geschichtsstudium zum Online-Marketing..

      Durch Interesse alleine kann man nicht jeden Job machen. Was ich in meinem Maschinenbaustudium fachlich gelernt habe, hätte ich mir kaum selbst aneignen können. Aber du hast richtig festgestellt, dass mir der Bildungswahn ein wenig zu schaffen macht. Weil ich keinen Schnitzer in meinem bisher vorzeigbaren Lebenslauf haben möchte und deswegen ein wenig das Gefühl habe, unter Zugzwang zu stehen.

      Aber bisher kann ich all meine Lebensentscheidungen mir gegenüber vertreten und das ist der Maßstab, an dem ich mich messe.

      Gefällt mir

  3. Jenny, es ist genau richtig dass du diese Frage überhaupt ernsthaft stellst: „lohnt es sich den master zu machen oder nicht?“.
    Ich bin in einen anderen Beruf großgeworden: IT, Programmierugn, Marketing. Ein Master habe ich zwar, habe aber fast nix dafür bezahlt und groß Aufwand/Zeit war es auch nicht. Bessere Karrierechancen waren NIE für mich ein Grund einen Master zu machen sondern eher die Chance mit Erasmus ins Ausland zu gehen. Meine Uni-Abschlüsse oder Master hat mich in meine Karriere nie weitergeholfen. Meine Projekte, die ich aus Neugier, Interesse und Spaß gemacht habe eher.
    Wenn mir mein Arbeitgeber gesagt hätte „Du kannst nur dann mehr verdienen wenn Du ein weiteren Stück Papier vorzeigst und 2 Jahre studierst“ dann hätte ich Ihm laut ausgelacht. Nicht aus Arroganz, sondern eher weil es schlicht und einfach dumm ist. Alleine deine Fähigkeiten, Erfahrung, Einstellung sollten zählen. Punkt.
    Nur weil „das System so ist“ oder „weil es jeder so macht“ muss man nicht alles so hinnehmen. Eher würde ich die Fragen stellen:
    – ob ich überhaupt in den richtigen „System“ spiele oder lieber in ein „System“ wechsele was eher zum meine Persönlichkeit passt. zBsp in eine kleinere, flexiblere Firma wechseln wo alleine dein Wissen zählt.
    – ob ich das System an sich ändere (zBsp Selbständigkeit, Hintertürchen usw)

    Was ich auf jeden Fall gemerkt habe: je größer die Firma, desto dümmer die Formalitäten, Vorschriften auch im Bezug auf Karrierechancen und Gehalt. Das passt zu mir überhaupt nicht. Selbst in eine kleine Firma hatte ich Schwierigkeiten mit überflüssige Prozesse.

    Ist echt lustig dass ich gerade zu einem ähnlichen Thema einen Post geschrieben habe: http://whatlifecouldbe.eu/2016/06/15/do-you-need-a-masters-degree-to-be-happy/
    Check it out.

    Gefällt mir

    • Da haben wir ein gutes Timing erwischt! Danke für den Link. Ich würde gerne das Gegenteil behaupten, aber mit Master oder Diplom ist der Arbeitgeber zu höheren Einstiegsgehältern bereit. Nur in Spezialfällen (Softwareprogrammierer ;)) mag das eine untergeordnete Rolle spielen. In meiner Branche sind die Aufstiegschancen ohne Master bzw. Diplom begrenzt. Gleichzeitig habe ich durch meine jetzige Berufserfahrung bessere Chancen auf „normale“Jobs als irgendein frischer Absolvent.

      Gefällt mir

  4. Hey Jenny,
    ich denke ähnlich, wie viele andere Bildung ist viel mehr die Erfahrung, welche wir im Leben machen. Dies kann natürlich auch in der Schule passieren. Bei schulischer Bildung finde ich es aber viel wichtiger die Grundlagen gut rüber zu bringen als dieses Detailkram im Abi. Den wer z.B. einmal Mathematik wirklich verstanden hat kann fast jede Gleichung grob verstehen. Die meisten Arbeiten jedoch nur ein Prozess ab.

