Haben Männer und Frauen die gleichen Karrierechancen? (1/2) – In der Ausbildung

Wir leben mittlerweile in einer Gesellschaft, in der Frauen Männern rechtlich gleich gestellt sind und in manchen Bereichen gezielte Förderungen erhalten. Aber sind Frauen und Männer beruflich wirklich gleich gestellt? Teil 1 behandelt meine Erfahrungen bei Geschlechterunterschieden während der Schule, Studium und bei Weiterbildungen. Im Teil 2 werden die Karrierechancen im Beruf betrachtet.

Die Sensibilisierung des weiblichen Geschlechts für Männerberufe fängt mittlerweile früh an. Mädchen von der 5. bis zur  10. Klasse haben jährlich die Möglichkeit, am so genannten „Girls` Day“ einen Einblick in typische Männerberufe zu erhalten.  Für Jungs gibt es als Pendant einen „Boys‘ Day“. Diese Aktion bescherte mir als Schülerin nicht nur einen Tag schulfrei, sondern z.B. auch Einblicke in die Tätigkeit eines Zollamts.

In MINT- Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) werden gezielt weibliche Absolventinnen beworben. Jeder dritte Absolvent ist mittlerweile weiblich. Bei der Besetzung von Führungspositionen wird über eine Frauenquote heiß diskutiert, größere Unternehmen fördern bereits jetzt die Karriere von Frauen.

Gerade Männer stellen sich die Frage:
Ist die Förderung von Frauen nicht unfair?
Entscheidet bald das Geschlecht anstatt die Qualifikation über eine Beförderung?

Als junge Ingenieurin bin ich zwiegespalten über die aktuellen Entwicklungen. Ich gehöre einer aufstrebenden Generation an, der gesagt wurde:

Du kannst alles erreichen, was du willst!

Meine Erfahrung als Schülerin:
Wegen meines Geschlechts habe ich mich selten benachteiligt gefühlt. Das einzige, was ich gemerkt habe: Man traut einem Mädchen weniger zu. Nicht aus Böswilligkeit, sondern eher, weil es in den Köpfen der älteren Generationen so eingebrannt ist. Mädchen können kein Mathe und schon gar nicht Physik. Mein Vater, mit 3 Schwestern aufgewachsen,  ließ mich kein Rasen Mähen oder Reifen wechseln, dafür gab es ja meine Brüder. Als junges Mädchen oder junge Frau muss man erst mal genug Selbstbewusstsein entwickeln, um zu sagen: „Ich mach es aber trotzdem!“ Meine Entscheidung, Physik im Abitur als Hauptfach zu wählen oder Maschinenbau zu studieren, stieß nicht gerade auf Begeisterung bei meinen Eltern, aber akzeptieren mussten sie es trotzdem.

Meine Erfahrung als Studentin:
Meine Dozenten, gerade die älteren, freuten sich über jede junge Frau im Hörsaal. Einige Dozenten erwähnten, dass Frauen ihrer Erfahrung nach bessere Leistungen im Studium erbringen. So ganz pauschalisieren kann man das nicht, aber meine Kommilitoninnen und ich waren von den Noten her vorne mit dabei und auch im Beruf halte ich Frauen im Schnitt für ehrgeiziger als Männer. Dies liegt meiner Meinung nach an der Motivation: Wenn man sich als Frau für einen technischen Studiengang entscheidet, steht man voll dahinter und setzt die ganze Energie in das Studium. Bei jungen Männern wird manchmal aus der Not heraus ein gewisser Studiengang oder eine Ausbildung gewählt. Man will gut verdienen und kennt es vom Papa nicht anders, also macht man etwas Technisches. Was studiert man? Am besten irgendwas ohne NC.

Frauen vs. Männer:  Weiterführende Ausbildung oder Studium
Weiterbildung hat einen hohen Stellenwechsel in unserer Gesellschaft. Dank des Bachelorsystems kann man nach 3 Jahren Studium einen akademischen Abschluss erreichen. 3 Jahre sind nicht viel Zeit; da kann man auch mal halbherzig etwas anfangen, was nicht die erste Wahl ist. Gilt auch für eine Ausbildung. So schlimm es klingt:

Meine Generation weiß nicht, was sie will.

