Buchrezension: S.O.S.: Wie rette ich mein Geld?

Ich fühle mich ein wenig wie eine Beauty-Bloggerin: Mittlerweile bekomme ich freundliche Angebote per Mail, ob ich vielleicht an Kooperationen interessiert wäre. „Nebenbei“ arbeite ich auch noch Vollzeit als Ingenieurin und habe leider nicht all zu viel Freizeit. Da ich meinen Blog unentgeltlich betreibe, kann ich deswegen auch einfach mal „Nein“ sagen (so sehr es mich auch ehrt, dass ich überhaupt angeschrieben werde). Ab und zu sage ich dann doch mal „Ja, gerne!“.

Seit dem Buch „Reicher als die Geissens“ habe ich gemerkt, dass ein Buch zwischendrin eine gute Abwechslung zu reinem Internet-Content sind, weswegen ich rund 4-6 Sachbücher jedes Jahr lesen möchte. Ich habe keine Ahnung, wie Natascha von MadameMoneyPenny jede Woche ein Buch schafft. Hier kommt heute meine erste Buchrezension für dieses Jahr.

Wie ich auf das Buch aufmerksam wurde

Letztes Jahr bat mich ein Verlag um eine Rezension für ein neu erscheinendes Buch, was ich im Gegenzug kostenlos erhalten würde. Meine ToDo-Leseliste ist lang, weswegen das Buch „S.O.S. Wie rette ich mein Geld?“ von Robert Jakob ehrlich gesagt auch deswegen interessant klang, weil es laut dem Finanzrocker nur 2-3h zum Lesen benötigt. Eine ideale Lektüre, wenn ich mal wieder ein paar Stunden im Zug verbringe. Dazu noch ein reißerisch klingender Titel, modernes Cover, gute Bewertung vom Finanzrocker Daniel.. Da konnte ich nicht nein sagen.

Erster Eindruck und Gliederung

Das Buch hat 157 Seiten und 52 Kapitel. Die Kapitel sind mit durchschnittlich 3 Seiten also relativ kurz gehalten. Die Titel selbst sind teilweise recht eindeutig gewählt:  „Haben wir wirklich Deflation?“, ab und zu auch etwas schwammiger: „Aktienanleihen pfui, Wandelanleihen hui“  und bei wenigen lässt sich kaum erahnen, was man unter dem Kapitel findet: „Vorsicht vor fallenden Engeln“. Das Inhaltsverzeichnis erinnert durch die allein stehenden Kapitel ohne Unterkapitel an einen Blog. Die Gestaltung der Seiten ist optisch ansprechend und beinhaltet viele Schwarzweiß-Bilder. Am Ende erläutert Jakob in seinem Glossar noch mal die im Buch verwendeten Finanzbegriffe.

sos

Mein erster Eindruck des Buches war eher gemischt, da die Aufmachung des Buches selbst top wirkt, ich mit dem Inhaltsverzeichnis aber nicht so viel anfangen konnte.

Inhalt und Schreibstil

Der Titel lässt vermuten, dass unser Erspartes nicht so sicher ist, wie wir es gerne hätten.

Ich erhoffte mir von dem Lesen eine Antwort auf die Frage: „Wie schütze ich mein Geld vor einer Krise und vor dem Staat? Welche alternativen Anlagen gibt es?“

Denn sollte in einer Krise Geld benötigt werden oder die Kranken- oder Rentenkasse mehr Geld brauchen, wird logischerweise von denen Geld genommen, die welches haben. Während ich also auf Auto und Luxus verzichte, finanziere ich damit vielleicht mal einem Lebemann den Lungenkrebs und die Rente.

Zur Beantwortung seiner Titelfrage stellt der Autor ein großes Sammelsurium unterschiedlicher Anlagemöglichkeiten vor, kombiniert mit Humor und hübschen Grafiken. Er berichtet von historischen Ereignissen, insbesondere von staatlichen Eingriffen auf das Ersparte ihrer Bürger. In nahezu allen Kapiteln sagt er bei nahezu allem, dass die vorgestellte Anlagenform entweder undurchsichtig, unrentabel oder nur für Profis geeignet ist oder nicht vor Eingriffen vom Staat schützt.

Die optimale Geldanlage stellt er in seinen letzten Kapiteln vor und kann man in einem Satz zusammenfassen: Ein wenig Gold,  ETFs und Aktien.