    Von daher würde ich auch sagen man sollte lieber etwas lernen. Was einen begeistert. Weil dann kommt diese Grundlagenphase ganz von selbst. Ort und Zeit sind dabei vollkommen uninteressant. Kurz gefasst würde ich sagen:

    Bildung ist die Sammlung all unserer Erfahrung.

    Zur Weiterbildung habe ich noch nie nein gesagt, weil ich nie ein Angebot in der Art hatte. Weiterbildung wie das duale Studium und jetzt Fernuni waren immer Entscheidungen von mir. Grundsätzlich würde ich eine Weiterbildung ablehnen, wenn ich kein Spaß und Interesse an dem Thema habe.

    Gruß,
    mafis

    Gefällt mir

    • An Grundlagen in der Schule fehlt es oft. Viele schleppen sich mit negativen Mathe-Noten durchs Abitur, andere beherrschen die deutsche Rechtschreibung nicht. An sich lernt man auch einige interessante Dinge in der Schule, aber unser Bildungssysstem ist mehr darauf ausgelegt, Gelerntes abzuprüfen als zu gewährleisten, dass der Inhalt wirklich verstanden wurde.

      Gefällt mir

      • „unser Bildungssysstem ist mehr darauf ausgelegt, Gelerntes abzuprüfen als zu gewährleisten, dass der Inhalt wirklich verstanden wurde.“

        Wie gewährleistest Du, dass der Inhalt verstanden wurde, ohne dass Du Gelerntes abprüfst?

        Oder willst Du sagen, dass mehr Faktenwissen (Zahlen, Begriffe, Definitionen) abgeprüft wird als das Verständnis für und die Anwendung von Zusammenhängen, Abfolgen, Strategien etc.?

        Gefällt mir

  5. Hallo Jenny,

    toller Artikel! Jeder sollte meines Erachtens versuchen sich zu bilden und nicht nur auf dem Gelernten ausruhen. Es gibt so viel, was Mann und Frau im Laufe ihres Lebens auf den verschiedensten Gebieten lernen und erfahren können, dass ein Stehenbleiben überhaupt nicht nachvollziehbar ist. An jeder Ecke kann Input erfasst werden.
    Neben der schulischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung gibt es so viele Möglichkeiten sich Wissen und Erfahrungen anzueignen. Reisen, VHS, Aufbaustudium oder selbst bei ehrenamtlichen Tätigkeiten kann man sich bilden.
    Meinen Kids gebe ich das jeden Tag mit auf den Weg. Selbst für diese kleinen Menschen, die sehr wissbegierig sind, ist jeden Abend eine neue Geschichte und Erzählung wichtig. Vorher wird nicht geschlafen.

    Ich werde in naher Zukunft eine längere Weiterbildung beginnen, um meine beruflichen Skills zu verbessern. Privat gehört der regelmäßige Informationsaustausch und die Suche nach neuem Input zu meinen täglichen Routineaufgaben. Wer stehenbleibt verliert – für sich und im Verhältnis zum Rest der Gesellschaft.

    VG aus Stuttgart

    Gefällt mir

    • Stehen bleiben wird tatsächlich als negativ empfunden. Wobei ich an die vielen Hausfrauen denken muss, bei denen meist eine größere Lücke im Lebenslauf klafft. In meinem Beruf kann man schon nach 1-2 Jahren viel verpassen. Alleine die Softtware-Änderungen sind teilweise immens. Deswegen wäre ein Vollzeitstudium bei mir ein Rückschritt, weil ich dadurch aus meinen Beruf gerissen werden würde.

      Ist deine berufliche Weiterbildung privat oder vom Arbeitgeber organisiert?

      Gefällt mir

      • die mache ich privat. Ich hab lediglich im Büro die Onlinekurse zu machen. Preislich ist es aber halb so wild. Um jedoch die nächste Position in der Karriereleiter hochzuklettern brauch ich den Titel. Ob ich nachher mehr kann oder net ist erst einmal egal.