Bevor man gar nichts macht, macht man das, was sich gerade ergibt. Studienwechsel oder eine zweite Ausbildung danach stehen an der Tagesordnung. Es gibt durch G8 und das Bachelorsystem viele junge Leute, die wie ich mit Anfang 20 ins Berufsleben starten. Dem stehen nun aber auch viele Unentschlossene gegenüber, die mit Mitte 20 noch mal was Neues anfangen. Hier kommt der erste springende Punkt für Frauen:

Weiterbildung oder Familiengründung?

Wer mit Mitte/Ende 20 noch mal mindestens 2 Jahre eine Ausbildung oder einen Master/Techniker/Meister dran hängt und dann noch ein paar Jahre beruflich Fuß fassen will, kann sich ausrechnen, wann noch Zeit zur Familiengründung ist. Selbst, wenn man sich als Frau gegen eine Weiterbildung entscheidet, spielt die berufliche Situation des Partners eine wichtige Rolle. Wenn ich mir meinen Freundes- und Bekanntenkreis anschaue (statistisch nicht auf ganz Deutschland übertragbar) fällt mir auf, dass gerade Männer Probleme haben, beruflich „anzukommen“. Da wird auch mit 30 noch mal was ganz Neues ausprobiert.

Erkennt ihr euch im Beschriebenen wieder? Habt ihr selbst mehrere Ausbildungen hinter euch oder plant eine Weiterbildung?

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11 Gedanken zu “Haben Männer und Frauen die gleichen Karrierechancen? (1/2) – In der Ausbildung

  1. Ich halte Weiterbildung oder eine Neuorientierung nicht unbedingt für etwas schlechtes. Zumal das heutzutage mit Hilfe des Internets ziemlich leicht geht.

    Ich bin männlich und halte die Frauenquote für Schwachsinn. Nicht weil ich frauenfeindlich bin, keineswegs, nur viel mehr befürchte ich, dass die Stellen eben nicht mehr nach Leistung, sondern nach Geschlecht besetzt werden.

    Wie stehst Du zum Thema Frauenquote?

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  2. „Da wird auch mit 30 noch mal was ganz Neues ausprobiert.“
    Ich habe mit über 40 noch mal was ganz Neues gemacht(!). Ausprobieren klingt so vage und wenig zielorientiert. Vielleicht wolltest Du das auch zum Ausdruck bringen und bist hier ganz Meister Yodas Meinung: https://www.youtube.com/watch?v=LBV-zoANIsg ;-)

    Daher finde ich auch eine berufliche Umorientierung oder Weiterbildung per se nicht schlecht. Wer mit 20 noch nicht weiß, was ihm Erfüllung im Leben bringen wird, hat mein vollstes Verständnis. So schön es wäre, wenn wir alle schon früh wüssten, was uns glücklich macht, so schwierig fand ich es damals auch, mir eine fundierte(!) Meinung zu bilden. „Irgendwas mit Mathe und Physik“ ist es dann passend zu meinen Leistungskursen geworden und ich bin mit dem Beruf des Ingenieurs auch glücklich geworden. Mit zunehmender Berufserfahrung wird man ja (hoffentlich) immer besser im Beruf und damit wächst auch die Freude an (hoffentlich) immer komplexeren Aufgaben.

    Deine Erfahrungen zu Frauen im MINT-Bereich kann ich voll unterschreiben. In meinem Erstsemester waren knapp 2% Frauen und diese Handvoll hat das Studium auch durchgezogen. Ich denke, das liegt auch an der bewussten Entscheidung, sich in einem Männer-dominierten Beruf durchsetzen zu wollen. Vorurteile gibt es da leider noch immer genug. Der Wille, gegen diese Vorurteile erfolgreich sein zu wollen, wird sicher zu den Erfolgen von Frauen in diesem Bereich beitragen.

    Ich fand es immer sehr schade, dass nur so wenige Frauen im meinem Ingenieur-Umfeld tätig waren, da die Stimmung in gemischten Teams oftmals angenehmer war. Vielfach kamen die Kolleginnen aus den früheren „Ostblock“-Staaten, also Kroatien, Serbien, Rumänien, Ukraine, Russland, etc. Dort war es meiner Erfahrung nach total normal, dass Frauen technischen Berufen nachgingen. Das insbesondere in West-Deutschland geförderte Rollenverständnis der Hausfrau-und-Mutter hat den Grundstein dafür gelegt, dass man heute Girls Days braucht, um Frauen einen Beruf mit Karrierechancen näher zu bringen.

