Ist das Modell der Ehe veraltet? – (Scheidung) Teil 5

Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden.. Was wir früher als Kinder beim Seilspringen munter vor uns her sangen, wird für jede 3. Ehe nach rund 15 Jahren Realität. Man heiratet den tollsten Menschen auf der Welt, um sich manchmal von der schrecklichsten Person auf Erden zu trennen. Dabei sind die Beteiligten im Schnitt Mitte 40. Die Hälfte hat minderjährige Kinder. In meinem letzten Beitrag ging es um das Thema Trennung, heute geht es um die rechtlichen Konsequenzen einer Scheidung.

Für das unverheiratete Paar Adam und Eva hat dieser Artikel keine Relevanz. Für die Kinder wird Unterhalt gezahlt, jeder nimmt mit, was nachweislich ihm gehört und gemeinsamer Besitz wird aufgeteilt. Bei dem Ehepaar Romeo und Julia hingegen ist leider nicht auf Anhieb klar, wer was nach der Scheidung bekommt und wie viel Unterhalt fließt.

Bestandsaufnahme des Vermögens

Wie das Vermögen und die Schulden nach der Scheidung aufgeteilt werden, hängt von dem vereinbarten Güterstand der Paare ab. Ebenso ist es relevant, wie das Vermögen vor und zum Ende der Ehe verteilt war.

Romeo und Julia machen finanzielle Bestandsaufnahme:

Vor der Ehe
Er: -10.000€ Bafög-Schulden, 10.000 Tagesgeld, 5.000€ im Depot
→ Nettovermögen: 5.000€
Sie: 10.000€ Tagesgeld, 80.000€ Grundstück
→ Nettovermögen: 90.000€

Kurz vor der Scheidung
Er: -4.000 Bafög-Schulden, 5.000€ Tagesgeld, 15.000 im Depot
→ Nettovermögen: 16.000€
Sie: 5.000€ Tagesgeld
→ Nettovermögen: 5.000€
Gemeinsam: 10.000€ auf Gemeinschaftskonto, gemeinsames Haus (Wert: 400.000€, Schulden: 290.000€, Grundbucheintrag 50:50)
→ Nettovermögen: 120.00€ (60.000€ pro Person)
→ Nettovermögen Romeo+Julia+gemeinsam: 141.000€

Gütergemeinschaft, Zugewinngemeinschaft oder Gütertrennung?

Sollten beide Paare die gleiche ausländische Nationalität haben, gilt das ausländische Güterrecht. Bei unterschiedlichen Nationalitäten gilt das Recht des Aufenthaltsortes. Alternativ kann man in einem Ehevertrag festhalten, welches Recht im Falle einer Scheidung gültig ist. Ein Ehevertrag kann jederzeit auch nachträglich abgeschlossen und gemeinsam geändert werden. In meinem Beitrag geht es um die deutsche Gesetzgebung, welche zwischen 3 Güterstandsmodellen unterscheidet.

Gütergemeinschaft

In amerikanischen Filmen gibt es manchmal folgende Situation zu sehen: Ein junge Frau wickelt einen Mann um den Finger, er verzichtet aus lauter Liebe auf den Ehevertrag und nach der Scheidung zieht sie ihm den letzten Groschen aus der Tasche. Er verliert Haus und Firma und steht mit leeren Händen da.

Da kann ich euch beruhigen: Das gibt es nur im Film!

In Deutschland kann man notariell festhalten, dass im Falle einer Scheidung jeglicher Besitz und Schulden genau hälftig geteilt wird. Diese Art des Güterstandes ist jedoch sehr selten und nie bekommt der eine Partner alles und der andere nichts.

Beispiel
Romeo und Julia würden also Haus, Schulden, Wertpapiere genau 50:50 aufteilen. Obwohl Julia mehr in die Ehe gebracht hat, stünden von den 141.000€ jedem 70.500€ zu.