        Gefällt mir

  6. Holla, die Waldfee! Da hast Du aber jetzt ne Menge Themen in einem Artikel verquickt. Bildung, Ausbildung, Weiterbildung, Wissen, Informationen usw. usf.

    Ich weiß kaum, wo ich anfangen soll, daher versuche ich mich mal an Deinen Fragen zu orientieren:

    „Was bedeutet Bildung für euch?“
    Für mich ist Bildung auf jeden Fall etwas dauerhaftes, etwas, das auch in 20 Jahren noch von Bedeutung ist. Witzigerweise höre ich gerade während meiner Autofahrten „Bildung – Alles, was man wissen muß“ von Dietrich Schwanitz. Über die absolute Formulierung darf man natürlich streiten, aber ich genieße es doch, die tausenden Wissenslücken, die ich in den Bereichen Europäischer Geschichte, Kunst, Literatur, Musik, Philosophie usw. besitze, etwas zu verkleinern.
    Den Begriff des Dauerhaften würde ich auch als zentralen Gedanken beim Thema Schulbildung sehen. Es ist sicherlich ziemlich bescheuert gewesen, den Begriff der Kumuluswolke auswendig zu kennen, aber das Prinzip des Entstehens von Wolken, dem Kreislauf des Wassers etc. würde ich schon Bedeutung zusprechen. Vielleicht ist es dann auch ganz sinnvoll, mal gehört zu haben, welch putzige Namen die Formationen haben können. Keine Ahnung. So fundamentale Ideen wie Kreisläufe lassen sich nach dem Wissen über den Wasserkreislauf dann auch auf andere Themen übertragen und sind damit vielleicht von exemplarischer Bedeutung gewesen. Dass sich manche Themen insbesondere am speziellen Beispiel besser verdeutlichen lassen, mag ebenfalls zu dem (komischen) Auswendiglernen von Wolkennamen geführt haben.

    Berufliche Ausbildung oder Weiterbildung ist für mich aber etwas ganz anderes. Auch hier gibt es natürlich grundlegende Prinzipien, die es zu kennen gilt, aber insbesondere im Beruf sind diese allgemeinen Prinzipien ohne konkrete Umsetzung von keinem Nutzen. Es ist zwar wichtig zu wissen, was der Unterschied zwischen einer Klasse und einem Objekt ist (um mal so zu tun, als hätte ich Ahnung von Informatik). Bin ich aber nicht in der Lage, das in der von meinem Arbeitgeber geforderten Programmiersprache umzusetzen, hilft mir das Prinzipwissen leider nicht weiter. Ich brauche also Spezialwissen und oftmals auch Produktwissen. Dieses hat aber die unangenehme Eigenschaft mitunter schnell zu veralten. Mit meinen Word 2.0-Kenntnissen unter MS-DOS kann ich keinen Blumentopf mehr gewinnen. Auch Turbo Pascal wird eher selten Verwendung finden. Daher ist hier Weiterbildung dringend erforderlich.

    „Habt ihr schon mal „Nein“ zu einer bestimmten Weiterbildung gesagt?“
    Ich hatte immer die Möglichkeit, mich *für* bestimmte Weiterbildungen zu entscheiden. Das habe ich gerne getan, wobei ich es mitunter etwas schwierig empfunden habe, wenn die Gruppen aus Entwicklern sehr unterschiedlicher Bereiche mit sehr unterschiedlichen Vorwissen gebildet wurden. Einige kannten die Sprache/das Tool schon – die wollten nur die Tricks und Kniffe und ein paar Best-Practice-Hinweise haben. Die „Ahnungslosen“ wollten dagegen erstmal die Grundprinzipien kennen lernen. In meinen Augen endet das dann für beide Seiten im Unbefriedigten. Naja, ein klares Anforderungsprofil und Ziel des Kurses würde hier helfen und ist vielleicht auch nur in meiner Firma so suboptimal gelaufen. Ich würde aber natürlich Weiterbildungen ablehnen, wenn ich das Gefühl hätte, es geht nur darum, dass man vielleicht irgendwann, gegebenenfalls und unter Umstände in 2 Jahren mal ein Tool kennen sollte. Das ist Blödsinn.