Er stellt am Ende sogar ein Musterdepots für verschiedene Anlagesummen vor. Die Musterdepots halte ich für diskussionswürdig. Würdet ihr 20.000€ wie folgt aufteilen?

5.000 Euro UC Thomson Reuters B. European Convertible Bond UCIT ETF (LU1199448058)
5.000 Euro Amundi MSCI Emerging Markets ETF (FR0010959692)
5.000 Euro Comstage STOXX Europe 600 NR UCITS ETF (LU0378434582)
5.000 Eurp iShares MSCI World Minimum Volatility (IE00B8FHGS14)

Klingt für mich zu exotisch, auch wenn es nur „exemplarisch“ sein sollte. Ich bin sehr faul und sage selbst bei großen Depots: MSCI World und Emerging Markets reichen. Wenn ich richtig gesehen habe, ist der ETF von amundi in Deutschland sogar steuerhässlich (S.132).

amundi

Hier ein Ausschnitt von Bundesanzeiger

 

Was habe ich aus dem Buch mitgenommen?

Folgende Punkte sind mir hängen geblieben:

S. 9 Die größte Bank Zyperns kassierte, als das Bankensystem in Schieflage geriet, 47,5% des Vermögens oberhalb von 100.000€ ein. Trotz Einlagensicherung wollte man sogar Ersparnissen unterhalb der 100.000€ ein wenig was abzwacken.

S. 59 1933/34 wurde der Goldbesitz (bis auf einen minimalen Selbstbehalt) verboten und musste zu einem miesen Festpreis abgegeben werden. Bei wem illegales Gold gefunden wurde (im Tresor oder Bankschließfach), wurde unentgeltlich enteignet und mit hohen Geldstrafen oder gar Gefängnis bestraft.

S. 61 Geldscheine sind nicht aus Papier, sondern aus Baumwolle und gehen deswegen beim Waschen nicht kaputt. (… habe das Material aber nie hinterfragt.)

S. 110 Ein paar der deutschen DAX-Unternehmen sind zu über 80% in ausländischer Hand. Ausländische Anleger zahlen weniger Steuern als die Deutschen und schlagen dementsprechend lieber bei uns zu als wir Einheimischen. Mit dem Wegfall der Abgeltungssteuer und Versteuerung von Kapitalerträgen als Einkommen wird die Attraktivität der Börse in den Augen deutscher Anleger sicherlich nicht besser.

S. 142 Da Deutsche sich um ihr Erspartes sorgen und dadurch die Bereitschaft zur Auswanderung steigt, werden vermögende Leute teilweise vom Ausland mit offenen Armen begrüßt. Portugal z.B. würde 10 Jahre Steuerfreiheit verschenken.

Robert Jakob ist meines Wissens Schweizer, weswegen er er unsere staatlichen Vorsorgen wie Riester und bAV nicht erwähnt. An sich war ich ziemlich enttäuscht, dass kaum etwas über Immobilien geschrieben wurde. In der Schweiz muss man den „Eigenmietwert“ versteuern (die Miete, die man für die eigene Immobilie erhalten könnte), in Deutschland aber nicht, wodurch man als dadurch Eigennutzer Geld sparen kann. Es gab keine Erwähnung alternativer Anlagen wie Whiskey, Kunstobjekte oder meinetwegen auch Tabak, falls es mal zu einer apokalyptischen Krise käme.  Auf das Thema Auswandern kommt Jakob erst auf den letzten Seiten zu sprechen und bringt nur wenige Beispiele im Nebensatz. Aus meiner Sicht ist das Thema Auswandern damit viel zu kurz gekommen.

Würde ich das Buch noch mal kaufen und weiterempfehlen?

Ich würde das Buch meinen Lesern eher nicht empfehlen. Dass man das Buch als leichte Lektüre in wenigen Stunden lesen kann, war zu Beginn für mich etwas Positives. Aber eigentlich sollte das für ein Buch kein ausschlaggebendes Kriterium sein. Ich hatte aufgrund des Titels viel zu hohe Erwartungen. Man sollte ausdrücklich darauf hinweisen, dass es eine „nebenbei“-Lektüre ist. Es eignet weder zur Qualifizierung von Anfängern, noch zur Weiterbildung von Fortgeschrittenen. Für Anfänger werden viele Möglichkeiten auf 150 Seiten in den Raum geworfen und recht oberflächlich erklärt. Das Buch kann also maximal als Einstieg dienen, um von allem mal gehört zu haben. Die Zielgruppe des Buchs ist mir nicht ganz klar.