Gefahren
Man teilt nicht nur sein Vermögen, sondern auch die Schulden. Der Ex kann einen dadurch also mächtig in die Schei*e reiten.

Gütergemeinschaft ist ein absolutes No-Go!! 

Außer ihr steht kurz vor dem Tod, habt mehr als 500.000€ zu vererben und wollt damit die Erbschaftssteuer umgehen.

Zugewinngemeinschaft

Wer heiratet und notariell nichts anderes bekundet, lebt in Deutschland automatisch in einer Zugewinngemeinschaft. Nur das, was während der Ehe erwirtschaftet wird, gehört bei einer Scheidung jedem zur Hälfte. Was man vor der Ehe hatte, bleibt im eigenen Besitz. Wer Angst um sein Erbe hat, kann ebenfalls aufatmen:

Schenkungen und Erbe während der Ehe werden so behandelt, als hätten sie der Person bereits vor der Eheschließung gehört.

Dabei wird die Inflation bei Schenkungen und beim Anfangsvermögen berücksichtigt. Wertzuwächse von Immobilien, Wertpapieren oder der Lottogewinn werden als gemeinsam erwirtschaftet betrachtet. Das auf dem Papier nur ein Name steht, interessiert dabei erst mal nicht. Schulden werden zwar beim Zugewinnausgleich berücksichtigt, allerdings ist nur derjenige für die Schulden haftbar, der sie verursacht hat.

Beispiel Romeo / Julia
Rechnet man den Wert des Hauses (abzüglich Schulden) und das gemeinsame Geld auf dem Tagesgeldkonto jedem zur Hälfte zu, so ergibt sich folgendes Anfangs- und Endvermögen für die beiden:

Romeo: Anfangsvermögen: 5.000€ / Endvermögen: 76.000€
Julia: Anfangsvermögen: 90.000€ / Endvermögen: 65.000€

Gemeinsames Vermögen vor der Ehe: 95.000€
Gemeinsames Vermögen kurz vor der Scheidung: 141.000€

Welchen finanziellen Ausgleich würde ich erwarten? 

Bei 46k gemeinsamer Zugewinn (23.000€ pro Person) müsste Romeo mit 28k aus der Ehe gehen und Julia mit 113k (Falsch gedacht!).

Da die Inflation mit berücksichtigt werden muss, nutze ich für die Berechnung des Zugewinns einen Online-Rechner.

Zugewinnausgleich

Kein Ausgleich, falls man weniger hat als vor der Ehe

Dass Julia 30.000€ weniger als vor der Ehe hat, ist ihr „persönliches Pech“. Romeo muss ihr diesen Verlust nicht ausgleichen.

Wer Vermögen mit in die Ehe bringt, muss aufpassen: Man bleibt auf einem Verlust sitzen. Man muss zwar den eigenen Zugewinn ausgleichen, aber nicht den Verlust des anderen. D.h. egal, ob Julia 0€ oder 97.614€ nach der Ehe besitzt: Sie bekommt von Romeo nur seinen hälftigen Zugewinn in Höhe von 35.000€. Seit 2009 werden anfängliche Schulden immerhin berücksichtigt, sodass sich dadurch der Zugewinn während der Ehe erhöht. Somit hat Romeo am Ende rund 41.000€ (13.000€ mehr als erwartet), Julia 100.000€. Seine Bafög-Schulden darf Romeo weiterhin alleine abstottern.

Nicht zu vergessen: Auch die Altersvorsorge wird geteilt.

Beim Versorgungsausgleich gehen während der Ehe gesammelte Rentenpunkte/ private Altersvorsorgen jeweils zur Hälfte an den Expartner über. Dies geschieht automatisch bei Ehedauern ab 3 Jahren. Sollte der Ex vor Bezug der Rente sterben bzw. diese weniger als 36 Monate bezogen haben, kann der Ausgleich auf Antrag rückgängig gemacht werden. Scherz am Rande: Egal, ob ihr nach frei werdenden Immobilien Ausschau haltet oder eure Rente erhöhen wollt: Das Studieren von Todesanzeigen kann sich lohnen.