    Das ist übrigens dann auch genau das Thema der Motivation – wenn ich weiß, warum ich etwas lernen soll/will, dann merke ich mir das auch. Dann weiß ich in 10 Jahren auch noch, was der Unterschied zwischen induktiv und deduktiv ist. Ahne ich beim Lernen aber schon, dass ich für die Tonne (oder nur für die nächste Prüfung) lerne, wird das nichts mit dauerhaftem Verinnerlichen.

    „oder euch bewusst einfach aus Spaß an der Freude für etwas entschieden?“
    Ja. Im Studium hatte ich am Rande auch Softwareentwicklung (C und so) – wie das aber alles so mit Mikrocontroller-Programmierung, dem Entwickeln von Schaltungen usw. usf. zusammenhing, habe ich im Studium nicht gelernt. Das habe ich mir alles zu Hause über das Internet selbst angeeignet und habe mir eigene Entwicklungskits zusammengebaut, frei erhältliche Entwicklungssoftware installiert und aus Spaß an der Freude damit herumgespielt. Wenig später wollte mein Arbeitgeber ein kleines Projekt entwickeln lassen und ich hatte mir gerade genau die Skills angeeignet, die man dafür brauchte und habe dann den Zuschlag bekommen und dabei wieder ne Menge gelernt. Mit der Erfahrung hat mich dann mein nächster Arbeitgeber als Embedded-Entwickler angestellt. Zwischen „Keinen Plan“ und „Ich werde dafür vollberuflich bezahlt“ lagen rund 3 Jahre.

    TLDR;
    Grundlagenwissen würde ich immer versuchen, mir anzueignen – das schadet nie. Spezialwissen habe ich immer so viel gelernt, wie ich für meinen Job brauche. Wenn ich weiß, wofür ich lerne, fällt es mir leicht, macht mir Spaß und geht nicht so schnell verloren. Wissen kann Türen öffnen – schaden tut’s nie.

    LG
    Dummerchen

    PS: Sorry für den Roman. Aber jetzt streich ich da nichts mehr raus.

    PPS: Deutschland ist Titel-geil. Bestimmte Türen öffnen sich nur beim Vorliegen formaler Kriterien. Zum Glück (s. Embedded-Entwickler) ist das nicht überall so. Ob ein Master Dir mehr Türen öffnet, weiß ich nicht. Bin noch aus der Dipl-Ing-Riege. Den angebotenen Dissertationsplatz habe ich damals abgelehnt. Hätte mir vielleicht im Nachhinein noch mehr Kohle/Aufstiegsmöglichkeiten gebracht – war aber nie mein Ziel.

    Gefällt mir

    • Wenn du Lust auf einen Gastartikel hast, einfach jederzeit bei mir melden. :D

      Ohne Master muss man sich als Normalsterblicher bei Porsche und Co. gar nicht erst auf leitende Stellen
      bewerben. Aber das ist für mich als Frau eh erst mal keine Option, sofern ich vielleicht mal ein paar Kinder in die Welt setzten sollte. Viele Reisetätigkeiten und Überstunden sind nicht mit Geld aufwiegbar, wenn man dafür das Privatleben opfern muss.

      Programmieren ist ein gutes Beispiel. Mein Freund hat mir html und css gezeigt und wollte mir auch Java beibringen. Klasse, Objekt, Getter und Setter.. Obwohl ich es für ein paar Wochen super verstanden habe und anwenden konnte, ist nun nach 1 Jahr fast alles wieder weg. Ein paar Grundlagen sind hängen geblieben, aber ohne Übung gerät sowas einfach wieder in Vergessenheit. Mit Excel ist es da viel leichter. Das brauche ich jeden Tag.

      Gefällt mir

  7. Interessanter Artikel. Ich will es jedoch von einer anderen Seite beleuchten. Obwohl ich von der Arbeit vergleichsweise nah am gelernten bin, würde ich in erster Linie behaupten, dass mir die Schul- und Universitätsbildung gebracht hat Muster, Vorgehensweisen und Systeme zu verstehen.