Der Autor hat sich durchaus bemüht (was man nicht gerne in einem Arbeitszeugnis liest), weswegen ich den Verlag vorher gefragt habe, ob ich überhaupt eine Rezension veröffentlichen darf. Der Verlag ist sehr offen mit der Kritik umgegangen und schrieb sogar, dass sie die Kritiken bei einer Neuauflage ggf. berücksichtigen.

Meine Rezension ist per Definition sehr subjektiv und hat vielleicht einfach nicht meinen Geschmack getroffen.

Hat vielleicht einer meiner Leser das Buch auch gelesen und konnte mehr Begeisterung entwickeln?

Neu: Erweiteter Blogroll in Menü

Ich werde immer mal gefragt, ob ich nicht einen weiteren Blog in meinen überschaubaren Blogroll aufnehmen möchte. Bisher nehme ich dort nur Blogs auf, bei denen ich selbst aktiv kommentiere. Bei vielen Blogs kann ich leider nicht so aktiv mitkommentieren, wie es mir lieb wäre und bin eher eine stille Mitleserin – schaue ab und zu einfach mal vorbei. Immer wieder stoße ich dabei auf neue Blogs. Um da noch den Überblick zu behalten, habe ich irgendwann angefangen, mir eine Liste zusammen zu stellen, damit ich diese wiederfinde (alle zu abonnieren wäre bei über 100 Blogs kontraproduktiv).

Nun möchte ich auch euch meine Liste zur Verfügung stellen. Nach Alphabet sortiert, ohne jegliche Wertung. Jedem gefällt was anderes, jeder Schreiber bringt seine persönliche Note mit ein. Da ich auch junge Blogger fördern möchte, haben manche Seiten nur wenige Beiträge. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Sollte ein Blog inaktiv sein, wäre ich über einen kurzen Kommentar froh. Lesenswert können die Inhalte aber trotzdem sein, weswegen ich diese in der Liste lassen und entsprechend als inaktiv kennzeichnen werde.

Nun wird meine Liste auch eure Liste!

Wenn ich dort einen Blog zum Thema Finanzen/Frugalismus/Minimalismus aufnehmen soll, einfach unter dem Blogroll kommentieren.

blogroll

So findet ihr den neuen, ultimativen Blogroll.

> Oder hier klicken <

Blogparade: Kleine Idee mit großer Wirkung

Jan von habitgym.de hat zu einer Blogparade mit dem Titel „Kleine Idee mit großer Wirkung“ aufgerufen. Auf seinem Blog geht es um Persönlichkeitsentwicklung, weswegen die Teilnehmer bisher über sehr unterschiedliche Themen geschrieben haben. Jan möchte wissen: Gab es eine Idee, die seinen Lesern plötzlich in den Sinn kam und ihr Leben auf den Kopf stellte? Wie verfolgt man eine solche Idee und welche Auswirkungen hatte diese?

Also krame ich mal ein wenig in meiner Vergangenheit..

Und ich berichte euch, wieso ich keinen Realschulabschluss habe.

Meine bisher einflussreichste Idee

Wenn ich mir mein kurzes Leben so anschaue, habe ich nun nicht unbedingt Berge versetzt, nicht mal Bäume ausgerissen. Mein Leben verläuft relativ geradlinig. Dennoch gibt es ein paar Eckpunkte in meinem Leben, die meinen Lebenslauf ein wenig von anderen abheben. Meine wichtigsten 2 Erkenntnisse im Leben:

Ich bin ein Stadtmensch.
Man kann über seine Grenzen hinauswachsen.
Weiterlesen

Byebye 2016, auf ins Jahr 2017!

Gerade noch Ostern mit der Familie verbracht, den Sommerurlaub genossen und schon steht wieder Weihnachten und Silvester vor der Tür. ZACK – das Jahr ist vorbei. Ich hoffe, ihr konntet die Feiertage genießen und Kraft für das Jahr 2017 tanken. Für mich ist die Zeit zwischen den Jahren immer sehr wichtig, um das Jahr Revue passieren zu lassen und voller Motivation ins nächste Jahr zu starten.