Gefahren

Gefahren gibt es leider unendlich viele. Hier sind 25 Fallen aufgelistet. Hier die aus meiner Sicht wichtigsten:

Es gibt keinen negativen Zugewinn! Wer sein ganzes Geld in ein Haus steckt, was beiden Partnern gehört oder dem Partner die Hälfte eines Grundstücks überschreibt, der hat Pech und sieht das Geld so schnell nicht wieder. Romeo könnte sogar argumentieren, dass er das Grundstück zur Hälfte geschenkt bekommen hat, was sein Anfangsvermögen um weitere 40k erhöht. Ebenso ist es gefährlich, wenn die Schwiegereltern nicht nur das eigene Kind, sondern auch dessen Partner im Testament berücksichtigen. Stattdessen sollte Romeo die Grundstückshälfte offiziell von Julia abkaufen bzw. ihr einen Schuldschein ausstellen. Wer unverhältnismäßig viel Geld ins gemeinsame Haus steckt, muss sich bewusst sein, dass dies nichts an dem geltenden Besitzverhältnis im Grundbuch ändert und dies als Schenkung ausgelegt werden kann.

Schenkungen der Eltern an das eigene Kind können aus einem weiteren Grund in die Hose gehen: Bei Bedürftigkeit können Schenkungen gegen den Willen der Eltern vom Sozialamt rückgängig gemacht werden bzw. der Beschenkte muss für ausstehende Pflegebeiträge aufkommen. Wenn Julia Pech hat, muss sie an das Amt die 80.000€ für das Grundstück zurückzahlen, selbst wenn sie das Grundstück weiterverschenkt hat. Deswegen sollte Julia ihren Eltern das Grundstück entweder abkaufen (aber nicht erheblich unter Wert, sonst gilt es trotzdem als Schenkung) oder eine Gegenleistung (Hilfe im Haushalt) dafür erbringen.

Auch das Ausbezahlen des Ex-Partners funktioniert so einfach: Um den Partner auszubezahlen, muss eine Immobilie oft verkauft und eine Vorfälligkeitsentschädigung an die Bank gezahlt werden. Wenn einer von beiden die Immobilie alleine behalten möchte, muss die Bank niemanden aus den Vertrag lassen. D.h. sollte Julia Romeo ausbezahlen, haftet er trotzdem noch für die Schulden und wird bei Zahlungsunfähigkeit von Julia zur Kasse gebeten.

Der Versorgungsausgleich ist unpraktisch, wenn einer von beiden selbstständig ist: Hat Julia z.B. halbtags gearbeitet, so muss sie die Rentenpunkte mit ihrem Romeo teilen – bekäme aber im Gegenzug nichts zurück.

Wenn einer der Ehepartner alles Geld vor der Scheidung verprasst, so kann man dagegen nicht viel unternehmen.

Wenn der Ehepartner in Saus und Braus lebt (Alkohol, Spielsucht) und bei der Scheidung wie zu Beginn der Ehe mit leeren Händen dasteht, wird er beim Zugewinnausgleich dafür belohnt. Wenn ihr hingegen mit eurem Depot mittlerweile Millionär und finanziell frei seid, dürft ihr die Hälfte abgeben. Immerhin darf man vor der Scheidung nicht einfach alles verschenken. Verschenktes Vermögen (ohne Einwilligung des Partners) wird beim Zugewinn trotzdem berücksichtigt.

Das Haus kurz vor der Ehe an den Bruder schenken: Funktioniert nicht.

Im Internet habe ich viel in Scheidungsforen gestöbert und diverse Rechtsurteile gelesen. Mir wurde dabei ziemlich schlecht.

Gütertrennung

Dieser Güterstand ist in Österreich ohne Ehevertrag Standard. Ich habe mich beim Schreiben meiner Beitragsreihe immer mehr mit der Gütertrennung angefreundet, obwohl diese Form in Deutschland bisher noch selten verbreitet ist.