    Der Abschluss hat in erster Linie Signallisierungseffekte: du zeigst einem potentiellen Arbeitgeber, dass du potentiell fähig bist bestimmte Aufgaben zu erledigen. So funktioniert vielerseits das System – insbesondere in Konzernen. Als Entscheider willst du das Risiko mit einem Kandidaten minimieren und natürlich mit der Entscheidung nicht vom „Standard“ abweichen- warum also den Versuch mit einen exotischen Autodidakten ohne nennenswerten Bildungsabschluss machen? Wenn es gut geht, wird dich keiner loben, wenn es schief geht, dann bist du der Depp. Was zählt ist nun mal das Papier. Insofern sind Abschlüsse irgendwo Mittel zum Zweck. Kann man gut oder schlecht finden, in vielen Konzernen wird dieses System so gelebt. Da kannst du nun gegen das System poltern oder versuchen wie du dich mit dem System arrangieren bzw. positionieren kannst.

    Als „alter“ Diplomer hat mir jedoch das Hauptstudium am meisten Freude gebracht. Es hatte am ehesten den Charakter von Forschung. Daher hatte ich auch schon überlegt zu promovieren. Finanziell wird es sich jedoch nicht lohnen und die Freude am forschen könnte ich auch privat ausleben. Wenn mich etwas interessiert, dann kann ich es mir über entsprechende Literatur „reinziehen“, dazu brauche ich beispielsweise auch keinen VHS-Kurs oder solche Sachen. Aber jedem das seine.

    Die Frage die bleibt- Bildung wozu? Ist es um einen besseren Job zu bekommen oder für sich selbst? Viele sind m.E. viel zu sehr auf den Job fokussiert und hier entscheidet eigentlich eher der Wisch. Um im Job eine konkrete Aufgabe bewältigen zu können, das kann man sich oftmals innerhalb paar Stunden bis Monate meist antrainieren (je konkreter der Task desto schneller)- dazu braucht man nicht 4-5 Jahre studiert zu haben. Aber das Studium mag auch helfen, um zu wissen, wie man es sich antrainieren kann…

    Gefällt mir

    • Was mir auffällt, ist dass viele gleich über eine weitere Ausbildung oder ein Studium nachdenken, wenn sie mit ihrem Job nicht zufrieden sind. Oft reicht ein Jobwechsel. Oder wenn möglich der Quereinstieg in eine andere Branche.

      Dass ein Abschluss Rückschlüsse auf den Charakter zulässt, da kann ich nur zustimmen. Selbst Noten können einen Gesamteindruck über eine Person formen. In letzter Zeit hatte ich ein paar Bewerbungen fürs duale Studium auf meinem Tisch liegen und fand es interessant, wie ich plötzlich selbst anhand eines Lebenslaufs Menschen beurteilen muss. Der Lebenslauf entscheidet, wer überhaupt eingeladen wird. Das persönliche Gespräch zeigt dann erst, was sich wirklich hinter der Person verbirgt und was die Motivation für die Entscheidung ist. Ich hatte eine Kandidatin, die sich eigentlich nur beworben hat, weil ihr einfach nichts anderes eingefallen war und ihr jemand unsere Firma empfohlen hatte. Aber ohne Eigenantrieb kommt man nicht weit.

      Gefällt mir

      • Bist du unzufrieden mit deinem jetzigen Job?

        Bei mir würde ich es beispielsweise sehr differenziert betrachten. Erfüllt mich mein Job? Nein. Jedoch ist für mich das Leben nicht die Arbeit allein. Mein Job passt in das Gesamtgefüge meines gewollten Lebens. Er wirft genügend finanziell ab, um zu Leben und was auf die Seite zu legen. Habe aber dennoch genügend Freiheiten und Freizeit mich den Dingen des Lebens zuzuwidmen, die ich für mich als wichtig erachte. Die „Herausforderungen“ meiner Arbeit kann ich vergleichsweise locker als Spezialist in meinem Gebiet mit 90% Einsatz runterrödeln. Gehe daher vergleichsweise frisch und munter nach Hause, habe den Kopf frei und habe noch Energie für Aktivitäten, die mich erfüllen. Im Kontrast dazu sehe ich ehemalige Studienkollegen, die in die bekannten Häuser der Strategiebeartug gingen und bereits nach 3 Jahren wie wandelnde Leichen aussahen. Ständig unter Druck und Reisen zollt seinen Tribut.