Bereits vor 2 Monaten durfte mein Blog seinen ersten Geburtstag feiern. Meine Bloggerkrankheit ist nun chronisch und ich muss mich mit dieser arrangieren. Das Bloggen hilft mir nicht nur beim Ordnen meiner Gedanken, sondern ich erfahre auch viel von euch und lerne stets dazu. Vielen Dank dafür!

Es freut mich, dass sich unter den Bloggern und Lesern eine tolerante Gemeinschaft gebildet hat, mit der man sich gemeinsam weiterentwickeln kann.

Weiterlesen

Buchrezension: Reicher als die Geissens

Ein Kollege riet mir, dieses Buch zu kaufen. Ein Buch für 6,95€, was mir die ganze Zeit als kostenlos angepriesen wurde. Ich begriff nicht, was mir das bringen sollte. „Jenny, ganz einfach: Du musst zwar etwas dafür zahlen, aber nach dem Lesen werden sich die Kosten schnell rentieren!“ Ich begann über seine Worte nachzudenken und verstand es immer noch nicht so recht. „Jenny. Denk doch mal nach: Musstest du nicht auch für andere Lehrbücher stets etwas zahlen und hattest dafür einen enormen Gegenwert? Denke alleine an deine Schulbildung und dein Studium, was du genießen durftest. Sind da 7€ nicht ebenfalls eine gute Investition, wenn du dadurch etwas für dein restliches Leben lernst?“ Als ich abends nachdenklich vor meinem Bücherregal stand, wurde mir klar, was er mir sagen wollte: Kostenloser Inhalt auf Websites ist zwar gut, aber manches Wissen hatte ich mir bisher nur aus speziellen Fachbüchern aneignen können. „Wird es unter all den käuflichen Büchern nicht auch mal Nieten geben? Weil der Autor mir das Geld aus der Tasche ziehen will, um seinen eigenen Geldbeutel zu füllen? Und gibt es nicht auch viele Bücher, die inhaltlich für mein Leben einfach keine Relevanz haben?“ fragte ich meinen Bekannten. „Eine gute Frage, Jenny. Deswegen wähle deine Bücher mit Bedacht. Selbst wenn ein paar Fehlkäufe dabei sind: Du wirst immer wieder ein Buch in deinen Händen halten, was dein Leben enorm verändern wird.“ Wow, endlich verstand ich, was er mir sagen wollte: Nicht jedes Buch ist sein Geld wert. Deswegen muss ich die Bücher ausfindig machen, die mir einen Mehrwert im Leben bieten und jeden Cent und noch viel mehr wert sein würden.

So in etwa beginnt typischerweise ein Kapitel in dem Buch „Reicher als die Geissens“ von Alex Fischer. Weiterlesen

Kognitive Dissonanz: Wieso ich ein „kostenloses“ Buch für 6,95€ gekauft habe

Alex Fischer macht seit einigen Monaten kräftig Werbung: „Bestelle dir noch heute mein kostenloses Buch!“. Wie ich im letzten Artikel bereits schrieb, kann ich bei Werbung nicht immer widerstehen. Ein kostenloses Buch von einem erfolgreichen Immobilien-Guru wollte ich mir nicht entgehen lassen. Deswegen ließ ich mich mehrere Wochen mit Newslettern berieseln, um gespannt auf die Veröffentlichung zu warten. Heute soll es nicht um den Inhalt des Buchs allein gehen, sondern um den Effekt, den es auf mich hatte.

Im ersten Teil geht es um den soziologischen Effekt der kognitiven Dissonanz, im zweiten Teil folgt eine Buchrezension über das Buch „Reicher als die XXX“.

Das „kostenlose“ Buch, das nicht kostenlos ist

Ich treibe mich genug in Foren und Blogs rum. Wenn ich mal Zeit zum Lesen habe, bevorzuge ich Romane statt Sachbücher. Da das Thema Immobilien in meinem Kopf vor Kurzem noch eine große Rolle spielte, fühlte ich mich jedoch quasi dazu verpflichtet, das Buch von Alex Fischer zu lesen. Da es auch noch als kostenlos angepriesen wurde, hatte ich keine Ausrede. Als es endlich raum kam, gab es eine Überraschung: Weiterlesen