Jeder behält einfach das, was ihm gehört.

Gemeinschaftliche Sachen werden durch 2 geteilt und jut is. Aber eine große Überraschung:

Versorgungsausgleich gibt’s trotzdem!

Wenn nicht ausdrücklich im Ehevertrag ausgeschlossen, findet trotzdem ein Ausgleich statt.

Gefahren

Bleibt Julia für die Kindererziehung zuhause und verzichtet auf ihre berufliche Karriere, so erhält sie bei der Scheidung keinen Ausgleich dafür. Positiver formuliert: Man muss bereits während der Ehe darauf achten, dass man finanziell von dem Partner nicht abhängig ist und einen entsprechenden Ausgleich direkt aushandeln (wie unverheiratete Partner auch), z.B. indem der Mann für die Frau eine private Altersvorsorge bespart.

Ebenso ist es wichtig, dass man in dem Ehevertrag die Gütertrennung für den Falle des Todes wieder aufhebt.

Da kein Zugewinnausgleich stattfindet, erbt der Ehegatte weniger bzw. muss ggf. mehr Erbschaftssteuer zahlen.

Unterhalt

Unterhalt für Kinder, Ex-Partner, pflegebedürftige Eltern, neuen Partner und Kinder.. Ayay, aus allen Richtungen kommen Unterhaltsforderungen.

Unterhalt für Kinder
Der Unterhalt für minderjährige Kinder hat stets Vorrang vor dem Unterhalt von Erwachsenen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Kinder aus erster Ehe, zweiter Ehe oder unehelich zur Welt gekommen sind. Hier wird wie im Artikel zuvor die Düsseldorfer Tabelle zu Rate gezogen. Die Tabelle gibt den Unterhalt an, wenn es 2 Unterhaltsberechtigte gibt (Mutter + Kind oder 2 Kinder). Gibt es weniger (1 Kind) wird man eine Gehaltsklasse hochgestuft, gibt es mehr (weitere Kinder, weitere Partner) wird man je 1 Klasse herabgestuft. Dies berechne ich nun anhand von unserem Musterpaar Romeo und Julia. Die gemeinsamen Kinder sind 2 und 6 Jahre alt. Romeo hat eine neue Partnerin und bekommt ein weiteres Kind. Wie in den letzten Artikeln hat Romeo 2.420€ netto zur Verfügung. Abzüglich 150€ berufsbedingter Kosten, geht er mit 2.270€ ins Rennen.

Unterhalt für 2 Kinder (2 und 6 Jahre alt)
Netto-Verdienst: 2.270€, Stufe 3
Kindesunterhalt: 377€ + 433€ = 810€
Abzüglich hälftigem Kindergeld 281€ + 337€= 618€
Netto nachher: 2.270€ – 618€ =1.652€

Unterhalt für Julia + 2 Kinder (2 und 6 Jahre alt)
Netto-Verdienst: 2.270€, Stufe 2
Kindesunterhalt: 360 + 413 = 773
Abzüglich hälftigem Kindergeld 264€ + 317€ = 581€
Netto nachher: 2.270€ – 581€ = 1.689€

Romeo zahlt Unterhalt für Julia, neue Partnerin + 3 Kinder (0, 2, 6 Jahre)
Netto-Verdienst: 2.270€, Stufe 1
Kindesunterhalt: 342 + 342 + 393 = 1077 €
Abzüglich hälftigem Kindergeld 246 + 246 + 294  = 786€
Netto nachher: 2.270€ – 786€ = 1.484€

Auf den Unterhaltzahlenden kommen noch weitere Kosten hinzu: Er darf die Kinder am Wochenende auf seine Kosten abholen und zurückbringen, ebenso für Klassenfahrten, KiTa, Nachhilge, Zahnspange und Co. zahlen. Dass er dabei selbst eine größere Wohnung braucht und die Kinder mitverpflegt, wird bei den Unterhaltszahlungen nicht berücksichtigt.