        Das Nachdenken über eine weitere Ausbildung oder Studium kann oftmals auch ein gedanklicher Fluchtweg sein. Man muss sich individuell klar sein, was man will. Ich z.B. will keine klassische Karriere in der ich stupide in der Hierachie aufsteige. Manch einer mag darin seine Bestätigung finden. Aber alles hat seinen Preis.

        Natürlich gibt es in den Konzernen „Schablonen“, wonach Kandidaten überhaupt zum Einstellungsgespräch eingeladen werden. Insofern würde zu Weilen auch einen Abschluss als potentielle Eintrittskarte bezeichenen. Per se wird ein höherer Abschluss jedoch einen nicht glücklicher machen. Jedoch kann es einen an Erfahrungen reicher machen, die du schwerlich im Berufsleben machen kannst.

        Ja- der Eigenantrieb – ohne den kommt man nicht weiter. Doch bei einigen Zeitgenossen scheint mir, dass sie die Richtung nicht kennen, zu der sie streben wollen. Hektisch rennen sie von links nach rechts und wieder zurück. Da mag der vermeintlich langsame, der stoisch in eine Richtung geht und sein Ziel vor AUgen hat am Ende weiter kommen… ;-)

        Gefällt mir

      • Hi Akademicus,
        unzufrieden wäre gelogen. Zwiegespalten trifft es eher. Meine Arbeit ist ziemlich cool, aber mit vielen Überstunden und Stress verbunden. Also nichts mit 9 to 5-job und Kopf nach Feierabend ausschalten.

        Ich will nicht mal mit 50 an einem Herzinfarkt sterben. Gleichzeitig will ich keinen langweiligen Job ohne Herausforderung haben. Den gesunden Mittelweg suche ich noch.

        Gefällt mir

  8. Hi Jenny,
    Wie ich aus deinem Artikel lese, hast Du keine Lust, den Master jetzt zu machen, fühlst dich aber etwas verunsichert, weil der fehlende Master dir evtl. in der Zukunft Nachteile bringen könnte. Ich würde dir erstmal raten, weiter in deinem Beruf wichtige Erfahrungen zu sammeln, dich für die besonders interessante Projekte voll zu engagieren und dir evtl. privat dich in für dich interessante Themen weiter einzulesen. Es hat echt kein Sinn, den Master nur deswegen zu machen, weil alle andere es so machen. Hier sehe ich einen riesen Uterschied zwischen Deutschland und Großbritannien (wo ich herkomme). In Deutschland soll man einem protentiellen Arbeitgeber zeigen können, dass man sich sein ganzes Leben lang genau auf diese Stelle vorbereitet hat – Praktikums, Ausbildung, Bachelor, Master (in manchen Bereichen sogar auch dazu MBA und PhD). In Großbritannien hingegen ist es der norm, einfach irgendetwas zu studieren (nur bis zum Bachelor), dann einen Job in einem völlig anderen Bereich zu suchen. Die Firmen wollen die frische Uni-Absolventen die Sachen selbst beibringen, die für die Firma wichtig sind. Ein Studium beweist lediglich, dass man einen Mindestmaß an Intelligenz, Zuverlässigkeit, Disziplin und Durchhaltevermögen hat. Mehr nicht. Das finde ich auch gut so. Auf den deutschen Hamsterrad mich immer wieter ausbilden zu müssen würde ich nicht aushalten.