    Bin schon auf Deine Sicht bezüglich der Berufschancen gespannt.

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  3. Die Vielfältigkeit der Weiterbildung finde ich generell auch toll. Bildung ist bezahlbar und teilweise frei zugänglich in Deutschland. Gleichzeitig führt es aber auch zu einer Überqualifizierung, weil eine Ausbildung nicht mehr reicht. Jeder soll studieren, den Techniker oder Wirt machen. Da kann man im Beruf noch so eine Granate sein: Ein größeres Unternehmen stellt dich ohne entsprechenden Bildungsabschluss für höhere Positionen nicht ein und das finde ich schade. Heißt nicht, dass ich es schlecht finde, dass man heutzutage viele Möglichkeiten hat, sich zu verwirklichen. Ganz im Gegenteil. Ich finde es nur schade, dass man beruflich vielleicht auf der Strecke bleibt, wenn man es nicht tut. Ich sage es deswegen, weil ich „nur“ einen Bachelor mit 1,x habe und einen Master alleine deswegen in Erwägung ziehe, weil es im Lebenslauf schlüssiger wäre. Zum Thema Frauenquote schreibe ich im nächsten Beitrag noch ein bisschen mehr. Aber so viel vorweg: Die Frauenquote ist für mich eine Maßnahme, die das eigentliche Problem nicht löst.

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  4. Also Neuorientierung finde ich per se nichts wirklich schlechtes. Aber man sollte halt wirklich, wenn man es beginnt auch dahinter stehen. Dieses halbherzige mag ich dort am wenigsten. Entweder man macht es oder man lässt es halt bleiben. Bin ja sozusagen auch grade in der Neuorientierung, obwohl natürlich viel auf Basis meiner alten Sachen.

    Beim Thema Frauenquote bin ich ganz Kapitalist. Braucht man meiner Meinung nicht, wer leistet sollte dafür auch entsprechend bezahlt werden. Egal welches Geschlecht, Hautfarbe oder sonst noch was. Außerdem ist es für mich halt auch wieder versuchen am Ende des Problemes zu lösen. Man sollte halt wirklich einfach mal beim Umdenken anfangen.

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  5. @Dummerchen: Zum Thema Ausprobieren: Nach der Schule ist man jung, kennt die Welt noch nicht und kann gar nicht wissen, was einem Spaß macht und liegt. Da ist es oft naheliegend, sich erst mal an etwas zu versuchen und rechtzeitig zu wechseln, wenn es nicht passt. Gerne auch mittels Auslandsaufenthalt, Praktika.. Aber zu ziellos sollte man dabei auch nicht sein. Ich habe mich mit genug Leuten unterhalten, die sich für eine Ausbildung oder Studium entschieden haben, weil ihnen nichts Besseres einfiel. „Was machst du danach?“ – „Keine Ahnung, mal sehen.“ Oft ändert sich diese Einstellung bis zum Abschluss nicht. Konsequenz: Es wird noch mal was anderes begonnen, weil man in dem Bereich von Anfang an nicht wirklich arbeiten wollte. Wenn einem etwas überhaupt keinen Spaß macht, sollte man nicht trotzdem Jahre seines Lebens dafür verschwenden, sondern zumindest rechtzeitig wechseln. Denn ohne notwendige Motivation schafft man mit Pech den Abschluss gar nicht, nur mit schlechten Noten oder man braucht wesentlich länger. Im Beruf ist es ähnlich: Erst mal Erfahrung sammeln und dann weiterschauen. Da muss es nicht gleich eine neue Ausbildung sein, da reicht oft auch schon eine Weiterbildung oder ein Arbeitgeberwechsel.
    @mafis: Das Thema „halbherzig“ ist meiner Meinung ganz wichtig. Entweder ganz oder gar nicht; für alles andere ist die Lebenszeit zu schade; man tut sich selbst keinen Gefallen.

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  6. Das Problem der heutigen Jugend ist die verkürzte Schulzeit und bei den männlichen Jugendlichen der Wegfall der Wehrpflicht. Das bedeutet 1 bzw. 2 Jahre weniger Zeit zur Orientierung. Durch den gesellschaftlichen Druck macht man dann halt irgendwas, damit man was macht. Ansonsten steht man als ahnungsloser Jugendlicher da, der nichts mit sich anzufangen weiß. Daher finde ich ein Auslandsjahr oder BFD gar nicht so schlecht, denn in einem Jahr kommt man manchmal zu Erkenntnissen, von denen man nichts wusste. In manchen Augen ist das verschwendetet Zeit, aber lieber 1 Jahr davor richtig orientieren als 5 Jahre danach gezwungenermaßen umzuorientieren.