Romeo hat stets einen Selbstbehalt von 1.080€. Ggf. sogar mehr, falls er mehr als 380€ Warmmiete zahlt. Sollte das Gehalt von Romeo nicht für den Unterhalt aller Kinder reichen, so wird das verfügbare Einkommen oberhalb des Selbstbehalts unter allen Kindern anteilig aufgeteilt. Er ist dazu angehalten, ggf. sein Einkommen zu erhöhen (Aufgabe der Selbstständigkeit, Nebenjob).

Gefahren
Man vergisst das Herab-/Hochstufen, wenn sich die Anzahl der Unterhaltspflichtigen ändert oder deutet die Tabelle falsch. Kinder erster und zweiter Ehe sind nur in der Theorie gleichgestellt. In der Praxis werden dem Mann durch die neue Beziehung geringere Wohnkosten unterstellt, sodass der Selbstbehalt sinken kann und mehr Unterhalt an die erste Familie gezahlt werden muss. Bei der Berechnung des zugrunde liegenden Einkommens dürfen zudem Boni, Überstunden, Steuerrückzahlungen und Co. nicht vergessen werden.

Streitereien um den Unterhalt gehen schnell bis vors Familiengericht. Sollte umbemerkt zu wenig (oder zu viel) Unterhalt gezahlt worden sein, lässt sich das nachträglich nicht einklagen.

Auch mal was Positives
Man kann sich Kinder aus vorigen Beziehungen als „Zählkinder“ anrechnen, sodass man für die Kinder in der neuen Beziehung mehr Kindergeld bekommt. Das sind 6€ beim 3. Kind und 31€ beim 4. Kind mehr im Monat.

Betreuungsunterhalt
Der Unterhalt für die Kinder klingt überschaubar, wenn da nicht noch die Exfrau und die neue Flamme wären. Unabhängig vom Ring am Finger steht einer Mutter mindestens 3 Jahre nach der Geburt Betreuungsunterhalt zu (siehe voriger Beitrag). Der Vater des Kindes muss für das wegfallende Gehalt durch die Kindererziehung aufkommen (bzw. umgekehrt, falls der Vater zuhause bleibt).

Beispiel Betreuungsunterhalt
Netto Romeo nach Abzug Kindesunterhalt: 1.689€
Netto Julia vor Geburt des 2. Kindes (2.000€ brutto): 1.383€
Netto Julia während Kindererziehung (1000€ brutto): 792€
Ausfall durch Kindererziehung: 1.383€ – 792€ = 591€
Unterhaltszahlung: 489€ (da Romeo 1200€ Selbstbehalt hat).

Ehegattenunterhalt
Sofern dies im Ehevertrag nicht ausgeschlossen wurde, steht dem weniger Verdienenden Partner Ehegattenunterhalt zu, sofern er durch die Ehe Nachteile hatte oder aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann. Wie auch beim Trennungsunterhalt kommt die 3/7-Regelung zur Anwendung. Der Unterschied ist: Der Wenigerverdienende ist im Vergleich zur Trennungszeit nun verpflichtet, Vollzeit zu arbeiten. Dabei bekommt er normalerweise für mehrere Jahre befristet Aufstockungsunterhalt, bis er wieder ins voll ins Berufsleben zurückgefunden hat.

Beispiel Ehegattenunterhalt
Netto Romeo nach Abzug Kindesunterhalt: 1.689€
Netto Julia während Kindererziehung (1000€ brutto): 792€
Differenz: 1.689€ – 792€ = 897€
Unterhaltsanspruch: 898€*(3/7)= 384€

Bei niedrigen Einkommen kann man davon ausgehen, dass einem nur der Selbstbehalt übrig bleibt. Man hat als Paar die Möglichkeit, sich bei der Scheidung eigenständig zu einigen (z.B. Einmalzahlung, Sachwerte) bzw. freiwillig auf den Erhalt von Unterhalt verzichten.