    Gefällt mir

    • Interessant, dass es in GB doch so anders läuft. An sich hatte ich nie Probleme mit dem deutschen Bildungssystem. Schulisch lief es bei mir alles immer, sodass ich mir selbst das Ziel der maximalen Bildung auf die Stirn geschrieben hatte. Jeder kann erreichen, was er will. Dir stehen alle Türen offen. Mir fallen gerade auf Anhieb 5 Leute in meinem Freundeskreis an, die nun mit Mitte 20 (ok, einer ist schon 31) ihren Doktor machen. Ich frage mich häufig, ob ich mein Potential nicht verschenke, weil ich nicht mit dem Strom fließe. Aber so wie du sagst, werde ich nun erst mal die Füße still halten. Widerwillig einen Master zu machen, macht für mich keinen Sinn. Letztens hatte ich innerhalb meiner eigenen Firma eine Art Vorstellungsgespräch. Dort ging es auch um das Thema, wo ich mich in ein paar Jahren sehe. Ich konnte wahrheitsgemäß sagen: Für meine 23 Jahre habe ich so viel erreicht, dass ich mir noch ein paar Sachen für später aufheben muss. Meine Gegenüber haben gelacht und fanden die Antwort verständlich.

      Gefällt mir

  9. Hi Jenny,

    ist schon eine doofe Situation hier in Deutschland. Wenn Du in Deinem Bereich (Ingenieurin) irgendwann ein größeres Rad drehen willst, kommst Du wohl an einem Master oder Doktor wohl nicht vorbei. So ticken die Uhren hier halt. Da kann ein Volltrottel kommen und wird Dein Vorgesetzter, nur weil er einen schnittigen Titel hat. Das kann frustrierend. Ein Titel zählt immer noch viel – zu viel! Darüber können wir schimpfen, aber ändern auch nichts dran.

    Siehe also Deinen Master als direkte Investition in Deine Karriere. Du kaufst einen Titel mit Geld und Zeit. Nicht mehr und nicht weniger. Wäge dabei ab, ob der Nutzen (zusätzliches Einkommen, Karriereentwicklung) die Kosten (Geld und Zeit) übersteigt. Du kannst dabei annehmen, dass Du kein für Dich persönlich materielles Wissen aus dem Studium mitnehmen wirst (falls doch, dann ist es ein unerwartetes Upside). Berücksichtige dabei auch, dass mit jedem zusätzlichen Lebensjahr schwieriger werden dürfte, den Master zu machen. Ganz besonders wenn der Schritt zu Kindern kommen sollte.

    Du solltest Dir Dein Leben lang zusätzliches Wissen aneignen. Gar keine Frage. Aber das kannst Du besser selbst in Form von Büchern und Kursen organisieren. Dann suchst Du Dir genau das aus, was Du lernen willst. Davon bleibt auch etwas hängen. Das Studium ist zur Aufnahme von Wissen nur bedingt geeignet.

    Nette Seiteneffekte vom Studium, neben dem Titelkauf, sind noch Netzwerkeffekte und einfach eine coole Zeit mit jungen Leuten :)

    Wenn Du zu dem Schluss kommen solltest, dass Du einen Titel brauchst um weiterzukommen, dann würde ich es an Deiner Stelle lieber früher als später machen.

    VG, Nico

    PS: Ich hatte während meiner Zeit in London überlegt einen MBA an einer der großen Londoner Business Schools zu machen. Hatte dann den Nutzen gegen die Kosten abgewogen und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass der zusätzliche Einkommenseffekt in keinem Verhältnis dazu steht, meine Freizeit in London zu opfern. Die war einfach deutlich wertvoller!

    Gefällt mir

    • Deine Entscheidung in London finde ich lobenswert! :) Und beruflich hat es dir, sofern ich das einschätzen kann, auch nicht geschadet.

      Wenn man ein bestimmtes Ziel verfolgt, muss man auch mal über Leichen gehen. Aber wenn man gut ist und sich auch entsprechend verkaufen kann, braucht man manchen Schnick-Schnack gar nicht. Falls ich mal jemals arbeitslos werden sollte und Probleme beim Finden einer neuen Arbeitsstelle haben sollte, ist so ein Master ein guter Lückenfüller im Lebenslauf. Sollte der Fall nicht eintreffen, habe ich mir 2 Jahre meines Lebens und Geld gespart. Falls ich einfach mal Langeweile und Lust auf was anderes habe, dann habe ich dazu alle Möglichkeiten.

