Sei geizig mit deiner Unterschrift

Wer einen Vertrag unterschreibt, tauscht meistens sein Geld gegen eine Leistung oder einen Sachwert ein. Es ist sinnvoll, die Rahmenbedingungen des Tauschgeschäftes genau zu definieren.

Es gibt für mich 2 Gründe, wieso ich ungern meine Unterschrift irgendwo drunter setze.

  1. Es ist mit Geld verbunden.
  2. Man bekommt nicht zwangsläufig das, was man erwartet hat.

Punkt 1: Verträge sind mit Geld verbunden.
Letzten Endes dreht sich alles irgendwo ums Geld: Wenn ich einen Vertrag meines Strom- oder Internetanbieters unterschreibe, will ich deren Leistung, sie meine Moneten. Das gleiche bei einem Mietvertrag, Zeitschriftenabo, Fitnessstudio oder einer Ratenfinanzierung. Es können einmalig hohe Kosten entstehen oder auch Verpflichtungen über einen längeren Zeitraum hinweg: 4 Jahre lang 600€ für das Leasing-Fahrzeug klingen machbar; man verliert den Job oder man lernt plötzlich die Traumfrau kennen, bekommt Nachwuchs und muss schauen, wie man den Geldverbrenner schnell los wird.

Punkt 2: Man bekommt nicht zwangsläufig das, was man erwartet hat.
Ich behaupte, dass die meisten Verbraucher ihre Verträge nicht richtig durchlesen oder nicht richtig verstehen. Mich teilweise eingeschlossen.

Als ich vor 2 Jahren zu meiner Hausbank ging, wurde mir ein Bausparvertrag angeboten. Die Konditionen waren nur noch wenige Tage gültig, deswegen habe ich schnell unterschrieben, nach dem Motto „Kann man ja nichts falsch machen.“ Die seitenlangen Erläuterungen zu meinem Vertrag habe ich dann zwar nachträglich noch gelesen, aber hätte mir da was nicht gepasst, hätte ich den Vertrag innerhalb von 14 Tagen widerrufen müssen. Meistens fallen einem „schlechte“ Bedingungen leider erst auf, wenn es bereits zu spät ist. In meinem Fall sind die Folgen noch relativ überschaubar, da ich nur einen kleinen Vertrag über 10.000€ abgeschlossen habe. Bei großen Entscheidungen, wie einem Hauskauf oder Hausbau, können lückenhafte oder ungünstig formulierte Verträge schnell existenzbedrohend sein. Besonders gravierend: Etwas wird etwas besprochen, aber nicht vertraglich festgehalten. Man darf nie zu vertrauensselig sein, nur weil das Gegenüber kompetent erscheint.

Deswegen mein Rat:
1. Meide unnötige Verträge

Je weniger Pflichten du hast, desto sorgloser lebt es sich und desto weniger gibst du im Schnitt aus. Ich bin als Konsequenz nicht mehr im Fitnessstudio und habe relativ wenige Versicherungen. Gerade bei Verträgen zur Altersvorsorge nicht von einem „Irgendwas muss man doch machen!“ oder „Besser werden die Konditionen nicht!“ irre leiten lassen. Selbst soziale Verpflichtungen (Heirat, Kinder, Haustiere) sollten nicht blauäugig angegangen werden.

2. Nimm dir Zeit, um den Vertrag zu verstehen

Wenn du dich dennoch für einen Vertragsabschluss entscheidest, dann wähle sorgfältig. Ich schließe bevorzugt Dinge online ab, weil ich mich dadurch vorab bereits ausreichend informieren und vergleichen kann. Durch diesen unpersönlichen Vertragsabschluss fühle ich mich nicht genötigt, etwas zu unterschreiben. Wenn mir eine Person gegenübersitzt, fühle ich mich oft  unter Druck gesetzt, weil der ach so nette Mann mir alles so nett erklärt hat und ja auch entlohnt werden will. Falls man um eine persönliche Beratung nicht drum rum kommt: Unterlagen mitnehmen und erst mal in Ruhe zuhause durchlesen. Wenn ein Berater auf eine sofortige Unterschrift drängt, ist er für mich der falsche Berater.

Bei meiner Haftpflicht- und meiner Unfallversicherung gibt es jeweils 40 Seiten „Verbraucherhinweise“. Da ich diese online abgeschlossen habe, habe ich zum einen teilweise günstigere Konditionen bekommen und zum anderen konnte ich mir viel Zeit nehmen, mir alles durchzulesen und zu verstehen.
– Ob man bei all dem Bürokratendeutsch immer alles richtig versteht, ist ein anderes Kapitel.

Habt ihr eine gesetzte Unterschrift bereits bereut oder lest ihr immer brav das Kleingedruckte?

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12 Gedanken zu “Sei geizig mit deiner Unterschrift

  1. Hallo Ex-Studentin,

    kann dir hier nur Recht geben. Im Zuge jugendlicher Dummheit habe ich da etwas zu viel unterschrieben und muss den ganzen Mist jetzt wieder umkehren. Das raubt Zeit und Nerven. Daher ein sehr schöner Artikel, den sich jeder zu Herzen nehmen sollte.

    VG

    Gefällt 1 Person

  2. Hey,
    ich habe „früher“ auch wirklich viel mehr einfach unterschrieben und danach gelesen. Zu viel den anderen vertraut.

    Mittlerweile betreibe ich auch eher ein Minimalismus bei den ganzen Verträgen. Und Verträge lese ich doch mittlerweile recht genau durch. Wie alelab schreibt man spart so einfach Zeit und Nerven.

    Gruß,
    mafis

    Gefällt 1 Person

    • Ich finde es echt bewundernswert, dass du mit so jungen Jahren das alles schon durchblickt hast! Wäre ich in deinem Alter so schlau gewesen, hätte ich mich einiges an Geld und Zeit gespart! Im Moment ärgern mich meine Riesterrente und den Fitnessstudiovertrag. Ich gehe nicht hin. Vertrag läuft aber noch bis August… Bei Riesterrente müsste ich schauen, aber ich glaube ich kündige das Ding und lass mir den wenigen Geld, woran ich noch komme, einfach auszahlen. Die Verträge sind absichtlich so konzipiert und formuliert, dass ein Normalsterblicher kein Chance hat, die zu verstehen. Es sei denn man hackt tausendmal nach. Und wer hat die Zeit dafür. Deswegen schließe ich den mafis an und werde ab jetzt eher minimalistisch mit den Verträgen umgehen.

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