Gefahren
Handwerker arbeiten oft schwarz und mindern dadurch ihr Einkommen. Sofern Kinder im Spiel sind, bleibt meistens nicht viel für den Betreuungs- und Ehegattenunterhalt übrig. Auf das Kindeswohl wird zudem nicht viel Rücksicht genommen: Sofern Kindergarten + Nanny die Kinderbetreuung abdecken können, müssen die Eltern ganztags arbeiten. Dass dabei beide von 08:00 – 18:00 Uhr außer Haus sind und man sich nebenbei auch noch um ihre Familie kümmern soll, interessiert erst mal nicht.

Generell gilt wieder das Prinzip des „persönlichen Pechs“: Wenn nichts zu holen ist, kann natürlich auch kein Geld fließen. Ebenso hat man nicht allein durch die Ehe ein Recht auf Unterhalt, sondern nur bei Ehedauern ab 3 Jahren und einem „ehebedingtem Nachteil“. Wer also schon vor der Ehe die gemeinsamen Kinder gehütet hat oder arbeitslos war, der hatte durch die Ehe keinen Nachteil.

Was man nicht vergessen darf: Der Unterhaltsanspruch kann durch eine neue Partnerschaft erlöschen (erneute Heirat, Kind mit neuem Partner). Wir erinnern uns: Längeres Zusammenwohnen (rund 2 Jahre) gilt bereits als eheähnliche Partnerschaft.

Für mich der kritischste Punkt bei einer Ehe:

In der „Not“ muss trotz Ehevertrag Unterhalt gezahlt werden.

Wenn der Ex-Partner schwer krank wird, kann man dauerhaft zur Kasse gebeten werden. Es heißt zwar „in guten wie in schlechten Zeiten“, aber wenn ich mich von meinem Partner aufgrund seiner Alkoholsucht, Fremdgeherei und cholerischen Anfälle trenne, ist es irgendwie makaber, dass ich dann für seinen Unterhalt aufkommen muss.

Romeo kann den Unterhalt nicht von der Steuer absetzen.

Wer schon als Ehepaar am Existenzminimum kratzt, hat nach der Scheidung nicht mehr zur Verfügung: Steuerklasse 1, getrennte Haushalte, Fahrtkosten am Wochenende. Während die Ehe ein paar Steuervorteile besitzt, heimsen Geschiedene alle so ziemlich alle Nachteile ein, die man nur haben kann.

Theorie leichter als die Praxis

Für wenn die Theorie schon schlimm klingt: Die Praxis ist nicht besser. Wenn man nicht in der Lage ist, sich im Guten zu trennen, endet es nun mal vor Gericht. Da eine Scheidung meistens mit Streit, Verbitterung, Existenzangst und anderen negativen Emotionen verbunden ist, zeigen Menschen sich von ihrer hässlichsten Seite, z.B. Verleumdung, Verweigerung der Unterhaltszahlungen und Räumung der Konten mit einem „Verklag mich doch“ auf den Lippen.

Zwischenfazit

Eigentlich habe ich mir ja geschworen, dass das der letzte Beitrag dieser Reihe wird, aber die Infos muss man erst mal sacken lassen. Viele Romantiker mögen mich dafür steinigen, dass ich die Ehe (und die Scheidung) nicht in das beste Licht stelle. Aber ich bin der Meinung: Wenn man gewisse Gefahren kennt, kann man diese viel besser vermeiden. Lieber vor dem Ja-Wort alle Eventualitäten klären als in ein offenes Messer zu rennen.

Der letzte Beitrag wird grob auf die Kosten einer Scheidung und des Ehevertrags eingehen und ebenso mein persönliches Fazit behandeln.

Seid ihr euch der Konsequenzen einer Trennung bewusst und wie sichert ihr euch dagegen ab? Habt ihr Scheidungserfahrung?