      Gefällt mir

      • Es ist eine Sache der persönlichen Einstellung. Du bist einfach schon so weit, dass ein Studium für dich kein Lebensabschnitt (mehr) wäre. Und war es wahrscheinlich auch nie, eher die Notwendigkeit zum beruflichen Einstieg.
        Andernfalls wären es nicht zwei Jahre des Lebens gespart: Als Student hat man schließlich keine 50h Woche, sondern soviel Freizeit wie lange nicht mehr. Geld gespart ist klar, da bin ich bei dir.

        Gefällt mir

      • An sich habe ich mich immer nach dem typischen Studentenleben gesehnt. Durch meinen Freund habe ich ein wenig davon abbekommen. Tolle WG und WG-Partys, wenig Vorlesungen, wenig Klausuren, geringe Durchfallquoten, Auslandsaufenthalte und Geld verdienen durch Hiwi-Jobs. Aber beruflich wäre es eher ein Rückschritt. Wie du schon sagst: Der Bachelor war die Notwendigkeit zum Einstieg. Wobei ich das nicht ganz so krass formulieren würde. Mein Studium war inhaltlich echt interessant und eine wichtige Grundlage. Nur der Mehrwert vom Master erstreckt sich mir noch nicht ganz.

        Gefällt mir

  10. Hey,

    ich habe mich schon nach einem Jahr Arbeit nach Studienende dazu entschlossen den Job aufzugeben und den Master zu absolvieren. Ich war ein Stück weit unzufrieden und wollte etwas anderes sehen und ausprobieren. Leider steht in meinem Lebenslauf fett Hipster drin; ich habe drei Jahre IT Start-up Erfahrung. Daher haben mich nur Unternehmen mit schon bekannter Kultur eingeladen. Nicht dass ich die Kultur innerhalb der Unternehmen schlecht finde, aber es hätte sich nichts geändert.

    Seit Februar bin ich nun an der FU-Hagen eingeschrieben. Da ich mir die Module selbst zusammenstellen kann, beschäftige ich mich nun mit Themen für die ich nach der Arbeit kaum Zeit gehabt hätte. Ein netter Nebeneffekt ist dass ich studieren kann wo ich will. Daher nutze ich die Zeit um fleißig zu reisen, da ich nach dem Abitur direkt mit dem Bachelor angefangen habe. Ich kann also alles nachholen was ich verpasst habe. Zusätzlich habe ich mir ein einjahres freelancing Vertrag geschnappt. Funktioniert also alles prima. Sehe daher wie du dass der Spass nicht zu kurz kommen sollte.

    Am Ende bleibt sogar noch Geld fürs ETF Portfolio über.

    LG
    Daniel

    Gefällt mir

    • Klingt so als ob alles läuft. :) Die Fernuni Hagen hatte ich auch näher im Visir, aber in erster Linie wegen der geringen Kosten. Andere private Hochschulen sind teuer, bieten dafür aber vielversprechende Betreuung und Studienunterlagen. Hattest du schon Prüfungen für dein erstes Semester?

      Gefällt mir

      • Ne, hab meine Prüfungen erst im September/Oktober. Da ich nur mündliche Prüfungen habe, muss ich mit dem jeweiligen Professor einen Termin vereinbaren. Die mndl. Prüfungen finden immer in Hagen statt. Ich wollte dieses Semester erstmal schauen ob mir das Studium überhaupt zusagt. Da ich deshalb sehr spät angefragt habe, liegen die Prüfungstermine am Anfang vom nächsten Semester.

        Dein Blog gefällt mir übrigens. War bisher nur stiller Mitleser. Weiter so!

        Gefällt mir

  11. Pingback: In den Töpfen der Anderen #7 » Finanzküche

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s