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  7. Ja, da habe ich auch einige Sachen im Hinterkopf, wo man einen Artikel oder mehrere mit füllen konnte. Ich habe selbst mit 17 mein Abi gemacht, musste mich also mit 16 für ein duales Studium bewerben. Für mich musste der Standardvertrag extra mit „Unterschrift der Erziehungsberechtigten“ ergänzt werden. :D Bei einem Mietvertrag wird es da auch schwieriger.

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  8. Ich als Aktionär und als Selbstständiger finde es eine Unverschämtheit das mir der Staat vorschreiben will wie ich mein Unternehmen zu besetzen habe. Eben so in der Rolle des Aktionärs, wenn Deutschland möchte das Firma XYZ, eine Frauenqoute hat bitte, dann möge der Staat die Firma kaufen und eine Quote setzen ansonsten nein Danke. Mir ist völlig wurscht ob Mann oder Frau auf einem Posten landet, solange es eine qualitative Entscheidung ist. Jetzt mal ganz abgesehen von der Vitamin B Problematik.

    Grüße Michael

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  9. Ich halte Weiterbildung für extrem wichtig. Vor allem aber in Dingen, die einen wirklich interessieren und hinter denen man steht.

    Selbst beginne ich kommenden Freitag mit meiner voraussichtlich letzten größeren Weiterbildung für ein Jahr. Danach wird sich Weiterbildung vermutlich nur noch auf Seminare bzw. Selbststudium von Themen beschränken.

    Witzigerweise beginne ich erst jetzt, mit der kommenden Weiterbildung, und nach bereits drei Jahren vorangegangener Weiterbildungen, mich vom Großteil der Menschen, die in meinem Bereich arbeiten, abzugrenzen und mich spürbar zu qualifizieren. Sämtliche vorangegangene Weiterbildungen dienten einzig dazu, nicht zurückzufallen.

    Und ja, das finde ich schade. Denn ich kenne auch genug Mitarbeiter (seien es ältere, in deren jungen Jahre diese Weiterbildungsmöglichkeiten noch nicht bestanden, aber auch jüngere, die sich lieber auf die aktuelle Tätigkeit konzentrieren und keine zusätzliche Belastung haben möchten) die dennoch hervorragende Arbeit leisten.

    Trotzdem habe auch ich oft das Gefühl, dass spätestens bei einem Arbeitgeberwechsel nur noch die Leistung auf dem Papier zählt.

    Einen großen Tätigkeitswechsel habe ich noch nicht hinter mir. In meiner Branche gefällt es mir, weil sie mich interessiert. Deswegen möchte ich dort auch bleiben und versuche mich einerseits durch die genannten Weiterbildungen abzusichern, auf der anderen Seite ist mein Interesse dafür so groß, dass es mir persönlich eben auch viel bringt. Während sich andere samstags in die Schule quälen, macht mir das frühe Aufstehen an den normalerweise freien Tagen nichts aus.

    Achja. Noch eine Beobachtung: Bei jedem der drei Stufen meiner Weiterbildung nahm die Teilnehmeranzahl ab und der relative Anteil an Frauen sank bei jeder Stufe.

    Viele Grüße,
    Marco

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  10. @Michael Kann da deinen Frust verstehen. Die Regierung ist nicht dafür bekannt, immer nützliche und langfristig sinnvolle Ideen zu haben.
    @Marco: Vielen Dank für diesen interessanten Einblick!! Gerade das mit dem Frauenanteil ist interessant. >>“Trotzdem habe auch ich oft das Gefühl, dass spätestens bei einem Arbeitgeberwechsel nur noch die Leistung auf dem Papier zählt.“
    – Genau das Gefühl habe ich leider auch. Für ältere Generationen ist dies besonders schwer; da hat man sich im Betrieb als Geselle hochgearbeitet und bei Jobverlust hebt man sich von anderen Bewerbern mit 20380803490 Weiterbildungen und 3 Doktortiteln nicht ab.

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