Ist das Modell der Ehe veraltet? (Trennung) – Teil 4

In dem vorigen Teil meiner Beitragsreihe ging es um finanzielle Aspekte und Rechte bei Ehepaaren und unverheirateten Paaren. Dort kamen verheiratete Paare besser weg, wenn ein Partner beruflich kürzer tritt oder wenn es um die gegenseitige Absicherung durch Schenkung, Erbe oder Rente geht. Der vierte Teil meiner Artikelreihe dreht sich um die Frage: Was geschieht, wenn die Musterpaare Romeo & Julia bzw. Adam & Eva sich trennen? Welche Kosten und Pflichten gehen mit der Trennung einher und wie kann man die schlimmsten potentiellen Streitpunkte vorsorglich umgehen? Weiterlesen

Blogparade: Mein Weg in die finanzielle Freiheit

Pascal von fyoumoney.de hat zur Blogparade aufgerufen. Es möchte wissen, wieso man Vermögensaufbau betreibt und welche Auswirkungen dieser auf das Leben seiner Leser hat. Viele interessante Artikel zu dem Thema wurden bereits veröffentlicht und ich finde es toll, wie viele private Einblicke man in das Leben der anderen Blogger bekommt – und dass, obwohl man als Blogger ja eigentlich ohnehin schon sehr viel aus seinem Leben Preis gibt.

Letztes Jahr habe ich bereits darüber geschrieben, dass ich nicht aus eigenem Wunsch finanziell frei werden möchte, sondern mich quasi dazu genötigt fühle. So richtig greifbar ist dieses Ziel für mich immer noch nicht. Dennoch hat es Einfluss auf mein jetziges Leben, wovon ich heute berichten möchte. Weiterlesen

Ist das Modell der Ehe veraltet? – (Finanzieller Vergleich) Teil 3

Die Ehe reiht sich in Reihe der „Lifestyle“-Entscheidungen ein, die man im Leben trifft: Immobilienkauf, Kinder, Selbstständigkeit, Investitionsstrategie. Heute möchte ich anhand von 2 Musterpaaren vergleichen, welche Auswirkungen ein Trauschein im Vergleich zur unehelichen Partnerschaft im Laufe des Lebens haben kann. Da der Artikel nun doch etwas länger geworden ist, geht es in diesem Teil um das Zusammenleben und die Familiengründung. Erst Teil 4 wird die Trennung behandeln. Weiterlesen

Ist das Modell der Ehe veraltet? – Nachteile der Ehe Teil 2

Rund 800.000 Menschen treten jedes Jahr von den Traualtar. Im Vergleich zur Generation unserer Eltern und Großeltern ist die Tendenz sinkend. Über 61% der Deutschen zwischen 27 und 59 sind verheiratet, vor 10 Jahren waren es rund 8% Prozent mehr. Auf Vorteile der Ehe und Gleichstellung von unverheirateten Paaren und Ehepartnern bin ich bereits in Teil 1 eingegangen. Heute geht es um die Verpflichtungen und Nachteile einer Ehe. Im nächsten Teil geht es um die Folgen einer Trennung anhand eines Musterpaares. Weiterlesen

Ist das Modell der Ehe veraltet? – Gleichstellung Teil 1

In meiner Familie und in meinem Bekanntenkreis fangen so langsam die ersten Hochzeiten an. Gleichzeitig gibt es viele Paare in meinem Freundeskreis, die jahrelang ohne Trauschein glücklich sind – mein Freund und ich sind ebenfalls seit über 5 Jahren zusammen. So langsam frage ich mich, ob Heiraten heutzutage überhaupt noch sinnvoll ist. Wie ihr wisst, geize ich mit meiner Unterschrift. Mit 24 bin ich rein statistisch noch 7 Jahre von einer Hochzeit entfernt und würde meine Rechten und Pflichten diesbezüglich gerne rechtzeitig wissen.

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Frauen in Deutschland heiraten immer später

(Männer heiraten im Schnitt mit knapp 34 Jahren das erste Mal.) Weiterlesen